(101) Ägypten-Ausstellung & Gitarrenfestival


Zwischen AMUN, RAMSES und dem Sonnengott RA! – „Land der Unsterblichkeit“ und ein spontanes Harfenkonzert der Mannheimer Musikschule erweiterten Horizonte!

Harfe 4  Mumie 3  Jannik 3  Harfe 3

Schon seit einigen Monaten stand der Besuch der Ägypten-Ausstellung „Land der Unsterblichkeit“ in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen auf unserem Programmplan, musste aber zu Gunsten einiger kurzfristigen und einmaligen Aktionen, wie zum Beispiel „Mannheim sagt JA!“ oder „Ludwigshafen ist bunt!“ immer wieder aufs Neue verschoben werden. Erst jetzt glückte uns die Realisierung des Besuches dieser einmaligen Ausstellung, von deren Kunstgegenstände wir leider keine Fotos machen durften, wir uns aber schon im Vorfeld bei Santiago Gomez für die zur Verfügung gestellten Pressefotos bedanken möchten. Die jeweiligen Bildunterschriften haben wir aus ästhetischen Gründen am Ende des Artikel beigefügt. 

(1) (2) (3) (4)
Amulett - Udjat Auge Der König opfert vor Thot-Pavian Mumiengestaltiger Sargdeckel Votivstele für eine Stutue Ramses II

Wunderschön in Glasvitrinen beleuchtet, präsentierte das Museum den Interessierten, sehr seltene und kostbare Schätze aus dem alten Ägypten. Viele Kunstgegenstände waren dabei älter als 2000 Jahre. Angefangen von den ersten handangefertigten Waffen, wie zum Beispiel Messer oder Pfeil und Bogen, über die berühmten eindrucksvollen sphinx-ähnlichen Köpfe vieler Götter, wie eine Statue des Hori und einer Würfelfigur des Amenemhat bis hin zu wunderschön in Stein gemeißelte Hieroglyphentafeln, gab es nahezu alles zu bestaunen, was die Menschen damals im täglichen Leben benutzt haben. Selbst sogar ein Spielzeugschiff, ein Modell unschätzbaren Wertes, war in einer gesonderten Glasvitrine ausgestellt. „Schaut mal da! Das könnte der Vorläufer des ersten Playmobil-Piraten-Schiffs gewesen sein!“, so unser erster Vorsitzender beim Betrachten dieses Modelles.

(5) (6) (7) (8)
Statue des Hori Segelschiff Scheintürtafel des Itju und der Inikaes Würfelfigur des Amenemhat

Je weiter wir in das Innere des Museum vordrangen, desto größer und wertvoller wurden die Ausstellungsstücke. Viele Götterfiguren, darunter die Standfigur des Ramaat und die Statuette des Gottes Ptah-Sokar-Osirisund, sowie andere antike Helden mit schier unaussprechlichen Namen, erwarteten uns im zweiten Raum, der ebenfalls ziemlich abgedunkelt war. Hier zierten auch einige bildschöne Mumienmasken und Totenbuchpapyrus die Wände. Mystische Bilder und Wandmalereien versetzten uns genauso ins Staunen, wie eine beleuchtete kleine Kammer, deren Säulen und Wände mit riesigen ägyptischen Symbolen und Kunstwerken verziert waren.

(9) (10) (11) (12)
Totenbuchpapyrus Standfigur des Ramaat Statuette des Gottes Ptah-Sokar-Osiris Mumienmaske

Die Höhepunkte der Ausstellung waren für uns aber unzweifelhaft die Jahrtausende alte Mumien Bild Nummer 3 – sowie die Sarkophage berühmter Gottheiten, die irgendwie an die Seele der flüsternden Mumie „Ra Orkons“, aus einem Fall der berühmten Drei Fragezeichen erinnerte. Das einzige Präsentationsbild dieser unendlich kostbaren letzten Ruhestätten ist ein mumiengestaltiger Sargdeckel, aus der Sammlung von Thomas Liepsner, dessen Herkunft allerdings unbekannt ist. Experten gehen aber davon aus, dass es sich um ein Anfertigung der 3. Zwischenzeit handelt, also ca. 750 vor Christus. Ein vergleichbares Exemplar stand uns auch im Spiel- und Lernbereich des Museums zur Verfügung, wo wir versuchen mussten die einzelnen Teile zu einem Ganzen zusammenzubauen.  

Bis zum 17. Mai 2015 läuft diese außergewöhnliche Ausstellung noch in den Reiss-Engelhorn-Museen, und ist nicht nur für Altertumsforscher oder Historiker wirklich sehenswert; zumal der Besucher Kunstwerke präsentiert bekommt, die er nicht alltäglich zu Gesicht bekommt.                                                           

Gitarrengruppe 2Nach gut 90-minütiger Inspiration, hatten wir noch jede Menge Zeit, und wollten auf jeden Fall noch etwas unternehmen. Während andere Jugendgruppen nach Beendigung einer Aktion in der Regel nach Hause fahren, organisieren unsere Betreuer oft spontan ein zusätzliches Programm. Diese Improvisationsfähigkeit ist quasi eines der ganz großen und lebenden Geheimnisse unseres Klubs, und da wir uns heute wieder einmal in der Kulturhauptstadt Mannheim befanden, hatten unsere Betreuer auch ganz schnell ein geniales Zusatzprogramm gefunden. Weit laufen mussten wir auch nicht, denn gerade um die Ecke der Reiss-Engelhorn-Museen veranstaltete die Mannheimer Musikschule einen Tag der Offenen Tür mit einem Gitarrenfestival.

Gitarrengruppe 7Als hätte es so sein sollen, kamen wir noch genau pünktlich zu dem ersten Auftritt der jüngsten Kindergitarrengruppe Young Emotions. Die ausschließlich aus Grundschülern und blutigen Anfängern bestehende Gruppe bot uns unter der Leitung von Herrn Walter Barbarino in den vier instrumentalen Akustikstücken – Auf Kapernfahrt von Lina Heidi Kistner, dem Can Can von Loïc Berlinghof, dem Cat Walk von Judith Wolter, sowie dem Mexican Hat Dance von Emina Meißner, wirklich junge Nachwuchsemotionen, die von den Zuschauern mit dankbaren Beifall gewürdigt wurden.

Nach einer Umbaupause, die wir dazu nutzten, um uns mit Kuchen und Erfrischungsgetränken zu stärken, überraschte die Mannheimer Musikschule die Besucher des Gitarrenfestivals mit einem Harfenkonzert. Die Harfe ist zwar keine Gitarre, aber es auch ein Zupfinstrument, und ein schwer zu erlernendes noch dazu. Hier bedarf es nicht nur Können, sondern auch einer sehr filigranen Feinmotorik, um dem Instrument diese zauberhaft-schönen Klänge zu entlocken, die uns ja besonders aus Märchenfilmen bekannt sind. 

Spieler 2Spieler 1Erster Solist war Johannes Pohlner, der uns mit dem „Konzert in B-Dur op. 4 Nr. 6“ ein Stück von Georg Friedrich Händel vortrug. Gekonnt spielte sich der junge Nachwuchsspieler durch die anspruchsvolle Partitur dieses gut 300 Jahre alten und bekannten klassischen Stückes. 

Als nächstes folgte mit Lili Schönfeld eine weitere junge Nachwuchskünstlerin, die Alfonso Haselmans „La Source“ zum Besten gab. Von nun an wurde es musikalisch genrespezifischer, und so erklangen fortan auch Werke, die für uns völlig unbekannt waren. Aber das Schöne am Animus Klub ist es, dass uns unsere Betreuer immer wieder ermöglichen neue Welten zu entdecken, sich auf sie einzulassen, Zugang zu ihnen zu finden, und wir dadurch unseren Horizont erweitern können. 

Harfe 4Dementsprechend interessant waren die Stücke „Pistache und Cannelle“ aus dem Werk Epices von Bernard Andrès, die sich vor allem durch ganz originelle Fingertappings auszeichnen. Mal wie eine Gitarre klingend, mal wie die weichen Töne eines Klaviers, präsentierte Annika Bertz mit ihrem Harfenspiel dem Publikum diese beiden Stücke, wobei wir, um die Musiker nicht in ihrer Konzentration zu stören, fortan keine Bilder gemacht haben. 

Harfe 2Als nächstes stand ein Harfenduett mit den Titeln „Roter Himmel und Blaue Wolken“ aus dem Werk Blaue Diamanten von Christian Pampuch an. Hier trat erneut Lili Schönfelder auf die Bühne und bot zusammen mit Amelie Schwarz, einer ebenfalls sehr jungen Musikerin dieses anmutige Duett, bei dem die beiden Harfenspielerinnen sowohl zusammen, als auch im Wechsel die Melodien und die Begleitungen darboten. 

Nicht weniger originell war auch das Harfen-Flöten-Duett „Spiegel im Spiegel“ des estnischen Komponisten Arvo Pärt, das im Anschluss daran von den beiden Geschwisterkindern Fiona Edler an der Harfe und Marlene Edler an der Flöte aufgeführt wurde. Spätestens jetzt waren wir wirklich im musikalischen Märchenland der schönen Klänge angekommen. „Ian“ Andersons Märchenparadies? 

Die melancholischen Töne der Flöte noch in den Ohren, folgte als Höhepunkt des Konzertes das höchst anspruchsvolle Stück „Ballade“ von Alfonso Haselmans. Präsentiert wurde dieses lange, und sehr abwechslungsreiche Werk, welches sich mal samtweich und melodiös, mal bizarr-virtuos und komplex entwickelte, von Annika Bertz, die hier noch einmal zeigen konnte, wie großartig sie die hohe Kunst Harfe zu spielen beherrscht. 

Mit dem langanhaltenden Applaus in den Ohren, traten wir dann wieder unseren Heimweg an, wobei mit der Musik der französischen „Les Enfoirés“ noch ein weiteres musikalisches Bon-Bon im Auto unseres ersten Vorsitzenden auf uns wartete.

 

 

Diese Berichte könnten euch auch interessieren:

Auschwitz Alles, les Bleus Offene Welten Internationales Frühstück

 

K♥banê Clou ARCHE-Vernissage La Barbe Neige

 

Die Bildunterschriften der Kunstwerke: 

1. Großes Amulett in Form eines Udjat-Auges Roemer- und Pelizaeus-Museum, Hildesheim Herkunft unbekannt Spätzeit, 25. Dynastie, 720-664 v. Chr. Fayence, polychrom glasiert; Br. 6,8 cm © Roemer- und Pelizaeus-Museum 2014, Foto: Sharokh Shalchi

2. Reliefblock aus einer Kapelle Ptolemaios‘ I.: Der König opfert vor dem Gott Thot in Paviangestalt Roemer- und Pelizaeus-Museum, Hildesheim Tuna el-Gebel Ptolemäerzeit, Ptolemaios I. Soter I.; 306-283 v. Chr. Kalkstein, bemalt; Br. 105 cm © Roemer- und Pelizaeus-Museum 2014, Foto: Sharokh Shalchi

3. Mumiengestaltiger Sargdeckel Sammlung Thomas Liepsner, Herkunft unbekannt 3. Zwischenzeit – Spätzeit, um 750 v. Chr. Holz, stuckiert und bemalt; H. 178 cm Der polychrom bemalte Sargdeckel ist mit verschiedenen religiösen Szenen dekoriert (z.B. wird im Zentrum eine Sonnenscheibe von einem geflügelten Skarabäus gehalten, verschiedene Totengötter umrahmen die Szene). Der Name des Verstorbenen lautet Padiaset. Er ist mehrmals bei den verschiedenen Götterdarstellungen in Hieroglyphenschrift genannt.

4. Votivstele für eine Statue Ramses‘ II. Roemer- und Pelizaeus-Museum, Hildesheim, Aus Piramesse Neues Reich, 19. Dyn., Zeit Ramses II.,1279-1213 v. Chr. Kalkstein; H. 24 cm © Roemer- und Pelizaeus-Museum 2014, Foto: Sharokh Shalchi

5. Statue des Hori Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim (Gekauft vom Förderkreis), Wohl aus Athribis Spätzeit, 26. Dynastie, um 570 v. Chr. Granodiorit, H. 19,4 cm © rem, Foto: Maria Schumann

6. Modell eines Segelschiffes Roemer- und Pelizaeus-Museum, Hildesheim, Wohl aus Mittelägypten Mittleres Reich, 11.-12. Dynastie, um 1940 v. Chr. Holz, stuckiert und bemalt, Leinen; L. 86 cm © Roemer- und Pelizaeus-Museum 2014, Foto: Sharokh Shalchi

7. Scheintürtafel des Itju und der Initkaes Roemer- und Pelizaeus-Museum, Hildesheim, Giza, Westfriedhof, Grab des Itju Altes Reich, 6. Dynastie, um 2250 v. Chr. Kalkstein, bemalt; Br. 57 cm © Roemer- und Pelizaeus-Museum 2014, Foto: Sharokh Shalchi

8. Würfelfigur des Amenemhat Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim (Gestiftet von Helga und Bernhard Friederich) Wohl aus Medamud Neues Reich, 18. Dynastie, um 1425 v. Chr. Granodiorit, H. 18 cm © rem, Foto: Maria Schumann

9. Totenbuchpapyrus des Amenemhat Sammlung Thomas Liepsner, Wohl aus Theben Neues Reich, 18. Dynastie, 1435-1400 v. Chr. Papyrus, beschriftet und bemalt; L. ca. 9 m Der fast 9 Meter lange Papyrus ist eine der frühsten bekannten ägyptischen Totenbuchtexte. Er ist mit zahlreichen farbigen Vignetten (Bilder) von hoher Qualität illustriert. © rem, Foto: Jean Christen

10. Standfigur des Ramaat Roemer- und Pelizaeus-Museum, Hildesheim, Giza, Westfriedhof, Mastaba D 80, Serdab Altes Reich, 5-6. Dynastie, um 2310 v. Chr. Kalkstein, bemalt; H. 52,3 cm © Roemer- und Pelizaeus-Museum 2014, Foto: Sharokh Shalchi

11. Statuette des Gottes Ptah-Sokar-Osiris Roemer- und Pelizaeus-Museum, Hildesheim, Herkunft unbekannt Spätzeit – Ptolemäerzeit, 4. Jh. v. Chr Holz; H. 55 cm © Roemer- und Pelizaeus-Museum 2014, Foto: Sharokh Shalchi

12. Mumienmaske eines Mannes Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim, Wohl aus Achmim Römerzeit, 2. Jh. n. Chr. Kartonage, bemalt; H. 34 cm Darstellung eines Mannes mit krausem Haar und Bart © rem, Foto: Jean Christen

 

 

ANIMUS KLUB

Neue Welten entdecken, sich auf sie einlassen können, um Zugang zu ihnen zu finden, erweitern nicht nur Horizonte, sondern bereichern auch das Leben und die Kreativität!

Mumie 1 Gitarrengruppe 6 Jannik 1 Loretta Harfe 1

„Hat euch unser Bericht gefallen?“ – Wenn ja, dann würden wir uns über euer „Like“ und einen Kommentar auf Facebook sehr freuen. Vielen Dank

Tweet about this on TwitterPrint this pageShare on Google+Share on FacebookEmail this to someone