(107) Roda gegen Rassismus


Heidelberger Capoeira-Akademie stellte Animus-Klub-Kids im Rhythmus der Musik vor ganz große und erschöpfende Herausforderungen!

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Es war das große und bewegungsintensive Finale der Heidelberger Veranstaltungsreihe gegen Rassismus. Zwei Wochenlang bot die Stadt jeden Tag für alle Altersstufen in mehreren unterschiedlichen Sparten Solidaritätsangebote gegen Rassismus an. Zwar ist es auf der einen Seite sehr wichtig, dass es diese Programme gibt; auf der anderen Seite ist es aber auch sehr sehr traurig, dass es vor allem bei uns in Deutschland Veranstaltungen gegen Fremdenfeindlichkeit oder Rassismus gibt, oder besser gesagt, geben muss.

Roda 2„Was bitteschön ist denn Roda?“, das fragte nicht nur eine Mutter unseren ersten Vorsitzenden Alexander Höfer, sondern das werden sich jetzt vielleicht auch einige Leser fragen. „Und was bitteschön ist Capoeira?“ (nicht zu verwechseln mit dem bekannten brasilianischen Cocktailgetränk Caipirinha) – Die einfache Information, dass Roda ein Teil von Capoeira ist, hilft dem Leser nicht wirklich sehr viel weiter. Deshalb möchten wir hier auch kurz erklären, um was es sich dabei eigentlich dreht.

Capoeira ist eine brasilianische Kampfkunst, oder besser gesagt ein Kampftanz, der einst von den aus Afrika stammenden Sklaven heimlich praktiziert wurde. Den Sklaven war es nämlich strengstens IMG_7801verboten zu kämpfen, und so fügten sie auf intelligente Weise Kampfstellungen und Akrobatik zu einem eigenständigen Tanz (Capoeira) zusammen. Tanzen war den Sklaven nämlich erlaubt. Begleitet wird die Capoeira deshalb auch immer von einer enorm rhythmischen Musik, die mit Congas, Handtrommeln und uns weniger bekannten Instrumenten wie der Berimbau, der Atabaque und der Pandeiro gespielt wird. Ebenfalls charakteristisch ist dabei ein kräftiger und einstimmiger Gesang der Außenstehenden bei der Roda, dem Zweikampf im Kreis. Dabei stehen sich die Kämpfer gegenüber und praktizieren synchron im Rhythmus der Musik sowohl Kampftechniken und Tanzschritte, als auch akrobatische Übungen, ohne sich dabei zu kontaktieren. Dieses Kämpfen nennt man auch miteinander spielen. 

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Und zu diesem Spiel waren heute nicht nur die Mitglieder der Akademie gekommen, sondern auch viele Interessierte, um gemeinsam ein friedliches Zeichen gegen Rassismus zu setzen.

So konnte der Leiter der Akademie Elton Nugget neben uns auch noch viele neue Gesichter begrüßen. Der aus Brasilien stammende Elton kam 2003 nach Deutschland und leitet seit dieser Zeit die Heidelberger Capoeira-Akademie, deren Anhängerschaft ständig wächst. Zusätzlich unterstützt er zusammen mit den Mitgliedern einige soziale Hilfsprojekte für kranke und notleidende Kinder in seiner Heimat Brasilien. Doch heute war er zunächst einmal sehr glücklich darüber, dass so viele Menschen gekommen waren, um bei seinem Training teilzunehmen.

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Auch wir waren gespannt darauf, wie unsere Kinder auf diese außergewöhnliche Kampfkunst reagieren würden, zumal das Kämpfen bei ihnen des Öfteren in den Mittelpunkt ihres Interesses rückt. Aber Kämpfen und richtiges Kämpfen, also das kontrollierte Erlenen von Kampfstellungen und Übungen, ist halt etwas ganz Anderes als einfach nur „drauflosschlagen oder dreschen“. Und so rutschte unseren Kindern schon ziemlich schnell ihr Herz in die Hose, und spätestens als sie sahen, was hier in den nächsten zwei Stunden auf sie zukommen würde, wurde ihnen doch ein wenig unheimlich. Sichtlich beeindruckt von den gekonnten und geschmeidigen Bewegungen der bereits erfahrenen Kämpfer, klinkten sie sich schon bald von dem sehr schweißtreibenden Training aus, und verfolgten lieber von außen das kämpferische Szenario, das sich über die komplette Halle verteilte.

Roda 2Nach dem Aufwärmtraining formierte sich die Gruppe dann zu einem Halbkreis zusammen und Elton wählte mehrere Kämpfer aus, die dann in einer bestimmten Stellung eine Zeitlang ausharren mussten. Auch hier gab die Musik die Richtung und die Dauer der Übungen vor. Danach bat uns Elton einen größeren Kreis zu formieren. Die Roda begann. Angetrieben von sich ständig wiederholenden kräftigen Rhythmusfolgen, die sich mäandernd durch die Gehörgänge schlängelte und beinahe hypnotisch wirkten, traten nun nacheinander Kämpfer in den Kreis, um gegeneinander zu spielen. Hierbei verblüfften die Kämpfer nicht nur mit einer exzellenten Körperbeherrschung, sondern auch mit ziemlich witziger Situationsakrobatik. So flossen schnelle Kampfbewegungen, geschmeidige Tanzschritte aber auch akrobatische Künste wie Kopfstände oder Handstandüberschläge wie aus einem Guss ineinander, und das kräftige rhythmische Mitklatschen der Außenstehenden, trieb die Kämpfer zusätzlich zu absoluten Höchstleistungen an.

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Gegen Ende richtete Elton noch ein paar sehr schöne Worte an die Teilnehmer. Er erzählte davon, dass er große Bedenken hatte vor über 20 Jahren nach Deutschland zu kommen, um hier eine Capoeira-Schule zu leiten. Die Vorbehalte vieler Deutschen gegenüber Ausländern und auch das Brennen von Asylandenheimen seinerzeit, hatte sich auch bis nach Brasilien herumgesprochen. Der Rassismus ist für ihn auch kein Deutsches Problem, sondern ein globales. So berichtete er davon, dass es in seinem IMG_8069Heimatland Brasilien wesentlich stärkere rassistische Tendenzen gäbe, als hier in Deutschland, wobei dieses Empfinden rein subjektiv wäre, und es auch immer darauf ankommt, in welcher Region eines Landes man lebt und aufwächst.

So ist und bleibt der Rassismus weltweit leider ein Phänomen, das aus einer Kombination schlechter Sozialisation, vorurteilsbehafteter Erziehung durch Eltern und einer sehr schwachen Schulbildung resultiert, und wird daher auch niemals vollständig von dieser Welt verschwinden.

Fazit: Roda ist eine hochinteressante Bewegungskunst, die sehr viel Kondition und Körperbeherrschung benötigt, aber dafür den Akteuren im Kreis unglaublich viel Spaß macht.

 

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ANIMUS KLUB

Wir leben in einer gefährlich intoleranten Zeit. Da müssen wir aufstehen und uns bemerkbar machen! – Kulturelle Vielfalt anzuerkennen ist die Lösung unserer Probleme! (Steve Hackett im Eclipsed-Interview – Die Stunde des Wolfes – Nr. 169 April 2015, Seite 49)    

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