(37) Kicks’n’Sticks & Jim Rotondi


„Jazz ist GEIL“ (Teil 2) – Kicks’n’Sticks & Jim Rotondi verwandelten Ludwigshafener Cafédrale in das Ambiente eines New Yorker Jazz-Kellers!

Band 07

Zwei Wochen nach dem fulminanten Auftritt mit der Big Band „Jazz Attack“ von der Ludwigshafener Musikschule, stand Frank Runhof erneut vor der Terrasse der Cafédrale La Torro Da Angelo, um seine Band Kicks’n’Sticks durch die New Yorker Jazz-Szene zu dirigieren. Die New Yorker Jazz-Szene ist eine ganz besondere, und wer schon einmal in New York war, und einen der berühmten Jazz-Keller besucht hat, der weiß, welche funkensprühende Atmosphäre die Musik in diesen Räumlichkeiten veranstaltet. So war uns natürlich von vorneherein klar, dass es dieses Mal sicherlich keine so eingängigen und radiotauglichen Songs gäben würde, wie beim letzten Mal; dafür aber umso anspruchsvollere und virtuosere Arrangements ganz berühmter Vertreter dieses Genres.

Saxophon 1Band 06„Was? Ihr geht schon wieder auf ein Jazz-Festival? – Das ist doch nichts für Kinder und Jugendliche? – Die kennen diese Musik doch überhaupt nicht?“, mag vielleicht an dieser Stelle eine berechtigte Kritik sein, wobei wir uns jetzt aber auch nicht wirklich sicher sind, ob aus der Sicht des aktuellen „Jugendtrends“ irgendwelche „coolen“ Gangster-Rapper, die kein Musikinstrument spielen können, und häufig nur zu monoton programmierten und harten Computerbeats, einen absolut primitiven Wortjargon im Sprachgesang zum „Besten“ geben können, die idealeren Vorbilder für die musikalische Frühförderung unserer Kinder sind. Wie dem auch sei, wir zumindest, besuchen solche Konzertveranstaltungen wie diese unglaublich gerne, auch deshalb, weil wir unseren Kindern damit sowohl ihren musikalischen Horizont erweitern, als auch das richtige Erlernen eines Musikinstrumentes schmackhaft machen möchten.

Schmackhaft waren an diesem Abend aber zuerst einmal die tollen Pizzen und Pasten, die das mit Schweiß überströmte Bedienpersonal rund um Patrone Angelo fast im Akkordtempo aus der Küche zauberte. Auch die kühlen Getränke und das mediterrane Musikflair, das mit dem bekannten „Viva La Mama“ von Edoardo Bennato, in einer sehr angenehmen Lautstärke aus den Monitorboxen erklang, ließen die Schwüle dieses Abends vergessen, und eine sehr schöne Wohlfühlatmosphäre unter den vielen Gästen aufkommen.

Band 11Gegen 20.00 Uhr betraten dann die völlig in schwarz gekleideten Musiker von Kicks’n’Sticks die Terrasse und legten mit dem Stück „Swing Out“ von Bob Mintzer die Messlatte für den heutigen Abend schon ganz gehörig hoch, da sich die Band ziemlich nah an das Original hielt, und Paul Stoltze, Minzers langes Tenorsaxophon-Solo, sehr gut, in dem fast neun Minuten langen Lied, intonierte.

Gitarrist 02Nach dieser sehr schwungvollen Eröffnungsnummer, folgte als Nächstes Mike Sterns „Little Shoes“. Dieser Song ist im Original eigentlich ein sehr ruhiges, ja fast schon „chilliges“ Gitarreninstrumental, das durch seine bewegten Grooves beim Hörer unweigerlich Beach-Atmosphäre aufkommen lässt, wurde aber von Kick’n’Sticks so umarrangiert, dass die Bläser den Gitarristen Sebastian Böhlen und den Kontrabassisten Tobias Schmidt exzellent begleiten konnten. So entfaltete der Song eine ganz starke Mitklatschstimmung.

Rotondi 02Danach war es allerdings an der Zeit den Gast-Star des heutigen Abends zu präsentieren. Während in den Jahren zuvor, ausschließlich Musiker aus der Deutschen Jazz-Szene an dieser Veranstaltung teilgenommen haben, ist es den Verantwortlichen dieses Mal gelungen, keinen Geringeren als Jim Rotondi zu gewinnen. Der Anfang Fünfzigjährige Meister ist vor allem in der New Yorker Clubszene kein Unbekannter, und hat unter anderem auch schon mit Größen wie Ray Charles und George Coleman zusammen gespielt. Es erwartete die Zuschauer also ein absoluter Könner seines Fachs, der als erstes mit „Downtown Sounds“ einen seiner  Eigenkompositionen zum Besten gab.

Verstärkt von Paul Stoltze am Tenorsaxophon und Clemens Braun an der Trompete, spielte Rotondi, der auch als Dozent für den Bereich Jazz an der Universität in Wien tätig ist, mit einer Leichtigkeit und unter großem Szenenapplaus, ein Trompetensolo nach dem anderen, von denen wir euch hier auch ein kleines Appetithäppchen zur Anregung zeigen möchten.


Kicks’n’Sticks & Jim Rotondi – Live vor der CAFÉDRALE in Ludwigshafen

 

Als nächstes zollte die Band dem vor knapp drei Jahren verstorbenen Frank Foster Tribut, denn sie spielte von ihm das Stück „When Your Lover Has Gone“, das in den Siebzigern auch von Frank Keyboard & BassSinatra gesungen wurde. Kicks’n’Stick boten diesen Titel aber in einer reinen Instrumentalversion dar, bei dem sich vor allem Volker Engelberth am Klavier auszeichnen konnte.

Auch bei dem nächsten sehr souligen Song „If You Could See Me Now“, des mit 48 Jahren sehr früh verstorbenen, legendären Jazz-Pianisten Tadd Dameron, stand Volker Engelberth zu Beginn des Stücks erneut im Mittelpunkt des Geschehens, was sich allerdings gleich darauf änderte, weil die Band im Wechsel zwischen der Saxophone- und der Trompeten-Riege die Melodie des eigentlichen Trio 1Leadgesangs übernahm.

Als letztes Stück vor der Pause, präsentierte die Jazz-Combo die Wayne-Shorter-Komposition mit dem lustigen Namen „Ping Pong“. Hierbei machten nicht nur die Band, sondern allen voran die drei im Wechsel agierenden Solisten Rotondi (Trompete/Flügelhorn), Niko Seibold (Tenorsaxophone) und Olaf Schönborn (Posaune) dem Namen dieses Stückes alle Ehre, denn sie hauten den Zuschauern, unter ganz großen Beifallsstürmen, regelrecht ihre schnellen und modernen Jazz-Soli wie Ping-Pong-Bälle um die Ohren.

Die Pause kam deshalb ganz genau zur richtigen Zeit, denn die heißgeschwitzten Körper verlangten nach einer Erfrischung. Hier sorgte Angelos Eisbar für Furore, denn heute gab es zur großen Überraschung der Zuschauer das sogenannte Fußballweltmeisterangebot, sprich jeder Deutsche bekam drei Kugeln Eis für den Preis von zwei, und jeder Italiener musste, da Italien so kläglich in der Vorrunde ausgeschieden ist, drei Kugeln bezahlen, und bekam dafür aber nur zwei Kugeln ausgehändigt.

Band 09Nach so viel Italienischem Humor, ging es in die zweite Runde, und diese wurde mit der Komposition „The Jody Grind“ des gerade kürzlich im Juni dieses Jahres verstorbenen Horace Silvers eröffnet. Nach einem sehr wirren, ja fast schon progressiven Intro, erklangen die melodiösen Trompetenmelodien, die die Zuschauer sofort zum Mitklatschen und Mitswingen animierten. Ein großartiges Saxophonsolo von Olaf Schönborn, sowie Niko Seibold im Wechsel, krönte dieses Stück und erntete dementsprechend die volle Anerkennung des Publikums.

Danach wurde es richtig Latino-Rhythmisch, bzw. auch unglaublich kopflastig, denn die Band traute sich doch tatsächlich das sehr kompliziert spielbare Stück „Ojos de Rojo“ von Cedar Walton zu spielen. Dieses Großteils improvisierte Stück lebt förmlich aus der Kombination unterschiedlicher Schlagrhythmen und groovenden Kontrabassläufen einerseits, aber auch von improvisierten und schier endlos wirkenden Saxophonsoli andererseits. Was hier geboten wurde, war wirklich vom Feinsten, und ebnete wieder die Bühne für Jim Rotondi, der mit dem Song „Ruth“, seine zweite Eigenkomposition vortrug. Um dem Leser hier einen kleinen Eindruck davon zu bieten, was wir vor der Cafédrale erlebten, haben wir hier das Originalvideo dieses Songs von youtube verlinkt.

 

Jim Rotondi – Ruth – von dem Album Four of a kind



Nach diesem eher ruhigen Stück, folgte das für den Laien sehr komplexe „Night in Tunesia“ von Dizzy Gillespie, dem schwarzen Mann mit den froschdicken Backen. Wenig Melodie, aber dafür sehr viel solistisches Können, und das exakte Beherrschen unterschiedlicher Blastechniken, sowie das urplötzliche hochreißen der Trompete in die höchsten Tonlagen, charakterisieren dieses kurze Stück Rotondi 03moderner Jazz-Geschichte, das sicherlich nicht jedermanns Geschmack war, aber allemal für eine sehr gute Abwechslung vor dem großen Finale bot.

Für dieses hatten sich Kicks’n’Sticks etwas ganz Besonders überlegt, nämlich sie präsentierten den Song „African Skies“ von der Saxophon-Legende Michael Brecker, dem jüngeren, aber leider auch schon verstorbenen Teil der berühmten Brecker-Brothers. Die Brecker Brother waren in Band 13den frühen Achtzigern auch als Fusionsband kommerziell sehr erfolgreich, und gelten heute noch als Inbegriff für  unglaublich virtuose und tiefgehende Instrumentenbeherrschung. Dort, wo sie spielten, ging im wahrsten Sinne des Wortes immer die Post ab; so auch beim großen Finale des Konzertes vor der Cafédrale in Ludwigshafen. Ein dementsprechend gebührender und langanhaltender Applaus ließ die Band dann wirklich nicht umherkommen, den Zuschauern noch mit dem kurzen, aber sehr eingängigen Gospellied „Precious Lord Take My Hand“, eine wunderschöne Zugabe zu bieten. Danach war allerdings Schluss, denn die Uhr zeigte schon wieder weit nach 22.00 Uhr, und auch wir mussten uns schleunigst auf den Heimweg machen, weil uns bereits am nächsten Tag ein anderes Großereignis erwartete. Doch davon am Freitag mehr.

 

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