(407) Polizeibootfahren 2017


ANIMUS-KLUB genoss zusammen mit der Arabischen Schule ASSALAM eine besondere Fahrt mit dem Polizeiboot des TECHNOSEUMS auf dem Neckar!

       

Es ist ein ganz großes Phänomen. Vielleicht ist es auch unser ganz persönliches Phänomen, dass es bei unseren Outdoor-Veranstaltungen nicht regnet, oder immer erst dann anfängt zu regnen, wenn wir mit unserem Programm fertig sind. So wie es aussieht scheint es tatsächlich so etwas wie einen Wettergott zu geben, zumindest für uns, denn bei bisher 237 Outdoor-Programmen regnete es in den letzten dreieinhalb Jahren nur ganze vier Mal. Ein beachtlicher Schnitt, der vor allem unsere Verantwortlichen selbst auch dann positiv stimmt, wenn ganz dunkle und düstere Wolken aufziehen, oder wenn es kurz vor Programmbeginn noch in Strömen regnet.

Goss es auf der Fahrt nach Mannheim noch bis Rheinau wie aus Eimern, tröpfelte es beim Passieren Neckaraus nur noch minimal, und beim Collini-Center hörte es dann gänzlich auf zu regnen. Strahlender Sonnenschein begrüßte uns am Kai des Neckars.

„Museumsschiff wir kommen!“, sagte unser erster Vorsitzender begleitet mit einem breiten Grinsen, genauso wie im letzten Jahr, wohlwissend, dass es damals auch nach Regen aussah. Ein sehr schönes Déjà vu. Es regnete nämlich damals nicht.

So konnte unser speziell beim TECHNOSEUM angemeldetes Projekt beginnen. Speziell deshalb, weil wir noch Filmmaterial für unseren Präsentationsfilm benötigten, an dem wir seit nunmehr gut drei Jahren arbeiten, und ihn immer wieder mit neuen Szenen und Aktionsblöcken aus dem TECHNOSUM erweitern.

Krankheit, Prüfungen, Landheimaufenthalte und familiäre Verpflichtungen ließen an diesem Sonntag allerdings unseren geplanten Dreh, mangels Kinder, ein wenig ins Wanken bringen. Aus diesem Grund möchten wir uns an dieser Stelle ganz besonders bei unsere Kooperationspartnerin Frau Fouzia Hammoud von der Arabischen Schule Assalam bedanken, die heute einigen interessierten Schülern die Möglichkeit gab, einmal bei einem Programm des ANIMUS KLUBS hineinschnuppern zu können.

Kooperationen mit sichtbar aktiven Vereinen und vor allem mit Machern, sind derzeit, so wie es aussieht, die einzige Möglichkeit noch Kinder und Jugendliche zu erreichen, die wirklich Interesse am Leben, oder am Erleben von kulturell wertvollen Dingen haben. Diese beiden für das friedliche Zusammenleben sehr wichtigen Güter, sind nebst der Bildung und dem Lernen in den letzten Jahren spürbar gleichgültiger geworden, wie das auch der Hirnforscher Manfred Spitzer in seinen beiden letzten Büchern „DIGITALE DEMENZ“ und „CYBERKRANK“ ganz deutlich beschrieben hat. Beschäftigten sich vor 20 Jahren noch gut 80% der Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 11 und 18 Jahren mindestens einmal in der Woche aktiv in ihrer Freizeit mit etwas Sinnvollem, sind es heute gerade mal noch 62%, was bedeutet, dass 38% der Kinder und Jugendlichen überhaupt nichts mehr machen, also mit Ausnahme der „Digitalen Medien“ keine aktiven Hobbies oder Lebensinteressen mehr haben.

Diese traurige Entwicklung wirkt sich auch unmittelbar negativ auf das Vereinsleben aus. Dieses stirbt seit dem letzten Jahrzehnt merklich ab, was aber nicht nur an dem Desinteresse der Kinder und den Jugendlichen im Allgemeinen liegt, sondern auch an dem ständigen Pflegen einer ungesunden Rivalität, verbunden mit dem Streben eines nicht wirklich erstrebenswerten Zieles, nämlich, immer der Beste zu sein. Die Kombination aus der „Digitalen Welt“ einerseits, die insbesondere den schwachen Schülern das letzte Interesse am Lernen raubt, kombiniert mit dem ständigen Leistungsdruck in der Schule und der Freizeit, sowie den oftmals viel zu hohen Erwartungshaltungen der Eltern andererseits, wirken sich nicht nur belastend auf das Zusammenleben, sondern natürlich auch unmittelbar auf das Vereinsleben aus. Bestes Beispiel: Viele Fußballvereine sind heute daher nicht mehr in der Lage 11 Spieler für eine eigene A- oder B-Jugend zusammenzukriegen, und müssen mit mindestens einer Nachbargemeinde, manchmal sogar mit zwei Nachbargemeinden kooperieren, um überhaupt eine Mannschaft stellen zu können. 

Gerade in den Dörfern und kleineren Städten bis 15.000 Einwohnern ist aufgrund einer fehlenden kulturellen Bereicherung, sowie eines oftmals sehr monotonen Lebensalltags die „Digitale Demenz“ extrem spürbar. In Nußloch waren 1999, laut der damaligen Studie bereits 33% der Kinder und Jugendlichen zwischen 11 und 16 Jahren nicht in Vereinen integriert, wobei der prozentuale Anteil mit zunehmendem Alter extrem stieg. Heute dürften es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon gut 50%, wenn nicht sogar 60% Kinder und Jugendliche sein, die in ihrer Freizeit nichts  anderes mehr machen als vor den Geräten zu sitzen und Medien jeglicher Art exzessiv zu konsumieren.

Die arabische Lehrerin und Mannheimer Migrationsbeirätin Fouzia Hammoud erkennt dieses Problem ebenfalls schon seit geraumer Zeit. Auch sie findet es enorm wichtig, dass Kinder am Wochenende oder in ihrer Freizeit etwas erleben können, was ihr Leben, ihr Lernen, ihr Wissen und ihr Können nachhaltig bereichert. Und genau in diese Kerbe springen das Animus-Klub-Programm, und natürlich eine Fahrt mit dem Polizeiboot auf dem Neckar, verbunden mit einem Videodreh.

Gut gesichert und mit Schwimmwesten für den Ernstfall ausgestattet, durfte unsere Gruppe dann erst einmal erleben wie das Polizeiboot vom Heimathafen des Museumsschiffs ablegte. Wasser sprudelte wellenförmig seitwärts des Hecks, und gleichdarauf drehte das Boot Richtung Ludwigshafen.

Nun begann der spannende Teil der Fahrt, denn die Kinder konnten eines nach dem Anderen das Steuerrad übernehmen, und unter Anleitung der Bootsführer das kleine Schiff durch den Hafen lenken. Hierbei bekamen sie von den Verantwortlichen nicht nur erklärt, wie sie das Schiff sicher lenken müssen, sondern auch was die jeweiligen Anzeigen bedeuten, und auf welche Dinge man besonders achten muss.

Mit zunehmender Fahrt verdunkelte sich allerdings der Horizont, und es fing gen Ende ganz leicht an zu tröpfeln. Aber unsere beiden Jungs, die als letztes das Steuer des Polizeiboots übernahmen, brachten unsere Gruppe noch trockenen Fußes an die Anlegestelle zurück. Gerade das Museumsschiff und den Maschinenraum betreten, brach dann auch schon der Wolkenbruch los, und es regnete fortan Bindfäden. Wir bedanken uns sehr beim Polizeiboot-Team des TECHNOSUMS für diesen einmaligen Videodreh, und natürlich last but not least, auch im Namen der Assalam Schule beim ANIMUS-KLUB-Wettergott, der es heute erst dann regnen ließ, als wir unsere Outdoor-Aktion beendet hatten.

Bilder: Fouzia Hammoud & Chakib Mouzli

 

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ANIMUS KLUB

„Wenn Kinder das Interesse am Lernen verlieren, dann verlieren sie langfristig unweigerlich auch das Interesse und die Freude am Leben!“ – (Zitat: Alexander Höfer)

      

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