(42) 15. Internationales Straßentheater (2. Tag)


15. Straßentheater begeisterte Zehntausende Menschen mit schwindelerregenden Artistik-Vorführungen sowie einem atemberaubenden High-Tech-Untergangszenario, bei dem die griechischen Götter die Gewalten der Natur sprechen ließen!

Andrea 39  Katoen 21  Dédés 08

Entre 12  Mirador 06  Titanic 29 

Es regnete den ganzen Morgen wie aus Eimern, und noch bis weit in den frühen Nachmittag hinein sah es danach aus, als würde das Straßentheater heute buchstäblich Baden gehen. Baden ging aber an diesem Tag „Gott sei Dank“, genauso wie tags zuvor, nur die Französische Artistin Sara Martinet in ihrer Badewanne, denn als wir die Ernst-Waltz-Brücke überquerten, hörte es urplötzlich auf zu regnen, und strahlender Sonnenschein begrüßte die kulturell reichste Stadt am Rhein.

Andrea 38Andrea 17Heute begann unsere 8-stündige Reise durch die Ludwigshafener Innenstadt vor der Hauptpost. Hier präsentierte die Kanadierin Andréanne Thiboutot ihre extravagante Show „Hoopelai“  „Hoopala? Was ist das denn?“ Aber ihr ahnt sicherlich schon, um was es hier gleich geht, nämlich um den berühmt-berüchtigten Hula-Hoop-Reifen.

Gespickt mit sehr viel frankophilem Charme und Musik der Goldenen Chansonära, integrierte die Künstlerin richtig frech das Publikum mit in ihre Show, und holte sich passend fast für jede Nummer geeignete Herren zum Mitspielen. Ein stets gewagtes Unterfangen bei einem Straßentheater, weiß doch der Künstler im Voraus niemals wie die betreffenden Personen in den jeweiligen Situationen agieren, oder auch reagieren.

Dieses Mal gelang es der Kanadierin gerade für ihre charmante Liebesszene einen Mann aus dem Zuschauerbereich auszuwählen, der einen unglaublich hohen Unterhaltungswert besaß, denn dieser Unbekannte spielte wenig später so kongenial mit, dass wir als Zuschauer das Gefühl hatten, dass er zu dieser Show dazugehören würde.

Improvisationstheater der Güteklasse A, vollendet mit einer spektakulären Hola-Hoop-Präsentation, bei dem die Künstlerin in einem gelungenen Romeo & Julia-Theater mit allen möglichen Körperteilen, und mit so vielen Körperteilen wie möglich bis zu 14 Reifen gleichzeitig in Bewegung, und unsere Augen in Staunen versetzte.

Nach einer kurzen Umbaupause öffnete dann der Circus Katoen seine Pforte für die Schaulustigen. Hier präsentierten Katoen 10Katoen 26die beiden jungen Akteure die Niederländerin Sophie van der Vuurst de Fries und der Belgier Willem Balduyck dem Publikum in ihrer neuen Show „Ex Aequo“ eine Kombination aus panotmimischem Kleinkunst-Theater, sowie perfekter Akrobatik und Diabolo-Jonglage.

Zuerst einmal aus Baumstammrundhölzern und Brettern ein Bühnenbild erstellt, begannen die beiden das Publikum dahingehend um den Finger zu wickeln, indem Balduyck das Diabolo, mit seiner außergewöhnlichen Beherrschung und unter großen Begeisterungsstürmen, nicht nur um sich wickelte, sondern auch noch um seine Angehimmelte Sophie, die sich als Dankeschön nach allen Regeln der Kunst in die unmöglichsten Stellungen verbog.

Zusätzlich fabrizierte der Belgier während dieser extrem schwierigen Jonglage noch Handstandüberschläge oder hängte das Diabolo ganz frech an die Füße seiner sich mittlerweile im Handstand befindlichen Geliebten.

Zum Schluss kamen dann noch die Rundhölzer, sowie die Bretter zum Einsatz aus denen die Beiden ein einfüßiges Podest bauten, auf dem der Belgier dann topausbalanciert zum Stehen kam.

Danach machten wir uns auf den Weg in Schulhof des Carl-Bosch-Gymnasiums. Dieser war in diesem Jahr als alternativer Austragungsort für den sich derzeit im Umbau befindlichen Bürgerhof auserkoren worden. Auf dem Weg dorthin, wuselten uns plötzlich zwei lustig aussehende, mit Schlafanzug bekleidete, knoblauchähnliche Männlein von der Französischen Dédés 06Dédés 05Équipe Groupe Démons Et Merveilles über dem Weg. Diese merkwürdigen Wesen, die auch noch ein Kopfkissen unter dem Arm trugen, nennen sich „Les DéDé’s“. Genauso wie alle anderen Kinder, wollten natürlich auch mit diesen beiden urwitzigen Gestalten auf einem Foto posieren. Aber diese einzufangen, oder sie mal zum Stillstand zu bewegen, war gar nicht so einfach, da die beiden oftmals als Animation ganz bestimmten Passanten im Windschatten hinterherliefen, oder auch urplötzlich anfingen völlig verdutzte Leute auf der Straße oder auf den Bänken zu umarmen, und sie mit ihrem Kissen schmusen zu lassen.

Genau das, war unsere ganz große Chance die beiden „DéDé’s“ zumindest für zwei Bilder kurz vor die Linse zu bekommen, bevor sie sich wieder auf und davon machten, um die nächsten vorbeilaufenden Menschen zu beglücken.  

Entre 11Entre 10Entresonore aus Belgien hieß die nächste Artistengruppe, die wir nun zu sehen bekamen. Ein Trio, das uns eine absolut schräge und Blues-Rock’n’Roll-angehauchte Zirkustheatershow mittels Schleuderbrett vorführte. Mit Schmalzlocke gestylt und einem Dreitagebart als Outfit, betrat der Gitarrist Latzi Jones die Bühne, und stimmte die ersten harten und eingängigen Riffs auf seiner Gitarre an. Gleich darauf überschlugen sich hier die Ereignisse, und es kamen seine beiden verrückten Kompagnons hinzu, die sich darüber stritten, wer denn nun der Bessere von ihnen sei. Peng Suspense, felsenfest davon überzeugt, dass Chinesisches Zirkusblut in ihm fließt, legte gleich einmal die Messlatte für seinen Kontrahenten Sjorro Ell Torro sehr hoch, der ebenfalls glaubte von seinen Eltern spanisches Zirkustalent in die Wiege gelegt bekommen zu haben.

So duellierten sich die beiden waghalsigen Kerle fortan auf dem Schleuderbrett, und flogen dabei meterhoch durch die Lüfte und landeten nach mehreren Saltos, Schrauben oder anaeroben Drehungen wieder unversehrt, und unter dem großen Applaus der Zuschauer, auf einer großen weichen Matte. Gegen Ende gab die Truppe dann noch einen Entfesselungstrick zum Besten, bevor sie sich in der Manier eines Rock’n’Rollers verabschiedete.

Nach so viel Action, wurde es etwas ruhiger, aber keines Falls weniger spektakulär. Das belgische Duo Cie Du Mirador hatte im hinteren Teil des Schulhofs seine runde Arena, sowie eine gut fünf Meter hohes Spinnrad errichtet, um so dem Publikum seine neue Choreographie „OkoLo“ vorzuführen. Begleitet von akustischen spanischen Flamencorhythmen betrat der sympathische Belgier die Bühne und fing an zu den Gitarrenklängen aus den Monitorboxen Kontrabass zu Mirador 13spielen. Gleich darauf setzte sich die Bühne in Bewegung, und der Mâitre machte sich kontrabassspielend auf eine Reise rund ums Publikum.

Wenig später hatte der Artist Durst, und bekam von seiner Liebsten ein Glas Wasser über das Spinnrad gedreht. Hier passierte das erste größere Malheur oder besser gesagt hier Mirador 11präsentierte das Paar dem Publikum den erste optischen Trick der Show, denn der Kontrabass-Spieler verfehlte das Glas, wenn auch nur um Haaresbreite, und es blieb zur großen Verwunderung der Zuschauer am höchsten Punkt kopfüber stehen, ohne dass ein Tropfen Wasser herauskam.

Unter dem Szenenapplaus fingen die beiden nun an den Kontrabass nicht nur als Musikinstrument, sondern auch als Herausforderung für artistische Schwierigkeiten zu verwenden. Bei drehender Bühne führten die beiden nun dem Publikum alle nur erdenklichen Turnübungen an diesem edlen Instrument vor. Angefangen von „einfachem Stehen“ auf dem Rand, bis hin zum Handstand.

Zum Finale setzte sich dann natürlich auch noch das fünf Meter große Spinnrad in Bewegung, und die beiden Artisten zeigten ihr Können in schwindelerregenden Höhen. Mal in sich „verwurstelt“, mal kopfüberhängend blickten sie auf die applaudierende Menge herab, und präsentierten hierbei noch eine weitere Manipulation der Extraklasse mit ihrem Wasserglas. Das blieb nämlich frei in der Luft am Wasser hängen, das sich der Artist nach seiner gelungenen Show einschenkte.

Auf dem Europaplatz wartete nun das ganz große Finale des diesjährigen Straßentheaters, wobei, das was die Zuschauer heute hier zu sehen bekamen, eigentlich überhaupt nichts mehr mit Straßentheater im engeren Sinn zu tun hatte, denn die Truppe Theater Titanick zog hier ein unglaublich aufwendig inszeniertes High-Tech-Spektakel ab, das wir bis dato in einer solchen Form auf so einem „Kleinkünstlerfestival“ noch niemals gesehen hatten.

Der Schauplatz. Ein kleiner Imbisswagen mit dem schönen Namen Poseidon, eine Würstchenbude, vor der zu Beginn erst einmal einige Besucher sich von einem temperamentvollen Italiener nach allen Regeln der Kunst verwöhnen lassen durften. Dann der Schlag in Gesicht. Ein aufbrausender Regisseur forderte den Imbissbudenbesitzer urplötzlich auf diesen Platz umgehend zu räumen, indem er ihm eine Genehmigung der Stadt unter die Nase hielt. Der Italiener weigerte sich zuerst heftig, und beteuerte seinerseits eine Erlaubnis zu haben, hier sein mobiles Restaurant betreiben zu dürfen. Es kommt zum Eklat, und der skrupellose Regisseur zeigte dem armen Patrone die Macht des Stärkeren, indem er gleich darauf einen riesigen LKW vorfahren ließ, der den kleinen Imbisswagen vom Platz schob.

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Innerhalb der nächsten Minuten verwandelte sich dann dieses Gefährt in eine riesige Show-Bühne, sowie einen gut zehn Meter hohen Olymp. Düstere und bedrohliche Musik erschallt aus den PA-Boxen, und der wahnsinnige Regisseur entpuppt sich als der trojanische Held Odysseus, der offensichtlich ganz nach seinem Pendant und Vorbild, hier auf dem Ludwigsplatz seine außergewöhnlichen Ideen umzusetzen wagte. Nach und nach wurden nun alle Rollkisten in Position gebracht und sämtliche technischen Gerätschaften genauestens getestet. Parallel dazu entfachte ihm Hintergrund der Henker bereits das erste Feuer, und begann seine riesigen Äxte zu schleifen, und funkensprühend zu beschlagen.

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Alles lief soweit nach Drehbuch, bis der verärgerte Imbissbudenbesucher auftauchte und den ersten Stunk verbreitete. Odysseus ließ sich aber davon überhaupt nicht beeindrucken, sondern beauftragte seine Leute den Querulant zu entfernen, um nun einen Container nach dem anderen öffnen zu können. Das Untergangsszenario nahm so seinen Lauf. Der erste Kyklop, der auf die Besucher herniederwehte, war Aiolos der Gott des Windes. In einem atemberaubenden Licht und Schattenspiel, sowie einer technisch auf allerhöchstem Niveau befindlichen Inszenierung, begann fortan ein Orkanähnlicher Wind zu wehen, der nicht nur die Akteure auf der Bühne beinahe umriss, sondern den die Zuschauer auch noch in gut dreißig bis vierzig Meter Entfernung spüren konnte.

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Unbeeindruckt davon, dass es nach diesem Szenario schon die ersten Opfer gab, fuhr Odysseus mit seinem Irrsinn weiter fort. Auch der Imbissbudenbesitzer sinnte weiter nach Rache, und durchkreuzte seine Pläne, indem er urplötzlich Feuer legte oder Bomben zündete. Das Theater des wahnsinnigen Odysseus geriet dadurch immer stärker aus den Fugen. Aber jetzt wollen wir nicht mehr länger nur von einem genialen Straßentheater-Finale berichten, sondern jetzt wollen wir euch auch gerne zum Schluss unseres Berichtes noch einen kleinen Einblick von dieser atemberaubenden Show bieten.

 

 

Das Ludwigshafener Straßentheaterfestival ist mit Abstand die interessanteste VEREINSAKTIVITÄT, die wir unseren Kindern anbieten, und ist eigentlich auch eine Veranstaltung, bei der jeder Künstler er wert ist, angeschaut zu werden, denn jeder ist in seinem Genres eine Klasse für sich. Leider war es uns auch in diesem Jahr nicht möglich alle Akteure anzuschauen, um sie hier in unserer Berichterstattung gebührend zu erwähnen. Vielleicht ist es ja im nächsten Jahr möglich dieses großartige Festival auf drei komplette Tage auszuweiten, denn dann hätten die Zuschauer auf jeden Fall die Möglichkeit wirklich alle Künstler zu sehen. Verdient hätten es diese tollen Menschen auf jeden Fall. Hier noch ein paar Bilder von Künstlern, die wir leider nicht sehen konnten.

Wall Steet Theatre

Wall Street Theatre

Zum Schluss bedanken wir uns wieder sehr herzlich bei Ilona Schäfer vom Hack-Museumsgarten für die vielen tollen Bilder, die sie uns für diese Berichterstattung zur Verfügung gestellt hat, und die auch dieses Mal dem Leser das Gefühl vermitteln, hautnah dabeigewesen zu sein.



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