(446) Unser Landrat Stefan Dallinger


Was macht eigentlich unser Landrat Stefan Dallinger? – Wie sieht er die zunehmende Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft? – Und was hält er von der Legalisierung von Cannabis? – Jugendliche stellten Landrat Stefan Dallinger ganz interessante Fragen!

Landrat Stefan Dallinger fühlte sich sehr geehrt von uns interviewt zu werden, und sich in unsere ANIMUS-KLUB-Galerie der großen Persönlichkeiten einreihen zu dürfen. Der ANIMUS KLUB sei für ihn derzeit der einzige Verein in der Metropolregion, der Kindern und Jugendlichen nicht nur eine derartig große Programmvielfalt anbietet, sondern auch die Chance selbst mitzugestalten.

Stefan Dallinger, ehemaliger Bürgermeister von Schwetzingen und seit 2010 als Landrat des Rhein-Neckar-Kreises tätig, begegnete unseren Jugendlichen mit sehr großer Wertschätzung, und auch mit ein wenig Stolz darauf, dass sie sich für ihn, und seinen Beruf interessierten. So entwickelte sich von Anfang an auch eine sehr lockere Gesprächsrunde, in der Herr Dallinger unseren Jugendlichen Rede und Antwort stand.

„Was macht eigentlich ein Landrat, und wie müssen wir uns Ihre Arbeit vorstellen?“ – Das war unsere Einstiegsfrage, die uns Herr Dallinger sehr ausführlich und detailliert beantwortete. Als Landrat sei er nämlich nicht nur der Vorsitzende des Kreisrates, sondern er vertrete auch die Interessen des Landkreises, und er sei natürlich auch der Chef des Landratsamtes. Hier hat Stefan Dallinger unterschiedliche Aufgaben. Sie bestehen aus kreiseigenen Aufgaben, wie zum Beispiel die Abfallwirtschaft, das Sozial- und Jugendamt, der ÖPNV, die Schulen, die Kultur, die Kreiskämmerei, die Klinikverwaltung etc., als auch Aufgaben der Unteren Verwaltungsbehörden in den Bereichen – Baugenehmigung, Straßenverkehr, Kreispolizei, Umweltschutz, die Rechtsaufsicht über die Gemeinden, sowie das Gesundheits- und Veterinärwesen u.a.

Sein Berufsleben und sein Privatleben unter einen Hut zu kriegen, betrachtete unser Landrat als eine ganz große Herausforderung. Politisch verantwortliche Berufe wie zum Beispiel Bürgermeister oder Landrat erfordern für ihn ein gesteigertes persönliches Interesse und Engagement. Ähnlich wie unser 1. Vorsitzender sieht er die Berufung als Grundvoraussetzung dafür, berufliches und privates miteinander zu vereinen. Hier seien natürlich auch die Unterstützung sowie das Verständnis seitens der Familie sehr wichtig. Zwar wäre die Zeit, die er mit seiner Frau und seinen Kindern verbringen kann, wesentlich geringer, als bei anderen Familienvätern. Für ihn sei aber die Qualität innerhalb der Erziehung nach wie vor wichtiger als die Quantität.

Dallinger selbst bezeichnete sich als mäßiger Schüler. Ähnlich wie viele Jungs, die ja im Allgemeinen, was das Lernen betrifft, etwas länger bräuchten als die Mädchen, startete auch er erst später in der Oberstufe richtig durch, und absolvierte dann mit guten Zensuren sein Abitur. Studiert hat er Jura. Das war auch der große Wunsch seines Vaters, dem er heute noch sehr dankbar dafür ist, dass er ihn einst dazu bewogen hat, dieses Studium zu ergreifen.

Seine Lieblingsfächer waren Geschichte, Erdkunde und Sport. Mit Französisch stand er in der Schule allerdings auf „Kriegsfuß“. Unser Landrat ist aber sehr stolz darauf, dass er sich heute relativ gut in Frankreich verständigen kann. Das „Learning by doing“ oder „das Lernen im Beruf und in der Praxis“ sei sehr hilfreich dafür gewesen, dass er heute etwas kann, womit er sich früher als Jugendlicher doch sehr schwer tat.

Auf unsere erheiternde Frage, was wir denn tun müssten, um sein Nachfolger zu werden, und wo wir denn den Beruf „Landrat“ studieren könnten, antwortete uns Herr Dallinger, dass wir dafür im Moment noch ein wenig zu jung seien, und dass nicht eine gewisse Berufspraxis im Verwaltungsbereich, sondern auch soziales und politisches Engagement und Erfahrungen sehr wichtig wären, um diesen Beruf ausüben zu können.  

Als größte Schwierigkeiten in seinem Beruf, nannte Stefan Dallinger zum einen die gerechte Verteilung der Gelder, und zum anderen das Finden eines gemeinsamen politischen Konsenses. Hinsichtlich der Gelder machen es bestimmte Vorgaben nicht immer einfach diese wirklich gerecht zu verteilen, was leider oft zur Folge hat, dass wichtige Projekte finanziell leer ausgehen. Beim Finden eines gemeinsamen politischen Konsenses gingen die Meinungen oft so weit auseinander, dass es sehr schwer wäre eine Lösung zu finden mit der alle zufrieden sind.

Im zweiten Teil des Interviews hatten wir dann spezielle Fragen zu der Jugendarbeit und auch zu aktuellen Ereignissen und brisanten politischen Themen.

Auf unsere Frage, woher denn diese enorme Gewalt rühre, die wir aktuell beim G20-Gipfel oder auch auf den kundgebenden Aufmärschen rechter Gruppierung in den letzten Wochen und Monaten in den Medien verfolgen konnten, und ob es sich hierbei um ein Erziehungsproblem, oder ein kulturelles Problem handele, antwortet uns Herr Dallinger, dass die Gesellschaft für ihn zunehmend egoistischer würde, und dass er nicht in einem Land leben wolle, in dem Gruppierungen regelmäßig Rechte oder Linke Gewalt ausüben, um zu ihrem Recht zu kommen.

„Wie wichtige wäre es aufgrund dieser Vorkommnisse, dass eine soziale Jugendarbeit regelmäßig kulturelle und erlebnispädagogische Programme für Kinder und Jugendliche anbietet, oder ihnen zum Beispiel auch die Möglichkeit gibt, Persönlichkeiten wie Sie zu treffen, um solchen Entwicklungen präventiv – also frühzeitig – entgegenzuwirken?“

Bei dieser Frage lobte unser Landrat zunächst einmal die Jugendarbeit der Vereine sehr, die hier eine große soziale Aufgabe übernehmen würden. Es sei für ihn sehr wichtig Kindern und Jugendlichen frühzeitig andere Kulturen und Religionen näherzubringen, weil viele Menschen vor dem Unbekannten große Vorurteile hätten. Durch eine solche Arbeit könnten diese Vorurteile und Ängste, aber auch Barrieren abgebaut werden.

Auf unsere Frage wie Sozialpädagogen denn kulturelle und erlebnispädagogische Angebote durchführen sollen, wenn die Jugendzentren sowohl an den Wochenenden und den Feiertagen generell geschlossen, als auch in den Ferien teilweise geschlossen haben, antwortete Herr Dallinger unter anderem, dass die hiesigen Vereine ja am Wochenende durchaus sehr viele Programme für Kinder und Jugendliche anbieten würden, und die soziale Jugendarbeit oft auch keinen Bedarf für ein zusätzliches Programm am Wochenende sehe.

Eine Sozialarbeit sieht trotz der ständig immer stärkeren Gewaltentwicklung (G20-Gipfel, Pegida-Aufmärsche, Fußballhooligans und anderen gefährlichen autonomen Gruppierungen), denen sich gerade Jugendliche anschließen, sowie der traurigen Tatsachen, dass wir in Deutschland mittlerweile aktuell 160.000 alkoholkranke Kinder und Jugendliche haben, und dass die mediale Verwahrlosung immer weiter voranschreitet KEINEN BEDARF Kindern und Jugendlichen am Wochenende ein Programm mit kulturellen und erlebnispädagogischen Inhalten anzubieten? – Wie bewertet man eine solche Aussage? … Oder anders gefragt: „Warum wird jemand eigentlich Sozialpädagoge?“

Ist diese Entwicklung, die wir derzeit erleben gut? – Wollen wir das? – Und wenn „NEIN“, dann muss hier die Frage erlaubt sein, was eigentlich noch alles passieren muss, bis eine soziale Jugendarbeit endlich wieder ihre eigentliche Berufung spürt, gerade am Wochenende für Kinder und Jugendliche da zu sein, und ihnen vor allem mehr anzubieten als nur Tischkicker, Billard und Dartspielen oder ein alternatives Bespaß-Programm bestehend aus Erlebnisbad und Freizeitpark? – Aber das zu lösen, und hier hat unser Landrat recht, ist Aufgabe der Politik.

Wenn ihr wissen wollt, wie sich unser Landrat zu den Fragen „Legalisierung von Cannabis und der Homo-Ehe“ positioniert, dann schaut doch einfach mal unser Video an.

 

 

Wir bedanken uns ganz besonders bei Herrn Stefan Dallinger für dieses Interview, sowie der Amtsleiterin Frau Silke Hartman und der Büroleiterin Frau Susanne Hauser für die Ermöglichung dieses Treffens. Ein weiteres Dankeschön geht an die Direktorin des Mannheimer Geschwister-Scholl-Gymnasium Frau Silke Herr, die uns bei der Verwirklichung Projekts kurzfristig ein paar ganz interessierte Schüler zur Verfügung stellte.  

Bilder: Slawa Kostin

 

 

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