(458) Angezettelt


Friedrich-Ebert-Gedenkstätte präsentiert in der aktuellen Ausstellung „Angezettelt“ bewegende antisemitistische und rassistische Aufkleber, sowie die primitivsten, politischen Hetzkampagnen-Flyer von 1880 bis heute!

      

Seit Ende Juni steht diese, man könnte fast sagen, mahnmalende Ausstellung von Stickern schon als absolutes Mussprogramm auf unserem Wunschplan, zumal eine aktive Jugendarbeit von Zeit zu Zeit auch die Aufgabe hat, Kinder und Jugendliche auf geschichtlich relevante Vorkommnisse aufmerksam zu machen, und in ihrem Programm auch darauf hinzuarbeiten, dass sich die dunklen Momente der Deutschen Geschichte nicht wiederholen. Gerade in der heutigen Zeit, in der die Völker immer näher zusammenwachen und Grenzen nur noch auf dem Papier existieren, bzw., im Internet eine grenzenlose Kommunikation weltweit stattfindet, ist es sehr wichtig unserem Nachwuchs immer mal wieder vor Augen zu führen, welche Äußerungen aufgrund der Menschenwürde ein ganz klares „No-Go“ darstellen, und wo sich eigentlich die Grenzen zwischen konstruktiver und angemessener Kritik und einer klaren rassistischen, oder fremdenfeindlichen Äußerung befinden.

Verfolgt man regelmäßig die Nachrichten im Fernsehen, sowie die Aussagen von bestimmten Politikern und insbesondere die sintflutartigen und teils auch extrem verunglimpfenden Posts auf den sozialen Netzwerken genauer, dann kann man unzweifelhaft und sehr schnell feststellen, dass viele Menschen bei ihrem Handeln diese Grenzen nicht wirklich kennen, sprich überschreiten, und dass die Menschenwürde – das höchste Gut in einer Demokratie – offensichtlich, und insbesondere, nicht nur bei den Anhängern der extremen Szenen, sondern auch bei deren scharfen Gegnern, doch antastbar ist, und das nicht zu knapp.

Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gibt es aber nicht erst seit der Zeit des Nationalsozialismus unter Hitler; Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gibt es schon sehr viel länger – wahrscheinlich seit Menschengedenken – und so reichen die ausgestellten Beispiele in der Friedrich-Ebert-Gedenkstätte bis zurück in die Zeit des Kaiserreiches um 1880.

Schon damals stand die Religion als Hauptgrund im Mittelpunkt der Denunzierung. Religion, die wir eigentlich aufgrund ihrer nächstenliebenden Botschaft von unseren Eltern als etwas Positives und Gutes in die Wiege gelegt bekamen, wird damals wie heute von Verantwortlichen dahingehend instrumentalisiert, Andersdenkende, Andersgläubige und vor allem Andersartigkeit entweder auszugrenzen, zu diffamieren oder sogar zu denunzieren, weil nahezu jede Religion für sich beansprucht die einzig wahre zu sein. „Was aber, wenn alle Religionen eine ganz große Lüge sind?“ – „Was, wenn es überhaupt keinen Gott gibt, also nicht Gott den Menschen erschuf, sondern die Menschen sich Gott erschufen?“

Das sind hochinteressante Fragen, mit denen sich auch rudimentär der aktuelle Spiegelbesteller „Gottlos glücklich“ von Philipp Möller beschäftigt. Paradox, ja fast schon pervers, ist in diesem Zusammenhang allerdings die Tatsache, dass etwas, an das wir glauben, dass es vielleicht existiert, aber wir es nicht wirklich beweisen können, Extremisten das Recht gibt, Menschen, die nicht an das glauben, was die jeweiligen Schriften vorschreiben, öffentlich mit Schande zu verunglimpfen.

Demensprechend schockt die Friedrich-Ebert-Gedenkstätte die interessierten Besucher mit ekelhaften Fundstücken Deutscher Widerlichkeit, arrogantem und überheblichem Deutschen Bessersein, und nicht zuletzt auch mit trivialer Deutscher Dummheit.

Manche Sticker und „Fresszettelbotschaften“, wie zum Beispiel: „Mörder aller Welt vereinigt euch!“ oder „Deutsche Mädchen, die mit Juden verkehren sind Rassenschänder“ sind so hart, dass sie mehr oder weniger sprachlos machen. Andere wiederum, wie zum Beispiel: „Asylanten heim!“ oder „Esst mehr Nazis!“, gehen in der heutigen Zeit vielleicht noch als geniale Wortspielereien oder Satire durch, sind aber ebenso ekelerregend, wie der Stinkefinger mit dem Slogan „Gutmenschen, NEINE DANKE!“

        

Angezettelt schärft den Blick auf diese kleinen, unscheinbaren aber heftigen Parolen, die sich ganz tief in das Unterbewusstsein des Empfängers einbohren und festsetzen.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden fremdenfeindliche Botschaften sogar dazu verwendet Briefe zu versiegeln. „Kauft nicht im Warenhaus! – oder – Kauft nicht bei Juden!“ stand darauf zu lesen. Die Ausstellung zeigt die ganze Widerwärtigkeit der damaligen Nazipropaganda und auf welche raffinierte Art und Weise die Protagonisten dieses Medium zum Einsatz brachten. Hitler und seine Gefolgsleute ließen für die damalige Zeit keinen einzigen Bereich aus, um ihre Hetze gegen Juden, Sinti- und Roma oder regimefeindliche Gegner an die Bevölkerung zu bringen. Skrupellos verklebte die Propagandamaschinerie Wände, Tore und Fenster bestimmter Gebäude, Haltestellen, Straßenbahnen und zentralen Plätzen usw. mit Stickern, die den „Deutschen“ unmissverständlich klar machten, was ein wahrer Deutscher zu denken, und wie er sich gegenüber Juden oder „Untermenschen“ zu verhalten hat.

Zum absoluten Kopfschütteln lädt der Ausspruch „Der Antisemitismus ist der Sozialismus der Dummheit“ von Kaiser Friedrich dem III ein. „Angezettelt“ ist noch bis zum 15. Januar 2018 zu sehen, und wir möchten allen Geschichtsliebhabern und Gewaltgegnern diese Ausstellung wärmstens ans Herz legen.

 

 

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