(52) Schlossfest Mannheim 2014


Kann Demokratie Zukunft? – Oder, wie man einen Lügendetektor austrickst? Mannheimer Schlossfest begeistert mit genialem Wissenschaftsprogramm, toller Comedy und drei fantastischen Deutschen Independent-Pop-Gruppen!

Word 3Wissenschaft einmal hautnah erleben, egal ob interaktiv oder sensitiv, olfaktorisch oder gustatorisch. Was die Mannheimer Schlossherren und die Universitätsprofessoren den Kindern und Jugendlichen zu Beginn des diesjährigen traditionellen Schlossfestes angeboten haben, war wieder einmal aller Ehren wert, und wir sind sehr glücklich darüber, dass wir an dieser außergewöhnlichen und lehrreichen Veranstaltung gut acht Stunden lang live dabei sein durften.

Los ging es für uns um 15.00 Uhr mit der Word Domination, einem interaktiven EGO-SHOOTER-Spiel mit Lerneffekt, das am Lehrstuhl für Praktische Informatik IV entwickelt wurde, und motivierende Elemente aus der Unterhaltungselektronik mit einem Wissensquiz kombiniert. Ziel des Spieles ist es, in einem farbenfrohen Dschungel keine Gegner zu töten, sondern die Quellen des Wissens zu finden, an denen die Spieler dann jeweils spezielle Fragen zu der Stadt Mannheim, dem Schloss oder der Universität beantworten mussten. Bevor wir uns jedoch auf die Reise der regionalen Allgemeinbildung begeben konnten, wurden zuerst einmal zwei Mannschaften formiert, die im Anschluss daran über Laptop verbunden, gegeneinander Word 1antraten. Jedes Team musste jetzt so schnell wie möglich die strahlenden, weißen Wissensquellen auffinden, und diese dann, durch die richtige Beantwortung der Frage, für sich erobern.

Dass dieses Spiel bei Kindern einen sehr hohen Lerneffekt erzielt, weil es nicht direkt auf das Lernen, sondern vielmehr auf das Spielen konzentriert ist; dafür boten unsere Kinder dem Dozenten Philp Mildner das beste Beispiel, denn sie wollten gleich im Anschluss daran noch einmal eine Runde spielen, und waren nach ein paar Durchgängen auch in der Lage, die schwierigsten Fragen über Mannheim ohne Hilfestellung richtig zu beantworten.

Sprache 1„Hör mal, WO der spricht!“, hieß die nächste interessante Station, und auch das selbstentwickelte Online-Ratespiel des Institutes für Deutsche Sprache. Hier galt es über Kopfhörer und anhand des Dialektes zu erkennen aus welcher Region Deutschlands die jeweiligen Sprecher kamen. Die größte Schwierigkeit dabei bestand darin, dass der Hörer Sprache 5keine deutlich erkennbaren Dialekte vorgespielt bekam, wie zum Beispiel: „Demm soin Buu kummt a aus Monnem“, bzw. „Ja moi, wenn’st ned doi Goschen hälst, krigst a Watschn!“, oder „Bist du ooch vun drieben…“, sondern, dass die jeweiligen Redner Großteils wirklich Hochdeutsch sprachen, und man daher nur an bestimmten Nuancen erkennen konnte, woher diese vielleicht stammen könnten. Das Erkennen der richtigen Region war nicht nur unglaublich schwer, sondern das Ergebnis häufig auch sehr verblüffend. „Gell!“

„Nah, hast du heute schon gelogen?“ So präsentierte sich das dritte spannende Experiment an dem wir teilnahmen. Hier durften wir uns das erste Mal in unserem Leben an einen Lügendetektor anschließen lassen, und mussten versuchen die Lüge 6Studentin und natürlich auch den Detektor auszutricksen, in dem wir zumindest bei einer Frage nicht wahrheitsgemäß antworteten. Dazu sollten wir uns eine Zahl zwischen Eins und Zehn ausdenken, bekamen aber dabei gleichzeitig die Lüge 4Anweisung, auf alle Fragen der Studentin immer mit „Nein“ zu antworten, selbst auch dann, wenn sie unsere Zahl richtig erwähnte. Anhand des Ausschlages auf dem Computermonitor, wollte die Studentin dann herausfinden, welche Zahl wir uns tatsächlich ausgedacht hatten, also an welcher Stelle wir sie angeschwindelt hatten.

Zu unserer großen Überraschung gelang es uns allen, sowohl die Studentin, als auch den Lügendetektor auszutricksen. Genau das ist auch einer der Hauptgründe dafür, warum dieses Gerät bis heute noch nicht in einem Strafverfahren gegen einen Täter eingesetzt werden darf, denn die Ergebnisse entsprechen, wie wir gerade festgestellt haben, oftmals nicht wirklich der Wahrheit. Vielleicht heißt das Gerät ja auch deshalb Lügendetektor, und nicht „Wahrheitsdetektor“.

Nach so vielen interessanten Programmpunkten gönnten wir uns im Anschluss daran in der Hays Lounge des Ehrenhofes erst einmal eine kurze und kreativ-inspirierende Pause. In Liegestühlen und auf bequemen Kuscheltischsitzen, aber auch aus unmittelbarer Nähe, konnten wir vier internationalen Graffiti-Künslern von Kick and Throw –  einer Gruppe, die derzeit auch in der Alten Feuerwache ihre Künste ausstellt – live dabei zusehen, wie sie eine gut zehn Meter lange und zwei Meter hohe Holzwand mit abstrakten Kunstwerken verzierte.

  Graffiti 02  Graffiti 01  Graffiti 03

Nach dieser wohltuenden Pause durften wir im Mittelalter-Workshop einmal tanzen wie die Ritter. Wunderschön, und sehr informativ präsentiert von zwei Dozentinnen des Lehrstuhls für Germanistische Mediävistik, erfuhren wir die einstigen Gepflogenheiten zu Hofe, und wie die Ritter damals ihre Burgfräulein umwarben,  bzw. zum Tanzen aufforderten. Zentral war hier auch die Musik, nämlich der sogenannte „Minne-Sang“, dessen Liebestexte früher entweder in Büchern oder auf Pergamentpapieren aufgeschrieben wurden. Bereits damals legten die Künstler sehr großen Wert auf das Besondere, und so sind viele Lieder mit wunderschönen Gemälden umrahmt, die uns einen sehr guten Einblick in das Leben der hohen Herrschaften gaben. Die beiden Dozentinnen fügten in ihrem Workshop die beiden Komponenten „Wissen“ und „Musik“ genial zusammen, und lehrten uns innerhalb von 30 Minuten auch noch drei einfache, und sehr schöne mittelalterliche Standarttänze.

Otto-Selz InstitutWeiter ging es mit der Kleinen Schule des Genießens. Hier gab das Otto-Selz-Institut für angewandte Psychologie den Interessierten die Möglichkeit das Erleben und Handeln positiver aufzubauen. So durften wir das erste Mal in unserem Leben bei einem Dozenten einer Universität, nämlich Herrn Prof. Dr. Dr. Olbrich zunächst einmal vier Düfte mit geschlossenen Augen beschnuppern, diese dann kategorisieren, sprich einordnen, in angenehme oder nicht angenehme Gerüche, und uns dann im Anschluss daran den sympathischsten dieser vier heraussuchen, um ihn innerhalb eines Genusstrainings nach dem verhaltenstherapeutisch orientierten Behandlungsansatz von Frau Eva Koppenhöfer genauer zu bestimmen. Hier entschieden wir uns spontan für den allseits bekannten Kaffee. Bei dem anschließenden Test mussten wir nun beantworten welche Assoziationen oder Gefühle dieser Geruchsstoff bei uns auslöste.

Word 2In unserem Testbogen bewerteten wir den Kaffee in seiner Intensität auf einer Skala von 1-10 mit 6-7 Punkten, und empfanden den Duft, bzw. den Geruch als generell angenehm. Den Geschmack bezeichneten wir als bitter, unter der Berücksichtigung, dass weder Milch noch Zucker hinzugefügt werden. Als Farbe assoziierten wir konträr Braun. Im Bereich Bilder/Poster, bzw. Fernsehfilme konnten wir außer den Daily-Soups, in denen sich die Akteure ständig in irgendwelchen Bäckerrein oder Cafés treffen, um Kaffee zu trinken, kein besseres Pendant nennen, dafür aber in den Bereichen „Ton und Instrument“ – Akustikgitarre –  „Lied und Musikstück“ – die jazzangehauchte Coffee-Lounge-Pop-Musik, sowie die beiden weltbekannten Titel: „Another Cup Of Coffee von Mike & the Mechanics, bzw. Clouds in my coffee von Carly Simon, und als Worte oder Webespots fiel uns spontan nur „Die Krönung“ ein. Bei Orten, Freizeit und Urlaub – waren es Italien, sowie aufgrund ihrer berühmten Kaffeehäuser auch die Hauptstädte Paris und Budapest.

Nach so viel Geisteswissenschaft, machten wir mit sehr leckeren Hamburgern und Pommes die zweite Inspirationspause vor der Graffiti-Wand. Diese hatte sich mittlerweile schon merklich verändert. „Gut Ding, will eben auch bei dieser Kunst, Weile haben!“

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Die Zeiger der Schlossuhr rückten unaufhaltsam auf 18.30 Uhr vor, und das College Jazz Orchestra der Universität Mannheim, das in diesem Jahr den musikalischen Showteil des Schlossfestes eröffnete, hatte sich schon auf der großen Bühne platziert, als wir in der ersten Reihe platznahmen.

Nach ein paar kurzen Begrüßungsworten, ging es auch schon los. Unterstützt von einigen bekannten Gesichtern wie zum Beispiel Florian Dörr von der Ludwigshafener Musikschule, der gleich im ersten Stück „Slo Funk“ von Jazzgröße Bob Mintzer den rund 10.000 Besuchern sein Können als Solist an der Trompete zum Besten geben konnte – fetzte diese hochprofessionelle Studententruppe von Dirigent Jochen Welsch nun knapp eine halbe Stunde durch sehr bekannte Jazzrichtungen.

  Jazz 2

So ging es gleich darauf mit dem Titel „Let’s go to work“ von Electro Deluxe richtig groovig zu Sache, wobei die Band hier zusätzlich von Sänger Stefan Ebert unterstützt wurde, der ähnlich aktiv wie das Pendent James Copley auf der Bühne agierte und die Fans zu den eingängigen Rhythmen dieses Songs in eine angenehme Stimmung versetzte.

Als nächstes stand das Liebeslied „Almost like beining in Love“ von Ella Fitzgerald aus den Vierzigerjahren auf dem Programm des College Jazz Orchestras. Dass die Band hier einen Wechsel an den Lead-Vocals durchführte war klar, und so machte Stefan Ebert gleich darauf Platz für gesanglich hochbegabte Natascha Goykovich, die diesen Titel getreu dem großen Vorbild wunderschön interpretierte.

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Begleitet von sehr viel Applaus begann die Band dann unsere musikalische Seele regelrecht zu impfen, denn sie spielte mit „Soul vaccination“ von Tower Of Power einen Riesenhit aus den Siebzigerjahren, der uns direkt in die damalige Zeit versetzte, da diese Musik ja häufig auch der Begleitsoundtrack von vielen bekannten Fernsehserien war.

Danach machte das College Jazz Orchestra allerdings einen ganz großen Sprung in die Neuzeit und stimmte mit „If I ain’t Jazz 07got you“ von Alicia Keys eine soulangehauchte Ballade aus dem Jahr 2004 an.  Erneut betrat Natascha Goykovich die Bühne, um diesen großen Hit in der untergehenden Sonne mit einem musikalischen Abendkleid zu umhüllen, das schöner nicht hätte sein können.

Die Stimmung war mittlerweile so super, dass die Band mit dem Song „Superstition“ von Legende Stevie Wonder keinen besseren Titel hätte finden können, um sich von einem dankbaren Familienpublikum zu verabschieden.

Nach diesem fantastischen Auftritt betrat der Moderator und regional sehr bekannte Comedian Chako Hebekost mit dem Motto – Ich lach net – Ich hab bezahlt! – die Bühne. Mit seiner typischen „Monnema Gosch“ führte der Komiker das Publikum in den nächsten viereinhalb Stunden „frisch, frech und fröhlich“ durch das Programm, und fing gleich einmal an, ein paar stänkernde Zuschauer „uff trogge Monnemarisch“ über den Mund zu fahren. „Weschd was, gesch emol aom beschde do hinne oanns Zeld noa. Ja, genau do hinne. Ja, noch e bissl weida. Ja genau do. Unn do bleibschd jedzt de gonze Obend steh. Wissta, des hod denn Vorteil, dass wenns dunkle wärd, ma sou Typpe nimmi sehe muss!“

Max 5„Ja, isch wees du lachsch ned! – Isch wees – Du hosch jo a nix bezahlt!“

Mit diesem Spruch ebnete er gleich darauf die Bühne für seine zwei Bayerischen Mitstreiter Maxi Schafroth und Markus Scholtz. Die beiden sympathischen Allgäuer – Maxi die Labergoschn und Markus der Stumme Sonnyboy mit der Gitarre – verwandelten dann mit gewieften Sprüchen den Schlosshof in ein eine oberbayerische Wortlandschaft.

Max„Mia sonn zwoi Landwirtssöhn, aba mia sonn koi Brieda, und mia kumme auserem 90-Einwohnerdorf. Wobei so gonz sicher isch des a widda ned, bei 90 Einwohner.“

Gut 30 Minutenlang laberte uns der Komiker Maxi die Ohren regelrecht schwindlig über Themen wie dem Hoferbe oder dem ebenso lästigen Bauerngetratsche seines Heimatdorfes, sowie über die Banken und nervige Telefonhotlines, während sein Freund Markus die ganze Zeit stumm und lächelnd auf einem Barhocker saß, und hin und wieder seine rezitierten Verse und Lieder-Reime mit passenden Akkorden begleitete. Mehr wollen wir euch an dieser Stelle allerdings nicht über die amüsante und durchweg hörenswerte Show erzählen, sondern euch stattdessen empfehlen diese beiden anständigen Komödianten am 23. Oktober 2014 im Karlsruher Tollhaus live anzuschauen.

Unter großem Beifall trat gleich darauf der Rektor Herr Prof. Dr. Ernst-Ludwig von Thadden auf die Bühne, um die Zuschauer und Gäste mit einer kurzen, aber sehr schönen und herzlichen Rede zu begrüßen. Dass ihn Moderator Habekost E-Lu Thadden 1danach nicht ganz so schnell wieder von der Bühne lassen wollte, war klar, zumal er ja auch anhand des Namens des Rektors  feststellte, dass dieser nicht „vunn Mommen isch!“

Jacko„Herr Prof. Dr. Ernst-Ludwig von Thadden, geht das nicht auch ein bisschen kürzer oder darf man zu Ihnen auch einfach nur Ernst-Ludwig sagen“, fragte der Comedian den Rektor.

„Ungern, Herr Habekost, aber ich möchte Ihnen im Vertrauen ein Geheimnis verraten. Aber das dürfen Sie keinem weitersagen. Es geht sogar noch ein bisschen kürzer als Ernst-Ludwig. Meine Freunde nennen mich einfach nur E-Lu!“, antwortete der Rektor schlagfertig, und hatte damit alle Sympathien des Publikums auf seiner Seite.

Nach einer weiteren Rede von Mannheims Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz, sowie den Studienvertretern der Asta und einer M.A. (Magister of Art) – sowie dem lustigen Spruch Habekosts „Früher sagten wir dazu Vordiplom, heute sagen sie M.A., oder: „Wir sind leider durch die Prüfung gefallen, aber das Autokennzeichen haben wir schon….), präsentierte der Comedian die junge deutsche Nachwuchs-Independent-Pop-Band Vember aus Berlin.

Vember 2„Deutsch Popmusik hat es im Gegensatz zur Englischen schwer, weil wenn eine Gruppe Deutsche Texte singt, dann neigt der Zuhörer dazu, ganz genau hinzuhören, was gesungen wird. Es wäre mal schön, wenn sie das auch bei den englischen Titeln machen würden, denn dann würden sie vielleicht mal feststellen, was die da häufig für einen Schwachsinn singen!“, so Habekost. „Aber die Band die jetzt kommt, und so viel darf ich euch versprechen, hat schon im letzten Jahr in der Feuerwache das Publikum restlos überzeugt, denn sie verbinden moderne Pop-Musik mit sehr guten Texten. Hier sind Vember aus Berlin!“

Vember 1Gleich darauf betraten vier junge Musiker die Bühne und begannen Songs aus ihrem aktuellen Album „63 Stufen“ zu spielen. Den Anfang machte der Titel „Herbst“, ein Song über die melancholischste Zeit des Jahres. Passend zu dieser Jahreszeit beginnt der Song dann mit melodisch weichen Akustikgitarrenläufen, und einem wunderschön einfühlsamen Gesang von Vincent Kyas. Bereits jetzt bei den ersten Tönen und Melodiebögen wurde dem Zuschauer klar, dass es jenseits des Kommerzes oder der Hitparade richtig gute Deutsche Musik gibt, die etwas auszudrücken vermag, was die Radio-Ohrwürmer unserer oftmals ähnlich klingenden und gleichstrukturierten La-La-Vember 9La und Trallalala-Schlagermusik nicht schaffen, nämlich den Zuhörer wirklich zu berühren oder ihn mit sinnvollen Texten nachdenklich zu stimmen.

So regte uns die Berliner Band auch mit dem nächsten sehr selbstbewussten Song „Wie wir sind“ unmittelbar zum Nachdenken an. Gerade der Refrain „So wie wir sind, so wie wir sein wollen“, fräste sich bei dem Musikliebhaber gleich wie ein Herzschlag in die Gehörgänge. „Atem und Raus“ hieß der dritte Song, der ebenfalls jedem Zuhörer Mut machen sollte, etwas aus sich und seinem Leben zu machen, nie aufzugeben, und vor allem die Teufelskreise des Lebens richtig zu erkennen, und aus ihnen auszusteigen. Gerade wenn im Leben alles so schwierig ist, dürfen natürlich auch ein paar Liebeslieder nicht fehlen, welche die Band mit den beiden Titeln „Besonders im Regen“ und „Kalter Strand“ gleich im Anschluss daran folgen ließ.

Marvin 2Vember 7Leonie

Gegen Ende ihres Konzertes hatte die Band dann den Mut mit den Titeln „Reparieren“ – Wir können alles reparieren, was man kaputt gemacht hat !… – „Wir geben nicht nach“ – Ich hab genug gehört, zu viele Diskussionen, zu viele Kompromisse, zu wenig Reaktion. Wir sollten nicht mehr reden und um Erlaubnis betteln. Wir sind bereit zu handeln, den Aufstand anzuzetteln… – und „Unter Kontrolle“ – In welcher Welt willst du leben? Was würdest du tun und was würdest du geben? Wie viel teilst du aus, und wie viel steckst du ein? Entscheide dich: Was für ein Mensch willst du sein? …“ – drei Songs zu spielen, die textlich unglaublich emotional zum Ausdruck brachten, was sehr vielen Menschen, in unserer heutigen Gesellschaft schmerzlich fehlt, nämlich in erster Linie Menschsein.

Schloss 2KidsSchloss 1

Nach einer kurzen Umbaupause, die wieder exzellent von Chako Habekost überbrückt wurde. „Ah du bisch jo imma noch do. Isch hab‘ dir doch gsaat du sollsch do hinne ans Zeld noagehe, damit isch disch nimmi seh‘…“, ging es weiter mit der nächsten Newcomer-Band Joris aus Bielefeld. Die fünf Jungs haben sich vor ein paar Jahren hier in Mannheim kennengelernt und befinden sich gerade im Studio, um ihr erstes Album aufzunehmen, das 2015 erscheinen soll.

Joris 06„Sommerregen“, hieß der erste Song mit dem die Band ihr Konzert eröffnete, und der vom musikalischen Anspruch her gesehen, genau dort weitermachte, wo Vember gerade zuvor aufgehört hatten. Kongenial fügte die Norddeutsche Band ebenfalls sehr eingängige Melodien mit anspruchsvollen Texten zu einem wunderschönen Klanggemälde zusammen, und machten den Zuschauern mit Liedern wie „Neustart“ und „Bittersüß“ Mut, sich auf den eigentlichen Sinn des Lebens zu konzentrieren.

Fernab von billigem Kommerz und peinlichem Liebesliedergedudel mit realitätsfremder Weltschönmalerei, präsentierte der charismatische Sänger die Songs mit einer Hingabe, die die Zuschauer immer wieder mit sehr viel Applaus belohnten.

Joris 11„Herz über Kopf“ befand man sich gefangen in einer Welt, die einerseits den Alltag ein wenig vergessen ließ, aber andererseits sehr nachdenklich stimmte; und wie man auf der Bühne ein musikalisches „Feuerwerk“ entfacht, dass beherrschten die fünf Jungs bereits jetzt schon unglaublich gut. So versanken die Gedanken nicht wirklich im „Schnee“, und die Band machte mit diesen durchweg sehr guten Songs den Zuschauern regelrecht Appetit auf ihr Debüt-Album.

Da der heutige Abend nicht nur im wissenschaftlichen Bereich, sondern auch auf der Bühne ganz unter dem Aspekt der besonderen Mundarten stand, wollte auch die Norddeutsche Band Joris ihren Teil zur Völkerverständigung beitragen, indem sie Joris 07dem Publikum ihre beiden regional fremden, Ur-Bayerischen Buben, Wolfgang Morenz (Gitarre) und Tobias Voges (Bass) explizit vorstellte.

Im Anschluss danach präsentierte die Band mit „Schneckenhaus“ ihre erste Singleauskopplung. Hier war es dem Sänger sehr wichtig dem Publikum mitzuteilen, dass es auf dieser Welt sehr viele Menschen gibt, die leider mit sich selbst niemals richtig zufrieden sind, auch dann nicht, wenn es ihnen eigentlich richtig gut geht. Er betonte, dass auch er sich selbst vor einiger Zeit in dieser Situation befand, und dass viele Menschen hier oft den Fehler machen, sich gesellschaftlich abzukapseln oder sich in ihrem Schneckenhäuschen zu verkriechen.

Gleich darauf hüllte sich die Bühne in eine warme Farbenpracht, und die Band hinterließ abermals ihre musikalisch verheißungsvolle Visitenkarte hinsichtlich ihres Debütalbums. Nach dem „Schneckenhaus“, drehte sich die Welt noch einmal ganz nachdenklich in dem Song „Hoffnungslos Hoffnungsvoll“, und ein riesiger Applaus nahm die Band dann zum Anlass als letzten Song noch den Titel „Wie man es auch dreht“ zu spielen.

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„Wir misse jetzd widda mol e bissl umbauwe, bevor de Schlussägt kummt, awwa dofür hawwe ma unns a ebbes gonz dolles überlegt. Des gibds blos zwee odda drei Mol im Johr hier in Monnem, nemlisch a Feierwerk üwwam Schloss.“ Mit diesen Worten eröffnete der Mundakrobat Habekost ein fulminantes Feuerwerk, welches in den nächsten zehn Minuten den Mannheimer Nachthimmel über dem Schloss verzierte, und die mittlerweile gut 16.000 Zuschauer restlos begeisterte.

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Danach hieß es aber „Bühne frei“ für das Mumuvitch Disko Orkestar; die Monnema Fun & Spaßcombo schlechthin. Ganz in ein mystisches Blau gehüllt betrat die 10-köpfige Band die Bühne, und weckte gleich darauf die Mannheimer Schlossgeister mit ihrem Eröffnungssong „Geisterstadt“. Mit einer musikalischen Mischung aus Ska, Brass, Hip-Hop, Weltmusik und weiß Gott noch was, rockte die Band einfach drauf los, und verbreitete einen Mordsspaß unter dem Publikum, dass sich mittlerweile vor der Bühne versammelt hatte, um richtig abzufeiern.

Obwohl der Zuhörer irgendwie das Gefühl hatte, dass jeder Musiker einfach nur drauflos spielte und der schräge Sound unseren Mumu 10Mumu 13ersten Vorsitzenden irgendwie an die in Deutschland völlig unbekannte Tschechische Band HUDBA PRAHA erinnerte, harmonierte er zu einem unglaublich genialen Gesamtwerk, und es machte richtig viel Spaß dieser Band auf der Bühne bei ihrem Treiben zuzuschauen. „Horizont“, hieß der nächste Titel, bei dem der zweite Sänger, wie ein Zirkusdompteur verkleidet auf der Bühne erschien, und gleich darauf anfing, wie ein Derwisch herumzuwirbeln. Ganz anders als bei anderen Bands, befanden sich beim Mumuvitch Disko Orkestar die in ständiger Dauerrotation befindlichen Bläser – Saxophon, Oboe, Posaune, Bass-Tuba – sowie die Streicher – Geige – im Mittelpunkt der Bühne, während die beiden Sänger Großteils von außen agierten, und sich so die Stimmung über die komplette Bühnenbreite entwickelte.

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Die Band hätte also überhaupt keine Wunder benötigt, um auch beim nächsten Titel „Lass Wunder geschehen“ zu erreichen, dass sie das Publikum frenetisch bei ihren Powerbeats anfeuerte. Der Mond war mittlerweile ebenfalls aufgegangen, und stand fast wie ein Zuschauer direkt über dem Barockschloss. So kam der Titel „Ich & der Mond“ gerade zum richtigen Zeitpunkt, um noch weiter in der langen, bevorstehenden Nacht das Publikum mit orientalischen Rhythmen, sowie dem anschließenden positiven Hip-Hop-Sprachgesang, in höchste Stimmung zu versetzen.

Als nächstes spielte das „Orkestar“ den Titeltrack ihres neuen Albums „Der Apparat bewegt sich“. Und was für ein Mumu 14Apparat sich bewegte, wenn eine zehnköpfige Gruppe auf der Bühne agiert, das konnten wir gleich darauf auch hautnah miterleben, denn in diesem Stück, das sehr viel Improvisationsmöglichkeiten bereithält, spielte fast jeder Musiker ein ergreifendes Solo.

Ein klopfend-stampfender Rhythmus heizte die gegenwärtige gute Stimmung noch einmal zusätzlich an, und leitete über zu dem letzten Titel des Abends „Inventio Zero“, bei dem die Band auch einige treue „Hardcore-Fans“ auf die Bühne ließ, um ihnen die Mumu 07Gelegenheit zu geben sich zusammen mit den Musikern zu dem Sound der Band regelrecht auszutoben.

Natürlich wollte die begeisterte Zuschauermenge noch eine Zugabe von den „Mumuvitchen“, und bekamen diese mit dem Ruck-Zuck-Song „Die Praxis hat geschlossen!“ Danach schloss aber aufgrund der späten Stunde auch die Open-Air-Bühne, und die Zuschauer gingen mit der großen Empfehlung nach Hause, diese außergewöhnliche Mannheimer Band am 18.10.2014 in Frankental, oder am 21.05.2015 im Mannheimer Capitol bei dem dritten Teil ihrer Mumudisko Nightshow wieder live erleben zu können.

UniBleibt zum Schluss noch zu erwähnen, dass wir an diesem Tag auch noch an einer Vorlesung über das Thema „Kann Demokratie Zukunft“ von Herrn Prof. Dr. Bernhard Gesang teilgenommen haben, bei dem wir für uns zu dem Entschluss kamen, dass nicht nur die Demokratie, sondern auch jede andere Staatsform „Zukunft kann“, allerdings die Frage offen bleibt, wie diese „Zukunft“ am Ende aussieht, bzw., dass wir als Nußlocher natürlich auch eine Antwort auf die provokative Frage des Dozenten gefunden haben, ob sich denn die Politiker von heute, insbesondere die Kommunalpolitiker unter der Zugrundelegung des Lobbyismusses, sowie des kapitalistischen Vorbildes des Homo Ökonomikus, eigentlich wirklich für die nachfolgenden Generationen interessieren.

 

 

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