St Sylvestre avec Floh


„Lieber eine Französische Pastete als eine Deutsche Rakete!“ – ANIMUS KLUB bescherte mir ein angstfreies und gaumenfreudiges St Sylvestre in Wissembourg!

Floh - CoolDie Jahreswende 2012/2013 war bisher die Schlimmste meines Lebens. Bereits lange vor 0.00 Uhr erschreckten mich laute Kanonenschläge, sowie pfeifende Luftheuler, und ich hatte Todesangst. Mein ganzer Körper zitterte wie Espenlaub, und in meiner Not suchte ich vergeblich Schutz hinter dem Fernseher meines Herrchens. Ab Mitternacht erschütterten dann, über eine Stunde lang, mehrere Tausend Detonationen und minutenlang anhaltendes, kriegsähnliches Luftabwehrfeuer meine Ohren, und ich dachte nur noch: „Jetzt muss ich sterben!“ Spätestens ab halb Eins war mir klar, dass ziemlich viele Nußlocher nicht nur einen „Schuss“, sondern im wahrsten Sinne des Wortes wirklich einen ganz großen „Knall“ haben mussten, weil sie brutal laute Chinaböller „maschinengewehrsalvig“ hintereinander abfeuerten. Weder der großartige „Schreihals“ Brian Johnson von AC/DC, noch die erfolgreichste Tschechische „Heavy-Metal-Band“ Kabát rund um Sänger Josef Wojtek, deren Konzerte in dieser Nacht in einer ungewohnten Lautstärke von rund 100 Dezibel im Wohnzimmer meines Herrchens über den Bildschirm flimmerten, schafften es, dieses entsetzliche „Geballer“ auf den Nußlocher Straßen zu übertönen, oder mir meine große Angst davor zu nehmen.

Floh - Cool (2)So versprach mir mein Herrchen damals, dass er mit mir im nächsten Jahr an Silvester nach Wissembourg fahren würde, weil in Frankreich nicht „geschossen“ werden darf; und wenn ich eines über mein Herrchen sagen darf, dann dieses, dass er immer zu seinem Wort steht, und das hält, was er verspricht.

So stieg am Nachmittag des 31.-sten Dezembers meine Vorfreude ins Unermessliche, als ich sah, wie mein Herrchen meine Decken und mein Lieblingskissen in sein Auto brachte. Dennoch musste ich noch gut drei Stunden überstehen, in denen mich der eine oder andere frühzeitig gezündete Böller furchtbar erschreckte. Doch spätestens um halb Sechs wurde aus meiner großen Vorfreude Gewissheit, denn wir fuhren tatsächlich nach Frankreich, und damit auch in ein Land, indem ich bisher noch niemals war.

In Wissembourg angekommen, gab es für mich zuerst einmal bei einem kleinen Spaziergang sehr viel Neues zu erschnuppern, bevor wir das Restaurant „A L’Homme Sauvage“ von Christian Strasser betraten. Unglaublich herzlich wurden wir dort von einem Garçon in Empfang genommen und zu unserem reservierten Tisch begleitet. Die ruhige und stressfreie Atmosphäre wusste ich sofort zu schätzen, allein schon deshalb, weil ich schon wenige Minuten später ein paar richtig gute und schmackhafte „Silvester-Leckerli“ bekam.

A L'homme Sauvage 1               A L'homme Sauvage 2

Langsam füllte sich nun der große Innenraum des wunderschön mit Kerzen und warmen Lichtern dekorierten Restaurants, und meine Nase war irgendwie hypnotisiert von den vielen neuen, und teilweise auch merkwürdigen Gerüchen. „Kann etwas, das so komisch riecht, auch wirklich schmecken?“ Ich war mir da noch nicht ganz so sicher.

Velouté d'Asperge 2Gegen 20.30 Uhr wurde dann das Silvestermenü eröffnet, und der Garçon brachte uns pokalähnliche Tassen und etwas, das sich „Velouté d’Asperge“ nannte. „Was? – Das kann man wirklich essen?“, fragte ich mich, indem ich sehr misstrauisch diese weiße Flüssigkeit beschnupperte, die man mir hier gerade serviert hatte. Da mir diese Suppe ohnehin noch ein bisschen zu heiß war, entschied ich mich erst einmal auf den zweiten Menügang zu warten.

Während dieser Zeit begann dann ein gnadenloser Alleinunterhalter die Gäste mit Kärntner und Zillertaler „Quetschenmusik“ (?!) zu unterhalten, die mein Herrchen allerdings ein bisschen als deplaziert empfand, da er sich als Ambiente eigentlich eher eine schöne und ruhige Französische Chanson-Musik à la Edith Piaf, Jacques Brel oder Gilbert Becaud gewünscht hätte, anstatt diese, generell viel zu laute, und daher auch ständig von schmerzhaften Rückkopplungen des Mikrophons beeinträchtigte „Alpen-Musik“. Wie dem auch sei, das ständige Pfeifen der Musikanlage war für mich immer noch um ein Vielfaches erträglicher, als die Luftheuler, die mir im letzten Jahr an Silvester stundlang um die Ohren flogen.

Pâté en croute 1Der zweite Menügang wurde gereicht. „Pâté en croute et crudités“ – Wieder so ein Gericht mit so einem komischen, aber irgendwie schön klingenden Namen. „Na, mal schauen, ob dieses Mal etwas für mich dabei ist!“, dachte ich erwartungsvoll, als ich die großen Teller abermals sehr skeptisch musterte. Doch bereits nach dem ersten kleineren „Versucherchen“, das mir mein Herrchen zum Probieren gegeben hatte, schwanden meine Zweifel, und mir war sofort klar, dass ich von dieser leckeren Köstlichkeit auf jeden Fall noch etwas mehr haben wollte. Das bemerkte offensichtlich auch mein Herrchen, und so teilten wir uns ganz brüderlich diesen tollen Menügang. Das heißt: Er bekam den Salat, und dafür durfte ich nahezu die ganze Pastete essen.

Hierbei dopsten meine Geschmacksnerven sogar noch im Dreieck, denn just in dem Moment als mein Herrchen die restliche Pastete in die immer noch vorhandene „Velouté d’Asperge“ legte, entfaltete sich in meinem Mund ein so wundervolles Buket, dass ich zur Freude des Garçons beinahe auch die ganze Suppenschüssel aufgegessen hätte. Spätestens jetzt war ich in Frankreich angekommen, und fand es einfach nur klasse in einem Land zu sein, indem nicht geschossen wird, und man stattdessen so etwas Gutes zu essen bekommt.

Die „Pâté“ gerade verdaut, begann dann auch schon wieder der wilde „Almöhi-DJ“ das Eis von den „österreichischen Gletschern“ schmelzen zu lassen, und dem Namen des Restaurants wirklich alle Ehre zu machen. Dieses Mal ertönten aber nicht nur live gesungene „Zicke-Zacke-Zicke-Zacke-Hoi-Hoi-Lieder“, sondern auch der mit Abstand krasseste „Disco-Mix“, den mein Herrchen jemals gehört hatte. Auf den Siebziger Super-Hit „D-I-S-C-O“ von Ottawan folgte doch tatsächlich aktuelles, aber vor allem absolut unerträgliches „Hardcore-Gabbler-Techno“, eine „Musik“, die nicht nur aufgrund ihrer brachialen Lautstärke, sondern auch aufgrund ihrer monotonen und knallharten „Boing-Boing-Boing-Beats“ problemlos nicht abgepackte Bretter ohne Hammer an die Wand genagelt hätte. Auch die weltbekannten Disco-Schlager „Y.M.C.A.“ von den Village People, sowie „Born To Be Alive“ von Patrick Hernandez wurden bereichert mit einer „House-Techno-Version“ des Achtziger Superhits „One Night in Bangkok“ von Murray Head; eine Version, bei der ebenfalls sämtliche Tauben ohnmächtig von den Dächern gekippt wären, wenn sie sich nicht schon vor ein paar Monaten freiwillig gen Süden aufgemacht hätten.

Floh 1Auf dem Zenith der Unerträglichkeit stieg mir dann plötzlich ein ganz wundersamer Geruch in die Nase. Der Hauptgang des Menüs war im Anmarsch, und ließ mir buchstäblich das Wasser im Munde zusammenlaufen. „Bouchée à la Reine“, Légumes et Riz“. Was immer das auch war. Dieses Gericht musste einfach toll schmecken, und so schaute ich mein Herrchen auch mit ganz erwartungsvollen Augen an und wedelte vor Freude wie verrückt mit meiner Rute.

Meine Blicke verstehend, bekam ich dann von meinem Herrchen auch eine ordentliche Portion von der großartigen Königspastete und dem Reis ab, bevor dann wieder der Alleinunterhalter seine Stimme erhob, und es doch tatsächlich wagte „Bayerische Lederhosen-Polka“ und „Österreichischen Tirolerhut-Boogie“ zum Besten zu geben.

Weit nach Mitternacht, also bereits im neuen Jahr, überließ ich dann den vierten Gang „Fromage“ und den fünften Gang „Tiramisu maison“ als Dankeschön für diesen wunderschönen Abend meinem Herrchen.

Last but not least möchte ich mich aber noch ganz besonders bei Monsieur Christian Strasser und seiner Équipe für das bisher schönste und auf jeden Fall leckerste Silvesterfest meines Lebens bedanken, und mir an dieser Stelle von ganzem Herzen wünschen, dass wir am 31. Dezember 2014 diesen unvergesslichen Ausflug wiederholen werden.

Amicalement

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Votre Floh

 

ANIMUS KLUB

Man kann auch ohne „Geballer“ sehr schön Silvester feiern!


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