(181) Hocklerinnen, Henkersborsch und Herrn Herschels Hund


Ralf Jochum von den Mannheimer Stadtführungen konfrontierte uns in der Unterstadt mit „Belzebuwe, horische Ronze und Filsbachpisser“!

IMG_5666   IMG_5680   IMG_5669

Es war wieder einmal ein Programm mit einem ganz verrückten Namen, aber was so verrückt klingt, das muss irgendwie gut sein, vor allem dann, wenn es aus Mannheim kommt, und deshalb haben wir das auch sofort auf unseren Aktionsplan eingetragen.

Tatsächlich kristallisierte sich erst kurz vor der Veranstaltung heraus, dass uns eine ganz spannende IMG_5662Führung durch die Quadrate der Unterstadt bevorstand, also dem Viertel, in dem sich im Mittelalter großteils nur Gauner, Lumpenpack und lichtscheues Gesindel herumtrieben.

Demensprechend konfrontierte uns der unterhaltsame Stadtführer Ralf Jochum gleich einmal mit ganz grausamen Tatsachen, nämlich den schlimmen Anfangstagen der Stadt Mannheim, und fragte die Anwesenden, ob sie denn wirklich mutig genug wären mit ihm die Unterstadt, also das Viertel zu betreten, indem sich einst nicht nur das Gefängnis befand, sondern auch die Henker ihre Arbeit verrichteten.

IMG_5667Vom Brunnen am Marktplatz ging es zunächst einmal zum Alten Rathaus, das im Jahr 1701 erbaut wurde. Das alte Mannheimer Rathaus ist das einzige Rathaus in Deutschland, das zwei Uhren besitzt, nämlich eine für die Evangelischen und eine für die Katholischen. … Aha, ihr merkt mal wieder, dass wir euch auf den Arm nehmen wollen, denn die Uhren haben keine kirchliche Bedeutung, sondern die eine ist für die Sommerzeit und die andere für die Winterzeit. … Oder vielleicht doch nicht? – Das ist unsere neue Quizfrage. Wer zwischen 7 und 15 Jahren alt ist und weiß, warum das alte Mannheimer Rathaus zwei Uhren besitzt, und uns als Erstes die richtige Lösung unter hallo@animus-klub.de zusendet, der gewinnt freien Eintritt für die DUCKOMENTA-Ausstellung in den Reiss-Engelhorn-Museen.   

IMG_5670Am Alten Rathaus wurden gleich bei der Erbauung für die Ausländer, wie zum Beispiel für Hessen und Pfälzer, zwei Maßeinheiten angebracht. Eine Rheinische Elle und ein Rheinischer Fuß. Anhand dieser Maße war es den Käufern auf dem Markt möglich festzustellen, wie viele Waren sie für ihr Geld bekamen. 
IMG_5673Unweit des alten Rathauses befand sich auch die „Betzekammer“, oder zu Deutsch „das Gefängnis“. „Hier hod ma die Belzebuwe oigschberrt unn gefoldert!“, so Ralf Jochum. Und wenn man von den Gefangenen etwas wissen wollte, dann legten die Herren Polizisten oder Richter einfach ein paar Werkzeuge auf den Tisch, und dann haben die bösen Belze schon das gesagt, was man hören wollte. 

Als Strafe gab es aber nicht nur die Betzekammer, in der man Hiebe mit Stahlpeitschen verordnet bekam, sondern auch den Triller. Hier wurde der Delinquent zum Beispiel einen Tag lang auf dem IMG_5679Marktplatz in einen karussellähnlichen Käfig gesperrt, der von jedem gedreht werden konnte.

Bestrafungen, wurden genauso wie Gerichtsverhandlungen und Hinrichtungen öffentlich durchgeführt. Das bedeutet, es wurde zur Vollstreckung des Urteils eine riesige Streckbank auf den Marktplatz gestellt, auf der man den Belze anband und dann züchtigte. Eines Tages wurde ein so langer Belze verurteilt, dass die Streckbank zu klein war, um diesen darauf anzubinden. Hierher stammte auch der Begriff „Horische Ronze“, denn der Verurteilte hatte einen unglaublich großen und behaarten Bauch.   

IMG_5674Unweit des Marktplatzes im F1 befindet sich auch das schmalste Haus Mannheims. Kaum breiter als die Eingangstüre, und kaum vorstellbar, dass hier tatsächlich jemand wirklich auf einem so engen Raum wohnen möchte.

IMG_5676Vorbei an der Synagoge, sowie an dem einstigen Henkersviertel, ging es weiter zu einer ganz besonderen Gedenkstätte, nämlich in den Keller des Turmes der evangelischen Trinitatiskirche. Hier liegen in Zinksärgen beerdigt, der Pfalzgraf Johann von Zweibrücken-Birkenfeld-Gelnhausen, vielleicht für uns besser bekannt als Urgroßvater der berühmten Sissi, sowie sein ältester Sohn Karl Johann.   

Mystische Geschichten rund um die Familie des Pfalzgrafen erzählte uns Herr Jochum im orangegelben Lichte der kühlen Gruft, die dem Ambiente eines Edgar-Wallace-Filmes schon ziemlich nahe kam. 

IMG_5687Noch kurz das Café Filsbach und seine Geschichte rund um die „Filsbachpisser“ gestreift, und mit dem Wissen, dass hier einst der Grundstein für die Südzucker AG gelegt wurde, kamen wir dann schließlich ans Ende der Führung, nämlich dem Herschelbad. Das Herschelbad, oder auch das Städtische Hallenbad, bestand früher aus drei Bädern. So standen den Besuchern ein Frauenbad, ein Männerbad, sowie ein Volksbad zur Verfügung.

Weil Herr Herschel seinen Hund über alles liebte, konnten die Hundebesitzer ihren Vierbeiner, während der Zeit ihres Badebesuches, bei ihm abgeben. Damit nicht genug, gab es bei Herrn IMG_5684Herschel selbstverständlich auch ein Schwimmbecken für  Hunde, sprich in der Zeit in der sich Herrchen und Frauchen in dem kühlen Nass amüsierten, durfte auch ihr Hund mit seinen Artgenossen herumplantschen. „Was für ein Heidenspaß muss das gewesen sein!“

Wir bedanken uns noch einmal ganz herzlich bei Herrn Jochum für diese erlebnisreiche Führung, und sind sehr dankbar dafür, dass wir uns jetzt schon ein bisschen besser auskennen, in den Quadraten, in denen man sich als „Nichtmannheimer“ gerne einmal verirrt, oder nicht mehr weiß, wo A ist, B anfängt oder C aufhört.

 

ANIMUS KLUB

A sagen, B wissen, C machen!

IMG_5668  IMG_5675  IMG_5681  IMG_5663

„Hat euch unser Bericht gefallen?“ – Wenn ja, dann würden wir uns über euer „Like“ und einen Kommentar auf Facebook sehr freuen. Vielen Dank

Tweet about this on TwitterPrint this pageShare on Google+Share on FacebookEmail this to someone