(225) Bier (2) – Alkoholmissbrauch


ALKOHOL! – Abhängigkeit und Sucht! – „Prof. Dr. Helmut K. Seitz referierte im Mannheimer Technoseum über Alkoholmissbrauch und seine schrecklichen Folgen!

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„Ach, die ZWEI, DREI Bier am Abend! – Das ist doch nicht schlimm?“, oder „Wenn wir feiern, dann wird halt auch mal ein bisschen mehr getrunken, das gehört eben einfach dazu, und das ist doch auch etwas völlig Normales (!?)“ – „Oder etwa nicht?“

„Was ist erlaubt und was ist grenzwertig?“ – „Ab wann spricht man von Alkoholabhängigkeit, und ab wann von Krankheit?“ – „Woran erkenne ich Alkoholmissbrauch?“ – „Und welche Folgen und IMG_7789Folgeerkrankungen erwarten den Alkoholiker im Laufe seiner Lebenszeit, die mitunter 15 Jahre kürzer sein kann, als seine eigentliche?“ – Diese und noch mehr interessante Fragen beantwortete uns  Professor Dr. Helmut K. Seitz in seinem hochinteressanten Vortrag mit seinem fundierten Wissen und seiner langjährigen Praxiserfahrung als Arzt und Direktor des Alkoholforschungszentrums (AFZ) Heidelberg.

Derzeit sind in Deutschland rund eine Million Menschen alkoholabhängig und zwei Millionen Menschen alkoholkrank. Weitere 8,5 Millionen Menschen (die hohe Dunkelziffer nicht mitgerechnet), pflegen zusätzlich einen sehr riskanten Umgang mit dem Alkohol. An den Zahlen, mit denen sich unser erster Vorsitzender vor knapp 20 IMG_7785Jahren in seinem Studium intensiv beschäftigte, hat sich bis heute nicht viel geändert.  

12 Millionen Menschen haben in Deutschland – der eine mehr, der andere weniger – ein Alkoholproblem, was bedeutet, dass jede vierte Familie in irgendeiner Form davon betroffen ist. Viele Kinder erleben demnach ihre Eltern hinsichtlich des Trinkverhaltens als ganz schlechte Vorbilder. So ist es auch nicht verwunderlich, dass gerade Kinder von Alkoholabhängigen oder Alkoholikern um ein Vielfaches stärker gefährdet sind, später einmal selbst alkoholabhängig zu werden, als Kinder, die aus Familien stammen, in denen entweder überhaupt kein Alkohol getrunken wird, oder nur sehr wenig.

 

Alkohol 15Die Alkoholgrenzwerte

 

Frauen:   0,25 Liter Bier pro Tag (!)

Männer:  0,50 Liter Bier pro Tag (!)

 

Ein tägliches Trinken über diese empfohlene Menge hinaus, kann langfristig in eine Abhängigkeit führen, und ein tägliches Trinken weit über diese Menge hinaus, irgendwann zur Krankheit.

 

Alkohol 01Besonders besorgniserregend und dramatisch ist die Entwicklung des Alkoholkonsums bei Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 15 Jahren. Hier wiesen in der Vergangenheit auch schon mehrere Shell-Studien darauf hin, dass 30% der Jugendlichen bereits schon einmal einen Vollrausch hatten, und sich jeder vierte Jugendliche zumindest einmal im Monat betrinkt, was wir ja gerade aktuell wieder in Köln auf der Abi-Feier live miterleben durften.

Alkohol 03Das Einstiegsalter liegt derzeit bei 12-14 Jahren. Zwischen 20 und 25% der Jugendlichen beginnen in diesem Lebensalter mit dem Trinken. Derzeit sind in Deutschland rund 160.000 (!) Kinder und Jugendliche alkoholabhängig oder zumindest sehr stark gefährdet.

160.000 Kinder und Jugendliche! – Im Vergleich dazu, die Stadt Heidelberg hat nur 154.000 Einwohner, sprich in Deutschland sind mehr Kinder und Jugendliche alkoholabhängig, als Heidelberg Einwohner hat.

Alkohol 09Ein weiteres ganz großes Problem stellt derzeit das absolute „No-Go“ – Alkohol während der Schwangerschaft dar. So kommen jährlich mehr Kinder mit einem fetalen Alkoholsyndrom zur Welt, als Kinder mit einem Down-Syndrom. Derzeit werden jährlich rund 6.000 (!) Kinder mit schweren Alkoholfolgeschäden und Beeinträchtigungen (Behinderungen) geboren. Betroffen sind sowohl die körperlichen als auch geistigen Entwicklungsbereiche dieser Kinder. Besonders sichtbar werden die Folgen im Sozial-, Spiel- und Lernverhalten. Die Kinder mit fetalem Alkoholsyndrom verhalten sich auffälliger (aggressiver), lernen wesentlich langsamer oder schwieriger und haben ganz große Probleme beim Zusammenspiel mit anderen Kindern.    

IMG_7777Männer, die aktiv in Mannschaftssportvereinen (Fußball, Handball, Basketball etc.) spielen, oder dort ein Ehrenamt ausüben, sind sehr stark gefährdet später einmal alkoholabhängig oder krank zu werden, weil der Alkohol hier oft als Belohnungssystem dient, und nach dem Spiel, und besonders nach einem Sieg, in der Gruppe häufig unkontrolliert und sehr viel getrunken wird.

Bei Frauen hat die Alkoholabhängigkeit oft andere Ursachen. Meist sind es traumatische Erlebnisse, die Frauen trinken lassen. Die klassischen Beispiele sind hier entweder „Missbrauch in der Kindheit“, oder auch das Verlassenwerden im Alter. (Die Kinder Alkohol 08sind groß und lange aus dem Haus, und der Mann hat eine neue Freundin.)

Die Alkoholkrankheit hat fatale Folgen und sehr schmerzhafte Begleiterscheinungen, wobei in diesem Zusammenhang auch die Genetik eine ganz entscheidende Rolle spielt, woran der Alkoholiker am Ende erkrankt. Nicht jeder Alkoholiker bekommt die gleichen Erkrankungen, und nicht jeder Betroffene die gleichen Schäden bei der gleichen Trinkmenge. Ausnahmen und Phänomene gibt es hier natürlich auch, die allerdings nicht als positives Beispiel gelten sollen.

IMG_7787Häufigste Krankheitserscheinungen des Alkoholikers sind neben der Leberzirrhose – 50% der Lebererkrankungen sind auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen“ und der Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenschädigung), vor allem Hypertonie (Bluthochdruck), Herzinsuffizienz, sowie neurologische Erkrankungen wie Polyneuropathie (die Schädigung des peripheren Nervensystems – die Haut, meist an den Beinen, öffnet sich, und an dem Betroffenen läuft das Blut wie Wasser herunter), klassische Demenz bis hin zum Wahn, sehr schwere Hauterkrankungen und natürlich auch Krebs. Bei rund 25% der Todesfälle zwischen dem 25 und 60 Lebensjahr ist Alkohol die Ursache.

IMG_7780Interessant ist in diesem Zusammenhang allerdings die Tatsache, dass rund 90% der Alkoholiker, denen eine neue Leber transplantiert wurde, nie wieder Alkohol trinken, und ihr restliches Leben lang trocken bleiben. Spiegeltrinker oder die berühmten „Quartalssäufer“ hingegen, so auch die Erfahrungen unseres 1. Vorsitzenden Alexander Höfer, sind so gut wie nicht therapierbar, selbst auch dann nicht, wenn die Betroffenen sehr schwere körperliche Schmerzen ertragen, und unglaublich viele Operationen über sich ergehen lassen müssen.  

Ein Leitsatz, den unser erster Vorsitzender in seinem Studium in einer Arbeit verwendete, soll daher zum Ende unseres Berichtes jeden Leser über seinen persönlichen Umgang mit dem Alkohol nachdenken lassen:

Alkoholabhängig ist jeder, der jeden Tag Alkohol trinkt; die Dosierung entscheidet am Ende darüber, ob daraus eine Krankheit resultiert oder nicht; und die Genetik, welche Krankheiten der Alkoholiker erleidet und an welchen Schmerzen er qualvoll zu Grunde geht!“

 

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ANIMUS KLUB

„Alkohol ist ein hervorragendes Lösungsmittel. Er löst Familien, Ehen, Freundschaften, Arbeitsverhältnisse, Bankkonten und Gehirnzellen auf! – Er löst nur keine Probleme!“ – (Die Spitzenverbände in Rheinland-Pfalz über die vergessene Mehrheit der Alkoholabhängigen)

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