(236) Back to Rojava


Ludwigshafener Hilfe für die Flüchtlinge aus der nordsyrischen Kriegsregion K♥banê präsentierte eindrucksvolle Fotos bei der Ausstellung „Back To Rojava“!

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Im September 2014 wurde der nordsyrische Kanton Kobanê in der selbstverwaltenden Region Rojava erstmals Opfer grausamer IS-Milizen, die innerhalb von ganz kurzer Zeit 60 Dörfer unter ihre Kontrolle brachten.

Eine Bevölkerung, die jahrelang unter dem Baath-Regime gelitten hatte, dabei gewaltsam verfolgt wurde, Bürgerrechte vorenthalten bekam, und der die Herrschenden sogar ihre Sprache verbaten, verlor damals auch noch gewaltsam ihre Heimat, und war, mehr oder weniger gezwungen, von dort zu fliehen, um überleben zu können.

IMG_8451Bis dato war Rojava auch ein Zufluchtsort – eine Schutzzone – für Flüchtlinge. Mehr als eine Millionen Menschen retteten sich in diese Region, um vor Terror und Verfolgung zu fliehen, zuletzt auch die Yeziden vor den Milizen des Islamischen Staates, die mit tödlichen Fassbomben ihre Dörfer angriffen.  

Die syrischen Kurden, erproben schon seit einigen Jahren das Experiment einer Demokratie, um sich so, von dem alten diktatorischen und gewaltgetränkten Regime zu distanzieren. Seit dieser Demokratisierung beteiligen sich Frauen in Institutionen, und an den Schulen der Region wird neben Arabisch auch Kurdisch unterrichtet, was ja unter Assads Regierung ein absolutes „No-Go“ war. 

IMG_8452Eine Hilfe für die Menschen ist aufgrund des mehrfachen Embargos fast nicht möglich, so Ibraim Yetkin, der Vorsitzende von der Ludwigshafener Hilfe für K♥banê, zumal auch die Türkei nach der Zurückeroberung der Stadt Tel Abyad durch die PYD (Demokratische Partei Syriens) die Grenzen für Hilfsgüter blockiert. Hinzu kommen für die Bevölkerung Rojavas noch die Schwierigkeiten, dass sowohl die irakisch-kurdische Regionalregierung den Personen- und Güterverkehr nach Rojava behindert, als auch die fast ausweglose Situation, dass sich die IS-Terrormilizen einerseits und die Al-Quida-Kämpfer andererseits quasi die Hände reichen, und dort in der Region Nordsyriens ein grausames Netzwerk errichtet haben, um das Experiment der „Domkratie“ mit allen Mitteln zu verhindern. Kobanê ist dadurch mehrseitig von Terroreinheiten umzingelt.

IMG_8453Die Infrastruktur ist nach den beiden IS-Angriffen vom September 2014 und vom Juli 2015 so gut wie vollständig zerstört. Krankenhäuser und notwendige Medikamente fehlen. Einst bekämpfte Infektionskrankheiten brechen dadurch wieder aus und chronisch Kranke können aufgrund dieses Missstandes auch nicht ausreichend versorgt werden.

Der Verein Ludwigshafener Hilfe für die Flüchtlinge aus der Region K♥banê wird derzeit von 17 Hilfsorganisationen unterstützt, insbesondere von medico International.

IMG_8454Für Jürgen Knoll, den ver.di-Geschäftsführer der Pfalz stand es außer Frage die Räumlichkeiten der Ludwigshafener ver.di für diese besondere Ausstellung zur Verfügung zu stellen, waren in der Vergangenheit doch ganz starke ausländerfeindliche Tendenzen in Ludwigshafen und der Umgebung festzustellen. Der ver.di-Geschäftsführer betonte in diesem Zusammenhang auch, wie wichtig es in dieser schwierigen Zeit sei, Flagge zu zeigen, und besonders Menschlichkeit direkt und sichtbar zum Ausdruck zu bringen.

So will ver.di mit dieser Ausstellung auch ein deutliches Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit setzen, und die Besucher für das Schicksal dieser Menschen sensibilisieren.

In der Ausstellung werden eindrucksvolle, teils erschütternde, teils hoffnungsvolle Fotos aus dem Kriegsgebiet Kobanê gezeigt. Der Fotograf Mark Mühlhaus besuchte im Herbst 2014 mehrmals die kurdische Region in Syrien und der Türkei. In der Kleinstadt Suruç hielt er das Leben der geflohenen Bevölkerung und deren Schicksal authentisch fest. Einige seiner Bilder wurden nun IMG_8464IMG_8465in sehr hochwertigen Drucken im ver.di Haus ausgestellt, und führen den Besucher direkt in die Region, sowie in die emotionale Gefühlswelt dieser Menschen.

So steht Freud und Leid oft gegenüber. Auf der einen Seite sehen wir die erste neueröffnete Schule in Kobanê nach dem Krieg, und auf der anderen Seite bekommen wir den Alltag an der östlichen Front direkt vor Augen geführt.

Auch das Ehrengeleit der kurdischen Frauenbewegungseinheiten für einen gefallenen irakischen Kurden, der in den Reihen der YPG kämpfte, steht in Kontrast zu dem Wiedereinzug der Menschen in ihre zerstörten Häuser.

IMG_8446Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von dem kurdischen Saz-Spieler und Sänger Ali Xerzan, der heute zusammen mit seinem Compagnon Ahmet Yalçın Lieder aus der kurdischen Heimat vorstellte. Romantische, teils melancholische und sehr lyrisch-melodische IMG_8448Kompositionen entführten die Zuschauer direkt in die Fremde des Tigris, dort, wo derzeit Angst und Schrecken regiert. Die Worte nicht wirklich verstehend, können wir aber dennoch aus der Melodie die Liebe des Sängers zu dem Heimatland Kurdistan erschließen, ein Land, das es auf der Landkarte nicht wirklich gibt. Diese ruhige, und teils auch getragene Musik, versprüht somit die einzige Hoffnung eines Landes, das schon seit Menschengedenken keine Unabhängigkeit erhielt und bisher leider auch keinen Frieden fand.  

IMG_8458Bis zum 3. Juni 2016 sind die Fotografien noch im ver.di-Haus ausgestellt. Drei weitere Veranstaltungen, sollen die Bürger auf dieses wichtige Thema aufmerksam machen. Am Freitag den 22. April findet um 18.00 Uhr ein Filmvortrag über den Krieg gegen die Yeziden statt. Am 03. Mai um 18.00 Uhr folgt dann der Vortrag „Rojava – eine Region der Selbstverwaltung“, und am 03. Juni gibt es das Abschlussfest um 18.00 Uhr mit den Diamond Dogs, sowie türkischer Musik mit Kompositionen von Cengiz Onural (Istanbul), Carlos Grandel (Buenos Aires) und Guido Guaray (Guayaquil). Mehr Informationen über die Hilfe für die Flüchtlinge in der Region Kobanê, und wie ihr helfen und spenden könnt, findet ihr hier: K♥banê

 

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ANIMUS KLUB

Freiheit, wie viele Menschen hast du bisher zum Weinen gebracht. Freiheit, ohne dich gibt es nur noch Einsamkeit. Freiheit. Ich lebe, um dich zu haben! – (Libertà – Al Bano & Romina Power)

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