(245) Gegen Faulheit


Oder – „Was ich immer schon sagen wollte“ – Heidelberger Kunstverein bietet mit seinen zwei neuen Ausstellungen zwei ANIMUS-KLUB-MOTTOS par excellence!

IMG_8820Am Freitag in unserem Bericht über „Heavy-Metal-Legende“ Udo Dirkschneider bereits schon auf diese traurige gesellschaftliche Entwicklung aufmerksam gemacht, möchten wir weiter ganz mutig gegen den aktuellen Interessenszerfall ankämpfen, und unseren Kindern und Familien weiterhin Programme gegen Faulheit, gegen Gleichgültigkeit und gegen Trivialität anbieten.

Da liefen uns natürlich die beiden neuen Ausstellungen des Heidelberger Kunstvereins geradezu kongenial über den Weg, denn allein schon die  Ausstellungsbezeichnungen treffen den Nagel direkt in den gesellschaftlichen Kopf. „Faul sein und den Mund halten!“ Von diesen zwei Einstellungen sind ja derzeit sehr viele Menschen in unserem Land sichtbar und spürbar betroffen, und diese beiden Lebenseinstellungen stellen auch unmittelbar eine ganz große Gefahr für die Demokratie und unseren Sozialstaat dar.

IMG_8823Auch die Situation, dass viele Jugendliche derzeit unglaublich stolz ein T-Shirt mit dem Slogan: „Unterschätze nie die Macht der Dummen!“, als eine Art Modetrend spazieren tragen, stimmt nicht nur sehr nachdenklich, sondern macht gleichzeitig auch Angst; sind es doch ausschließlich die Dummen, die das zerstören, was intelligente und fleißige Menschen erbaut. „Wächst in Detuschland tatsächlich eine Generation heran, bei der viele stolz darauf sind DUMM zu sein?“

Gerade deshalb sind Ausstellungen wie diese beiden unglaublich wichtig, rütteln sie doch sowohl mit ihren provokanten Bezeichnungen, als auch mit ihrer einzigartigen Kunst und Muse die Menschen wach.  

IMG_8825„Kunst ermöglicht Zugang zu Welten, die uns unbekannt oder fremd sind!“ Unter diesem Einleitungszitat „Gegen Faulheit“ präsentiert der Heidelberger Kunstverein Neues und bisher Ungesehenes aus der Sammlung von Prinzhorn. Zu sehen gibt es einen interessanten Querschnitt der Pinakothek des Kunsthistorikers und Psychiaters, der im Laufe seiner Praxis 6.000 Zeichnungen, Aquarelle, Gemälde, Skulpturen, Textilien und Texte zusammentrug, die von Patienten Psychiatrischer Anstalten erschaffen wurden.

Durch weitere Schenkungen der Outsider Art in den Achtziger Jahren wuchs die Sammlung mittlerweile auf 14.000 Werke an. Auf zwei Stockwerken werden Bilder von Gudrun Bierski, Alexandra Galinova, Bernd Meckes, Dietrich Orth, Alfred Stief und Ursi präsentiert.

IMG_8826Die Bandbreite der Werke reicht von farbenfrohen und erkennbaren Motiven, bis hin zu abstrakt und total „verrückt“, im Sinne von verschoben, denn auf der ersten Etage hängt ein Bild dessen Rahmen absolut verzogen ist.

Die Worte und Gedanken, die die Patienten auf ihren Gemälden verewigten, sind teils lyrisch, teils zusammenhanglos, stimmen aber sehr nachdenklich im jeweiligen Kontext des intensiven Betrachtens der Bilder.

IMG_8822Daneben gibt es als Kontrast die Vernissage „Was ich immer schon sagen wollte“, die unter dem Motto: „Suchen, spüren, finden, ertasten, komponieren, zusammenfügen, vernähen und auftrennen.“ steht. Der Erschaffer dahinter, Uli Fischer ist ein Meister der vielschichtigen künstlerischen Praxis. Seine Werke erscheinen von weitem wie gemalt, doch bei näherem Hinschauen, stellt man fest, dass die Bilder mit vielen Stoffen unterschiedlicher Farben zusammengenäht sind.

In akribischer Kleinarbeit schichtete der Künstler hier viele Stoffe übereinander und erzeugt damit eine Kommunikation mit Farben und abstrakter Kunst. Bei längerer IMG_8824Betrachtung oder dem Zukneifen der Augen, werden viele Bilder, die beim ersten Blick vielleicht noch wirkten belanglos, unglaublich lebendig, teils räumlich, teils ästhetisch. Es entstehen Landschaften, Ornamente und abstrakte Gebilde, die vorher nicht wirklich erkennbar waren.  

Die Werke wurden überwiegend mit chinesischer Baumwolle und Leinen genäht, es gibt aber auch Bilder aus Seide und Polyester, sowie Mixturen, also eine Kombination von allen Stoffen zusammen.

Die Ausstellungen sind noch bis zum 11. Juni zu sehen. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall, vor allem für Menschen, die, so wie wir, einfach mal wieder etwas Anderes oder etwas Ausgefallenes sehen möchten.

 

Diese Berichte könnten euch auch interessieren:

 

     Dosen, Dschungel, Rivercola           5.  Quilt-Triennale                  [7P]                                Auschwitz

DDR Facebook   Bosshart-Rohrbach_Maze of Colors   IMG_4150   Auschwitz 1

 

ANIMUS KLUB

„Nur den Fleißigen küsst die Muse“ – (Tomi Ungerer)

IMG_8819   IMG_8821   IMG_8818   IMG_8820

„Hat euch unser Bericht gefallen?“ – Wenn ja, dann würden wir uns über euer „Like“ und einen Kommentar auf Facebook sehr freuen. Vielen Dank

Tweet about this on TwitterPrint this pageShare on Google+Share on FacebookEmail this to someone