(07) Barbe Neige à Ludwigshafen


Schneewittchen und die sieben schlafenden Schweinchen! Oder wenn Dornröschen einen zudringlichen Prinzen bäuchlings „abmurkst“! – ANIMUS-KLUB-Kids zwischen begnadetem Kunsthandwerk und grenzenloser Kreativität!

Kreativ 4„Ludwigshafen ist die schönste Stadt Deutschlands!“, das sagte vor gut 15 Jahren die damalige Projektleiterin für politische Bildung und heutige Geschäftsführerin des Vereins „Kultur-Rhein-Neckar e. V.“ Frau Eleonre Hefner zu den Studenten der Evangelischen Fachhochschule für Sozialarbeit nach dem Besuch einer ganz besonderen Kunstausstellung im Rathaus, worauf sich unser erster Vorsitzender Alexander Höfer erlaubte sie zu fragen, ob sie denn schon einmal in Heidelberg oder in Rotburg ob der Tauber gewesen wäre. „Sie dürfen bei einer Stadt niemals nach dem Äußeren gehen, sondern Sie dürfen sie immer nur nach ihren inneren Werten beurteilen!“, so die Dozentin.

Wie Recht Frau Hefner damals hatte, das wissen wir auch schon eine ganze Weile, denn buchstäblich ALLES, was wir in dieser Stadt schon Tolles und Unvergessliches erleben durften und geboten bekommen haben, angefangen von dem sensationellen Straßentheater im Sommer, über das Programm „Hirsche für Kinder“ im Herbst, bis hin zu diesem neuen und großartigen Kunst- und Kreativ-Wochenende, ließ uns jedes Mal immer mit einer ganz großen Begeisterung wieder nach Hause fahren.

Getreu dem Motto: „Jede Woche anders, jede Woche neu“, durften wir auf der diesjährigen Messeausstellung Bilder 2„Rhein-Neckar Creativ“ in der Eberthalle sowohl unglaublich viele neue Anregungen und schöne Impulse im Handarbeitsbereich, als auch in der Spielzeugbranche mit nach Hause nehmen. Neben vielen Verkaufsständen, an denen die Besucher die neuen Produkte und Kollektionen der jeweiligen Aussteller kaufen konnten, gab es auch eine Reihe von Workshops, an denen Kinder und Jugendliche ihre handwerklichen Fähigkeiten zum Besten geben durften. So platzte die Eberthalle inklusive ihres Foyers natürlich buchstäblich aus allen Nähten, und wir hatten weder die Möglichkeit, noch das nötige Kleingeld (10 bis 25 Euro), um uns an einem dieser durchaus sehr interessanten und wertvollen Workshops zu beteiligen.

So entschlossen wir uns kurzerhand noch in den FELIX zu gehen. Der FELIX ist einer der größten uns schönsten Bowlingcenter der Region, und bietet seinen Besuchern neben 36 Bowlingbahnen auch noch im Keller des riesigen Gebäudes zehn Kegelbahnen, 13 Billard- und Snookertische, sowie unzählige Dartspiele und Airhockey-Möglichkeiten. Im Bowlingbereich gibt es weiterhin jede Menge alternative Spielmöglichkeiten, wie zum Beispiel Tischhockey. Eine gute Stunde amüsierten wir uns in diesem tollen Ambiente, bevor uns von diesen großen und schweren Kugeln doch ein wenig die Arme schmerzten.


Le Sacre du Travail im Wilhelm Hack Museum

Auf der Autofahrt künstlerisch passend begleitet von der Musik des neuen Albums „Le Sacre du Travail“ – die Wertschätzung der Arbeit – von Andy Tillisons „The Tangent“, besuchten wir dann einen Tag später das Wilhelm-Hack-Museum. Das Ludwigshafener Kunstmuseum ist immer eine sehr gute Adresse, um sich neue und vielseitig kreative Anregungen zu holen, oder sich von ausgefallenen Impressionen der Moderne inspirieren zu lassen. Besonders sehenswert ist das wunderschön beleuchtete Herzstück des Museums, in dessen weinroten und bläulichen Räumlichkeiten man viele religiöse Gemälde und Skulpturen, sowie ein sehr wertvolles Triptychon von der Kreuzigung Jesu bewundern kann.

Hack 8Derzeit ist hier aber auch die umfangreichste Vernesage des Holländischen Künstlers Michael Raedecker zu sehen. Raedecker zeichnet sich vor allem darin aus, dass er Farbe und Fäden in Einklang bringt, und daraus dreidimensionale und oft auch in sich spiegelnde Architekturen, Bildgegenstände, Objekte, Pflanzen oder Portraits erstellt, die aufgrund ihrer Einfarbigkeit oft sehr düster und geheimnisvoll wirken. Bei einigen der rund dreißig Gemälde auf denen Häuser oder Garagen extrem dunkel dargestellt sind, hat man aufgrund der zusätzlichen „Fadenebene“ ebenfalls das Gefühl, dass in einigen Räumen das Licht brennen würde.

 

Barbe Neige et les 7 petits cochons au bois dormant

Nach einem gemütlichen Cafébesuch am Berliner Platz, erwartete uns in dem von der Neoninstallation Kairo beleuchteten Pfalzbau ein weiteres, ebenfalls völlig unerwartetes Highlight.. Das Theaterstück „Schneewittchen und die sieben schlafenden Schweinchen“ von Laura Scozzi feierte an diesem Tag in Ludwigshafen seine Prämiere, und dieses Spektakel, wollten, oder besser gesagt, konnten wir uns einfach nicht entgehen lassen.

Schneewittchen 3

Barbe Neige © Laurent Philippe

So durften wir wenig später hautnah in der Ersten Reihe sitzend mitverfolgen, wie acht geniale Ballett- und Hip-Hop-Tänzer des „Théâtre de Suresnes Jean Vilar“  fast 80 Minutenlang mit urkomischen und witzigen Choreographien, sowie total „abgefahrenen“ und kuriosen Showeinlagen die komplette Märchenwelt mit ihrer tänzerischen und großteils pantomimischen Darbietung auf den Kopf stellten.

Bereits der Bär, der Rotkäppchens Brotkörbchen für die Großmutter direkt vor der Bühne spazieren trug, sowie die drei Bienen, die in der Ouvertüre zu der klassischen Musik des Italienischen Zaubergeigers Paganini „breakdanceartig“ und „roboterähnlich“ mit den Schultern zuckend perfekt im Takt der Musik herumschwirrten, sorgten für die ersten erheiternden Reaktionen bei den Zuschauern.

Barbe Neige © Laurent Philippe

Barbe Neige © Laurent Philippe

Danach ging es allerdings Schlag auf Schlag, denn unmittelbar nach der Eröffnung starteten die drei kleinen Schweinchen, die sich in Gummistiefeln über die Bühne tanzend und „rappend“ an den völlig verdutzten „bösen“ Wolf heranmachten, den ersten größeren Angriff auf unsere Lachmuskeln. Im Anschluss daran sorgten dann insgesamt drei Aschenputtel für Furore, als sie auf ihrer Flucht aus dem Schloss MEHR als nur einen Stöckelschuh fallen ließen. Natürlich durfte in dieser völlig verrückten Märchenwelt das bildschöne Dornröschen nicht fehlen. Aber auch sie verhielt sich, zur großen Verwunderung der vier Prinzen, nicht wirklich konträr zu der Geschichte, die im Märchenbuch steht, denn anstatt sie ihren Rettern die Chance gab, sie aus dem Schlafe wach zu küssen, ließ sie die ersten drei von ihnen mit überraschenden Posen abblitzen, und erdrosselte den vierten und größten Lustmolch bei seinem Versuch zutraulich zu werden eigenhändig mit ihrem Schal.

 

Blaue Ballerina                    Rote Ballerina                    Grüne Ballerina                Rosa Ballerina

 

Selbst das brave und unschuldige Rotkäppchen (gespielt von einem Tänzer mit Dreitagebart und Haaren an den Füßen) mutierte im Intermezzo zur brutalen Mörderin, indem sie den „bösen“ Wolf in einem verführerischen Liebesspiel auf ganz raffiniert Art und Weise um die Ecke brachte.

Das gefiel den beiden Security-Bären, die als Türsteher an der Pforte des Schlosses standen, offenbar so gut, dass sie urplötzlich anfingen wie die Verrückten synchron Breakdance zu tanzen, und dem Publikum, mit Ausnahme des Headspins (also dem schnellen Drehen auf dem Kopf), sämtliche Bewegungen dieser Tanzart (Six-Steps, Airtwists, Windmills etc.) zum Besten gaben.

Barbe Neige © Laurent Philippe

Barbe Neige © Laurent Philippe

Barbe Neige © Laurent Philippe

Barbe Neige © Laurent Philippe

Was die Luxemburgische Combo allerdings mit der Hauptfigur, dem berühmten Schneewittchen, alles auf der Bühne getrieben hat, war einfach nur „zum Feuerschreien“. So tauchte aus dem Dunkeln auf einmal ein völlig verschüchterter Zwerg auf, der bereits wenig später von sieben Schneewittchen in seinem Zuckerhäuschen umworben wurde. Ein offenbar drogengetränkter Apfel der bösen Schwarzen Hexe machte die Schneewittchen urplötzlich „high“ und vor allem gefügig, denn sie fingen in Partylaune nicht nur an zu saufen und zu kiffen, sondern sie konnten auch keinen Halt davor machen, zu siebt, wollüstig über den armen Zwerg herzufallen. Kleidungsstücke flogen synchron zu dem schnellen Takt der Musik aus den Fenstern, und lautstarkes, sowie lustvolles Gekicher war zu hören, bis sich urplötzlich die Tür des Häuschens öffnete, und die sieben Schneewittchen im Strip-Tanga einen „New Yorker“ auf die Bretter rappten, dass die Zuschauer beinahe vor Lachen zusammengebrochen wären.

Bleibt dem ANIMO zum Schluss nur noch zu sagen, dass diese Erlebnisse wieder einmal absolut großartig waren, und dass er sich schon riesig auf die großen „Events“ freut, die euch in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten erwarten werden. Ein ganz besonderes Dankeschön gilt dem Théâtre Suresnes und Frau Manon Meier, die uns die Pressefotos von Laurent Philippe für diesen Artikel zur Verfügung stellten. Merci bien.

 

ANIMUS KLUB

Wir erleben besondere Momente!

 

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