Budapest – Eindrücke einer fremden Stadt


Was bleibt Dir für Dein Leben, wenn Du das Nintendo, die Playstation oder die WII ausschaltest?“ – ANIMUS-KLUB-Kids in Budapest zwischen schmerzhaftem Wertezerfall, trügerischer Realität und dem eigentlichen Sinn des Lebens!

Ra-Ru - 021. - 08. November 2013_html_m5952acb4Eine Woche Budapest ist viel zu lang!“

Budapest ist viel zu weit weg, und wenn etwas passiert, sind wir nicht da!“

120 Euro für eine Woche Budapest ist viel zu teuer!?!“

Was kann man denn schon eine Woche lang in Budapest unternehmen?“,

bis hin zu dem Argument:

Wir haben Angst, dass unser Kind dort ermordet werden könnte (?!?)“, fanden sehr viele Nußlocher Eltern wieder einmal zahlreiche Gründe ihren Kindern diese kulturelle Bereicherung zu verwehren.

Aber der Budapester Sozialpädagoge Péter Győri kennt die panischen Ängste und die großen Vorbehalte schwieriger Eltern sehr gut, und so zeigte er sich auch überhaupt nicht verwundert darüber, dass wir dieses Mal nur mit einer verhältnismäßig kleinen Gruppe seine Heimatstadt besuchten, um dort an einem besonders wertvollen Programm aus Kultur und Leben teilzunehmen.

Gleich vorweg. Budapest ist im Westlichen Europa angekommen, zumindest, was den Konsum und die Bedürfnisbefriedigung der wohlhabenden Menschen und reichen Touristen angeht. Die kleinen, warmen und persönlichen ungarischen Geschäfte, in denen man einst problemlos mehrere Stunden nach wunderschönem Kulturgut stöbern konnte, gibt es nicht mehr. An ihre Stelle rückten überall in der Stadt gigantisch große und prunkvoll eingerichtete, extrem teuere Einkaufspaläste, in denen man fast schon ein Navigationsgerät benötigt, um die Orientierung nicht zu verlieren.

  

Auch die „Váci utca“ – die Budapester Einkaufsstraße – unterscheidet sich heute 2013 nicht mehr viel von Städten wie Heidelberg, Mannheim oder Stuttgart; ja selbst sogar die Anordnung der Geschäfte ist nahezu identisch, und man hat überhaupt nicht den Eindruck in einer fremden Stadt, oder in einem anderen Land zu sein.

Im Kispester Europark, einer kleineren Einkaufsgalerie am Rande der Stadt, bekamen wir schon am ersten Tag einen tiefen Eindruck davon, wie sehr sich die Großstadtmetropole Budapest in den letzten Jahren verändert hat, denn als wir aus dem Auto ausstiegen, empfing uns bereits im Parkhaus eine verführerische Lounge-Musik, und gleich darauf im Interspar-Markt begrüßte uns Ende Oktober auch schon das freudestrahlende Gesicht unserer „pervertierten“ Konsumgesellschaft, das uns in Form eines rot glitzernden Weihnachtsmannes mit einem trügerischen Lächeln ganz verlockend angrinste.

Hier ein kleiner Bildeindruck davon, wie extrem die Schere zwischen Arm und Reich in Ungarn in einer Straße auseinandergeht. 

  

Passend zu dieser traurigen Atmosphäre treffen wir in den Einkaufsmeilen der Innenstadt fast ausschließlich auf nervige, überwiegend Deutsche Touristen, die nicht nur mit ihren peinlich-aggressiven, und teilweise auch hysterisch herumquengelnden, sichtbar Media süchtigen Kindern – „Nein! Ich will dieses Zombiespiel jetzt haben!“, lautstark durch die Stadt hetzten, sondern, die auch untereinander, in einer so traurigen verbalen Härte miteinander umgingen, dass es richtig weh tat.

Wenig später beim Betreten der U-Bahn verdüsterte sich dieses ohnehin schon sehr triste Bild einer fremden Stadt noch einmal um ein Vielfaches, denn wir mussten mit einer gewissen Form der Beunruhigung zur Kenntnis nehmen, dass wir in einem EU-Land an allen Ecken und Enden kontrolliert, und auf Schritt und Tritt beobachtet wurden. Auch in der Stadt selbst wimmelte es überall nur so von Polizisten, Ordnungshütern und Blaumännern. Selbst in einem Discounter öffnete uns ein Sicherheitsbeamter die Tür, und ließ uns während unseres Einkaufes keine einzige Sekunde aus den Augen.

Es ist also wirklich nicht verwunderlich, dass gerade die großen Ungarischen Rockgruppen wie Bikini, Edda oder auch die Hobó Blues Band in ihren neuen Songs wieder davon singen, dass in dieser brodelnden Welt von Minute zu Minute sämtliche Werte, positiven Vorbilder oder Ideale vor den Augen einer betrogenen Bevölkerung zerbrechen, und dass sie auch auf ihren Konzerten wieder vermehrt die alten, bitteren und tieftraurigen Lieder aus der Zeit des Sozialismusses anstimmen, die heute live noch viel schmerzhafter erklingen als damals.

Nein, das ist nicht mehr das Budapest, das unser erster Vorsitzender Alexander Höfer in der Zeit seines Studiums kennen und schätzen gelernt hat“; und auch der kommerzielle „Wahnsinn“, sowie die Reizüberflutung der medialen Welt, die aufgrund ihrer primitiven und glitzernden Attraktivität nicht nur sehr viele unserer Kinder verrückt machen, sondern sie auch noch sichtbar zu absolut sozial inkompetenten, bequemen, egozentrischen, aber vor allem interesselosen Persönlichkeiten ohne Dankbarkeits- und Wertschätzungsgefühl für ihre Mitmenschen und ihre Umwelt vereinsamen (!) lassen, passt nicht wirklich in das Bild des kulturell reichen und historisch schöngeistigen Budapests.

    

So empfanden wir es als eine ganz große Erleichterung, als wir wenig später die U-Bahn verließen und zusammen mit Péter in den nahegelegenen Abenteuerpark von Csillebérc fuhren. Dort angekommen, erwarteten uns in einer bildschönen Natur, sage und schreibe, 26 verschiede Kletterpfade mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Gut vier Stunden verbrachten wir in diesem wunderschönen Ambiente, das uns ein ums andere Mal an unsere Grenzen stoßen ließ. Aus diesem Grund nahmen wir am Ende unserer Klettertour nur sehr schweren Herzens zur Kenntnis, dass auch diese tolle Attraktivität wahrscheinlich bald in naher Zukunft Geschichte sein wird.

Bei unserer Stadtbesichtigung tags darauf, die uns vom traditionellen Heldenplatz, über das Parlament, sowie die Kettenbrücke bis hin zur Fischerbastei führte, trafen wir ebenfalls auf unglaublich hektische Touristen, die in Windeseile sämtliche Sehenswürdigkeiten nur wie eine billige Kopie abfotografierten, ohne sich wirklich für den geschichtlichen Hintergrund dieser Denkmäler oder Gebäude zu interessieren.

  

So war der Ausflug in das 40 Kilometer entfernte und historische Visegrád am dritten Tag regelrecht Balsam für die kulturelle Seele, denn auf der Spitze des Berges befindet sich ja eine der ältesten Burgen Europas. Ein langer und sehr anstrengender Aufstieg über extrem steile und schmale Waldpfade, deren Bäume in der matten Herbstsonne in bezauberndem goldbraunem Antlitz erstrahlten, erwartete uns. Ganz oben angekommen durften wir dann erst einmal gut drei Stunden Bobfahren, und danach auf der Burg nicht nur bei Sonnenuntergang eine wundervolle Aussicht auf das Donauknie genießen, sondern auch noch einen Mäusebussard auf den Arm nehmen.

Der vierte Tag stand dann ganz im Zeichen der Familie. Ein Ausflug auf den Wochenmarkt stand als Überraschung auf dem Programm, sowie die Möglichkeit in aller Ruhe Hausaufgaben für die Schule zu erledigen. An dieser Stelle ein ganz besonderes Dankeschön an Margit und Tamás Fibi, die uns über die ganze Zeit eine unglaublich große und herzliche Gastfreundschaft bescherten, die man hierzulande leider nur noch sehr sehr selten vorfindet.

Mit Angeln begann der längste, ereignisreichste und gleichzeitig auch spannendste Tag unserer abwechslungsreichen Freizeit, bei dem uns das „Petri Heil“ am frühen Morgen beinahe einen drei Kilo schweren Karpfen beschert hätte. Anstelle von Fischsuppe gab es dann das schmackhafte und würzige „Paprikás Krumpli“. Nach dem Mittagessen war Motorbootfahren auf der Donau angesagt, und wenig später durfte dann eine stolze Großmutter ihre beiden Enkel im Fernsehen bewundernRa-Ru - 021. - 08. November 2013_html_cce02f1, und nachempfinden, was sie in Deutschland alles im ANIMUS KLUB machen. Der Tag endete für die Größeren allerdings erst um halb drei Uhr morgens, da wir zusammen mit Péter noch gut siebenstundenlang zwei Jugendklubs besuchten, die sich hauptsächlich um obdachlose Kinder kümmern. Auch wenn an diesem Tag nur wenig betroffene Kinder anwesend waren, hinterließen die dabei gewonnen Eindrücke Spuren und vor allem die Frage, wie man in denn in der heutigen Zeit zu Hause ohne Strom leben soll. Kunst 1

Was bleibt Dir für Dein Leben, wenn Du das Nintendo, die Playstation oder die WII ausschaltest?“

 

Richtig – Nichts!“

Doch leider ist dieses „Nichts“ für viele Kinder wesentlich bedeutungsvoller, interessanter und  wichtiger als ein Buch zulesen, etwas zu lernen, oder sich persönliche Fähigkeiten und Fertigkeiten anzueignen, und deshalb hofft der Budapester Sozialpädagoge Péter Győri inständig, dass die Deutschen Kinder bei ihrem Besuch etwas Lehrreiches für sich, und ihr späteres Leben mit nach Hause nehmen konnten.

 

ANIMUS KLUB

A tudást nem lehet ajandékba kapni! – “ Wissen lässt sich nicht als Geschenk bekommen!“ (Osvát Ernő)



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