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(282) Стоянка Мутафова

Die 94-jährige bulgarische Schauspielerin Stoyanka Mutafova rockte in der Theaterkomödie ГОСПОЖА СТИХИЙНО БЕДСТВИЕ 100 Minuten lang die Bühne des Kulturhauses Käfertal und bekam dafür minutenlange stehende Ovationen!

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Sie ist die älteste noch aktive Bühnenschauspielerin der Welt. Sie steht im Guiness-Buch der Weltrekorde und tourt derzeit durch Deutschland und ihre Veranstaltungen sind fast überall ausverkauft. Bekannt ist sie für ihre unnachahmliche Schauspielkunst, sowie ihren genialen Humor, der mit absolut großartigem Sprachwitz selbst den Zuschauern Tränen vor Lachen in die Augen treibt, die der Bulgarischen Sprache nicht wirklich mächtig sind. Stoyanka Mutafova ist unzweifelhaft eine der ganz großen Koryphäen der Bühne; eine Koryphäe, die man, genauso wie Heinz Rühmann, einfach einmal gesehen und miterlebt haben muss.

IMG_9735Mit ihren 94 Jahren präsentierte sich die 1922 in Sofia geborene Stoyanka im Käfertaler Kulturhaus wie eine Mittsiebzigerin, und für ihr Alter nicht nur wortgewandt fit wie ein Turnschuh. Große Erfolge, sowohl für Rollen in sehr bedeutenden bulgarischen Filmen, als auch bekannter Fernsehserien, und nicht zuletzt die Hauptrollen in den IMG_9725rund 50 Theaterinszenierungen, stehen seit Beginn ihrer großen Schauspielkarriere 1946 zu Buche. Bereits in der Zeit des Sozialismus erheiterte und unterhielt sie generationenübergreifend Menschen und füllte die Säle der größten Theaterhäuser.

So war es einerseits ein wunderschöner und einmaliger Moment für uns, diese begnadete Schauspielerin und große Persönlichkeit in Mannheim begrüßen und live auf der Bühne miterleben zu dürfen, andererseits waren wir jedoch sehr überrascht darüber, um nicht zu sagen enttäuscht, dass das Kulturhaus Käfertal, das sich ja als Soziokulturelles Zentrum betrachtet, um den interkulturellen Austausch zwischen den Menschen zu fördern, auf ein solches kulturelles Highlight, weder auf ihrer hausinternen Homepage noch auf ihrer Facebookseite aufmerksam gemacht hat, oder anderweitig bewarb.

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Dass wir von dieser tollen Veranstaltung überhaupt Kenntnis bekamen, das verdanken wir einzig und alleine einer Plakatierung am Bulgarischen Lebensmittelgeschäft in der Mannheimer Neckarstadt, das uns zwei Tage zuvor bei unserem Besuch der lateinamerikanischen Peña aufgefallen war. So war die Mannheimer Veranstaltung leider auch die einzige der Deutschland-Tour, die vor einem halbleeren Haus stattfinden musste. Auch die Presse oder Vertreter der Stadt Mannheim machten dieser großen 94-jährigen Persönlichkeit KEINE Aufwartung.

Aufgrund dieser Gegebenheit war natürlich auch eine gewisse Enttäuschung seitens der Verantwortlichen über den halbleeren Saal des Käfertaler Kulturhauses schon ein wenig spürbar, hätten sie doch sehr gerne gerade hier in Mannheim – in der Kulturhauptstadt der Region – dieser großartigen Künstlerin ein ausverkauftes Haus beschert.

IMG_9826Die einzigen bekannte Gesichter aus der Mannheimer Szene waren der Regisseur und Schauspieler Limeik Topchi, der schon seit Jahren an der Mannheimer Abendakademie Schauspielunterricht erteilt und IMG_9814seit 2013 die internationale freie Theatergruppe „Unser Theater“ leitet, sowie die Schauspielerin Margarita Zarkova. Besonders für Limeik Tochi war dieser Abend etwas ganz Besonderes, spielte doch in diesem Stück sein früherer Lehrer Nikolay Atansov-Schuschi mit, den er genauso wie Stoyanka Mutafova im Anschluss an die Vorführung in seine Arme schließen konnte.

Ebenfalls anwesend war der Verein „Happy 2 Help“, eine Initiative, die sich dafür einsetzt, Bulgarien zu helfen; einem Land, das ja immer noch zu einem der der ärmsten Länder Europas zählt, und auch IMG_9832infrastrukturell noch sehr weit von der westlichen Welt entfernt ist. Der Verein war mit einem Infostand und zwei ganz netten Mitarbeiterinnen anwesend, verteilte Flyer und machte auf ehrenwerte Hilfsprojekte aufmerksam. 

IMG_9787Jetzt aber zu dem eigentlichen Highlight des Abends, dem Theaterstück ГОСПОЖА СТИХИЙНО БЕДСТВИЕ, das man vielleicht sinngemäß mit „Die stürmische Frau“ auf Deutsch übersetzen kann. Hierin spielt Stoyanka Mutafova die hochbetagte Olga, die vor 30 Jahren ihren Mann verlor, und ihr Alter nicht wirklich zur Kenntnis nehmen will. Dementsprechend befindet sich die Dame immer noch in bester Feierstimmung, und ist der absoluten Überzeugung, dass sie sämtliche, einst gelernte Tänze, wie Step-Dance, Charitons, Sirtaki oder Willst noch in vollem Umfang auf die Bretter legen kann.

IMG_9741Da ihre Gefühle ständig mit ihr Achterbahn fahren, fühlt sie sich auch noch erotisch topfit und legt hier so manche Überschätzung an den Tag. Wegen ihrer Verrücktheit ist ihre Tochter Elsa ohne Mann geblieben. Die beiden wohnen mit ihrem gemeinsamen Freund zusammen in einem italienischen Haus, und Musik aus bekannten Operetten, wie zum Beispiel Verdis Rigoletto erklingen ab und zu im Hintergrund.  

IMG_9718Die Bühne befindet sich zu Beginn des Stücks in einer heftigen Unordnung. Stühle liegen umher. Die Telefonhörer hängen zu Boden, und eine dreiviertel leere Wodkaflasche ziert das Tischchen neben der Couch. So nahm das Chaos, rund um den Alltag der Tochter, die von der großartigen Adriana Andreeva absolut authentisch gespielt wurde, seinen Lauf. Extrem verärgert stellte die Alleinstehende die Stühle wieder an ihren richtigen Platz zurück, und rief mehrmals ziemlich wütend nach ihrer Mutter, die gleich darauf gut angeheitert die Bühne betrat.

IMG_9727Des Sprechens ein wenig aufgrund des vielen Alkohols beeinträchtigt, legte die Alte gleich mal so richtig los mit ihrer Tochter herumzuhadern und ihr klar zu machen, wer hier der Herr, oder besser gesagt, die Frau im Hause ist. Um sich noch mehr Mut zu machen, nahm die hochbetagte Frau, erst einmal einen ganz kräftigen Schluck aus der Wodka-Flasche, und versuchte damit deutliche zu machen, dass sie immer noch topfit ist und nicht zum alten Eisen gehört.

IMG_9786Allerlei bulgarische Schimpf-Floskeln flogen in der Folgezeit durch die Luft, und Stoyanka Mutafova konnte nicht umhin, ihrer Tochter zu beweisen, wie toll sie noch Tanzen konnte. Auf eine Mischung von Klassik und Pop, und ihm rhythmischen Klatschen des Publikums, schwang die dynamische Dame die Beine und Hüften, und wirbelte parallel dazu triumphierend posierend ihren Gehstock, genauso wie die besten Rocker ihre Mikrofonständer, durch die Luft.

Ja, die, im wahrsten Sinne des Wortes, stürmische Frau, bekam über den Abend hinweg für viele solche coole Gesten und Mimen auch den stürmischen Applaus des Publikums, und die Lacher waren ihr jederzeit gewiss, zumal sie ständig ihren gut 30 Jahre jüngeren gemeinsamen Freund, gespielt von Nikolay Atansov-Schuschi, nach allen Regeln der Kunst anbaggerte, und versuchte ihn mit Extrem-Flirts um den berühmten Finger zu wickeln.

„Ach wie schön ist es von dann und wann, wenn man eine fremde Sprache sprechen und verstehen kann!“ – Das Zitat unseres berühmten Heinz Erhardt begleitete uns daher mehr als nur einmal am heutigen Abend durch die vielen und zum Schreien komischen Situationen.  

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Ein nostalgischer und monumentaler Abend endete nach dem Schlussapplaus mit einer privaten aber hochemotionalen Fotosession mit den drei sympathischen Schauspielern, und eine stolze und überaus glückliche Hauptdarstellerin, zeigt sich junggeblieben, und ließ sich natürlich auch sehr gerne mit vielen bunten Blumen beschenken.

Bilder: Alexander Höfer

 

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