(617) Mittelalterlicher Jahrmarkt 2019


Hufeisen schmieden! – Lederbeutel erstellen! – Und Gauklern bei ihren Marotten zuschauen! – Der Herzogenriedpark öffnete wieder seine Tore für Hofdamen, Könige, Mägde, Narren, Ritter, Wikinger und Fans des Mittelalters!

 

Die Mittelaltermärkte stehen von Zeit zu Zeit immer mal wieder auf unserem Programmplan, entführen sie uns doch zurück in eine Epoche, in der noch ein sehr reizarmes, wenn auch raues Leben geführt wurde. Fernab vom Handy und der medialen Überflutung, hin zum wahren Leben, zum wahren Handwerk, zur Wertschätzung von Produkten, aber auch zur Ruhe und Genügsamkeit, erleben wir jedes Mal, wie schön es doch sein kann, einmal einen Gang zurückzuschalten und sich wieder auf die eigentlichen Tugenden und Werte des Lebens zu besinnen, und den Reichtum, den uns Mutter Natur tagtäglich schenkt zu schätzen lernen.

Bereits beim Betreten des Parks wehte uns nicht nur der rauchige Duft von Holzkohle entgegen, sondern auch ein rhythmisch klackerndes Hämmern, das uns vollständig in seinen Bann zog. Der Schmied, Beutelmacher, Strippenzieher, oder einfach nur Erzieher Jörg Deschner aus dem niedersächsischen Duingen, war mit einem großen Stand vor Ort, an dem alle Kinder ab dem dritten Lebensjahr entweder ein Hufeisen schmieden, oder ein mittelalterliches Lederbeutelchen, bzw. einen Anhänger erstellen konnten. „Wow! – Bereits die erste Station präsentierte sich als ein ganz großes Highlight für die Kinder, an dem auch wir nicht vorbeikamen!“ – Von der aktuellen Krankheitswelle immer noch stark betroffen, war Viktoria heute die einzige, die in den Genuss kam, diese mittelalterlichen Traditionen einmal ausprobieren zu dürfen.

Da der Andrang und das Interesse an diesem Stand natürlich sehr groß waren, mussten wir einige Zeit warten, bis wir an die Reihe kamen. Aber Warten gehört zum Leben einfach dazu, und wir hatten ja alle Zeit der Welt mitgebracht, dieses Fest wie immer so intensiv wie möglich erleben zu können.

Schmieden ist ein uraltes Handwerk. Sein Ursprung geht zurück bis in die Bronzezeit von 2.200 bis 800 vor Christus. Geschmiedet wurden vor allem Werkzeuge und Geräte für den Hausgebrauch und natürlich auch Waffen. Zur Produktion dieser Gegenstände benötigte man natürlich Feuer, und zwar ziemlich heißes Feuer. Hierfür hatte Jörg Deschner eine traditionelle Feuerbank aufgebaut. An dieser mussten die Kinder nun zuerst einmal ganz kräftig im gleichen Rhythmus kurbeln, um dem Feuer nicht nur Luft zuzuführen, sondern auch um das Eisen nach einiger Zeit richtig zum Glühen bringen zu können.

Nachdem dieser Prozess durchgeführt war, begann das eigentliche schmiedeeiserne Handwerk, denn jetzt musste das heiße und glühende Eisen in die richtige Form gebracht werden. Dafür hatte Jörg Deschner einen Amboss und mehrere Hämmer für die Kinder bereitgestellt. Damit aus der heißen Spitze der Metallstange auch wirklich ein Hufeisen entstand, half der Erzieher den Kindern beim Formen. Nachdem das Hufeisen erstellt war, wurde es geplättet. Hierfür schlugen die Kinder zusammen mit Jörg Deschner sehr schnell im Wechsel auf das geformte Hufeisen ein. Jetzt noch kurz abkühlen lassen, danach das Hufeisen mit ein paar Hammerschlägen von der Eisenstange trennen, und fertig war das kleine aber feine Andenken.

Als nächstes wollte Viktoria einen Lederbeutel anfertigen. Das Handwerk des Beutelmachers ist ebenfalls fast ausgestorben. Bereits in der Zeit der Industriellen Revolution Anfang des 20. Jahrhunderts fiel dieser Beruf ganz langsam, aber stetig der Massenproduktion der großen Firmen zum Opfer. Heute hatten die Kinder allerdings die Möglichkeit durch das selbständige Anfertigen eines Beutels diesen interessanten Beruf einmal nachempfinden zu können.

Viele verschiedene Farben und Muster hatte Jörg Deschner den Kindern hierfür zur Verfügung gestellt. Ausgestattet mit Rundlocheisen und Hammer mussten sie zunächst einmal die Löcher für die Schnur erstellten. Fortan wurde also gehämmert, was das Zeug hielt, um aus dem Leder die Öffnungen heraus zu stanzen. Gut eine Dreiviertelstunde lang war Viktoria damit beschäftigt dieses Beutelchen fein säuberlich anzufertigen.

 

Nach so viel Handwerk war Show-Time angesagt. Der Clown, bzw. Hofnarr Kai aus Köln war da, und präsentierte uns seine schlagfertige Show aus Wortwitz und Jonglage der Extraklasse. Der Schalk, der uns erst einmal erklärte, was denn eigentlich eine Marotte ist, und gleich darauf wie ein wilder, bunte Kugeln durch die Luft wirbelte, dabei unglaublich Grimassen schnitt, verzauberte nicht nur auf unglaublich geniale Art und Weise gelbe Bälle in blaue, sondern hielt den Kindern auch den Spiegel vor Augen, damit sie etwas sehr Schönes zu sehen bekamen. Mit viel Slapstick und lautstarkem mittelalterlichem Temperament, sowie Charme wickelte der Narr die Kinder um die Bälle, und zeigte ihnen geniale Jonglage-Tricks, bei denen ihre Augen wie verrückt hin- und herztanzten.

Während der Show zog allerdings auch heftiger Wind auf, und die ersten Regentropfen fielen vom Himmel herab, was den Kai aus Köln allerdings nicht davon abhielt die Keulen zum großen Finale meterhoch in die Luft zu schleudern, um sie dann im großen Applaus der Zuschauer wieder aufzufangen.

Während die Regentropfen immer stärker vom Himmel fielen, hatten wir noch die Möglichkeit an den vielen Ständen zu stöbern, einem Kaffeeröster bei der Arbeit zuzuschauen, sowie Henker und Gefangene zu beobachten  und eine Ritterrüstung mal etwas näher unter die Lupe zu nehmen. Gut 80 Kilogramm wiegt so ein Teil. Allein das Kettenhemd kommt dabei auf rund 26 Kilo. Eine maßgeschneiderte Ritterrüstung kann man allerdings nicht kaufen. Diese muss man selbst anfertigen. 

Auch das Kettenhemd, das, je nach Größe und Umfang, zwischen 6.000 und 10.000 – (und mehr) – einzelnen Kettenringen besteht, muss von den Liebhabern in akribischer Fleißarbeit erstellt werden. Gut ein Jahr Arbeit ist notwendig, um ein komplette Rüstung zu bauen, wenn man seine komplette Freizeit und Muße in dieses Hobby steckt.

Zum Schluss unseres Besuches durften wir noch dem Konzert von der Mittelalterband Taranis aus dem Wetteraukreis lauschen. Die fünfköpfige Band agierte auf der Hauptbühne mit drei Dudelsackspielern, die synchron ihre Melodien zu den traditionellen Rhythmen zum Besten gab. Wir sagen den Verantwortlichen Danke und freuen uns schon jetzt auf die nächsten Mittelaltermärkte, die im Juni und Juli in unserer Region stattfinden werden.

Bilder: Alexander Höfer

 

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