(622) 100 Jahre Friedrich Ebert


Heidelberger Friedrich-Ebert-Gedenkstätte ehrte ihren Protagonisten zum 100-jährigen Jubiläum mit der Sonderausstellung „Demokratie wagen“!

1919, also vor genau 100 Jahren, der Erste Weltkrieg war gerade vorbei, Kaiser Wilhelm II gestürzt, und Baden wurde zu eine Republik mit demokratischer Verfassung. Am 11. Februar 1919 wurde Friedrich Ebert dann zum ersten Reichspräsidenten gewählt und lenkte fortan bis 1923 die Geschicke des Landes. Hier ließ er nicht nur rechte, sondern auch gewaltbereite linke revolutionierende Gruppen mit Waffengewalt niederschlagen.

In der aktuellen Sonderausstellung „Demokratie wagen“, geht es allerdings weniger um den großen Friedrich Ebert selbst, sondern vielmehr um Menschen, bzw., um historische Ereignisse, die von 1789 bis 1918 entscheidend dazu beigetragen haben, dass unter der Reichspräsidentschaft von Friedrich Ebert erstmals demokratische Strukturen in unserem Land eingeführt werden konnten. So gab es in dieser Ausstellung sehr viel zu lesen, und auch sehr viele hochinteressante Informationen, die bisher noch nicht in den Geschichtsbüchern der Schule erschienen sind, quasi Insiderwissen. Somit ist diese Ausstellung also ein absoluter Leckerbissen für alle Menschen, die sich sehr für die Deutsche Geschichte interessieren.

Selten, so das Zitat auf einem der Plakate, hat ein Ereignis die Geschichte der Moderne so geprägt wie die Französische Revolution von 1789. Tatsächlich war Frankreich das erste Land, das mit dieser Revolution den Grundstein für demokratische Verhältnisse schaffte, denn die Franzosen, also die Bürger, waren fortan wahlberechtigt, und hatten so die Möglichkeit an der Herrschaft ihres Landes mitzubestimmen.

Neben dem badischen Gesandten Friedrich Landolin Karl von Blittersdorf der 1835 zum Außenminister gewählt wurde und die ersten reaktionären Akzente in Richtung Demokratie setzte, trug insbesondere Ludwig Frank von 1874-1914 demokratische und soziale Reformen voran. Als hochengagierter Oppositionspolitiker machte er auf die sozialen Ungerechtigkeiten des Landes aufmerksam, und legte Alternativen vor. So wurde Ludwig Frank zum Sinnbild der damaligen SPD. Unter im erhielten erstmals Arbeitslose eine Unterstützung.

Auch wirtschaftliche Reformen wurden vorangetrieben. Ein ganz bekannter Kopf war in diesem Zusammenhang der liberale Innenminister Ludwig Georg Winter, der 1836 dem Badischen Zollverein beitrat.

In der Ausstellung findet sich ebenfalls ein hochinteressanter Beitrag über die Eröffnung des neuen und hochmodernen Männergefängnisses in Bruchsal, das 1845 eröffnet wurde. Ein Vorteil. Neben dem neuen Männerzuchthaus verfügte die Stadt Bruchsal noch über das alte Männergefängnis, sowie einem Waibergefängnis, sodass also sehr viel Platz für Widersacher vorhanden war. Das machte sich natürlich die damalige Regierung zu Nutze, und buchtete so viele Querulanten ein, wie sie nur konnte.

Die Ausstellung glänzt auch mit einem sehr eindrucksvollen Bericht über Clara Siebert, die sich sehr stark für das Wahlrecht von Frauen einsetzte. Am 30. November 1918 wurde dieses große Engagement belohnt, und alle Deutschen Erwachsenen, die mindestens 20 Jahre alt waren, erhielten das Wahlrecht.

Neben den vielen geschichtlichen Informationen und Daten gibt es auch ein paar ganz lustige und satirische Bilder zu sehen. Jede Zeit hat ihren Humor, und jede Zeit hat auch ihren ganz eigenen und besonderen Stil. Bei einigen satirischen Zeichnungen, wie zum Beispiel dem Bild: „Lage von Grönlandfahrern, die  einfrieren und etwas im Eise der Grundrechte steckengeblieben sind“, benötigt man allerdings historisches Wissen, um die Komik richtig verstehen zu können. So wurden unter die Bilder die jeweiligen Erläuterungen geschrieben.

In einem Bereich der Ausstellung erwartet die Besucher unter dem Opus „Magna Charta der Freiheit“ auch eine hochspannende Geschichte über die Offenbacher Forderungen von 1847. Die Fußenden der Plakate präsentieren Auszüge aus Dokumenten, die in Altdeutscher Schrift und Sütterlin gehalten sind.

100 Jahr Friedrich Ebert mit der dazugehörigen Sonderausstellung „Demokratie wagen“, war eine sehe leseintensive, aber daher auch unheimlich informative Präsentation von geschichtlich sehr wichtigen Menschen und Themen, ohne diese es heute unsere Freiheit nicht wirklich gäbe.

Wir sagen wie immer vielen Dank für diesen großen Lerninput, und freuen uns schon auf die nächsten Vorstellungen in der Friedrich-Ebert-Gedenkstätte.

Bilder: Alexander Höfer

 

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