(661) 20. Internationales Straßentheater (2)


Der schwarze Schatten Fabuloka! – Der Kuhglockler von Ludwigshafen! – Eine Reise nach Walhalla – Die Deltahelden! – Und der Turmbau zu Jenga! – Der spannende zweite Tag des 20. Straßentheaters!

Der zweite Tag des Jubiläumstheaters begann völlig anders, als der erste. Vor allem mussten wir heute etwas bangen, denn über die Medien wurden starke Unwetter vorhergesagt. Dennoch waren wir guter Dinge, denn wir haben ja, wie ihr wisst, unseren Animus-Klub-Wettergott, der uns schon seit gut fünf Jahren mit einer 99%-prozentigen Wahrscheinlichkeit vor Regen beschützt, oder es erst dann regnen lässt, wenn unsere Outdoor-Veranstaltungen vorbei sind. So auch großteils heute.

 

6. Fabuloka

Die erste Formation, die wir uns anschauten, war das holländische Duo Fabuloka. Ganz in Weiß gekleidet betrat eine Prima-Ballerina die Bühne. Zunächst sehr auf Sauberkeit bedacht entfernte sie mit ihrem Fuß ganz elegant das Laub der Bäume, um gleich darauf mit einem kleinen Leiterwägelchen die Bühne zu betreten. Es folgte nun  Pantomime der Extraklasse und Überraschungen.

In einem von ihr unbemerkten Moment ragte plötzlich eine schwarze Hand aus der Kiste heraus, oder schnippte ihr Augenblicke später ihre Puderdose oder ihren Handspiegel auf den Boden. Verdutzt suchte die Ballerina nach der Ursache und wurde ganz frech von der schwarzen Hand und der Fingerbewegung: „Komm-doch-mal-her“ angelockt.

 

Aus der Kiste entschlüpfte dann eine ganz in schwarz gekleidete Gestalt – ein Schatten oder ein Geist – der sie fortan voll in ihren Bann zog und bestimmte. So entstand eine großartige tänzerische und artistische Schwarz-Weiß-Performance, in der die weiße Ballerina sich zunehmend dem schwarzen Schatten anpasste. Weitere Informationen zu dieser Gruppe findet ihr auf deren Webseite: Fabuloka

 

7. Compañia de circo Eia

Auf der Bühne gegenüber erwarteten uns dann schon die beiden spanischen Artisten Celso Pereira und Francesca Lissia von Compañia de circo Eia. Die Bühne glich allerdings eher einem Alpenpanorama, denn Spanischen Traditionen, weil überall Kuhglocken verteilt waren. Vorsichtig schlüpfte nun die wendige Artistin geschmeidig durch die ersten vier Sitzreihen, und ließ ein Seil durch die Zuschauer laufen, mit der Bitte dieses festzuhalten. Am Ende des Seiles angekommen, zog sie alle am Seil entlang auf die Bühne und jeder erhielt eine Kuhglocke, die er nach einem kleinen gemeinsamen Tanz mit auf seinen Platz nehmen durfte.

Dort angekommen, verzauberte Celso Pereira unsere Augen mit einem Kreisel, den er auf einem Seil wie ein Diabolo tanzen ließ. Mit einer ganz speziellen Wurftechnik beförderte er den Kreisel in die unmöglichsten Positionen, ließ ihn auf seinen Händen und über seine Schultern laufen, und wirbelte ihn so gekonnt in einen Teller, dass er sich noch Minuten lang drehte und zusammen mit dem Teller von einem Zuschauer zum anderen weitergereicht werden konnte, ohne dass er aufhörte sich zu drehen.

Diese genialen Momente brachten natürlich die Kuhglocken zum Läuten und Hände zum lautstarken Klatschen. 

Gleichsam gab es meditative Ruhe, die von Francesca Lissia großartig dargestellt wurde. Sie balancierte mit geschlossenen Augen einen Korb auf dem Kopf, und ließ sich durch das Läuten der Kuhglocken die jeweilige Laufrichtung zeigen. Mehr Shows über diese spanische Gruppe findet ihr auf der Webseite: Compañia de circo Eia

Nach dieser Vorstellung wurde es erstmals kritisch. Es fing kurzzeitig ganz leicht an zu regnen und das Festival wurde von den Verantwortlichen wegen einer Unwetterwarnung unterbrochen.

 

8. Die Deltahelden

Nach einer gut einstündigen Unterbrechung ging es für uns mit den Ludwigshafener Deltahelden weiter. An die Deltahelden erinnern wir uns noch sehr gut, Zusammen mit ihnen durften unsere Kids im letzten Jahr richtig Show machen. So waren wir gespannt darauf, ob sie auch dieses Mal wieder in den Genuss kommen würden, wieder Teil der Show sein dürfen. Das Straßentheater ist allerdings etwas ganz Besonderes, denn es bietet jedes Jahr immer etwas anderes, und auch Gruppen, die zwei Mal hintereinander daran teilnehmen, präsentieren dem Publikum immer eine völlig andere Show. So auch die Deltahelden.

Dieses Mal gab es also keine afrikanische Rhythmen oder tänzerische Akrobatik zu bewundern, sondern es gab Slow-Motion-Break-Dance auf jazzangehauchter Mucke mit einer gehörigen Portion Sexappeal zu bewundern.

Zwei großartige Tänzer und Bewegungskünstler drehten und wandten ihre Körper kongenial zu der Musik, und bewegten sich teils synchron versetzt, teils spiegelverkehrt in ihrer Choreografie, und kamen sich dabei körperlich immer näher. Wir sehen geniale Bewegungen auf dem Boden, die teilweise dem B-Boying ähnelten, aber einen völlig eigene Dynamik und knisternde Energie ausstrahlten. Mehr News zu den Auftritten dieser Ludwigshafener Combo findet ihr unter DELTAHELDEN

 

9. MGV Walhalla zum Seidwirt

Im völligen Kontrast dazu präsentierte sich die internationale Formation MGV Walhalla zum Seidwirt. „Ein Männergesangsverein auf dem Straßentheater?“ – Das ist in der Tat ungewöhnlich, und andererseits genial, denn die fünf Sänger – drei Tenöre und ein Bass, sowie ein Mezzosopran – offerierten uns in den 45 Minuten Volkslieder aus aller Welt. So gab es nicht nur deutsches Liedgut zu belauschen, sondern auch englische, jiddische und türkische Volkslieder, aber auch irgendetwas absolut unverständliches über eine Vagina.

Zwischenzeitlich machten die fünf Sänger jede Menge Sprüche und unterhaltsamen Klamauk, nahmen sich dabei selbst auf den Arm, und vor allem nicht ganz so wichtig, und boten ihre Werke immer in einer anderen Stellung, oder besser gesagt Aufstellung. Wir bekamen also heute bereits einen kleinen Vorgeschmack für die Nacht der Singenden Balkone im September. Mehr zu diesem Männergesangsverein unter MGV Walhalla zum Seidwirt.

 

10. Motionhouse

Das Finale des heutigen Abends gehörte der britischen Formation Motionhouse auf dem Platz der Republik. „Block“ heißt ihre aktuelle Darbietung, und dem Namen entsprechend, lagen auch sehr viele Steinblöcke kreuz und quer verteilt auf dem Boden herum, als wir dort ankamen.

Zu einer spannenden cineastischen Musik bewegten sich gleich darauf sieben Artisten wie Spinnen aus den Steinblöcken heraus, und boten uns zunächst einmal Körperverbiegung in Reinkultur. Danach agierten sie buchstäblich wie von der Tarantel gestochen mit rasender Geschwindigkeit durch das Areal. Wir kommen in den Genuss von rasanter und bahnbrechender Artistik, bei dem die Akteure insbesondere durch das Verschieben der Steinblöcke bis an ihre körperlichen Grenzen gingen.

 

Im weiteren Verlauf des Geschehens zeigte sich die Combo auch als perfekte Hochstapler, denn sie fingen an mit den Steinen Jenga zu spielen. In blitzartiger Geschwindigkeit errichteten sie einen gut 10-Meter großen Turm, turnten dabei wie wild durch die jeweiligen Öffnungen, oder  schwangen sich wie Affen um das Gebäude herum. Das so etwas natürlich nicht lange gut gehen kann war klar, und so stürzte der Turm gen Ende der Show auch ein, und die Akteure verschwanden wie sie gekommen waren, nämlich als Spinnen. Ihr wollt mehr motion, dann geht doch einfach mal auf die Webseite: MOTIONHOUSE.  

An ganz großes Dankeschön gilt an dieser Stelle noch unserem Animus-Klub-Wetter-Gott, der es erst dann wie aus Eimern gießen ließ, als wir bereits im Auto saßen und uns auf den Nachhauseweg machten. Fortsetzung folgt…

Bilder: Alexander Höfer

 

 

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