(387) Unterschiede, die einen Unterschied machen!


Heidelberger Dokumentationszentrum Sinti und Roma und Hd.net-Respekt präsentierten eine interessante Themenführung durch die aktuelle Ausstellung „Antiziganismus!“

      

Über den „Antiziganismus“, also die Abwertung von Sinti und Roma, haben wir ja bereits im letzten Jahr sehr ausführlich berichtet. Ende März gab zu diesem Thema nun eine interaktive Ausstellung im Heidelberger Dokumentationszentrum für Sinti und Roma. Zusammen mit Johannah Illgner vom Antidiskriminierungsprojekt HD.net-Respekt führte Irene Wachtel hierzu eine Themenführung durch. An insgesamt vier Stationen bekamen die Interessierten einen Eindruck davon, in welchen Alltagsbereichen wir Diskriminierungen vorfinden und erleben können.

Das große Spiel des Lebens nannten die Macher das Begleitprogramm zur Ausstellung bei der jeder Teilnehmer erkennen konnte, was Diskriminierung eigentlich mit ihm selbst zu tun hat, und ob es auch schon einmal Situationen in seinem Leben gab, in denen er sich Diskriminierungen Dritter ausgesetzt sah.

Die Ausstellung „Unterschiede, die einen Unterschied machen“, polarisiert hier ganz stark und macht auch darauf aufmerksam, dass jeder sowohl Opfer als auch unbewusst Täter sein (werden) kann. „Wovon hängt es ab, wie wir unser Leben gestalten? – Haben wir alle die gleichen Chancen? – Ist jede ihres eigenen Glückes Schmid?“ – „Na, wie gut sind eigentlich Ihre Karten?“ – Diese Fragen und noch Vieles mehr gab es zu beantworten.

      

Zehn Lebensbereiche in denen Diskriminierung tagtäglich in unserer Gesellschaft stattfinden, erwarteten uns an der ersten Station. Allen voran stand die Bewerbung. „Haben wir wirklich ALLE die gleichen Chancen? – Und werden hier wirklich ALLE gleich behandelt?“ – „Hat eine Frau die Gönül Küçükhüseyinoğlu heißt wirklich die gleichen Chancen einen Job zu finden, als ein Mann der zum Beispiel Peter Winter heißt?“ – Diese Frage haben wir bereits vor zwei Jahren in einem unserer Berichte über die Demonstration „Mannheim sagt JA!“ kritisch gestellt und hinterfragt.

„Hat eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern wirklich die gleichen Chancen einen Beruf zu finden, wie eine Frau ohne Kinder?“ – Über viele dieser Fragen denken wir im Alltag eigentlich überhaupt nicht nach. Hier ist vielen überhaupt nicht bewusst, dass wir es mit ganz eindeutigen Diskriminierungen zu tun haben.

„Wenn ich mich für einen Job bewerbe, entscheidet in erster Linie meine Qualifikation und fachliche Eignung?“, so die Aussage des Fragebogens, der nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch, Russisch, Türkisch und Arabisch auslag. „Aber ist das wirklich so?“ – „Oder stehen nicht eher Dinge wie das Aussehen, die Angepasstheit und das „Funktionieren-können“ im Fokus der jeweiligen Arbeitgeber und Personalchefs?“„Wenn du anders bist als gewollt, anders als der Mainstream, wenn du nicht mit dem Strom schwimmst, oder querdenkst und nicht so funktionierst, wie es die Verantwortlichen gerne haben wollen, dann passt du eben nicht in ihr Schema; dann bist du ein schwieriger Mensch … und dann hast du in unserer Gesellschaft keine Chance!“ – Das ist leider häufig die Realität.

An der zweiten Station konnten sich die Teilnehmer dann in einem Vielfaltskreis persönlich einordnen. „Welcher Herkunft, Sprache und Hautfarbe bin ich zugehörig?“ – „In welchem Lebensalter befinde ich mich gerade?“ – „Welche körperlichen, geistigen, seelischen und Sinnesfähigkeiten besitze ich?“ – Welchem Geschlecht und welcher sexuellen Identität fühle ich mich zugehörig?“ – „Welche Religion und Weltanschauung vertrete ich?“ – Alles Fragen, über die wir im Alltag sehr wenig nachdenken, die aber alle sehr wichtig sind, wenn es um Vorurteile, Stigmatisierungen und Diskriminierungen geht.

Das beste Beispiel ist die Verwendung des Wortes „Zigeuner“. Der für viele völlig „normale“ Begriff ist sehr negativ behaftet, unabhängig davon, ob sich bestimmte Teile der Minderheit auch als Zigeuner identifizieren. Ihn daher als Begriff für die Minderheiten von Sinti und Roma pauschal zu verwenden, kann durchaus als diskriminierend empfunden werden.

      

In diesem Zusammenhang wurden wir auch mit Begriffen und Bezeichnungen  konfrontiert, die wir noch niemals zuvor gehört hatten. „Oder wissen Sie zum Beispiel was ein-e „Hermaphrodit-in“, ein „Riot Grrrl“ oder ein „Cis-Mann“ ist?“ – Es gibt in unserer vielfältigen Welt tatsächlich weitaus mehr als nur die heterosexuelle Lebensform.

Gerade im Bereich der sexuellen Neigung treffen wir in unserem Alltag immer noch auf sehr viele Diskriminierungen. Aktuell wurde in Berlin ein „schwuler“ Erzieher aus einer Kita entlassen. Viele Eltern hatten Angst um ihre Kinder (?!?) – Angst wovor? – Davor, dass der Erzieher vielleicht den Kindern beibringen könnte, wie sie schwul werden?“ – „Entschuldigung, aber wie blöd seid ihr denn?“ – Homosexualität ist eine Neigung, und Neigungen sind nicht erlernbar. So zeigt dieses traurige Beispiel nicht nur den Zenit der Diskriminierung, sondern es macht auch deutlich auf welchem niedrigen Bildungsniveau sich die Erwachsenen derzeit befinden, bzw., welche völlig unbegründeten – teilweise auch paranoiden Ängste – sie auf ihre Kinder übertragen.  

„Vorurteile werden in erster Linie von den Eltern und dem sozialen Umfeld anerzogen und weitergegeben!“  

Gegen Ende gab es dann noch an der dritten und vierten Station jeweils zwei Schaubilder – Geschichten – die die Diskriminierung einmal ganz deutlich, einmal wesentlich versteckter zeigten.

Fazit: Diskriminierung ist ein Thema, das jeden betrifft, entweder als Opfer oder als Täter, im allerschlimmsten Fall jedoch als schweigender Augenzeuge.

 

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ANIMUS KLUB

„Richtig hinhören – Richtig hinsehen! – Mund aufmachen!“

      

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