(436) Punx Picnic #4


Oksennus, Arschwasser, dann der Stahlsatan und zum Schluss noch die Massenschlägerei! – JUZ Friedrich Dürr präsentierte den 4. Teil ihrer Punk-Reihe mit veganem Grillen in passendem Ambiente!

    

Ab und zu machen wir ja auch etwas total Abgefahrenes. Aber, ab und zu brauchen wir das auch, denn solche Programme wie dieses Punx Picnic komplementieren nicht nur kongenial unser abwechslungsreiches Programmangebot, sondern erheitern nebenbei auch unzweifelhaft unser Wohlbefinden auf eine ganz andere und besondere Art und Weise. Da wir die Authentizität in unserer Berichterstattung gerne beibehalten möchten, bitten wir nun um Verständnis dafür, dass wir unseren Sprachjargon ein wenig verändern werden, ganz einfach deshalb, weil wir unseren Lesern das Erlebte wie immer so real wie möglich schildern möchten. Wir weisen ebenfalls darauf hin, dass wir uns nun auch einer Wortwahl bemächtigen (müssen), die zum Teil nicht mehr jugendfrei ist, und auch als obszön empfunden werden kann. Deshalb entschuldigen wir uns bereits vorab bei allen Lesern, die damit ein Problem haben, und möchten ihnen stattdessen, alternativ, Zeilen aus „seriösen“ Liebesromanen wärmstens ans Herz legen, wie zum Beispiel: „Seine Männlichkeit stand in Habachtstellung, steif und felsengleich wie der Vizepräsident!“ – (Quelle: Die 12 schlechtesten Zitate aus Liebesromanen)

„Angepisster Hardcore, Nasty-mäßige, geile Scheiße, und abgefuckter Garagen-Punk“, so wurde die Veranstaltung nicht nur angepriesen, sondern genau das erwartete uns auch am heutigen Nachmittag unter der wehenden Piratenflagge im Mannheimer JUZ Friedrich Dörr. Erstmals in dieser dafür passenden Location zu Gast – das JUZ selbst, eine düsterer, schäbiger und abgewrackter Ort für Outlaws – befand sich die Bühne für die Musiker ganz weit unten zwischen Garagentrackt und Mülleimerboxen, quasi in der letzten Ecke dieser Kaschemme. Absolut ideal für Musiker, die keinen großen Wert auf Sound oder Ästhetik legen, sondern ihrem Publikum knallhart und kompromisslos ein musikalisches Brett aus geballtem Radau und wüsten Worten um die Ohren föhnen wollen.

Und genauso ging es los mit der Combo OKSENNUS – uff Nußlocherisch „Oxenuss“ – einer Trash- und Death-Punk-Metal-Band aus Spanien, die allerdings ihre Musik nicht auf Spanisch, sondern auf Englisch „sang“. Das glauben wir zumindest, denn das, was der Sänger hier in Grund und Boden schrie, war ohnehin nur rudimentär, oder wenn überhaupt als gustatorische Grunzlaute wie – Rwaaaa, gruuuh, rääähhh oder wüüürjäää – zu vernehmen. „Hardcore halt!“, und nicht für jeden wirklich zugänglich.

Ihre Songs, kaum länger als eine Minute, erschütterten wie bereits schon erwähnt, nicht nur absolut kompromisslos unsere Ohren, sondern trafen auch ganz tief unser Rückenmark. Der unkommerzielle Trash – oder laut Bandstatement „Korn-Sprite-Punk“ – bei dem sich der Sänger beim „Singen“ verausgabte bis zum Gehtnichtmehr, lies uns ein ums andere Mal sowohl erschaudern, als auch unseren Gesichtern ein breites Grinsen entlocken.

        

Das, was die Band hier im Down-Town des JUZ bot, war in der Tat der angekündigte musikalische Orgasmus in Reinkultur, und hätte wahrscheinlich in jedem Wohngebiet sämtliche Nachbarn dazu genötigt die Polizei anzurufen, um diese Herrschaften nicht nur wegen Ruhestörung abholen zu lassen. „So hört es sich also an, wenn man alle Noten eines fünfminütigen Liedes in 30 Sekunden herunterrockt!“ – (Zitat: Alexander Höfer)

      

Hut ab vor dieser Performance, die dem Sänger ein ums andere Mal den Kopf knallrot anlaufen ließ und den Atem nahezu komplett raubte, sodass er zwischen den Songs regelmäßig zur Wasserflasche greifen musste. Hier eine kleine musikalische Kostprobe von der Band.

 

 

Die zweite Gruppe mit dem genialen Namen ARSCHWASSER war schon eingängiger, zumindest was die Musik anging. Klassische Punkelemente und einfache, aber rotzig-harte Melodien in dualem Gesang, boten uns die drei Musiker bei ihrem knapp 20-minütigen Auftritt.

Frech und fröhlich agierten das Trio auf der Bühne, und ließ in ihren Songs auch typische Garagenelemente und Ur-Punk aufblitzen. Teils groovig, teils verzerrt, teil auch unglaublich rockig. Da stand nicht nur den Hardcorefans buchstäblich das Wasser bis zum Arsch.  

      

Selbst Elemente von der einst Regimekritischen Tschechischen Band HUDBA PRAHA finden Einlass in ihre Songs, wobei wir uns jetzt nicht wirklich sicher sind, ob das Trio diese Kultband unseres Nachbarlandes kennt. Hier fehlten quasi nur noch ein paar coole Bläser, und das junge ARSCHWASSER-TRIO hätte durchaus als ebenbürtiges HUDBA-PRAHA-Pendent auftreten können.

Gefühle von Rebellion und Freiheit, teilweise auch Anarchie konnte man der Musik entnehmen. Kritisch, provokant. Ein Aufschrei. Genauso sollte Punk zelebriert werden, und das taten nicht nur die beiden sympathischen und gut gelaunten Sänger bravourös, sondern auch die Schlagzeugerin, die unglaublich schnelle Rhythmen aus ihrer Base-Drum und seiner Snare herausprügelte.

      

Die Stimmung war mittlerweile richtig gut, und die Band erntete sehr viel Applaus für ihre Performance. Der Hinweis auf den Merchandising-Stand machte großen Appetit auf das coole ARSCHWASSER-T-SHIRT und andere Fanartikel, wie zum Beispiel Vinylpressungen oder Sticker. Kurzum ein großes Picnic war durch diese beiden Bands lautstark eingeläutet worden, und die Fans kamen bereits jetzt schon voll und ganz auf ihre Kosten. Hier noch ein Song der Band als Hörbeispiel.

 

 

Pause war nun angesagt, und hier gab es erst einmal etwas leckeres veganes vom Holzofengrill, und aus dem Salattopf zu essen. Groß aufgetischt hatte das JUZ-Team, und gegen eine kleine Spende durfte man sich bedienen. Sojasteaks und Pilz-Spieße zusammen mit Bulgur, Kuskus oder Nudelsalat, oder alles zusammen stand zur Auswahl. Mal was anderes als eine Bratwurst oder Pommes. Dazwischen ein wenig plaudern mit den Leuten und einen schönen gemeinsamen Nachmittag verbringen, immer gespannt darauf, welche Combo als nächstes unsere komplette Aufmerksamkeit hinsichtlich Krach auf sich ziehen würde.

STAHLSATAN hieß die dritte schlagkräftige Gruppe, die ebenfalls aus dem klassischen Line-Up „Gitarre (Geschrei), Bass und Schlagzeug“ bestand. Musikalisch, zumindest, was die Bass- und Rhythmusfraktion betrifft, stark verwandt mit der Legende Motörhead, mutierte der Gitarrist und Sänger, den wir vorhin schon bei OKSENUSS bewundern konnten, wahrhaftig zum Satan, und lehrte uns mit seiner Reibeisenstimme mehr als nur einmal das Fürchten.

      

Treibende Basslinien, sowie coole Hooks und Riffs, animierten die Besucher unweigerlich zum Mitklatschen, und je länger die Band spielte, desto besser freundete man sich auch mit dieser anfangs sehr gewöhnungsbedürftigen Stimme des Sängers an.

Zwischenzeitlich brillierte das Trio mit gekonnten Soloeinlagen, und zeigte, dass sie ihr Handwerk weit über den Punk hinaus beherrschten. So ist STAHLSATAN sicherlich ein absoluter lokaler Geheimtipp in Sachen Punk versmischt mit klassischen Hardrock-Elementen.

      

Leider konnten wir nur noch die Jungs vom STAHLSATAN dokumentieren, weil die MASSENSCHLÄGEREI – die vierte Band des heutigen Tages – uns bat keine Fotos von ihnen während ihres Auftritts zu machen. Eine Dokumentation, sowie eine Würdigung dieser Show, wäre uns auch in Anbetracht dessen, was uns die Band textlich um die Ohren haute, sehr schwer gefallen, denn der ANIMUS KLUB lehnt jegliche Form von Gewalt – auch die öffentlich verbale Gewalt gegenüber Neonazis oder Rechtsradikalen, wie zum Beispiel in dem Song: „Zugeschissenes Nazipack – Draufschlagen! – Draufschlagen! – generell ab. Gewalt ist nie eine Lösung für ein Problem, vor allem nicht für ein gesellschaftliches; im Gegenteil, Gewalt verschärft, wie uns das auch die Geschichte schon seit Jahrhunderten lehrt, die Situation und die Konflikte zwischen den jeweiligen Parteien noch um ein Vielfaches. 

Klar, uns persönlich missfällt auch diese unschöne nationalistische Tendenz, aber wir versuchen mit anständigen Zeichen, oder besser gesagt mit würdigen Protestzeichen und Veranstaltungen auf diese Problematik aufmerksam zu machen oder uns von ihr zu distanzieren. Und genau das tun wir hiermit.

 

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