(376) Русские скаэки


По щучьему веленью – Heidelberger Stadtbibliothek präsentierte ein berühmtes Russisches Märchen von Aleksander Nikolajewitsch Afanassjew!

По щучьему веленью – oder zu Deutsch „Auf des Hechtes Geheiß“, bzw. „Jemelja und der Zauberhecht“, ist ein sehr bekanntes Märchen des berühmten russischen Schriftstellers Aleksander Nikolajewitsch Afanassjew.

Rund 600 Märchen umfasst das Gesamtwerk dieses russischen Schriftstellers, der im 19. Jahrhundert als Pendant zu den deutschen Gebrüdern Grimm galt. Obwohl dieser Fundus riesig ist, bleiben uns diese Geschichten weitestgehend verborgen, was auch an dem jahrelangen Eisernen Vorhang lag, der unsichtbar und spannungsgeladen zwischen Ost und West hing. Einzig die Tschechischen Märchen und Kinderfilme, sowie ein paar Polnische und Bulgarische Produktionen durchbrachen die Grenze und erreichten in den Siebzigern und Anfang der Achtziger die Herzen der damaligen Kinder. Aber Russischen Märchen und Geschichten blieben uns wie schon erwähnt verborgen.

Seit einiger Zeit bietet die Heidelberger Stadtbibliothek mehrsprachige Veranstaltungen für Kinder ab 4 Jahren an, und vermittelt den Kindern diese Geschichten zweisprachig. So haben Interessierte hier die Möglichkeit in den Genuss dieser unbekannten Welt zu kommen, und alte Märchen und Sagen neu zu erleben.

Dass die Märchenwelt von Aleksander Nikolajewitsch Afanassjew eine völlig andere ist, und sich von den „brutalen und blutrünstigen“ Märchen der Gebrüder Grimm sehr stark unterscheidt, wird gleich zu Beginn der Geschichte offensichtlich. Wunderschön von Olga Ketterl und Maria Pronkin sowohl auf Russisch als auch auf Deutsch vorgetragen, zogen sie die kleinen und größeren Zuschauer in ihren Bann. Ähnlich wie bei den Märchen von Hans Christian Andersen stehen Fantasie und Zauberei und weniger Gewalt und Brutalität im Mittelpunkt der Handlung. Wir durften uns also verzaubern lassen von einer ganz neuen Gedankenwelt.  

Jemelja ist der Jüngste von drei Geschwistern und lebte in einem kleinen Dorf. Im Gegensatz zu seinen zwei älteren Brüdern, die beide sehr fleißig und schon verheiratet sind, ist er ein stinkfauler und dummer Taugenichts, der den ganzen Tag auf einem Ofen sitzt und sich in „Nichtsmachen“ suhlt und dabei sichtlich „verdoofte“.

Eines Tages bitten ihn seine Brüder ihnen und seinen Frauen zu helfen, und schicken den Nichtsnutz Widerwillen zum Wasserholen an den Fluss. Beschwert mit zwei Eimern und einer Axt macht sich der Knabe auf den Weg zur „Arbeit“. Beim Füllen der Eimer mit Wasser, fängt der Jüngling einen Hecht und träumt schon von einer leckeren und schmackhaften Suppe, als der Hecht ihn bittet ihn wieder freizulassen. Als Dank versprach er ihm jeden Wunsch zu erfüllen, wenn er seinem Wunsch die Worte: „Auf des Hechtes Geheiß“ vorstelle.

Der Nichtsnutz ließ sich auf diesen Deal ein, wie man heutzutage sagen würde, und schenkte dem Hecht die Freiheit. Neugierig, ob das auch wirklich funktionieren würde, probierte er das gleich einmal aus, und da er zu faul war die Wassereimer nach Hause zu tragen, sprach er: „Auf des Hechtes Geheiß – nach meinem Willen sei’s – die Eimer voll Wasser geht allein nach Haus‘!“ – Gesagt – gemacht! – Und so wuchsen den Eimern Füße und sie stolzierten voller Freude singend alleine nach Hause.

Dieses funktionierte fortan in jeder Situation. Egal, ob er Holz holen oder hacken musste, alles lief mit Hilfe dieses „Zauberspruchs“. Eines Tages verzauberte er die Leute des Dorfes damit, dass er mit einem Schlitten ohne Pferde voran mit blitzartiger Geschwindigkeit in den Wald sauste.

Eines Tages hörte der Zar von Jemelja und schickte einen Boten, um den „Narren“ auf sein Schloss zu bringen. Jemelja ließ diesen jedoch „Auf des Hechtes Geheiß“ von einer Keule verprügeln. Daraufhin schickte der Zar den allerhöchsten Würdenträger, um dieses Unterfangen zu realisieren.

Der faule Jemelja ließ sich daraufhin von seinem Ofen auf das Schloss des Zaren fliegen. Hier verliebte er sich zum Leidwesen des Zaren sofort unsterblich in die Zarentochter Marja-Zarewna, und wendete dazu auch wieder seinen Zauberspruch an: „Auf des Hechtes Geheiß – nach meinem Willen sei’s – Die Zarentochter soll mich lieben…!“

Ob, oder wie diese Geschichte ausgeht, möchten wir nicht verraten, nur so viel, dass der faule Nichtsnutz am Ende gelernt hat, dass man im Leben nur dann weiterkommt, wenn man sich fleißig und anständig um eine Sache bemüht.

Im Anschluss an das Märchen hatten die Kinder noch die Möglichkeit die Handpuppen auszuprobieren und russische Illustrationen anzumalen. Wir sagen „спасибо!“ bei Olga Ketterl und Maria Pronkin für diesen neuen Einblick in eine uns bis Dato noch unbekannte Welt, und wünschen im Sinne des Märchens „Спокойной ночи!“ 

Damit ihr einen kleinen Einblick in die Russische Kinderfilmwelt zu der Zeit vor dem Eisernen Vorhang bekommt, haben wir hier die Zeichentrickverfilmung unseres Märchens aus dem Jahre 1957 in Farbe und sogar mit gesprochenen Figuren verlinkt. Wir wünschen viel Spaß damit. 

 

 

 Bilder: Slawa Kostin

  

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„Всё хорошо, что хорошо кончается! – Alles ist gut, was gut endet!“ – (Russisches Sprichwort)

        

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