(357) Das Mannheimer Erbe der Weltkulturen


ANIMUS KLUB repräsentierte UNGARN beim Mannheimer Erbe der Weltkulturen und ließ die Ungarische Klassik von FRANZ LISZT als kulturelles Erbe aufnehmen!

Beim 2. Frühstück auf FRANKLIN wurden wir von Jan-Philipp Possmann, einem Verantwortlichen von Zeitraumexit, darauf angesprochen, ob wir vielleicht bei der SHOW des Mannheimer Weltkulturerbes im Januar UNGARN als Land vertreten und ein Ungarisches Kulturgut als Erbe präsentieren könnten. Dankbar, diese Ehre entgegengebracht bekommen zu haben, begannen wir gleich darauf mit der Suche nach einem würdigen Kulturgut. Das war allerdings nicht ganz so einfach, denn es musste in irgendeiner Form entweder einen Bezug zu Mannheim haben, oder zumindest in Mannheim erhältlich sein.  

Damit schieden schon einmal die großen Vertreter der schöngeistigen Ungarischen Literatur Ady Endre, Arány János, Kértéz Imre oder Petőfi Sándor etc. von vorneherein aus, denn viele ihrer berühmten Werke sind weder übersetzt noch in Mannheim erhältlich. Auch das Ungarische Gulasch, das wir auf FRANKLIN anboten, hat nicht wirklich viel mit Mannheim zu tun, und es gibt derzeit in Mannheim auch kein Ungarisches Restaurant, oder überhaupt ein Restaurant, indem man das Original-Ungarische-Kesselgulasch bekommen kann. Und die Lángos? – Sie ist zwar eine leckere Mehlspeise, und jährlich auf dem Weihnachtsmarkt oder auf dem Stadtfest erhältlich, aber als Kulturgut oder Erbe?

So überlegten wir weiter fieberhaft hin und her, was wir als würdiges Kulturerbe bei dieser Show präsentieren könnten. „Was gibt es in Mannheim, oder was ist in Mannheim erhältlich, das einen Bezug zu Ungarn hat?“ – Das ist wirklich keine einfache Frage. Hinzu kommt ja auch noch der Aspekt, dass ein Kulturgut schon irgendwie repräsentativ für das ganze Land und die dortige Bevölkerung sein sollte.

So kamen bei unserer Suche weiter durchaus gute Ideen zu Stande, wie zum Beispiel gestickte Tischdecken, oder auch die Krone der Ungarischen Fahne, sowie die Bogácsa – die kleinen Brötchen – die wir auch auf FRANKLIN angeboten haben. Aber die traditionellen Tischdecken werden weder in Mannheim hergestellt, noch lassen sich in der Quadratstadt käuflich erwerben. Auch die Krone der Ungarischen Fahne hat nicht wirklich einen Bezug zu Mannheim, und die Bogácsa, waren uns ähnlich wie die Lángos, nicht nur von ihrer Größe her, als Kulturerbe, einfach ein bisschen zu klein.

Irgendwann kam dann unserem 1. Vorsitzenden Alexander Höfer über Nacht der geniale Gedanke Ungarische Klassik zu präsentieren, denn diese kann man in Mannheim problemlos in jedem Fachgeschäft kaufen. Da zum damaligen Zeitpunkt auch noch die Idee bestand, das jedes Land seine Kultur und sein Erbe zwei Tage lang an einem Stand präsentieren konnte, kaufte unser 1. Vorsitzender Alexander Höfer kurzer Hand die kompletten Werke von Franz Liszt und Béla Bartók, und wir fingen sofort damit an, uns durch die gesamte Discografie dieser beiden großen Klassiker zu hören, und die berühmtesten Werke, also die Musik für ein zweitägiges Programm zusammenzustellen.

Erst wenig später erfuhren wir, dass wir nur einen Titel (!) in einer fünfminütigen Präsentation vorstellen durften. „Einen Titel?“ – Allein schon die Werke von Franz Liszt umfassen insgesamt 99 CD’s und 1.464 Stücke. Die von Béla Bartók ist ein wenig kleiner, aber mit 32 CD’s und X Titel ebenfalls sehr umfangreich. Nun kam die schwierigste Aufgabe: „Welches Stück sollten wir bei der Show präsentieren?“

Eine erneute Sisyphusarbeit begann, und um hier schneller voranzukommen, entschieden wir uns zunächst einmal dafür, bei der SHOW des Mannheimer Kulturerbes ein Werk von Franz Liszt zu präsentieren. Da eine Zeitvorgabe von fünf Minuten zu Grunde lag, und wir in dieser Zeit nicht nur unser Erbe, sondern auch noch uns vorstellen mussten, schieden bereits sehr viele Werke aufgrund ihrer Länge von vorneherein aus, unter anderem auch die berühmtesten Ungarischen Rhapsodien.

Um die Suche weiter einzugrenzen, schauten wir gezielt nach einem Stück, das nicht länger als 4.30 Minuten war, aber gleichzeitig auch nicht kürzer als drei Minuten. Des Weiteren hatten wir den Anspruch, dass der Titel auch einen gewissen Bekanntheitsgrad bei Nicht-Klassik-Kennern haben sollte. Am Ende entschieden wir uns für das Stück „Etudes d’execution transcendente d’après Paganini No. 5 in E major“, eine musikalische Adaption – aus heutiger Sicht (eine Cover-Version) –eines bekannten Paganini-Klassikers, den Franz Liszt von Geige auf Piano transformierte.

Die anschließende Show des Mannheimer Erbe der Weltkulturen fand dann im Ratssaal des Stadthauses statt, und stellte uns gleich auf die nächste große Herausforderung, denn um die fünf Minuten nicht zu überschreiten, hatten wir exakt 34 Sekunden (!) Zeit die Technik für die Präsentation vorzubereiten.

Großartig organisiert und absolut stressfrei, präsentierte sich das Team von Zeitraumexit an diesem Tag im Stadthaus. So wurden wir zunächst einmal von einem Mitarbeiter persönlich in den Backstage-Bereich gebracht. Dort angekommen bekamen wir von zwei weiteren Mitarbeitern noch die letzten Instruktionen für unsere Präsentation. Mehr als 100 Länder stellten bei dieser zweitägigen Mammutveranstaltung nacheinander ihre Kulturgüter im Ratssaal vor.

Wir berichten nun über die Länder, die wir bei unserem zweistündigen Besuch kennenlernen durften und über die Eindrücke im Anschluss mit nach Hause nehmen konnten.

Bevor wir als zweiter Beitrag im 2. Block des frühen Samstagnachmittag auftreten durften, wurden wir und unser Kulturerbedie gesammelten Werke von Franz Liszt – zuvor noch von einem Fotografen dokumentarisch festgehalten. Sowohl im Backstage-Bereich, als auch im Foyer des Stadthauses hatten wir die Möglichkeit internationale Speisen zu genießen. Hier hatte Fouzia Hammoud wieder einmal gezaubert und alle Register ihres Könnens unglaublich farbenfroh und lecker aufgetischt.

Sehr schnell verging die Zeit zwischen den vielen verschiedenen Menschen, die sich mittlerweile im Backstage-Bereich befanden, und so verging die Zeit bis zur Präsentation unglaublich schnell. Der zweite Block begann mit dem Beitrag aus „Korea“. Hier führte uns Kyung Hee den traditionellen Tanz SalPuRi vor. Zu tiefen meditativen Klängen bewegte sich die Tänzerin gut fünf Minuten lang, teils Kata-ähnlich, teils mit ganz geschmeidigen Posen hin und her.

Gleich darauf war unser Auftritt an der Reihe, und Jannik Jansen, der heute für unseren 2. Vorsitzenden Moritz Mouhlen den Vorstand repräsentierte, betrat mit zusammen mit dem Mannheimer Richárd Varga und der prachtvollen Franz-Liszt-Box den Ratssaal, während Malte Eggert im Hintergrund die Weichen für die Technik stellte.

Nachdem Richárd Varga auf Ungarisch und Jannik Jansen auf Deutsch dem Publikum und der 21-köpfigen Jury unser Projekt vorgestellt hatten, erklang die bekannte Melodie, des großen Paganini-Klassikers, den Franz Liszt seinerzeit als einprägsames Piano-Stück inszenierte. Die Melodie, die teilweise an eine Spieluhr erinnert, versprühte an diesem Nachmittag eine sehr herzliche und warme Aura im Ratssaal. Selbst unser Slawa, der heute wieder unterwegs war, um viele tolle Fotos von diesem Event zu schießen, lauschte tief gerührt der Musik, und vergaß dabei beinahe das Fotografieren. Großer Applaus wehte unseren drei Repräsentanten entgegen, und unser 1. Vorsitzender Alexander Höfer erntete nach der Überreichung der Urkunde für das Mannheimer Kulturerbe noch einen unterhaltsamen Lacher beim Publikum für seine Aussage, dass wir sicherlich vom Oberbürgermeister Herrn Peter Kurz ganz großen Ärger bekommen hätten, wenn wir heute hier im Ratssaal das Orginal-Ungarische-Gulasch über dem Feuerkessel präsentiert hätten.   

Nach uns präsentierte Sarah Heydenreich den preußisch-madagassischen Freundschaftsvertrag. Eine weitere Erwähnung und nähere Erläuterung zu diesem Beitrag ist allerdings nicht von Bedeutung. 

Als nächstes war unser Freund, der Argentinier Emiliano Trujillo an der Reihe. Der Künstler aus dem Alten Volksbad der Neckarstadt unterhielt die Jury und die Zuschauer mit seinem „Rotweinpinguin“. El Pinguino, so Emiliano, kann aber auch für Weißwein verwendet werden. Der Pinguin könne nicht wirklich die Weine bzw. die Farben unterscheiden. Deshalb ist mit Sicherheit auch ein Rosé-Wein in dieser Porzellan-Karaffe servierbar.

Afghanischer Reis, war das nächst Kulturerbe, das uns von Faizal Afzali präsentiert wurde. Was nun genau der Unterschied ist zwischen Afghanischem Reis und Chinesischem Reis ist, das kann man allerdings erst beim Essen herausfinden. Um in den Genuss dieser Köstlichkeit zu gelangen, tauschte unser 1. Vorsitzender Adressen aus. So können wir in naher Zukunft einmal ein gemeinsames Koch-Projekt mit diesen jungen und sympathischen Menschen durchführen.

Stephen Bailey ließ im Anschluss daran, für die Westindischen Inseln, die Mannheimer Abendakademie in das Erbe der Weltkulturen aufnehmen. Bailey, selbst Dozent, machte deutlich, wie wichtig diese Einrichtung für Mannheim sei, und wie viele unterschiedliche Kulturen dort unterrichtet werden, aber auch zu gemeinsamen Feierlichkeiten und Projekten zusammenkommen.

Weiter ging es mit Brit-Pop. Der Engländer Lawrence Smalls ließ hier die Musik von der Mannheimer Band Riot of Colours in das Weltkulturerbe aufnehmen. Die Band veröffentlichte im letzten Jahr ihr Debüt-Album „Deep Coal Grey“, das sogar in London in den berühmten Abbey-Road-Studios produziert wurde. Unverkennbar zelebriert das Mannheimer Quartett mit seiner Musik die Brit-Pop-Strukturen à la Travis oder Coldplay.

Nächste Repräsentantin war die Kanadierin Marie-Andree Bourgeius, die uns den berühmten Ahorn-Sirup ihres Landes vorstellte. Das Ahorn-Blatt selbst, ist ja ohnehin ein ganz besonderes Wahrzeichen Kanadas. Angeboten wird diese süße Köstlichkeit in einer süßen Suppendose.

Gleich darauf wurde es rhythmischer. Kräftige Trommelwirbel und mäandernde Beats ertönten aus den Boxen und Rosita Kadler präsentierte uns stellvertretend für Ghana den Adua-Tanz. Mit einer unglaublichen Wendigkeit und Energie wirbelte die Tänzerin in der Mitte des Saales ihren Körper im Rhythmus der Trommeln und erntete sehr viel Applaus vom Publikum.

Erneuter Szenenwechsel. Die beiden Libyer Bilghasim Massuod und Radhwan Marda betraten in traditionellen Gewändern den Ratssaal und stellten der Jury und den Zuschauern gleich darauf die Asria vor. Asria ist ein besonders Essen mit Verteilung, und die beiden erklärten uns bei ihrem fünfminütigen Auftritt ganz genau den genauen Ablauf dieser besonderen Zeremonie.

Loma Geck aus den Philippinen betrat mit einer Kudkuran in Händen den Ratssaal. Die sympathische Frau, die wir auch schon mehrfach auf den gemeinsamen kulturellen Festen auf FRANKLIN kennengelernt haben, erklärte uns auch gleich, um was es sich bei der Kudkuran handelt. Das ist nämlich eine Kokosnussraspel.

Mit „Hyvää päivää“ – „Guten Tag“ begrüßte die Finnischlehrerin Armi Korja-Mayer die Besucher. Sie und ihre Begleiterin hatten den Rahmenvertrag zwischen der Evangelischen Thomasgemeinde und der Finnischen Mannheimer Gemeinde mit dabei. Dieser ist der einzige Vertrag zwischen diesen beiden Ländern. Um den Zuschauern die Thomasgemeinde näher vorzustellen sang die junge Frau im Anschluss an die Präsentation noch das Lied „Halleluja“ auf Finnisch.

Daniel Ghebreselasie aus Eritrea und sein Team stellten im Anschluss daran eine Kaffeezeremonie als Kulturerbe ihres Lands vor. Wunderschön und bunt angerichtet auf einem kleinen Tragetisch, richtig etwas fürs Auge, zeigte sich das große Kaffeeservice den Zuschauern. Dabei führten die Frauen auch vor, wie diese besondere Zeremonie abgehalten wird.

Als nächstes brachten uns Didiez Amegah und seine kleine Gruppe das senegalesische Getränk Bisap näher. Um was es sich bei diesen beiden unterschiedlich farbigen Getränken genau handelt, haben wir leider nicht mitbekommen, weil wir zu dieser Zeit gerade in ein wichtiges Kooperationsgespräch führten.

Erst bei der Präsentation des Indonesischen Instrumentes Angklung von Like Engeline Gottwald & Soetopo Moeljadí waren wir wieder vor Ort im Saal. Die sympathische Künstlerin konnten wir bereits vor knapp zwei Jahren in der Bernhard-Kahn-Bücherei in der Neckarstadt bei einer tollen Märchenveranstaltung live miterleben. Das Instrument ist aus Bambusrohren und erzeugt einen Klang zwischen Panflöte und Marimba.

Die letzte Präsentation, die wir noch eindrucksvoll mit nach Hause nehmen konnten, bevor wir zu unserem nächsten Programmpunkt aufbrachen, war Ägypten. Hier stellte unsere Freundin Nirwin Safar zusammen mit ihrem Sohn, der in Pharaokleidung den Raum betrat, die Pyramiden als Weltkulturerbe des Landes vor. Die Pyramiden selbst hatte sie nicht dabei, zu schwer und kostenaufwendig wäre der Transport geworden. Stellvertretend für dieses Weltwunder brachte sie aber ein Modell mit, das gleich darauf in das Erbe der Mannheimer Weltkulturen aufgenommen wurde.

Wir bedanken uns zum Schluss ganz herzlich und besonders bei Jan-Philipp Possmann und seinem großartigen Team für diese wunderbare SHOW, und würden uns sehr freuen, wenn es diese Veranstaltung auch 2018 gäben würde, denn dann könnten wir auch den zweiten ganz großen Klassiker Béla Bartók in das Mannheimer Erbe der Weltkulturen aufnehmen lassen. Unter diesem Link – Ungarisches Kulturerbe – könnt ihr euch unsere Präsentation anschauen.  

 

Bilder: Slawa Kostin & Malte Eggert

 

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ANIMUS KLUB

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