(350) Dumitru Chiriţă – Der kleine Zaubergeiger


„Sind außergewöhnliche Begabungen ein Geschenk Gottes oder eher eine hohe Lebensbürde?“ – Das abwechslungsreiche Leben eines „kleinen“ großen Talentes!

      

Vor den Sommerferien interviewte unser 1. Vorsitzender Alexander Höfer nicht nur sehr viele bedeutende und hochrangige Persönlichkeiten aus der Metropolregion, sondern er drehte auch einen interessanten Dokumentationsfilm über das Leben unseres kleinen 11-jährigen Zaubergeigers Dumitru Chiriţă.

Zu diesem Zweck interviewte er neben Dumitru auch den Geigenlehrer Viorel Tarara des Mannheimer Nationaltheaters, sowie den Kunstlehrer Alexander Bergmann vom Hofatelier 17 und die Fechtlehrerin Katalin Molnár.   

        

Die extrem schwierige Situation im Sommer, jeden Tag um das Überleben und die Zukunft des Klubs bangen zu müssen, verbunden mit der enormen Belastung als Vorsitzender zur damaligen Zeit so gut wie alles alleine machen zu müssen, verhinderten allerdings immer wieder aufs Neue die Fertigstellung dieses Filmes. Zu viel Kraft, Energie aber auch Zeit raubte diese harte Zerreißprobe unserem Vorstandsvorsitzenden.

Erst im September kam die große Wende. Endlich fanden wir wirklich interessierte Kinder und Jugendliche, aber auch Eltern, die sich sowohl aktiv am Klubleben, als auch an den Aktionen beteiligen und engagieren wollten. Damit war gleichzeitig auch eine Entlastung für unseren Vorsitzenden gefunden. Fortan hat sich sehr vieles zum Positiven verändert. So konnte Alexander Höfer zum
Beispiel unsere neuen Jugendlichen ab Oktober in mehreren Workshops nicht nur zeigen, wie sie richtig gute Fotos machen können, sondern auch anleiten, wie sie diese mit professionellen Programmen bearbeiten.

Obwohl unser 1. Vorsitzender seit dieser Zeit sehr viel Unterstützung von unseren Jugendlichen bekommt, erlaubte die Anleitungsphase, verbunden mit dem wie immer sehr zeitintensiven ANIMUS-KLUB-Programm, leider noch nicht die Fertigstellung des Filmes.

     

Zu viele wichtige und richtungsweisende Großprojekte, wie zum Beispiel die Teilnahme an der Rhein-Neckar-Code-Week und dem 2. Internationalen Frühstück auf FRANKLIN, sowie das nicht weniger aufwendige Interview mit Dr. Gregor Gysi, bei dem wir gleich vier Filme produzierten, aber auch die Einweisung von unserem Youngster Moritz Mouhlen in die Vorstandsarbeiten, nahmen unglaublich viel Zeit in Anspruch, so dass die Produktion des Filmes immer wieder verschoben werden musste.

Erst kurz vor der Weihnachtszeit gab es zwischen den enormen Großprojekten eine zeitliche Lücke, die unser erster Vorsitzender sofort nutzte, um diesen Film endlich fertigzustellen. Erstmals seit drei Jahren war es auch wieder möglich Moderationstexte sprechen zu lassen. Diese begleiten nun, wunderschön gesprochen von Laura Mouhlen, das interessante Leben, sowie den aktiven Tagesablauf unseres kleinen Stars.

So, aber jetzt wollen wir euch diesen außergewöhnlichen Jungen mal vorstellen. Dumitru ist 11 Jahre alt und besucht derzeit die 6. Klasse des Elisabeth-Gymnasiums in Mannheim. Seit seinem fünften Lebensjahr hat er die Geige für sich als eines seiner Lebenselixiere entdeckt und tritt damit unweigerlich in die Fußstapfen seines Vaters Ionel. Neben dem musikalischen Talent wurde bei Dumitru aber auch schon sehr früh die künstlerische Ader gefördert. So malt und zeichnet der Junge bereits heute schon sehr schöne und anschauliche Bilder, sowohl auf Papier als auch auf Leinwand und verbindet damit unweigerlich die sehr wichtige Brücke zwischen Musik und Kunst.

      

Dumitru selbst ist aufgrund seines Talentes und seiner frühkindlichen Förderung in der Lage, Bilder in Melodien umzuwandeln und umgekehrt, sprich, er kann mit seinem Geigenspiel Bilder erzeugen; eine Gabe, die bei Musikern heutzutage immer seltener wird.

Durch sein hervorragendes Gehör einerseits, und seine große Sensibilität andererseits, kann Dumitru jede Melodie, die er gerade hört, oder die ihm in den Sinn kommt, sofort nachspielen ohne die Noten zu kennen. Geigenlehrer Viorel Tarara bezeichnete es als eine besondere Begabung, Töne aus der Luft aufzuschnappen und diese dann sofort auf der Geige wiedergeben zu können. Diese Art Geige zu spielen, gäbe es heute immer weniger. Für ihn sei Dumitru ein Junge, bei dem die Begabung mehr als notwendig vorhanden ist. Ob er später einmal ein ganz großer Geiger werden wird, könne man jetzt noch nicht sagen. Die Chancen dazu stünden aber mehr als gut. Für ihn als Geigenlehrer sei es sehr wichtig, dass Dumitru, oder generell seine Schüler, nicht jeden Tag sechs Stunden auf ihrem Instrument üben, sondern dass sie den kürzesten Weg nehmen, um ihr Ziel zu erreichen. Ein mehrstündiges tägliches Üben sei auch aufgrund der Schule und den hohen Anforderungen nicht möglich. Außerdem müsse ein Talent auch nicht so viel üben, wie andere, aber es sollte schon regelmäßig üben, und dabei besonders die linke Hand trainieren.

Kunstlehrer Alexander Bergmann hält Dumitru ebenfalls für einen sehr begabten Jungen, dem in diesem Bereich alle Türen für die Zukunft offen stehen würden. Man könne sich mit ihm bereits heute schon unterhalten wie mit einem kleinen Erwachsenen. Zum Denken bräuchte Dumitru nur ganz wenige Sekunden, und während die anderen Schüler oft noch überhaupt keine Vorstellung hätten, was sie malen wollten, sei Dumitru bereits mit der Umsetzung beschäftigt. In diesem Zusammenhang wäre es auch egal, welches Thema er vorgäbe. Dumitru hätte immer eine Idee parat, und könnte diese sofort in Bildern umsetzen.

Der kleine Künstler selbst liebt den Schatten und das Zeichnen mit Pigmenten. Deshalb malt er lieber auf Leinwand als auf Papier. Bleistiftzeichnungen stünden aber bei ihm ebenfalls ganz hoch im Kurs, so der 11-jährige, der sich in den Interviews wie ein ganz normaler Junge und ohne Starallüren präsentierte.

Zum künstlerischen Ausgleich betreibt Dumitru seit einiger Zeit auch Sport. Hier besucht er einmal in der Woche das Fechttraining in seiner Schule. Fechten ist ja eine Sportart, die sehr viel Konzentration und Reaktionsvermögen benötigt. So wird durch diese besondere Bewegungssportart nicht nur das Gehirn, sondern gleichzeitig auch noch der Geist Dumitrus gefördert. Die ungarische Fechttrainerin Katalin Molnár ist ebenfalls ganz begeistert von Dumitrus schneller Lern- und Auffassungsgabe. Er könne neue Techniken oft sofort umsetzen und anwenden, und wäre auch sonst ein ungeheuer fleißiger und disziplinierter Schüler im Trainingsprozess, was sehr wichtige Grundvoraussetzungen für diesen Sport seien.

Hinter dem großen Talent und dem Erfolg Dumitrus gibt es auch eine Kehrseite. So wird Dumitru von vielen seiner Mitschüler ausgegrenzt, aber nicht nur deshalb, weil er kein Handy, kein Facebook oder kein Whatsapp besitzt, sondern weil er ganz einfach anders ist, als die anderen. „Aber sind nicht alle Mensch anders?“ – Derzeit würde die Klasse auch einen anderen Jungen ausgrenzen, nur weil dieser täglich Käsebrot esse, so Dumitru, der damit unweigerlich auf ein Thema zu sprechen kommt, welches unser 1. Vorsitzender auch in seiner sozial-kritischen Reihe „Hat Deutschland ein kulturelles Problem“ im 7. Teil mehr als deutlich angesprochen hat, nämlich das gesellschaftliche Heranwachsen intelligenter sozialer Widerlinge, die nichts anderes machen, als ihre Mitschüler oder Mitmenschen in jeder sich ihnen bietenden Gelegenheit zu demütigen und zu erniedrigen bis zum Gehtnichtmehr. 

Neben der Ausgrenzung, die Dumitru beinahe täglich – oft nonverbal durch Abweisung, oder verbal durch heftige Bemerkungen oder verletzende Kommentare – in den kleinsten Alltagssituationen von seinen Klassenkameraden zu spüren bekommt, wurde er aber auch schon mit ausländerfeindlichen Tendenzen konfrontiert. So bezeichneten und erniedrigten ihn in der Vergangenheit auch einige Mitschüler als „Zigeuner“, was den aus Rumänien stammenden Dumitru sehr verletzte. Eine Erklärung dafür, warum die deutschen Kinder so etwas sagen, habe er allerdings nicht wirklich. „Es gibt Schüler, die sind halt einfach nur gemein!“, so Dumitru.

Dem konnte unser 1. Vorsitzender nur zustimmen. Auch er sieht in Dumitru ein ganz großes und sehr vielseitiges Talent, dem sehr viele Türen und Wege in der Zukunft offen stehen, vorausgesetzt, die Entwicklung laufe genauso weiter wie bisher. Neben Dumitru käme es jetzt vor allem auf seine Eltern an, die durch ihr Tun und Handeln den weiteren Verlauf seines Lebens unmittelbar beeinflussen können.

Alexander Höfer kennt aber als Sozialpädagoge auch die ganz großen Gefahren und die Fehler, die Eltern innerhalb der Erziehung machen können, besonders Eltern talentierter Kinder. Deshalb verglich er im Interview die Erziehung oder das Wachsen eines Kindes auch mit der Arbeit eines sehr guten Gärtners.

Vergesse dieser nämlich seine Blumen regelmäßig zu gießen, dann verkümmerten seine Blumen sehr schnell. Gieße er aber zu viel, dann könnten die Blumen langfristig auch nicht gedeihen, und gingen früher oder später ebenfalls jämmerlich zugrunde. Nur der Gärtner, der seine Blumen optimal gieße, erhielte auch auf Dauer einen sehr schönen und farbenprächtig blühenden Garten.

Eine sinnbildliche Übergießung seitens Eltern, sei es entweder durch den großen Stolz oder auch durch die hohe Bewunderung des eigenen Kindes, sprich das ständige in den Mittelpunkt gestellt werden, und der damit verbundene Druck sein außergewöhnliches Können immer wieder aufs Neue vor einem Publikum bestätigen zu müssen, stellt für Alexander Höfer die größte Gefahr dar, auf die Eltern eines Talentes unbedingt achten sollten und müssten.

„Wenn ein Talent seine komplette Freizeit damit verbringt, sich ausschließlich mit sich und seinem Können auseinanderzusetzen, dann verliert es unweigerlich den sozialen Bezug zu Gleichaltrigen, weil es nur ganz selten – in vielen Fällen auch überhaupt nicht –  an gemeinsamen Aktionen teilnehmen kann. Auch das Entdecken und Kennenlernen anderer und sehr wichtiger Lebens-, bzw. Interessensbereiche geht unweigerlich verloren. Ein Talent bleibt oft mit sich alleine, im schlimmsten Fall sogar einsam“, so Alexander Höfer im Interview.  

Diese Einsamkeit, verbunden mit dem Fehlen sozialer Kontakte, aber auch das Missen anderer Lebens- und Interessenskontexte – kurz um die fehlende Kindheit – können besonders in der Pubertätsphase zu ganz fatalen Folgen führen. Unser 1. Vorsitzender konnte in seiner sozialpädagogischen Praxis in den letzten 25 Jahren schon einige Talente ganz tief fallen sehen; Talente, die aufgrund ihrer verlorenen Kindheit dann gerade in dieser Lebensphase, von heute auf morgen ihre Passion an den Nagel hängten, und gleich darauf ganz tief abstürzten. Individualisten seien hier wesentlich stärker gefährdet, als Kinder, die ihr Talent in einer Mannschaft ausübten, so Alexander Höfer, da sich Teamplayer immer noch in einem Verbund Gleichaltriger bewegten.

Unser 1. Vorsitzender wünschte Dumitru in seinem Interview alles erdenklich Gute für seine weitere Karriere als Musiker und Künstler. Besonders wünschte er sich jedoch, dass Dumitru im nächsten Jahr häufiger an den kreativen und vielseitigen Programmen unseres Klubs partizipieren könnte. Eine regelmäßige Teilnahme an diesen unterschiedlichen Angeboten würde für ihn nicht nur in jeglicher Hinsicht eine sehr große Bereicherung darstellen, sondern er wäre dann auch mit einer Gruppe unterwegs, die ihn sehr schätzt, und die ihm auch vielleicht den sozialen Halt geben könnte, den er derzeit in seiner Schulklasse nicht wirklich vorfindet.

Moderation: Laura Mouhlen


 

 

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ANIMUS KLUB

Das Beste findet sich dort, wo sich Fleiß mit Begabung verbindet! – (Johannes Kepler)

       

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