(378) 10 Jahre B-Seite


„Denkt Kunst?“ – und – „Es gibt kein Glück von außen!“ – PORT25 und zeitraumexit würdigten das 10-jährige Jubiläum der B-Seite mit einem elektronisch-audiovisuellen Performance-Theater par Excellence!

      

Schon seit einigen Wochen freuten wir uns auf diese besondere Ausstellungseröffnung, die uns mit einer audiovisuellen Performance aus Film und elektronischer Musik wieder einmal etwas ganz anderes versprach, als wir bisher schon miterlebt haben.

Der Wink des Schicksals wollte es, dass die „Angina-Welle“ in der letzten Woche auch unsere Kids voll erwischte, und sie so leider nicht in den Genuss dieser fantastischen Eröffnung gelangen konnten. Dennoch waren wir mit einer kleinen Gruppe von Erwachsenen vor Ort, und möchten wie immer über das Erlebte und die vielen künstlerischen Eindrücke des Abends berichten.

Zunächst einmal gebührt den Machern rund um die Teams von Stefanie Kleinsorge und Jan-Philipp Possmann ein ganz großes Lob dafür, diese aufwendige und sehr umfangreiche Ausstellung aus Kunst und Jetztkultur zusammengestellt zu haben. In den nächsten sieben Wochen finden in diesem Rahmen in beiden Kunsteinrichtungen jede Menge Veranstaltungen statt, an denen nicht nur Kenner und Liebhaber dieses Genres ihre Freude daran haben werden, sondern auch neue und interessierte Menschen, die das B-Seiten-Festival noch nicht kennen oder kennenlernen möchten. So die Worte von Herrn Matthias Rauch, dem Leiter des Mannheimer Clustermanagements der Musikwirtschaft.

Benjamin Jansen vom B-Seiten-Festival zeigte sich sehr glücklich, dass sich die B-Seite in Mannheim etablieren konnte, und erklärte den Besuchern noch einmal kurz, was die Verantwortlichen dieses Festivals über das Jahr hinweg alles so durchführen.

Die B-Seite ist ja vor allem der älteren Generation noch ein Begriff, denn sie befand sich ja einst immer auf der Rückseite einer aktuellen Hit-Single, und sie zeigte meist eine ganz andere Facette des Künstlers. Oft wirklich total fremd, hin und wieder auch absolut schräg oder experimentell präsentierte sich der jeweilige Künstler in diesem Song den Fans. So war die B-Seite bei kommerziellen Hörern, oder Hörern, die immer nur das gleiche Schema oder die gleiche, verwandte Songstruktur von ihrem Lieblingskünstler erwarteten, eher verschmäht. Bei Musikliebhabern, also bei Menschen, die sich mit Musik beschäftigen und daher einen tieferen Bezug zu ihr haben, stieß diese Seite jedoch auf sehr großes Interesse, bekam man den jeweiligen Künstler doch einmal entweder unverfälscht, also nicht hitparadentauglich auf drei Minuten herunterproduziert zu Gehör.

Genau diese andere, nicht kommerzielle Seite der Kunst, präsentieren die Verantwortlichen des B-Seiten-Festivals dem Publikum auf ihren Veranstaltungen nun bereits schon seit 10 Jahren. Grund genug dieses Genre in einer eindrucksvollen und teilweise auch total abgefahrenen Ausstellung zu würdigen.  

Auf alle Künstler oder Kunstwerke möchten wir jetzt nicht eingehen, sondern wir möchten unseren Lesern wie immer eine schöne Anregung geben diese besondere Ausstellung in beiden Einrichtungen zu besuchen.

Neben den neu gestalteten oder besser gesagt bespielten Wänden, die jede für sich als eigenes Kunstwerk steht, aber zusammen eine visuelle Logik komponierter Übergänge darstellen, fiel uns sofort „The Box“ von den slowenischen Künstlern Nika Oblak und Primož Novak ins Auge. Diese neuartige Installation auch als „Sisyphus Actions“ bezeichnet, ist eine extravagante, man könnte auch sagen fünfdimensionale Installation. In einem Bildschirm bewegen sich Personen oder Gegenstände in einem Raum, und lassen ihren Frust darüber, dass sie im Konsumbedürfnis gefangen sind, dadurch aus, dass sie zum Beispiel gegen die Innenwände des Raumes boxen oder treten und sich just in dem Moment dieser Frust auch auf die realen Außenwände des Bildschirms in Form einer Beule überträgt. Dadurch, dass dieser Prozess auch noch soundtechnisch begleitet wird, entsteht ein unglaublicher „Knalleffekt“

Auch die neue Ausstellung von Ana Laibach, eine Wand, welche die unterschiedlichsten Kunstwerke aus Keramik und Ölmalerei enthalten, ist ungeheuer sehenswert, und präsentiert die drei ganz sarkastischen und durchaus gewagten „Graphit auf Papierzeichnungen“ – I’m a pacifist“ – Diesem unglaublich genialen Trio fehlt mit dem Ungarischen Staatspräsidenten „Viktor Orbán“ nur noch ein Vierter im Bunde. Unser erster Vorsitzender hatte dann zur großen Erheiterung der Besucher auch schon eine richtig gute Idee, an welche besondere Körperstelle man hier den Lauf der Pistole richten könnte.

Gegen 20.30 Uhr gab es dann die Audiovisuelle Performance von A-li-ce und Swub. Zu den düsteren und sehr verstörten Bildern des Filmes, die wie mit einer Fernbedienung schnell gezappt, und daher absolut zusammenhanglos an den Augen der Zuschauer vorbeirauschten, hinterlegten die beiden DJ’s live kongenial elektronische Sounds und Beats, die den Zahn unserer schnelllebigen Zeit eins zu eins widerspiegelten. Ja, es gibt so vieles – mittlerweile viel zu vieles – auf dieser Welt, das wir aber nicht alles gleichzeitig anschauen, konsumieren, oder wahrnehmen können, und wenn wir es dennoch tun, dann verlieren wir uns im Dschungel der Verstörtheit, und haben dadurch zwar alles ganz kurz gesehen, aber am Ende nicht davon verstanden.

        

Für die B-Seiten-Ausstellung sollte man daher Zeit mitbringen, um sie intensiv anschauen und verinnerlichen zu können. Genau diesen Eindruck vermittelte uns auch wenig später die Ausstellung im zeitraumexit, die gegen 21.00 Uhr ihre Türen öffnete.

Geniale Installationen erwarteten uns hier. Begleitet von einer teils romantischen, teils gespenstischen Beleuchtung, krabbelten Gaia – spinnenähnliche Gebilde – von oben nach unten und hin und her. An einigen Stellen des Raumes hingen Kopfhörer und verstärkten die jeweiligen Projektionen und Landscapes mit passendem Sound – mal mit Naturgeräuschen, mal mit atemberaubender Spannung. Aus einem „dreiköpfigen“ Grammophon erklangen aus jeder Hörmuschel jeweils unterschiedliche Töne, und ein im Raum stehender und mit Licht und Ornamenten projektierter Romboide erzeugte im Sound der Kopfhörer unglaubliche Gefühle. In einem gesonderten Raum konnte man dann noch auf dreidimensionalen Wellen durch die Gegend oder besser gesagt durch ein Panorama fliegen, welches einem besonderen Kinoerlebnis gleichkam.

      

PORT25 meets B-Seite ist noch bis zum 07. Mai 2017 zu sehen. Am 31. März und 28. April gibt es jeweils eine Führung durch die Ausstellung. Mehr Informationen findet ihr auf den Webseiten von PORT25 und zeitraumexit.

Wir sagen danke für dieses besondere B-Seiten-Erlebnis, und freuen uns wie immer auf die nächsten Ausstellungen.

 

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