(431) Schaufenster des Sports


Kinder stark machen für ein suchtfreies Leben! – Sportkreis Heidelberg bot ein Riesensportfestival auf dem Kirchheimer Alla-Hopp-Spielplatz-Gelände und den angrenzenden Sportstätten!

      

Ziemlich früh, gut eine halbe Stunde vor dem eigentlichen Beginn, sind wir angereist, in der großen Befürchtung, dass bei dieser sportlichen Mammutveranstaltung sicherlich der Bär los sein würde. Doch der erwartete Andrang hielt sich über den gesamten Tag hinweg – trotz eines Superprogramms in Grenzen – und das Gelände des bildschönen Kirchheimer Alla-Hopp-Spielplatzes, sowie den umliegenden Sportstätten, blieb, was die Besucheranzahl betrifft, absolut überschaubar. Zieht man die vereinseigenen Kinder und Jugendlichen der 40 agierenden Vereine noch ab, die an diesem Tag entweder als Helfer fungierten oder den Interessierten ihre Sportart präsentierten, dann war die Resonanz seitens der eigentlichen Bevölkerung mehr als dürftig, um nicht zu sagen enttäuschend.

      

So mussten wir an keiner einzigen Station, noch nicht einmal bei den ganz großen und attraktiven Highlights, wie zum Beispiel den Riesenlaufbällen oder der genialen 30-Meter-langen Action-Hüpfburg, länger als zwei Minuten warten, um diese ausprobieren zu können. Oft kamen wir sofort an die Reihe. Vor zehn Jahren war so etwas noch unvorstellbar.

Damit sehen sich anno 2017 auch die Verantwortlichen der eigentlich attraktivsten Freizeitwelt für Kinder – dem Sport – mit der Tatsache konfrontiert, dass es immer schwerer wird Kinder und Jugendliche zu erreichen, oder gar zu motivieren an einer Sportart zu partizipieren. Das Vereinssterben nahm in den letzten 10 Jahren auch im Sportkreis Heidelberg unaufhaltsam seinen Lauf, und selbst renommierte Vereine, die einst eine große Jugendabteilung besaßen, oder Kleinstädte bis zu 15.000 Einwohnern bekommen heute nicht mehr ausreichend viele Kinder und Jugendliche zusammen, um in ihrer Sportart zum Beispiel aus eigener Kraft eine A-, B- oder C-Jugend zu stellen. Auch wir können uns froh und glücklich schätzen, wenn wir zu sportlichen Aktivitäten eine handvoll Kinder motivieren können.

Viele Verantwortliche sehen den Hauptgrund, genauso wie unser erster Vorsitzender Alexander Höfer, in der rasanten Entwicklung der digitalen Welt, die unseren Kindern nicht nur die Zeit zum Lernen raubt, sondern gleichzeitig auch die Interessen einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung nachzugehen oder die Lust ihre Talente zu fördern. Eine weitere Hauptursache sieht unser Vorsitzender allerdings auch in der unschönen Rivalität, die in fast allen Sportvereinen beheimatet ist. Sport, und insbesondere ein Mannschaftssport, macht nämlich nur dann Spaß, wenn man gewinnt oder große Erfolge erzielt. Dass mein Erfolg allerdings gleichzeitig der Misserfolg eines anderen darstellt, und dass der Sport in einem Verein spätestens dann keinen Spaß mehr macht, wenn man nur noch verliert und dadurch Jugendmannschaften kleiner Vereine unweigerlich zerbrechen; diese traurige Tatsache wird oft und auch gerne übersehen. Auch die Situation, dass in einem Sportverein primär die Leistung im Vordergrund steht, und ausschließlich die Besten in die Gunst kommen, wirklich ein Teil der Mannschaft zu sein, und die Schwächeren nicht so viel Beachtung erhalten und nicht selten auch ausgegrenzt werden, trägt ebenfalls dazu bei, dass immer weniger Kinder und Jugendliche den Weg in einen Sportverein finden.

Viel schöner ist es – und das wissen vor allem unsere Kinder, die in ihren jungen Jahren schon diese gerade erwähnten, schmerzhaften Erfahrungen in Vereinen machen durften – den jeweiligen Sport, ohne diesen enormen Leistungsdruck, bzw. dieses unschöne Gegeneinander auszuüben. Einfach nur miteinander Fußballspielen, ohne von seinen Kameraden, oder den Trainern für einen Fehler diskreditiert zu werden; bzw. einfach nur Klettern, weil man Freude am Klettern hat, und nicht mit Ziel Meister zu werden, der Beste zu sein, oder zwanghaft seinen Titel verteidigen zu müssen, macht langfristig gesehen, noch viel mehr Spaß und wirkt sich nebenbei bemerkt auch noch unheimlich positiv auf das allgemeine Wohlbefinden der jeweiligen Kinder und natürlich auch der Betreuer aus.

Und wieviel mehr Spaß Sport ohne Rivalität tatsächlich macht, das konnten wir auf dem Alla-Hopp-Spielplatz an diesem Nachmittag mehrere Stunden live miterleben. Angefangen bei einer genialen Dosenwerfstation bei der SRH. Aus einem rotierenden Karussell mussten wir eine große Pyramide treffen oder die Bälle in zwei danebenstehende Körbe werfen. Was sich so einfach anhört entpuppte sich bei der Ausführung als ziemlich schwierig, denn wenn der Ball nicht rechtzeitig unsere Hand verließ, flog er kreuz und quer durch die Gegend. Dennoch schafften wir es mit der Zeit und ein wenig Übung mehrere Dosen herunterzuwerfen und einige Bälle in den Körben zu versenken.

       

Mit dem Ball ging es dann gleich auch weiter bei den Handballern der SG Kirchheim. Hier mussten wir kleine Handbälle auf ein Trampolintrapez werfen, und die Bälle danach wieder sicher auffangen. Die Schwierigkeit bestand darin, mit der idealen Stärke das Trapez mittig zu treffen, so dass dieses den Ball wieder zurückkatapultieren konnte. Jede Menge „Fun“ war also vorprogrammiert, denn der Ball flog natürlich nicht immer so zurück, wie wir es gerne gewollt hätten. Auch unser Vorsitzender Alexander Höfer griff zum Ball. Allerdings musste er als Erwachsener von weiter hinten werfen. Nach einer kleinen Aufwärmrunde, meisterten wir diese Disziplin, und machten uns gleich danach auf zum Klettern.

      

Hier durfte unser Slawa viele Luftballons an Kletterstangen hängen. Dazu musste er mehrmals wie ein Affe mittig hochkrabbeln, während Daniella sich akrobatisch von den Slacklines des dortigen Klettergerüstes herunterhängen ließ. Klettern und sich an Stangen hängen, waren also die nächsten Hürden, die es galt zu meistern, und die wir ebenfalls bravurös absolvierten. Der Alla-Hopp-Spielplatz bietet hier den Kindern und Jugendlichen sehr vielfältige Möglichkeiten ihre Motorik zu fördern und Grenzen auszutesten. Doch heute konnten wir dort noch viel mehr erleben.

      

Beim SV Sandhausen gab es Freikarten für das Zweitligaspiel gegen den FC Ingolstadt 04 zu gewinnen. Hier mussten wir als Erstes einen Ball durch einen Parcours dribbeln. Mal mit dem rechten Fuß, mal rückwärts und dann mit dem linken Fuß den Ball durch die Hütchen spielen, das war noch relativ einfach. Doch im Anschluss daran stellte uns die Aufgabe, dass wir mit einer bestimmten Ballgeschwindigkeit ein Tor treffen mussten, vor eine ganz große Herausforderung.

20 km/h für die Kinder, bzw. 45 km/h für Jugendliche und Erwachsene waren die Vorgaben der Verantwortlichen. Derjenige, der die Kilometerzahl genau erzielte oder unwesentlich (plus-minus einen Stundenkilometer) daneben lag, sollte eine Freikarte erhalten. Es galt also nicht den Ball mit der maximalen Kraft, sondern mit dem maximalen Gefühl ins Tor zu befördern, was wesentlich schwieriger ist. Sich selbst einschätzen war also gefragt, und darin sind unsere Kiddies aufgrund unserer vielen Aktionen mittlerweile richtig gut. So erzielten wir hier zwei Mal exakt 45 km/h und einmal 44 km/h, und konnten voller Stolz gleich drei Freikarten mit nach Hause nehmen.

        

Die Organisation „Kinder stark machen!“ hatte sich über das komplette Gelände der RGH verteilt und bot neben Zirkusartistik auch eine Reihe motorischer und sensitiver Stationen. Nach einem kleinen Warmup in einem Kletterkarussell, das aus Seilen und Trapezen bestand, sowie einem Blindparcours, bei dem wir mit verbundenen Augen bestimmte Wege laufen und Aktionen durchführen mussten, wie zum Beispiel ein Tablett tragen, zog uns die Zirkusaktion von „Kinder stark machen“ voll in ihren Bann. Zauberstäbe und Diabolos, aber auch Jonglierbälle durften wir hier zur Musik bewegen oder tanzen lassen. Auch ein paar erweiterte Schwierigkeiten bauten die Verantwortlichen ein.

        

So hatten wir die Möglichkeit den Zauberstab auf einem Schwebebalken in die Höhe zu werfen und wieder aufzufangen. Auch die Diabolos konnten auf vielfältige Weise durch die Luft geworfen werden.

Höhepunkt dieser Station war unzweifelhaft die Leiterpyramide. Zwischen zwei Leitern wurden drei Kinder positioniert. Hier durfte unsere Daniella in Aktion treten, und die Spitze der Pyramide übernehmen. Nachdem die Kinder sicher standen, wurden die Leitern losgelassen, und die drei Kinder standen unter dem großen Applaus der Zuschauer sicher aufrecht in der Mitte der Bühne, und konnten dabei sogar noch die Leitern nach außen drücken.

      

Bei der HRK erwartete uns Rugby, was für uns zwar durchaus interessant war, wir aber am heutigen Tage aufgrund der großen Hitze ausließen. Sport und Bewegung ist wichtig, doch bei zu heißen Temperaturen sollte man auf seine Gesundheit Rücksicht nehmen, selbst auch dann, wenn sich die Kinder – wie eine Mutter uns mitteilte – an die große Hitze gewöhnt hätten. Nicht jede Gewohnheit ist langfristig gut und gesund für den Körper.

So entschieden wir uns zunächst einmal eine weitere geniale Hüpfburg zu testen. Hier mussten wir uns auf Rumfässer stellen. Gleich darauf setzte sich ein mit einem Baumstamm bewaffneter Hai in Bewegung, und versuchte uns mit diesem von den Fässern zu stoßen. Im richtigen Moment hochspringen und danach das Gleichgewicht halten, um nicht von den Rumfässern zu stürzen. Das waren die Bewährungsproben an dieser Station. Selbstverständlich drehte sich der Hai mit zunehmender Dauer schneller, so dass die Abstände zwischen den einzelnen Sprüngen immer kürzer wurden. Am Ende purzelten wir dann doch alle ins markierte „Wasser“, verließen aber trotzdem voller Begeisterung die Hüpfburg Richtung Fahrradfahren.

„Monnem Bike“ – Hochradfahren und Spezialräder ausprobieren, noch in bester Erinnerung, konnten wir heute hier in Heidelberg beim adfc Rhein-Neckar Rennräder testen. Hier hatten die Verantwortlichen neben einem Geschicklichkeitsparcours auch eine Teststrecke eingerichtet auf der wir mit dem Rennrad mal so richtig Gas geben konnten.

Ein großartiger Samstagnachmittag ging für uns mit einer Runde Seilspringen bei den Rope-Skippers zu Ende, bei der wir ebenfalls eine sehr gute Figur abgaben. Bleibt uns zum Schluss wieder einmal nur den Verantwortlichen ein dickes Lob für dieses tolle Event auszusprechen, und die Hoffnung kundzutun, dass sich in naher Zukunft, sowohl bei der Einstellung der Bevölkerung hinsichtlich des medialen Konsums, als auch der Leistungsfokus bei den Verantwortlichen der Sportvereine positiv verändert, denn wenn hier – beiderseits – keine Veränderung stattfindet, dann werden in 10 Jahren in den kleinen Gemeinden bis 5.000 Einwohner unter Umständen keine, und in Gemeinden bis zu 15.000 Einwohnern nur noch ganz wenige Kinder und Jugendliche einer sportlichen oder anderen sinnvollen Freizeitbeschäftigung in Vereinen nachgehen.

Bilder: Slawa Kostin

 

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