(531) 19. Internationales Straßentheater (2)


ANIMUS-KLUB-KIDS rockten das Ludwigshafener Straßentheater mit den DELTAHELDEN, und waren fasziniert von den musisch spektakulären Vorstellungen und „unartiqen“ Zirkus-Shows! 

 

7. Système Paprika – Kraken Orchestra

Unser zweiter Tag des diesjährigen Straßentheaters begann wie gewohnt ganz anders, und natürlich wie immer außergewöhnlich. Die französische Equipe Système Paprika hatte sich mit ihrem ultra-genialen Gefährt auf dem Ludwigsplatz positioniert. Ein extravagantes Vehikel mit dem Charme der Dreißigerjahre, dem Flair von Paris, und ein Hauch der berühmten Klamottenkiste, zierte sein Aussehen. Alles an dem Gefährt war echt, von den Akteuren selbst erbaut, und multifunktionsfähig gestaltet, und zwar so, dass da auch noch problemlos eine ganz Brass-Combo genügend Platz hatte, um während der Fahrt dufte Klamauk-Musik zu spielen.

Pünktlich um 15.00 Uhr setzte sich das Monstrum in Bewegung, und gleich darauf erklang im Hintergrund ziemlich schräge Musik, und es erschien mit dem Kraken Orchestra eine Musik-Kapelle, die uns mit ihrer schmetternden Ouvertüre glanzvoll unsere Ohren durchblies. Lautstarke Anweisungen und Sprachfetzen in Polygrumpf, die sich ein wenig, wie eine Mischung aus Finnisch und Russisch anhörten, erklangen, und das „Vrakasta, ja vrakasta“, war bald nicht mehr aus unseren Gehörgängen wegzukriegen.

Cineastischer Jazz der Dreißiger füllte fortan die Umgebung. Ein Teil der Band spielte bekannte Filmmelodien, während der andere die Schlüsselszenen aus den jeweiligen Filmen nachspielte. So war es urkomisch den Céline-Dion-Klassiker „My Heart Will Follow“ auch mal im schrägen Dixi-Sound zu hören, während die Akteure, zum Leidwesen ihres Chefs, DIE Titanic-Szene vor ihrem Gefährt zum Besten gaben.

Gesucht wurde neben guter Laune, die alsbald gefunden war, aber auch ein König oder eine Königin, die dann zu Ehren der Band eine ganz spezielle Krone tragen durfte. Gekonnt banden die Franzosen Publikum und vor allem Kinder mit ein, und hinterließen mit ihrer Exkursion über den Ludwigsplatz ein ganz tolles Erlebnis.

      

 

8. Circus Unartiq – Eine Zirkus-Theater-Show

Weiter ging es am Pfalzbau. Ein wunderschönes artistisches Märchen präsentierte uns dort das Duo von Circus Unartiq. Eine große Zirkusmanege, umhüllt von einem Segel, machte deutlich, dass es für die Darsteller wohl gleich hoch hinausgehen würde. Doch bevor es dazu kam, nahm das Märchen von dem verliebten Prinzen und seiner unerreichbaren Angehimmelten erst einmal seinen gewohnten Lauf. Blumen der Liebe zierten das Gesamtbild, rund um die Bühne. Während der Prinz bereits jetzt schon versuchte seinen Schwarm mit allen Regeln der Kunst zu umwerben und für sich zu gewinnen, verschwindet diese ad hoc in einem Turm, der sich sofort wundersam vom Boden in die Lüfte erhob. Die Suche des Prinzen blieb kurze Zeit erfolglos, doch dann sah er seine große Liebe am Fenster des Turmes. Ein Hauch Dornröschen lag in der Luft. Plötzlich schwebte der Prinz magisch, fast wie von Geisterhand empor, während seine Holde nach  unten ging, um ihn mit freudiger Erwartung in Empfang zu nehmen.

Nun entpuppte sich ein hochakrobatischer Akt unter den Dächern Ludwigshafens. Keulen wurden in hohen Lüften jongliert, und über eine Strickleiter wurden wunderschöne Figuren dargestellt. Die ganze Inszenierung war in der Tat ein Märchen voller Ideenreichtum und Poesie, genial konzipiert mit schönen artistischen Einlagen. Ob der Prinz am Ende seine Liebe tatsächlich gewinnen konnte, das möchten wir jetzt nicht verraten, sondern wir gehen gleich weiter zu dem nächsten Akt.

      

 

9. La Compagnie Mac’htiern – Pink Flamingo

Hier gab es mit der Gruppe La Compagnie Mac’htiern aus Frankreich das nächste Objekt-Theater zu bewundern. Das Programm PINK FLAMINGO verblüffte uns ähnlich wie das gestrige Struzzi von Teatro Pavana. Ein riesiger gut drei Meter hoher Flamingo, sichtbar aus alten Schrott-Teilen extravagant zusammengetüftelt, drehte seine Runden über den Ludwigsplatz, und zog besonders Kinder ganz fest in seinen Bann. Ein lauter Lustschrei ertönte plötzlich und erheiterte die Menge, während sich der Kopf des Flamingos nach unten beugte, um den Besuchern mal auf den Zahn fühlen zu wollten.

Klar, dass die Kinder dieses zierliche Tierchen auch mal umarmen oder übers Köpfchen streicheln durften. Auch der Flamingo machte sich einen Spaß daraus über die Hecken in die Gärten der Restaurants zu schauen, um den Gästen bei Essen zuzuschauen. Die Konstruktion selbst hat gut acht Monate gedauert, so die Konstrukteure. Gesteuert wird er von drei Leuten, die den Vogel sicher durch die Straßen befördern, bzw. im richtigen Moment einen verblüffenden Aha-Effekt setzen. Vor diesem Vogel ist in der Tat keiner sicher, selbst die Leute nicht, die am heutigen Tag einfach nur unter dem Schatten der Bäume eine kleine Pause eingelegt haben.

      

 

10. Cie Ici’Bas – L’envers 

Das Schweizer Duo Cie Ici’Bas war der nächste Höhepunkt unseres Besuches. Die Ouvertüre des Stückes „L’envers“, war allerdings etwas gewöhnungsbedürftig, denn die beiden Akteure wollten zunächst einmal herausfinden, wer von ihnen denn lauter schreien kann. So hatte derjenige, der angeschrien wurde, immer einen Kopfhörer als Schutz auf dem Kopf. Aufmerksamkeit erregen, sich speziell in den Mittelpunkt drängen, und vor allem nerven wie die „Sau“ – ein Schrei gegen den traurigen Alltag, den wir tagtäglich durchleben, sowohl im Leben als auch im medialen Bereich.

Danach entpuppte sich das Schauspiel zu einer wundersamen Mischung aus Artistik und Tanz. Gekonnt präsentieren die beiden Künstler geniale Figuren und Bewegungen aus beiden Genres und lassen diese auch in einer spontanen Mischung ineinanderfließen. So wurde die grüne Manege zu einem Spielort, der eine magische Anziehung beim Publikum versprühte, genauso, wie diese beiden sich magisch anzogen. Mal sie auf ihm, mal er auf ihr, im Wechselbad der Gefühle spielten die beiden trotz enormer Hitze eine knapp 40-minütige Show auf allerhöchstem Niveau. 

Neben der Anziehung, kam es auch zur Ausziehung. So demonstrierte der Artist seiner Spielgefährtin alsbald mit breiter Brust seine große herkulesähnliche Stärke. In schnellen und überraschenden Stopp-Szenen, in denen die beiden beinahe einfroren, aber auch in Situationen der Ruhe, einsam in der Ecke kauernd oder verhüllt im Grasteppich nahmen die Artisten Tempo aus ihrer Show heraus und Muße hinein. Gegen Ende wurde dann auch noch das Terrain des Rathauscenters in die Show integriert, und weder Treppengeländer noch Straßenlaternen waren vor der Artistin sicher.

      

 

11. Deltahelden – Pop-Up-Band feat. Ashiteys Nokokoye

Die DELTAHELDEN, eine Pop-Up-Band aus Heidelberg stand als nächstes auf unserem Programmplan. Die Multi-Kulti-Band aus Ghana war heute mit Ashiteys Nokokoye vor Ort, um den Besuchern mal so richtig afrikanische Freude und Esprit zu vermitteln. In ihrer Performance „Mash-Up-Concerts“ präsentierten die Akteure eine Mischung aus funkensprühender afrikanischer Trommelmusik, brasilianischem Samba und exzellenter Tricking und Körperbeherrschung.

Langsam und leise beginnt die Show, und die Band spielt sich mit einem mäandernden Rhythmus gleich mal ganz tief in die Herzen der Zuschauer, die nicht umherkamen diese einprägsame Stakkato mitzuklatschen, bzw. die großartige Melodie lautstark mitzusingen. In Null-Komma-Nichts verstand es die Combo eine Wohlfühlatmosphäre in die Bismarckstraße zu zaubern, die einem als Zuschauer alles um sich herum vergessen lässt.

Nach dem Intro und einer weiteren Trommelpräsentation, war es an der Zeit mal so richtig Show zu machen, und die Akteure zeigten dabei ihr großes tänzerisches Können, mit vielen Tricking-Einlagen, Saltos aus dem Stand, Überschläge ohne Hände, sowie Spontan-Artistik par excellence. Eine Jonglage mit Kopf und Mund legte in Kombination mit den feurig-rhythmischen Trommel-Einlagen den Grundstein für die Integration des Publikums.

Heute durften wir, oder besser gesagt unsere Daniella auch mal so richtig Show machen, denn die beiden Tänzer holten sie auf die Bühne, und vollführten mit ihr eine Wahnsinnsnummer, die dem Publikum wahre Applausstürme entlockte, weil Danielle genial mitspielte, und die Menge mit ihrer kongenialen Jubelgestik und Mimik noch zusätzlich anheizte. Damit noch nicht genug, holten die DELTAHELDEN Daniella noch einmal zum großen Finale für die schwierigste Nummer auf die Bühne.

      

Hier stellte sie Ashiteys Nokokoye zunächst einmal auf seine Hände, und Daniella stand sofort absolut sicher in der Balance und reckte dabei auch noch triumphierend die Arme nach oben. Ashiteys, der offensichtlich schon bei der Pyramiden-Nummer gemerkt hatte, dass Daniella unglaublich biegsam ist, hob sie dann mit Hilfe des zweiten Tänzers vorsichtig in eine Brücke, und legte sich dann, unter tosendem Beifall, zusammen mit ihr nach Hinten ab.

 

12. Cia Ytuquepintas – Sandträume 

Das Finale des Tages machte die schier unaussprechliche spanische Gruppe YTUQUEPINTAS mit ihrem Programm „Sandträume“. Den Organisatoren war es doch tatsächlich gelungen mit Borja González einen der weltbesten, wenn nicht gar den weltbesten Sandmaler nach Ludwigshafen zu holen, der uns heute Abend auf ganz besondere Art und Weise verzaubern sollte.

Gleich vorweg, so etwas musisch Schönes und Anmutiges haben wir bisher sehr selten gesehen, und einen Künstler, der in seiner Show LIVE, mit Sand, unzählige Bilder zeichnet, und uns damit auf eine unvergessliche Reise um die ganze Welt, in die Poesie und Liebe eintauchen lässt, auch nicht.

Mit hauseigener Band zauberte der Spanier Monumentaufnahmen über einen Beamer auf eine große Leinwand. Schnell sind wir gefangen in der Geschichte, in der uns der Protagonist nicht nur sein ganzes Können offeriert, sondern auch märchenhafte Landschaften kreiert. Alles sieht ganz einfach aus. Mit ein paar Handbewegungen und geschicktem Herunterrieseln des Sandes erstellt Borja González Emotionen, die einen aus dem Staunen nicht mehr herausbringen.

Bilder erschienen, während andere in der unendlichen Erinnerung verschwanden, aber noch eine geraume Zeit vor unserem geistigen Auge tanzten. Aus einem fahrenden Zug lässt er uns an großen Sehenswürdigkeiten vorbeifahren. Der Eifelturm von Paris, das Kolosseum von Rom und der Schiefe Turm von Pisa rauschen an uns vorbei, und wir sind begeistert von dem künstlerischen Können und dem Gesamtkonzept, das sich zusammen mit der jeweils passenden und stimmigen Musik ganz fest in uns manifestiert.

        

Schon während der faszinierenden Show aus Bildern, Lichteffekten und Musik, stand für unserer Kiddies eines ganz sicher fest. Das Straßentheater ist und bleibt das mit Abstand schönste regionale Ereignis des Jahres. – „Niemals würde ich ins Schwimmbad gehen, und auf diese schönen und unvergesslichen Momente verzichten!“ – (Zitat: Daniella Kostina) … Fortsetzung folgt.

Bilder: Daniella Kostina

 

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