(384) MARIJANA DOKOZA


„GRIJESI“ – Sünden! – Die kroatische Bestsellerautorin präsentierte bei der Deutsch-Kroatischen Gesellschaft ihr neues Buch und die Hintergründe des brisanten Themas!

In Kroatien ist sie nach mittlerweile zwei veröffentlichen Poesien „Sjene Prošlosti“ – „Schatten der Vergangenheit“ (2004) und „Dvorac tajni“ – „Das geheimnisvolle Schloss“ (2008), sowie ihren beiden Romanen „Izgubjeni u ljudskim mislima“ – „Verloren in den Gedanken der Menschen“ (2005) und „Naranyijn plač“ – „Die Tränen Naranyis“ (2011) eine ganz bekannte Größe im Schriftstellerbereich. Marijana Dokaza. Nun wartet die Autorin, die schon mehrfach die Bestsellerliste Kroatiens anführte, und derzeit bei FENIX Magazina als Chefredakteurin tätig ist, mit der Veröffentlichung ihres neuen Romans „GRIJESI“ – zu Deutsch „Sünden“ auf.

Das Buch erzählt die authentische Geschichte von Ana Radman, die sehr früh ihre Mutter und ihre jüngste Schwester verlor. Ihr Alltagsleben ist gekennzeichnet von einem gewalttätigen Vater, der keine Gelegenheit auslässt, sie und ihre drei Geschwister körperlich und seelisch sehr schwer zu misshandeln. 

Im Laufe des Romans lernt sie Toni, ihre große Liebe kennen, den sie aber alsbald durch den Bürgerkrieg wieder verliert.

Ana versucht nun ihrem einstigen Leben den Rücken zu kehren und flieht nach Deutschland. Authentisch und spannend erzählt die Autorin dem Leser die traurige Geschichte dieses persönlichen Schicksals.

50 Kapitel repräsentiert das Buch exakt den düsteren Einband, der Ana gedankenversunken auf Eisenbahnschienen sitzend zeigt; ihren Blick in eine ungewisse Zukunft gerichtet. Der Himmel ist düster und spiegelt in dunklen Staubwolken einerseits den gerade tobenden Krieges und andererseits die vielen dunklen Geheimnisse wider, die nach und nach im Laufe der Handlung zum Vorschein kommen. Gedanken verwischen in Tränenwellen, wenn jemand durch eine so persönliche Hölle gehen muss, und nichts daran ändern kann, weil alles prädestiniert scheint. Zwar will Ana irgendwie diesem persönlichen Gefängnis entfliehen, doch das Geschehene hält sie wie eine Sünde gefangen und lässt sie nicht mehr los. Der Schmerz über die Misshandlungen, aber vor allem das Wegschauen der Gesellschaft, der Nachbarn und nicht zu Letzt auch der besten Freunde, sowie der Verlust ihrer großen Liebe, reißen tiefe Wunden in ihre Seele. Schmerzende Narben, die auch von ihrem neuen Leben und ihrem deutschen Mann, nicht geheilt werden können.   

„GRIJESI“ ist kein einfaches Buch, obwohl es sehr gut zu lesen ist, natürlich immer vorausgesetzt, der Leser ist der Kroatischen Sprache mächtig. Es ist vor allem kein Buch, das man mal so kurz nebenbei liest. Im Gegenteil. „GRIJESI“ erfordert die komplette Aufmerksamkeit, und der Leser muss innerhalb der 50 Kapitel so einiges Grausames ertragen, durchleben und mitfühlen, weil er hautnah am Ort des Geschehens dabei ist.

Die heute mit ihrer Familie in Mainz lebende Marijana Dokoza hat in den letzten Monaten mit ihrem Thema die deutschen Literaturkritiker überzeugt, und so wird ihr Roman im Mai auch auf Deutsch erscheinen. 

In der letzten Woche präsentierte nun die 38-jährige „GRIJESI“ im Mannheimer Stadthaus. In einem Interview mit der Vorsitzenden der Deutsch-Kroatischen Gesellschaft Marija Kopić berichtete die Autorin über die Entstehung der Geschichte und die Hintergründe des Buches.

Die Autorin möchte vor allem Aufrütteln, und die Leser ermutigen, wenn sie mitbekommen, dass Eltern ihre Kinder misshandeln NICHT WEGZUSCHAUEN, und sich einzumischen. Aber gerade das Einmischen kostet Kraft, Mut und Überwindung.

„Würden Sie einem siebenjährigen Jungen helfen, wenn Sie mitbekommen, dass ein Vater ihn verprügelt oder ihn bei minus 10 Grad auf die Straße hinauswirft? – Würden sie diesem Kind helfen? – Würden Sie einschreiten oder dem Vater sagen, dass er das sofort lassen soll, oder sie rufen die Polizei an? – Würden sie dem siebenjährigen über Nacht Obhut gewährleisten, damit er nicht erfriert? – Oder würden sie eher wegschauen, weil sie der Meinung sind, dass sie ihre Nase nicht in fremde Angelegenheiten mischen sollen? – Was würden Sie tun?“

Ana Radman wohnt heute mit ihrer Familie in Frankfurt. Nach Hause in ihr kleines Dorf in Dalmatien geht sie nur noch sehr selten. Zu tief sind die Wunden, aber auch die große Enttäuschung darüber, dort genau die Menschen wieder zu sehen, die sie einst schwer im Stich gelassen haben, die Augen verschlossen, und sie mit ihrem Schicksal alleine ließen.

Der Roman wurde in Kroatien von der Verčernji list, der meistverkauften Tageszeitung veröffentlicht und für den „Kiklop-Literaturpreis“ nominiert. Wir sind gespannt darauf, wie dieser Roman hier in Deutschland ankommen wird. Die Veröffentlichung ist, wie bereits schon erwähnt im Mai.

 

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