(493) WHISTLEBLOWING


Annegret Falter vom Whistleblower-Netzwerk e.V. brachte Licht ins Dunkle und sprach über ehrenwerte Menschen, die der Gesellschaft und der Demokratie aus moralischer Sicht den allergrößten Dienst erweisen!

Whistleblowing, oder der Whistleblower, sind zwei Begriffe, die der breiteren Öffentlichkeit spätestens seit den Enthüllungen von Chelsea Manning über die menschenrechtsverletzenden Aktionen und Kriegsverbrechen der amerikanischen Armee im Irak, sowie dem Portal Wikileaks von Julian Assange bekannt sind.

Obwohl der Whistleblower der Gesellschaft, insbesondere der Demokratie, einen sehr ehrenwerten und hohen Dienst erweist, ist er bei vielen Wirtschaftsbossen, Politikern aber auch bei sozialen Trägern und Einrichtungen ein großer Dorn im Auge, deckt er doch Dinge auf, die dem Unternehmen oder den Verantwortlichen sehr unangenehm werden können. So wird der Whistleblower sehr gerne, was aber völlig falsch ist, auch als Denunziant betrachtet.

Tatsächlich hat der Whistleblower aber überhaupt nichts mit einem Denunzianten gemein. Der Whistleblower handelt im Gegensatz zum Denunzianten nicht aus persönlichen Motiven, um zum Beispiel einer bestimmten Person (einem Gegner oder einem Widersacher) mit einer falschen Unterstellung, einer Lüge oder dem verbreiten eines üblen Gerüchtes – also mit Rufmord – zu schaden; im Gegenteil, der Whistleblower enthüllt in seinem Unternehmen oder an seinem Arbeitsplatz entweder Straftaten, wie zum Beispiel Betrug, Korruption, Geldwäsche etc., oder aber auch schwerste moralische und soziale Missstände, wie Kindesmisshandlung, Missbrauch von staatlichen Geldern und Zuschüssen etc.; also Taten, die entweder der Gesellschaft, oder einem Teil der Gesellschaft, einen sehr großen Schaden zufügen, und oder an denen sich die jeweiligen Verantwortlichen unrechtsmäßig finanziell bereichern.

Es ist also in der Tat etwas ganz anderes, ob ein Denunziant aus Bosheit und Widersache zum Beispiel einem sehr guten Pädagogen unterstellt, dass er angeblich pädophil sei, um ihn mit dieser rufmordschädigenden Botschaft gezielt zu vernichten, oder ob ein Whistleblower aufdeckt, dass sein Unternehmen Schmiergelder in Millionenhöhe erhält, oder Verbraucher gezielt betrogen werden, bzw., sich soziale Einrichtungen durch gefälschte Entwicklungsberichte auf raffinierteste Art und Weise staatliche Zuschüsse ergaunern, oder ihre Mitarbeiter dazu anleiteten, die Entwicklung des Klientel gezielt zu verzögern, um weiter Gelder für die Betreuung zu bekommen.

Die Unternehmen und Verantwortlichen sprechen hier meist von Vertrauensmissbrauch und Loyalitätsverletzung, weil der Whistleblower  betriebsinterne Geheimnisse in die Öffentlichkeit trägt. „Gilt Loyalität eigentlich auch bei Straftaten und verwerflichen Missständen?“ – Oder ist es nicht vielmehr so, wie es bei uns im § 258 des Strafgesetzbuches geschrieben steht, nämlich sinngemäß: „Das Decken einer Straftat, ist eine Straftat, nämlich die der Straftatvereitelung!

Obwohl aus allen genannten Beispielen hinsichtlich des Whistleblowings deutlich hervorgeht, dass der Whistleblower rein aus höherer moralischer Verpflichtung handelt, und dass für ihn die Werte des Grundgesetzes und insbesondere die Wahrheit wichtiger sind, als die Loyalität gegenüber seinem Arbeitgeber, und er mit der Aufdeckung der Taten, wie bereits erwähnt, der Gesellschaft einen hohen Dienst erweist, wird der Whistleblower häufig von der Gesellschaft scharf verurteilt und ausgegrenzt. Im Gegensatz dazu, und das ist ein sehr trauriges Paradox, schützt die Gesellschaft in aller Regel die Straftat des Denunzianten. Sprich, der Whistleblower hat neben dem Verlust seines Arbeitsplatzes zusätzlich noch mit drakonischen Strafen zu rechnen, während der Denunziant weiter straffrei durchs Leben gehen kann. Deshalb fordert das Whistleblower Netzwerk e.V. schon seit sehr langer Zeit ein Gesetz zum Schutz der Whistleblower.

Zwar, so Annegret Falter, hätte die SPD vor Jahren einmal einen sehr guten Entwurf eingebracht. Dieser wurde aber, sowohl vom Koalitionspartner, als auch wenig später von einem speziellen Ausschuss, indem sich Vertreter und Lobbyisten der Wirtschaft befanden – wen wundert es – abgelehnt. Die Ablehnung macht aber indirekt auch deutlich, wie es mit der Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit innerhalb der Wirtschaft und der großen Politik bestellt ist, denn wer nichts zu verbergen hat, der könnte eigentlich so einem Gesetz bedenkenlos zustimmen, oder etwa nicht?

Die Geschäftsführerin führte uns im weiteren Verlauf ihres Vortrags mit mehreren schrecklichen Beispielen ganz deutlich vor Augen, wie wichtig Whistleblower für die Demokratie und das Allgemeinwohl der Bevölkerung sind. So sprach sie gleich als erstes über den Pater Klaus Mertes, der den jahrelangen sexuellen Missbrauch von Kindern innerhalb der Katholischen Kirche ans Licht gebracht hat. Annegret Falter sprach aber auch über das intern hochprofessionell funktionierende Vertuschungssystem und ignorante Netzwerk, das jahrelang erfolgreich verhinderte, dass diese Vorfälle an die Öffentlichkeit gelangten. Erst mit der Hilfe des Paters und investigativen Journalisten konnte dieser Skandal aufgedeckt werden.

Den erschütterndsten Einblick bot uns Frau Falter allerdings mit einem kurzen Ausschnitt des Videos, das Chelsea Manning seinerzeit an Wikileaks geschickt hat. In diesem Video machen sich die amerikanischen Soldaten regelrecht einen großen Spaß daraus wehrlose Zivilisten abzuballern. Gnadenlos metzelten sie mit ihren Maschinenpistolen alles nieder, was ihnen vors Fadenkreuz kam. Selbst vor herbeieilenden Rettungskräften und den am Boden liegenden Verwundeten machten sie keinen Halt, und hinterließen somit keine Zeugen, die dieses abscheuliche Kriegsverbrechen hätten beweisen können. Erst die Veröffentlichung dieses Videos brachte auch hier Licht ins Dunkle.

Zwei Dinge sollten den Leser zum Ende unseres Berichtes nachdenklich stimmen. Zum einen wurde Chelsea Manning damals wegen Hochverrates zu 35 Jahren Gefängnis verurteilt, und die Soldaten, die dieses grausame Verbrechen an der Menschheit begingen, freigesprochen (!?!); zum anderen ähnelte die Monitorfläche im Film fast exakt derer, die wir von den animierten Computerkriegsspielen her kennen. Unsere Kinder werden also tatsächlich unbewusst, wie das auch der Neurologe Manfred Spitzer im letzten Jahr auf seinem hochinteressanten Vortrag „Digitale Demenz“ deutlich machte, bereits frühzeitig als Killer ausgebildet, denn sollten sie später in diesem Bereich tätig sein, dann ähnelt die Realität ziemlich genau dem Computerspiel. Sie bemerken keinen Unterschied mehr. 

Gerade deshalb wird der Animus Klub weiterhin innerhalb seiner Jugendarbeit auf alle ihm bekannten sozialen Missstände und Ungerechtigkeiten innerhalb der Gesellschaft aufmerksam machen, in der großen Hoffnung, dass die Gesellschaft irgendwann einmal erkennt, wie wichtig und vor allem ehrlich es ist, Klartext zu sprechen, und bestimmte Dinge unmissverständlich beim Namen zu nennen. Es geht nämlich um unsere Zukunft, und zwar nicht nur um die Zukunft für unsere Kinder, sondern auch um die Zukunft unseres Planeten auf dem wir leben.

 

Diesen Bericht widme ich dem ehemaligen Nußlocher Bürgermeister Herrn Karl Rühl, sowie allen Nußlocher Gemeinderäten, insbesondere den SPD-Fraktions- und Vorstandsmitgliedern Michael Molitor, Erhard Kempf, Harry Rensch, Wolfgang Moritz, Richard und Susanne Wenz, und last but not least, aber dafür am allermeisten dem Bürgermeisterstellvertreter und FDP/BfN-Vorsitzenden, sowie ehemaligen 1. Vorsitzenden des FV Nußloch Herrn Peter Anweiler. Meine Widmung gilt auch für alle Menschen, die mit Denunzierungen unschuldige Personen in schweren Misskredit bringen, sowie diejenigen Menschen, die die üble Nachrede von Denunzianten, meist aus persönlichen Gründen oder Vorteilen decken und somit eine Straftat vereiteln. Alexander Höfer

 

 

 

 

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ANIMUS KLUB

I’m blowing the whistle, on people I’ve trusted before! – I’m blowing the whistle, cos‘ they can’t be trusted anymore …! – Ich verpfeife die Menschen, denen ich einst vertraute. Ich verpfeife sie, weil man ihnen nicht mehr vertrauen kann …! – (The Whistleblower – Clive Nolan/Shadowland)  

      

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