(489) Pre-Crime


„Warum die Polizei heute schon weiß, welches Verbrechen Du morgen begehen wirst!“ – „Orwells 1984 – Minority Report und Hollywood sind im Leben angekommen!“

„Du planst einen Einbruch, oder eine andere Straftat?“ – „Wir, die Polizei, wissen das aber bereits lange im Voraus und nehmen dich vorher schon fest!“ – Über dieses spannende Thema drehte sich nicht nur der Film Pre-Crime des Regisseurs Matthias Heeder, sondern auch der anschließende Diskurs bei unserem jüngsten Besuch des Deutsch-Amerikanischen Institutes, das wir ja aufgrund der aktuellen und brisanten Themen einerseits, und unseres großen sozialen Verantwortungsbewusstsein andererseits, sehr gerne auf unseren Veranstaltungskalender schreiben.

Leider mussten wir aufgrund der Pflegebedürftigkeit des Vaters unseres ersten Vorsitzenden, und der fehlenden Hilfe und Unterstützung seiner langjährigen Freunde, eine längere Besuchspause der DAI-Veranstaltungen einlegen. Die Aufgaben hinsichtlich der Pflege, besonders die Versorgung unter der Woche, waren einfach zu groß und zu zeitaufwendig. So gingen uns bedauerlicher Weise die geplanten Besuche zu den Veranstaltungen des ehemaligen polnischen Präsident Aleksander Kwaśniewski, des ARD-Moderators Rangar Yogeshvar, der Juristin Yvonne Hofstätter, des Astrophysikers Harald Lesch und auch der Vortrag des ehemalige Vorsitzenden des Bundesgerichtshofes Thomas Fischer durch die Lappen. Erst jetzt, knapp vier Wochen nach dem Tode seines Vaters, kehrte ein wenig mehr Ruhe und Ordnung in das Leben unseren Vorsitzenden zurück, und so können wir fortan wieder regelmäßiger bei den großartigen Veranstaltungen des DAIs vorbeischauen.

So beginnt unsere diesjährige Reihe mit dem brisanten Thema der Prädestination des Verbrechens. Hier stellte uns der Regisseur Matthias Heeder, die „Heat-List“ der Chicagoer Polizei vor. Diese „Heiße Liste“, umfasste anfangs 400 Personen, die von einem digitalen Algorithmus aktuell als potentielle Gefährder einer Straftat errechnet und eingestuft wurden. Die Polizei kontaktierte daraufhin als präventive Maßnahme diese Personen zusammen mit einem Sozialpädagogen und machten die Verdächtigen darauf aufmerksam, dass sie auf dieser Liste stehen würden, und dass sie sich anstatt weiter Straftaten zu begehen, doch bitte Hilfe bei dem Sozialpädagogen holen sollten, um ihr Leben wieder in eine geregelte Bahn zu bekommen.

Mal ganz davon abgesehen, dass sich weder ein einziger dieser potentiellen Gefährder an den Sozialpädagogen wendete, schaffte es umgekehrt – wen hätte dies auch verwundert – der Sozialpädagoge nicht, auch nur einen einzigen der Verdächtigen von der berühmten „Schiefen Bahn“ wegzuholen.

Das digitale Zeitalter erlaubt nicht nur den Tätern bestimmte Tatorte perfekt auszukundschaften, sondern es gibt auch der Polizei und den Gesetzeshütern jede Menge Möglichkeiten an die Hand, die Täter schon kurz nach der Tat, oder sogar schon lange vorher mit der Methode des „Predictive Policing“ zu überführen. 

Was sich jetzt so unglaubhaft anhört, ist im Prinzip eigentlich ganz einfach. Wir, die Bürger, oder besser gesagt „die Konsumenten“, hinterlassen tagtäglich jede Menge Spuren im Netz. Hierbei werden unzählige Daten von uns gespeichert. „Welche Webseiten haben wir besucht? – Welche Artikel haben wir uns näher angeschaut? – Welche Sachen haben wir gekauft? – Wie haben wir diese Artikel bezahlt? – Welche Freunde haben wir in den sozialen Netzwerken? – Mit welchen stehen wir am häufigsten in Kontak? – Welche Berichte gefallen uns sehr gut? – Und welche Sachen teilen wir mit anderen? etc.“

Während in der USA alle Daten einer Person – auch die privaten und intimen – lückenlos erfasst werden, haben wir hier in Deutschland im Moment noch einen gewissen Schutz dieses persönlichen Raumes. Dennoch wird der gläserne Mensch immer mehr zur Realität.

Auch bei uns werden von den Behörden, Banken oder Dienstleistern unsere Daten und Tätigkeiten bei allen Gelegenheit erfasst. Längst gibt es die Payback-Karten oder Clubkarten von bestimmten Verbrauchermärkten, die dann beim Bezahlen ganz genau dokumentieren, was wir gekauft haben. Die GPS-Daten der Handys und der Autos geben jederzeit an, wo wir uns gerade befinden, und könnten im Ernstfall lückenlos zurückverfolgt werden, ob wir uns an einem Tag und zu einer bestimmten Uhrzeit an einem bestimmten Ort aufgehalten haben, oder nicht. Kameras halten an vielen Orten bereits das aktuelle Geschehen fest, also filmen, was sich dort gerade abspielt und welche Personen sich gerade dort aufhalten. Eine zusätzliche Gesichtserkennung könnte dann sofort, wie in dem Film Pre-Crime von Matthias Heeder gezeigt, eine gläserne Matrix von uns erstellen, die nicht nur unseren Namen und sämtliche persönlichen Daten anzeigt, sondern gleichzeitig auch noch unseren Gefährdungsgrad ausweist.

Während die Amerikanische Polizei bereits bei Verdacht einen sofortigen Data-Scroll einer bestimmten Person durchführen darf, und das System dann in Sekundenschnelle sämtliche, über die jeweilige Person, abgespeicherten Daten im Netz durchschaut und zu einem Täterprofil zusammenstellt, welches, wie bereits schon erwähnt, auch noch die momentane Straftatenwahrscheinlichkeit errechnet, ist diese Methode hier bei uns in Deutschland noch nicht erlaubt.

Über angebrachte Kameras und die Auswertung der GPS-Daten könnten dann die Täter zudem unmittelbar nach Ausübung ihrer Tat von der Polizei verfolgt und wenig später auch dingfest gemacht werden. So die politischen Befürworter dieses Überwachungssystems.

Zwar können mit dieser modernen digitalen Technik einerseits gefährdete Gebiete, gerade hinsichtlich Einbruchs, sofort sichtbar gemacht werden, und die Behörden dann mit mehr Polizeipräsenz vor Ort sein, aber andererseits lösen diese Überwachssysteme halt auch nicht die eigentliche Ursache, nämlich, warum es Gewalt und Verbrechen überhaupt gibt.  

Interessanter Weise gibt es noch kein System, das errechnet oder ein Profil darüber erstellt, wo in naher Zukunft des nächste ganz große Wirtschafts- oder Kapitalverbrechen stattfinden wird. Hier baut sich das System dann doch einen persönlichen Eigenschutz.

So bleiben zum Schluss immer noch die aktuell heiß diskutierten Fragen: „Wie viel Überwachung ist gut und wichtig? – Und welche Formen der Überwachung lassen wir zu? – Und welche lehnen wir aufgrund des Vorstoßes der Persönlichkeit und der Verletzung des persönlichen Lebensraums ab?“  – Wie dem auch sei, im Zweifelsfall wissen bestimmte Leute alles über uns, auch das, was sie eigentlich nicht wissen dürften. Zumindest weiß nun auch die CIA, dass der Animus Klub sie und ihr Überwachungssystem vollständig durchschaut hat, und stuft uns fortan vielleicht auch deshalb als intellektueller Gefährder des Systems ein. Aber darauf wären wir richtig stolz.  😛 

 

Dedication to the victims of Florida

Pre-Crime, oder das „Predictive Policing“ hat aber, je nachdem auf welchen Schwerpunkten die Polizei oder das CIA ihre Tätersuche im Vorfeld konzentriert, und insbesondere bei Einzeltätern auch seine Grenzen. So konnte die schreckliche Bluttat an der Highschool von Florida leider nicht verhindert werden. Da ich wieder einmal das ungute Gefühl habe, dass die Medien sündenbockgerecht“ den Täter als krank oder psychisch labil und gestört präsentieren werden, nicht aber die eigentliche Ursache im System und dem stellenweise extrem harten und oft auch ausgrenzenden Umgang miteinander, sowie dem unschönen, rivalisierenden Zusammenleben der Menschen untereinander suchen werden, möchten ich hier sehr gerne den neuen und über nacht geschriebenen Song „What if it was your child“ von unserem Freund Neal Morse zum Nachdenken teilen. Meine tiefe Anteilnahme gilt allen Betroffenen. Alexander Höfer

 

 

 

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