(522) Die Radiotagebücher und der Hund


Will Sohl – Artists’Books Reloaded – sowie alles über Lüm, Pum, Rastplatz und Anatol mit seiner Bande! – PORT25 eröffnete am Rande eines kunstvollen Indoor-Waldes zwei neue Ausstellungen!

      

Eigentlich wollte unser 1. Vorsitzender aufgrund des Ausstellungstitels seinen kunstaffinen Hund Floh mitnehmen, damit dieser endlich einmal gleichgesinnte Artgenossen kennenlernen hätte können. Doch das warme Wetter machte diesem Unterfangen leider einen Strich durch die Rechnung, denn wenn eines bei diesen Temperaturen für einen Hund überhaupt nicht geht, dann ist es Autofahren. Es war aber auch aus anderer Sicht ganz gut, dass der „Jeden-Baum-und-Strauch-Erforscher“ Floh zu Hause geblieben ist, denn wenn er diesen wunderschönen Abenteuerwald gesehen hätte, den die Verantwortlichen dieses Mal in den PORT gezaubert haben, dann hätte er hier gleich mal angefangen die Bäumchen zu beglücken und bestimmte Sträucher zu markieren.

So konnten die Kuratorin Stefanie Kleinsorge und Silvia Köhler von der Stiftung Kunstnachlässe Mannheim ganz unbesorgt ihre Begrüßungsreden erstmals am Rande eines reich mit künstlerischen Arbeiten gefüllten Indoor-Waldes halten, und die Besucher in die Kunst und das Leben Will Sohls einführen. Da die Werke, des bis zu seinem Ende in Heidelberg lebenden Künstlers, über ganz Deutschland verstreut sind, und es daher so gut wie unmöglich ist, sie für eine Ausstellung zu besorgen, seien sie auf die Idee gekommen die Kunstbücher Will Sohls als inspirierende Grundlage für regionale Künstler zu legen, die aus den Anregungen einen Nachlass der jüngeren Vergangenheit des Künstlers unter dem Titel „Books Reloaded“ reproduzieren sollten. 80 Künstler haben ihre Ideen eingereicht, von denen die aussagekräftigsten nun den Weg in den großen Ausstellungraum gefunden haben.

Der Indoor-Wald, der von dem jungen Ludwigshafener Adam Cmiel kreiert wurde, und der von der Antike bis hin zur Gegenwart, teilweise gut versteckt, mit bekannten Kindheitsträumen aufwartet, nennt sich „CYMRU“. Es ist der Titel seiner gleichnamigen Novelle, deren abenteuerliche Handlung sich an der Küste von Snowdonia des fiktiven walisischen Kunst-Dorfes Portmeirion abspielt.  

So gibt uns diese fantastische Installation nicht nur einen tiefen Einblick in die Novelle Cmiels, sondern stellt auch unweigerlich eine Verbindung zu Will Sohl her, der ja das Reisen ebenfalls als einen zentralen Mittelpunkt seiner Kunst erlebte.

Ein absoluter Eye-Catcher sind auch die Graffiti-Kunstwerke „Palmen aus Plastik“ auf Transparentpapier gesprayt von Johannes Listewnik. Was der Zirkus und ein Besuch auf den Lofoten für Will Sohl, das ist für Johannes Listewnik der Song „Palmen aus Plastik“ von Bonez MC und FAR Camora, der ihn zu dieser Arbeit inspiriert hat. Palmen sind auf seinen Werken zwar nicht zu sehen, dennoch stellt der Künstler, unweigerlich einen ganz deutlichen Bezug zur Gegenwart her. So finden wir in seinen Graffitis einerseits einen Querschnitt genretypischer Styles, andererseits auch Gegensätze wie zum Beispiel Freude und Schönheit im positiven Sinne, sowie Dreck und Kitsch auf der negativen Seite.

Ganz anders hingegen präsentiert sich „Rêve d’un Rêve“ von Jörg Baier. Der „Traum des Traumes“ klappt uns quasi die Kunst direkt auf einer langen Tafel auseinander. Die „entfaltbare Welt“ fasziniert den Künstler selbst, und so kann man hier Kunst mal aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten, denn die schlangenförmig ausgebreiteten Werke haben den Effekt, dass sie von rechts betrachtet völlig anders aussehen als von links, und wieder anders, wenn man sie von vorne oder hinten anschaut. Schöne, farblich warme, ja fast schon kindergartentaugliche Grundstrukturen zeichnen die einzelnen Seiten der Bücher aus, und wenn man sie bildlich zusammenklappt, dann entstehen im Kopf – in der Fantasie – unweigerlich neue und fantastische Bilder.

„Das Algenbuch“ von Fritz Eicher war ebenfalls ein absoluter Hingucker. In hellem olivgrün, also algenfarbig gestaltet zeigt sich diese Installation, die auf den ökologischen Wandel aufmerksam macht, und das „Upcycling“ in den Mittelpunkt stellt. Nachhaltigkeit, wird in naher Zukunft ein sehr wichtiger, wenn nicht gar der wichtigste Bestandteil unseres Lebens sein, wenn wir verhindern wollen, dass Natur und Umwelt vollständig dem Konsumüberfluss geopfert werden. Inspiriert zu diesem Werk wurde Fritz Eicher auf seinen Besuchen in der Bretagne. Dort werden die Algen für die Energiegewinnung und neuartige Ernährungsstrategien verwendet. So verwendete der Künstler ausschließlich Mikro- und Marko-Algen und formierte diese zu Tapetenmustern und transparenten Buchseiten zusammen.

Die zweite Ausstellung beschäftige sich dann mit den Radiotagebüchern von Ana Leibach und dem Hund von Felix Wargalla. Die Stoffhelden Lüm, Putz, Rastplatz und Anatol mit seiner ganzen Bande bilden den zentralen Mittelpunkt von gemalten Geschichten, die Persönliches und Weltgeschehen zusammenfügen. Der Titel klingt sehr nach Kinderbuchliteratur, doch bei näherer Betrachtung, insbesondere der Zeichnungen, wird deutlich, dass sich diese Bücher doch eher an Erwachsene wenden.

Der „Hund“ hingegen ist anders. Er präsentiert sich – ähnlich wie „Rêve d’un Rêve“ von Jörg Baier als aufklappbare Postkarte, in der sich neben Bildern auch kleine Geschichten befinden. Mal etwas ganz anderes, um auf den Hund zu kommen.

Last but not least bedanken wir uns wie immer bei Stefanie Kleinsorge und ihrem tollen Team für diese neue und großartige Inspiration Bildender Künste, und freuen uns natürlich sehr auf ein Wiedersehen im Herbst.

 

 

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