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(620) Verwahrlost und gefährdet?

MARCHIVUM präsentierte die mutige Sonderausstellung „Heimerziehung in Baden-Württemberg von 1949 bis 1975“ – Die Wahrheit ist erschütternd und beschämend!

Es war eine Sonderausstellung für die man wahrlich Nerven brauchte, denn die Verantwortlichen nahmen hinsichtlich der grausamen Vorkommnisse und Zustände, die es in den Heimen Baden-Württembergs von Beginn der Nachkriegszeit bis in die Mitte der Siebziger gegeben hat, wirklich kein Blatt vor den Mund, und veröffentlichten Wahrheiten, die einen ganz tief im Herzen erschüttern ließen.

Das Kinderheim, ein Ort des Schreckens. Ein Ort der gnadenlosen Disziplinierung, der Zucht und Ordnung, aber auch der Erniedrigung und körperlicher, sowie sexueller Gewalt und Misshandlungen von Schutzbefohlenen.

Aufdeckung, Aufklärung und die grausamen Geschehnisse öffentlich machen sind zwar sehr wichtige Dinge. „Doch wem nützen sie?“ – Den Opfern? – Der Bevölkerung? – „Oder anders ausgedrückt, wozu nützen sie?“ – Dafür, dass diese Dinge nie wieder passieren? …

Gerade sind die jüngsten sexuellen Misshandlungsfälle in kirchlichen Einrichtungen wieder aus den Medien verschwunden, die entsetzlichen Gräueltaten an der Odenwaldschule oder auch in bestimmten Knabenchören schon längst in der Bedeutungslosigkeit versunken, da erschüttert bereits schon ein neuer Skandal, wenn auch nicht in Deutschland, sondern in Amerika, die Medien. „286 katholische Priester sind wegen sexueller Übergriffe beschuldigt!“ – Das Ausmaß der Misshandlungen reiche laut der aktuellen Ermittlungsergebnissen bis weit in die Vierzigerjahre hinein.

Es ist eine der niederträchtigsten Taten, die es auf dieser Welt gibt, sich an armen, unschuldigen und wehrlosen Kindern zu vergehen. Und es passiert immer wieder, insbesondere in kirchlichen Einrichtungen – und alles schön unter dem Deckmantel von Gottes Segen und der Nächstenliebe – aber auch bei freien und dubiosen Jugendhilfeträgern steht die Tür für Misshandlungen weit offen, und auch hier kommen in regelmäßigen Abständen neue und fürchterliche Misshandlungsfälle dazu.

Das Heim, das Kinder eigentlich vor der Verwahrlosung, Erziehungsunfähigkeit und der Gefährdung durch ihrer Eltern schützen sollte, und ihnen alternativ eine schöne Kindheit bescheren, entpuppt sich auch heute noch sehr häufig zu einem Ort der noch viel größeren Verwahrlosung und Gefährdung. Es mutiert zu einem Tatort, der Angst und Schrecken verbreitet, und das nicht nur unter den Kindern und Jugendlichen.

„Schläge waren an der Tagesordnung!“ – Wer sich nicht an Regeln hielt, wurde hart bestraft. Das perfide Aktions- und Reaktionsprinzip wurde gnadenlos von den dortigen Erziehern umgesetzt, um Kinder zu besseren Menschen zu formen. Die Züchtigungsmaßnahmen, Strafen und Reglementierungen bewegten sich ständig an der Grenze der Legalität. Das Jugendamt war selten präsent. Diese Sätze könnten aus der heutigen Tageszeitung stammen. Es ist eine Schande, was hier in diesem Bereich und hier bei uns in Deutschland noch heute „legal“ passiert, und das sich seit 1949 nicht wirklich Vieles zum Positiven verändert hat. Im Gegenteil.  

So erlebte insbesondere unser Vorsitzender Alexander Höfer beim Besuch dieser Ausstellung ein trauriges Déjà-vu. Selbst als Sozialpädagoge die bittere Erfahrung gemacht, dass Institutionen und Träger Kinder mit gnadenlosen Regelwerken knechten, und sie dadurch in ihrer Entwicklung eher behindern als fördern, um auf diese Weise weiter in die Gunst der Fördergelder und Zuschüsse des Jugendamts oder anderer Geldtöpfe für ihre zweifelhaften Maßnahmen zu kommen, war er entsetzt, dass er alles, was er seinerzeit in den jeweiligen Betreuungseinrichtungen erleben durfte, bis hin zu der professionellen Vertuschung von Vorkommnissen, hier noch einmal hautnah als Mahnmal präsentiert nacherleben durfte.

„Ja, wer einmal als Kind im Heim gelandet ist, der kommt in aller Regel dort nicht mehr raus! – Es sei denn, er wird vorzeitig kriminell. Dann allerdings, wird er in eine andere Anstalt weitergeleitet! – Das Jugendgefängnis! – Für viele Jugendliche nicht nur der einzige Ausweg, sondern vor allem die besser Alternative, um den vielen Peinigungen der Erzieher und der jeweiligen Führung des Heimes zu entkommen.

„Warum hat uns keiner geholfen?“ – Das ist auch heute noch eine gute und berechtigte Frage. „Wieso lassen wir das einfach geschehen?“ – „Wieso schauen wir weg, wenn es um die wichtigsten Menschen geht, die unsere Zukunft sichern, nämlich die Kinder?“

Tatsächlich gibt es nur sehr wenige Möglichkeiten die grausamen Machenschaften der jeweiligen Institutionen zu unterbinden, oder den unmenschlichen Handlungen der Verantwortlichen das Handwerk zu legen. Zu viele gesetzliche Schlupflöcher, Kinder, die aus Angst schweigen, und zu wenige Zeugen, die im Zweifelsfall gegen die Peiniger aussagen, verhindern, dass diese am Ende für ihre Taten tatsächlich bestraft werden können, oder die Lizenz verlieren ein Heim führen zu dürfen.

Die Ausstellung ließ auch einige Opfer sprechen, die in Heimen die Hölle erlebt haben. Heute können sie darüber reden. Früher war das undenkbar. In atemberaubender Präzession schilderten die misshandelten Kinder von einst ihr Leben im Heim, und was ihnen dort alles widerfuhr. Gänsehaut stellte sich auf den Nacken, und die Gefühle von Wut und Verärgerung machen sich im Innern breit. „Niemals mehr wieder werde ich in einer Jugendhilfeeinrichtung arbeiten, sondern ich werde eher dabei mithelfen, dass alle Heime geschlossen werden, und die Betreuung von Kindern ausschließlich dem Staat obliegt und speziell dafür ausgebildeten Sozialpädagogen!“, so unser Vorsitzender – Es ist eine Schande, dass Menschen, Pädagogen und Erzieher in solchen Einrichtungen und mit solchen Methoden, an dem Leid von Kindern auch noch sehr viel Geld verdienen. Aber nur darum scheint es zu gehen. Es geht in unserem System nur ums Geld, und nicht um das Kind selbst. Deshalb werden weiterhin sehr viele Heimkinder nicht nur Objekte der Begierde und des finanziellen Kalküls der Verantwortlichen bleiben, sondern auch lebenslange Opfer.

Bilder: Alexander Höfer

 

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ANIMUS KLUB

„Wenn deine 13- und 14-jährigen Kinder keine Lust zum Baby-Turnen haben, dann hast du sie entweder mit Taschengeldentzug oder Fernsehverbot zu bestrafen! – Du bist der Pädagoge! – Du musst sie dazu motivieren! – Sie müssen daran teilnehmen!“ – (Anweisung von einer Chefin einer Jugendhilfeeinrichtung)

       

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