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(619) Kenan Tülek – Bağlama

Stöbern zu orientalischen Klängen in der Mannheimer Stadtbibliothek! – ANIMUS-KLUB-KIDS lauschten Kenan Tülek und seinen zauberhaften anatolischen Melodien!

Manchmal ist es richtig schön, wenn wir ein geplantes Programm kurzfristig verschieben müssen, wenn man als Alternative dann so ein besonderes Konzert geboten bekommt, wie wir in der letzten Woche in der Mannheimer Stadtbibliothek. Relaxen, Lesen, Lauschen und einfach nur Genießen stand so wieder einmal auf unserem Programmplan.  Kenan Tülek, sowohl Dozent an der Orientalischen Musikakademie, als auch an der Mannheimer Pop-Akademie, war heute Abend zu Gast um den interessierten Besuchern Lieder auf seiner Bağlama zu präsentieren.

Die Bağlama ist eine orientalische Gitarre mit sieben Saiten, und einem großen gewölbten „dickbäuchigen“ Körper. So erzeugen die Saiten diesen unvergleichbaren, weichen, wehleidigen, orientalischen Klang. Kenan Tülek hatte heute Abend gleich drei dieser wunderschönen Instrumente dabei, die er auf unterschiedliche Art und Weise, also mit unterschiedlichen Techniken, mal mit Blacktron und mal mit speziellen Finger-Tappings spielen würde.

Die sechs Lieder, die er uns heute Abend vorstellte, waren allesamt aus seiner Heimat Anatolien, und sie gehören vom musikalischen Genre großteils in den Bereich der Improvisationen, sprich Kenan Tülek zeigte primär seine unglaubliche Virtuosität als Musiker, sowie seine Fähigkeit aus Melodien Bilder zu erzeugen.

So hätte das erste Stück durchaus auch von dem Dream-Theatre-Gitarristen John Petrucci oder von Mark Knopfler gespielt sein können, denn der Dozent spielte mit einer vergleichbaren Technik der linken Hand, und entlockte seiner Bağlama punktgenaue und blitzschnelle Soli.

Es ist wie immer schwierig musikalische Schönheit in einem Bericht wiederzugeben. So auch bei dem zweiten Stück, dem einzigen Lied des Abends, bei dem der Dozent auch seine Stimme erhob. Es war ein sehr tiefgehendes und nachdenkliches Lied, das von seinen Melodien einerseits Sehnsucht und auch ein bisschen Traurigkeit in sich trug, andererseits aber auch wieder exzellente Instrumentalpassagen enthielt, die einen direkt versinken ließen.

In dem dritten Stück, das ebenfalls die Zehnminuten-Marke überschritt, zelebrierte Kenan Tülek World-Musik à la Mike Oldfield. Teile des Werkes erinnerten an Parts der Taurus-Trilogie, die Oldfield Anfang der Achtzigerjahre auf „Five Miles Out“, „Q2K“ und „Crisis“ veröffentlichte. Vergleichbar genial tanzte der Dozent seine Finger mal schwindelerregend, mal in melancholischer Präzession über seine sieben Saiten. Es war ein Genuss ihm und seiner Leidenschaft zuzuschauen.

Auch im vierten Lied verschmolz der Dozent ganz mit seinem Instrument, und spielte einen Song, den er unbedingt mal auf eine E-Gitarre spielen sollte, denn die vielen 256-zigstel, die er hier mäandernd und wie wild auf und ab spielten hätten jedes Hard-Rock-Publikum vollständig aus dem Häuschen gebracht. Ja, Musik ist eine der schönsten Formen der Kunst, wenn man sie beherrscht oder sich auf sie einlässt.

Zum Finale zeigte uns Kenan Tülek noch geniale Fingertappings und Şelpe-Techniken. Diese Techniken wurde ja in den Siebzigern insbesondere von den beiden Steve’s – Steve Hackett von Genesis und Steve Howe von Yes“ erstmals in der Rockmusik präsentiert. Das schnelle und vibrierende Antippen der Saiten auf dem Gitarrenhals mit der linken Hand, verbunden mit vergleichbar aus dem rechten Handgelenk schwingenden Fingern, und dem hin und wieder kräftigen Anschlagen einer Saite, um einen Ton in den Mittelpunkt zu stellen, so wie bei dem Kult-Song „Roundabout“.

Allein schon das Zuschauen, wenn ein Gitarrist ausschließlich mit Fingertappings und Şelpe-Techniken an seinem Instrument agiert, ist ein unheimlicher Genuss, und lässt alle Musikerherzen vor unendlicher Begeisterung in die Höhe schlagen. Respekt, wenn man ein Instrument so perfekt beherrscht, wie Kenan Tülek, eine Gabe, die nur ganz wenige Menschen auf dieser Welt besitzen. Wer also nun Hunger bekommen haben sollte, dieses Instrument zu erlernen, der kann sich sehr gerne direkt an Kenan Tülek wenden, oder in der Mannheimer Stadtbibliothek seine Kursbücher über das Bağlama spielen ausleihen.     

Als Zugabe, präsentiere der Musiker noch einmal in einem kürzeren Stück sein ganzes Können – mal schnell, mal langsam – mal rockig, mal bluesig – mal fröhlich mal traurig – mal herzerfüllt, mal wehleidig. Es war eine sehr schöne und beeindruckende Darbietung, die vor allem unseren Kindern einen unheimlich erholsamen Abend in der Bibliothek bescherten, in der sie neben Musik hören, auch Bücher lesen und Spiel ausprobieren konnten. Gemütlich in der Ecke kuscheln gehörte natürlich auch zu diesem ruhigen und entspannenden Programm dazu.

Wir bedanken uns wie immer ganz herzlich bei den Verantwortlichen der Mannheimer Stadtbibliothek, die uns mit diesem Konzert wieder einmal unseren Horizont enorm erweitert haben.

Bilder: Alexander Höfer

 

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