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(682) 20. Internationales Straßentheater (1)

Ein Chaos Varieté! – Eine Balkan-Combo! – Spanische la Trócola! – Ein Fliegender Holländer – Und drei abgedrehte Hofnarren! – Das 20. Straßentheater hatte wieder unheimlich tolle Shows zu bieten!

Es war wieder unglaublich heiß am ersten Tag des Straßentheaters. Die Sonne brannte mit einer unerträglichen Härte über die Straßen Ludwigshafens. So ergriff das Chaos Varieté, die erste Gruppe, die wir uns bei der Jubiläums-Show anschauen wollten, sofort zu der spontanen Idee, ihre Bühne genial zu verschieben, und in den Schatten zu flüchten. Ein weiser Entschluss, wie sich gleich darauf zeigen sollte, denn das Chaos-Trio präsentierte uns nicht nur richtig guten Klamauk aus der Klamotte, sowie eine gute Mischung aus Pantomime und Wortwitz, sondern zum Schluss auch gekonnte und schweißtreibende Artistik pur.

Das Straßentheater präsentiert sich schon seit zwei Jahren in einem völlig neuen und für die Besucher wesentlich stressfreieren Gewand. So ruderten die Verantwortlichen hinsichtlich der großen „High-Tech-Shows“ an den Abenden zwar einen Gang zurück, präsentieren aber seit dieser Zeit den Besuchern die Möglichkeit an insgesamt drei Veranstaltungstagen alle auftretenden Künstler zu bewundern. „Back to the Roots“ könnte man auch sagen, oder weg vom „Kommerz“, hin zu den besonderen Moment, hin zu der kleinen Großen Kunst.

Was uns als große Liebhaber des Straßentheaters wirklich richtig gut gefällt, kommt beim Mainstream der Bevölkerung nicht wirklich an. So sind die Besucherzahlen in den letzten zwei Jahren deutlich zurückgegangen, was aber dem eigentlichen Herzstück des Straßentheaters, nämlich Künstler hautnah aus der Nähe miterleben zu können, richtig gut tut und ein neues Leben einhaucht.

 

1. Das Chaos Varieté

 

So auch gleich bei der ersten Nummer „On the road“ von den drei Hitzköpfen des Chaos Varietés, die unmittelbar vor unseren Augen ihren, wie bereits schon erwähnten Mix aus Klamotte, Pantomime und Artistik präsentierten. In einem alten Gogo-Mobil, wie Ölsardinen zusammengepfercht, kamen die drei Akteure – ein gebrochener Artist, ein chaotischer Jongleur und ein doofer Pantomime – auf die Bühne getuckert.

Nun wurde es spannend. Was würde uns das Trio infernale in Folge präsentieren. Ein bisschen Dick und Doof, aber auch komische Dialoge, die trotz der Hitze recht gut ankamen. 

 

Der Schweiß stand vielen auf der Stirn, und die Luft war auch im Schatten ziemlich knapp. Gut dreißig Minuten boten uns die drei Chaoten von einer Ball-Jonglage mit dem Fuß, über Slapstick bis hin zum Verputzen eines Apfels in drei Bissen, während einer Messer-Jonglage, jede Menge Lustiges, bevor sie zum Finale in den nächsten 20 Minuten alle Register der Artistik zogen, und damit tosenden Beifall des Publikums ernteten. Mehr Infos zu dieser Combo findet ihr unter der Homepage: Chaos Varieté

 

2. Cie Bazarneum Production

Weiter ging es mit der Combo Cie Bazarneum Production aus Frankreich. Sie waren mit ihrem Bankan-Balkan-Mobil, einem alten und schäbigen, wohnwagenähnlich Etwas nach Ludwigshafen gekommen, um hier mal den Zuschauern ordentliche vororientalische Töne beizubringen. Der heruntergekommene Wagen machte allerdings gleich zu Beginn den Eindruck, dass er bei der geringsten Belastung zusammenbrechen würde, da er, ähnlich wie ein Betrunkener herumschwankte und ganz tief nach rechts einsackt, als sich der Hausmeister „Nećemo“ draufsetzte.

Fortan flogen hier die musikalischen Fetzen. Die Tür brach über dem Hausmeister zusammen und hervor trat eine Mix-Truppe, die die Welt in dieser Form noch nicht gesehen hatte.

Der Hausmeister selbst griff dann ebenfalls zum Instrument, und rockte die Bühne, indem er fast alles umwarf. Vor Angst flüchtete sich die Sängerin auf das Dach, und rockte gleich darauf Ludwigshafen von oben, während sich der Gitarrist urplötzlich als exzellenter Keulenschwinger in Szene setzte und zwischenzeitlich fünf Keulen durch die Luft schleuderte. Es war schon toll, dieser Gruppe zuzuschauen, auf welche verrückte Weise sie ihre Songs und ihre noch wesentlich verrücktere Show vortrugen. Alles weitere zu der Gruppe findet ihr auf deren Homepage Cie Bazarneum Production

 

3. La Trócola

Kurz ein Eis essen, abkühlen, und dann zum nächsten Show-Act eilen, um aus der ersten Reihe die Spanische Gruppe La Trócola zu genießen. Diese boten im Folgenden einen temperamentvollen Mix aus Musik à la Simon & Garfunkel mit zwei Gitarren, Mandolinen und einem großartig harmonierenden Gesang, sowie perfekter Artistik vom Feinsten und extraordinäre Jonglage.

Eine Front von gleich mehreren Türen, erweckte sofort unsere Neugierde. Warum benötigt man fünf Türen auf der Bühne, und wieso sind diese so komisch angeordnet? – Diese Fragen wurden alsbald beantwortet, und wenig später bewegten sich die Artisten zu genialen Melodien und Rhythmen in bahnbrechendem Tempo über die heiße Bühne, mal auf dem Kopf, mal kopfüber, mal liegend, mal synchron jonglierend vor und hinter den Türen, ja die Artisten bauten sogar die Türen zwischenzeitlich aus, und integrierten sie kongenial für ihre großartige Bühnenshow.

 

Eine Tür wurde nun zur Überraschung der Zuschauer als multifunktionales Musikinstrument zweckentfremdet. Für den Schlagrhythmus diente eine Kombination aus Türzieher und Türriegel. Seitlich war eine Bassgitarre eingearbeitet. So begleiteten drei Musiker die beiden Sänger, die gleich darauf mit dem Publikum einfache „Aaa-Refrains“ in ihre Songs einbauten. Mehr Informationen gibt es unter dem Link: La Trócola

 

4. Exoot

Nun war es Zeit für den ersten niedlichen Walking-Act. Der Holländer Tristan Kruithof war mit seinem ultrasympathischen Ami6-Flugauto nach Ludwigshafen gekommen, um die Bismarckstraße regelrecht einzuheizen. Was viele nicht wussten. Das karussellähnliche Auto konnte quasi alles. Es konnte nicht nur Augen (Lichter) und Ohren (Türen) selbständig bewegen, sondern auch den Mund (die Motorhaube) aufmachen, und den offenen Hintern (den Kofferraum zeigen), sondern auch ohne Fahrer fahren.

Das war natürlich das Kinderhighlight des diesjährigen Straßentheaters. Krönung der Demonstration, war der Gimmick, dass der Ami6 den braven Kindern über einen mobilen Arm Traubenzuckerbonbons aus der Motorhaube herausreichte, und wenig später auch Seifenblasen über den Kofferraum in die Lüfte fliegen ließ. Weitere heiße Infos über dieses coole Auto findet ihr unter: Exoot

 

5. Cirq’ulation Locale

Zum Finale unseres ersten Tages warteten das internationale Trio von Cirq’ulation Locale auf dem Platz der Deutschen Einheit auf uns. Eine Ansagerin machte auf mehrere Sprachen darauf aufmerksam, dass die Führung durch den Tempel gleich beginnen würde. Unter dem Applaus der Zuschauer schossen gleich darauf zwei Hofnarren mit kunterbunten Kostümen seitlich aus dem düsteren grauen Tempel heraus. Ein dritter Schalk erschien unmittelbar nach dieser Synchroneröffnung auf der Spitze des Tempels und klettert ängstlich nach unten.

 

Was danach folgte war eine schwindelerregende Darbietung durch die Lüfte. Zu dem passenden Lied „The Temple Of Love“ von den Sisters of Mercy fingen die drei Narren an wie wild durch die Gegend zu hüpfen, und senkrecht die Wände raufzulaufen, hinter geöffneten Fenstern zu verschwinden, und sich dabei auch gegenseitig zum Narren zu machen.

Mal missbrauchte der eine Schalk den anderen als Basketball, mal als Pingpong-Partner. Die Narren flogen kreuz und quer durch das Megatrampolin, mal vorwärts, mal rückwärts, mal sich mit mehreren Saltos drehend.

„Don’t stop me now“ von Queen, und „Paint it Black“ von den Rolling Stones lieferten einen perfekten Soundtrack und das Lufgitarrensolo durch die Show, bei dem sich die Narren auch mit waghalsigen Sprüngen meterhoch in die Lüfte katapultierten. Fortsetzung folgt. Weitere Flying News gibt uns unter Cirque Belge

Bilder: Alexander Höfer

 

 

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