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(722) Technoscapes

Abendroth – Maximo – Jürgens – Flame und Winterling! – Heidelberger Kunstverein präsentiert installative Arbeiten zwischen fiktiven Laboratorien, virtuellen Dimensionen und Dystopie!

 

Wir lieben die Winterzeit, und wir lieben die vielen musischen Eindrücke, die wir in dieser Zeit in den Museen, Ausstellungen und auf den Veranstaltungen gewinnen und mit nach Hause nehmen können. „Was für ein Zufall?“ im Carl-Bosch-Museum – „Die Welt der Musikautomaten“ im Bruchsaler Schloss – „Javagold“ in den Reiss-Engelhorn-Museen, aber auch „Klangreise“ in der Musikbibliothek des Dalberghauses – „QUEEN“, im Planetarium und „Noch mehr tödliche Tapas“, in der Außenstelle der Mannheimer Stadtbibliothek in Sandhofen. Sie waren in letzten Wochen allesamt eine ganz große Bereicherung für unser Leben, unsere Gesundheit und unsere Sinne.

So freuten wir uns riesig auf die aktuelle Ausstellung Technoscapes des Heidelberger Kunstvereins, die wir spontan in unser Programm eingeschoben haben. Ja, manchmal klappt im Leben nicht alles so, wie man es gerne hätte oder geplant hat, aber es klappt bei uns immer etwas. Und genau das ist unser ganz großes Geheimnis. Es ist fast wie im Leben. Es gibt niemals einen Stillstand. Niemals ein Garnichts. Es gibt immer etwas zu entdecken, zu erforschen oder zu erleben. Zwar fällt hin wieder das eine oder andere Programm aus, dafür haben aber immer eine andere, vergleichbar interessante und lehrreiche Aktion in Petto.

Der Heidelberger Kunstverein steht aufgrund seiner außergewöhnlichen Ausstellungen regelmäßig auf unserem Programmplan. Viele kreative und verblüffende Momente durften wir hier in den letzten fünf Jahren erleben. So auch dieses Mal.

Neue Technologien bestimmen unser Leben. Einige bereichern und erleichtern unseren Alltag, andere wiederum, beeinträchtigen unweigerlich unser Leben, unseren Schlaf, unser Lernen, aber auch unsere Gefühlswelt enorm, meist sehr negativ. Wohin die „Reise“ führen wird, ist noch ungewiss, aber die Entwicklung hin zu einer apathischen und dystopischen Gesellschaft, ist bereits heute schon vielerorts sichtbar. So ist es zum Teil erschreckend mit welchen unmöglichen technischen Neuerungen wir mittlerweile im Alltag konfrontiert werden. Neuheiten, die unweigerlich eine enorme soziale Verwahrlosung schmerzhaft widerspiegeln. Bestes Beispiel sind Sensoren in Gehwegen, die „Dauerhandy-Glotzer“ darauf aufmerksam machen, dass eine Ampel oder eine Querstraße kommt.

Die Umgebung ausblenden. Die Menschen um sich herum nicht mehr wahrnehmen, egal ob in der Straßenbahn, im Zug, oder sogar beim Spazierengehen. Nicht mehr miteinander reden. Nicht mehr richtig hinschauen. Nicht mehr lesen. Nur noch abgelenkt sein, und dadurch auch nicht mehr mitbekommen, was vor sich geht, oder um einen herum passiert. Der Umgangston wird zunehmend rauer. Die Menschen aggressiver und unzufriedener. Der soziale und emotionale Zerfall. Er scheint unaufhaltbar.

Grund genug für die Kunst auf diese Entwicklung aufmerksam zu machen, wachzurütteln, und den Menschen wieder ins Bewusstsein zu rufen, was eigentlich wirklich im Leben zählt.

So weckte bereits der Einblick von der Künstlerin Valeria Abendroth in laufende, medizinische Forschungsarbeiten unsere komplette Aufmerksamkeit. Das fiktive Laboratorium enthält neben 3D-Modellen, die auf eindrucksvolle Weise Organe zur Schau stellen, auch ein Video über die Selektion eines Organs. „Wenn so die Zukunft aussieht?“…

Della Jürgens hingegen präsentiert eine Malkunst der veränderten Wahrnehmung des Raumes. Sowohl fragmentierte Landschaften, die uns düster und in Grautönen gehalten von den Wänden anschauen, oder sich aus dem Boden erheben, als auch mediale, wechselnde – wunderschöne Computeranimation – die eine eiskalte und einsame Umgebung präsentieren, stimmen uns zunehmend nachdenklich.

Ein fiktives Lagerfeuer über mehrere quadratische Bildschirme verteilt des Künstlers Shawn Maximo zeigt, wie man Realität heute gestochen scharf in Bild und Ton manipulieren kann. Mit dem Gefühl wie kalt und emotionslos dieses funkensprühende Feuer doch ist, schauen wir auf eine einsame und und nakte Matratze, in deren Hintergrund sich charakterisierend für die heutige Zeit und das Familienleben ein farbenfroher Bildschirm befindet, der uns den Traum von einem Super-High-Tech-Bett mit allen Raffinessen suggeriert.

Auf der Empore gibt es dreidimensional wirkende Malereien des Künstlerkollektives FLAME in quadratischer Druckform zu bestaunen, die insbesondere unseren Alltag und die digitale Welt Eins zu Eins widerspiegeln. Die ausgestellte Kunst erinnert unweigerlich an Instagram. Sowohl vom Format als auch von den Bildcharakteren.

Das Finale der Ausstellung macht die komplett in Dunkelheit und Schwarzlicht gehüllte Videopräsentation „Vertex“ von Susanne M. Winterling, die uns in eine hochinteressante Unterwasserwelt eintauchen lässt. Zu Tiefseegeräuschen bewegen sich zwei Hände in weißen Handschuhe und genialen 3D-Prints. Es ist ein Moment des „Zur-Ruhe-Kommens“, denn man kann es sich in dieser angenehmen Dunkelheit auf Kuschelkissen gemütlich machen und optimal relaxen.

Wir sagen wie immer vielen Dank für diesen neuen und kritischen Einblick, der die augenblickliche Entwicklung des gesellschaftlichen Lebens einerseits kontrovers betrachtet und zu einer Veränderung aufruft, andererseits aber auch zur Ruhe und Besonnenheit kommen lässt. Wir freuen uns bereits heute schon auf die nächsten Highlights 2020.

Bilder: Alexander Höfer

 

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