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(723) Update Burnout

Beruflicher Stress, Überlastung, Leistungsdruck und allgemein fehlende Anerkennung und Wertschätzung! – „BURNOUT“ kann jeden treffen, besonders hochengagierte Menschen, die mit großer Leidenschaft agieren!

Vor ein paar Wochen haben wir ausführlich über den sehr wichtigen Vortrag „Schlafstörungen“ und dessen gesundheitliche Folgen von Prof. Dr. Ingo Fietze berichtet. Das heutige und ebenfalls hochaktuelle Thema „Burnout“ hängt unmittelbar mit den Schlafstörungen zusammen, denn beruflicher Stress, Überlastung, Leistungsdruck, aber insbesondere fehlende Anerkennung und Wertschätzung seitens der Arbeitgeber einerseits, und im sozialen Bereich – in der Pflege sowie in der Jugend- oder Entwicklungsarbeit – auch von den Mitmenschen und der Politik andererseits, können berufenen und hochengagierten Menschen den Schlaf gänzlich rauben, und sie so langsam aber kontinuierlich ausbrennen lassen.

Fast scheint es, dass wir uns in einem Teufelskreis drehen, aus dem es kein Entrinnen gibt, weil wir meist immer nur „geben – geben – und noch mehr von uns geben“, aber dafür sehr wenig zurückerhalten. Welche Folgen ein Burnout haben kann, und welche Vorzeichen es gibt, diesen rechtzeitig zu erkennen, bzw., welche Möglichkeiten wir haben, dagegen vorzubeugen und uns persönlich davor zu schützen – wie wir resilient werden können – darüber sprachen Professor Dr. Klaus Lieb von der Universität Mainz, Frau Dr. Nadine Seiferling, Arbeitspsychologin der Universität Heidelberg und Sabine Gernemann, eine entwicklungspolitische Campagnerin und Betroffene in einer offenen Talkrunde im DAI.

Moderiert von keinem geringerem als dem bekannte Redakteur und Rundfunkmoderator Jörg Tröger, berichtete zunächst einmal Sabine Gernemann sehr mutig über ihren schweren Burnout, der sie nicht nur zwei Jahre lang arbeitsunfähig machte, sondern sie auch komplett aus ihrer Lebensbahn warf. Die Anforderungen, insbesondere die psychischen Belastungen in ihrem Job – jeden Tag einerseits mit dem Elend und der Armut in der Dritten Welt konfrontiert zu sein, und andererseits mit der Ungerechtigkeit unseres ausbeutenden Systems sowie der Ohnmacht, nicht wirklich etwas dagegen tun zu können – aber vor allem die ständige Geringschätzung und fehlende Anerkennung für ihre Arbeit, führten die hochengagierte Campagnerin systematisch in den Burnout.

Dieser war irgendwann so groß, dass sie schon Probleme hatte, Flaschen in den Automaten zu schieben, oder unheimlich aggressiv reagierte, wenn dieser nicht richtig funktionierte.

Erst im Mai dieses Jahres wurde der Burnout offiziell als psychische Krankheit anerkannt und dementsprechend auch in dem neuen ICD-11 von der Weltgesundheitsorganisation WHO aufgeführt. Dieser Schritt war ein sehr wichtiger, denn der Burnout ist eine sehr ernstzunehmende psychische Erkrankung, die sehr große Auswirkungen auf die Gesundheit der Betroffenen sowie ihr soziales Umfeld hat. Für Prof. Dr. Klaus Lieb von der Universität Mainz war diese Entscheidung ein sehr wichtiger Schritt, denn der Burnout, wird im Gegensatz zur Depression immer noch stark unterschätzt, wie im Übrigen fast alle psychischen Erkrankungen, da sie für Außenstehende nicht wirklich sichtbar oder erkennbar sind.

Frau Dr. Nadine Seiferling von der Uni Heidelberg informierte in diesem Zusammenhang darüber, dass mittlerweile für die Sicherheitsbestimmungen an Arbeitsplätzen neben den Vorschriften für den körperlichen Schutz der Mitarbeiter, wie zum Beispiel die Helmpflicht oder das Tragen von Schutzanzügen, auch die psychischen Belastungen berücksichtigt werden.

Sie selbst führe im Rahmen des khs-worklabs – einem Institut für Arbeitspsychologie – regelmäßig bei Firmen Mitarbeiterbefragungen durch. Diese Studien gestalten sich allerdings nicht immer einfach, und auch das Messen der psychischen Belastungen sei schwierig. Zwar lassen das Arbeiten unter Zeitdruck oder die Schichtarbeit durchaus psychische Belastungen erkennen, aber die Dauer der Stressbelastungen müsse immer individuell betrachtet werden. Was für den einen Mitarbeiter bereits Stress oder psychische Belastung bedeute, könne für einen anderen durchaus eine Herausforderung oder Motivation darstellen.

Prof. Dr. Klaus Lieb führte hier das Beispiel auf, dass er als Chefarzt täglich nur kurzzeitig in einer Visite mit den psychisch kranken Patienten konfrontiert sei, dafür aber sehr gut verdienen würde; das Pflegepersonal hingegen, das mitunter den ganzen Tag mit diesen schwerkranken Menschen arbeiten und umgehen müsse – also den ganzen Tag mit einer sehr hohen psychischen Belastung konfrontiert sei – im Verhältnis recht wenig verdiene, und damit nicht wirklich eine Anerkennung oder Wertschätzung für ihre Arbeit erhielte.

Auf die Frage unseres Vorsitzenden Alexander Höfer in wie weit unser System und insbesondere das nicht mehr wirklich zur Ruhe kommen können insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, einen Burnout fördern könne, antwortete Professor Lieb, dass das zur Ruhe kommen ungemein wichtig wäre, weil dabei unter anderem kreative Freiräume entstünden und dass diese sehr wichtigen Freiräume für Kinder und Jugendliche unbedingt wieder entstehen müssen.

Genau hier möchten wir als Animus Klub mit unserem Programm Kindern und Jugendlichen, aber auch Eltern diese große Chance bieten, innerhalb eines abwechslungsreichen, aber auch lehrreichen Freizeit- und Erlebnisangebots in erster Linie zur Ruhe zu kommen und gleichzeitig noch etwas Schönes zu erleben. Die soziale Verantwortung sowie das Erkennen, wie elementar wichtig und vor allem gesund ein solches Programm für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und deren Lernen ist, obliegen den Eltern. Sie legen den Grundstein dafür, ob sich ihr Kind gesund oder ungesund entwickelt.

Bleibt zum Schluss noch zu erwähnen, dass alle Menschen, die es in ihrem Lebensalltag nicht wirklich schaffen, zur Ruhe zu kommen, oder keinen gesunden Schlafrhythmus finden, also ständig nur „Vollgas geben“, irgendwann, früher oder später, einen ganz hohen Tribut für ihr Leben auf der Überholspur zollen werden. „Burnout – Depression – Herzinfarkt etc.“

Dieser Artikel ist Peter Berger (47 Jahre) und Thomas Schneider (42 Jahre) gewidmet, einem Arbeitskollegen, sowie einem Bekannten unserer Mitglieder, die beide in der letzten Woche an den Folgen eines Herzinfarktes verstarben. Der eine auf der Baustelle, der andere als Zuschauer auf dem Fußballplatz.

Bilder: Alexander Höfer

 

 

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