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(649) Kinder-Uni Medizin (2)

Hüpfen! – Springen! – Drehen! – Leben in Balance! – Oder alles über das Gleichgewichtsorgan bis hin zum Drehwurm! – Der 2. Teil unseres spannenden Vormittages an der Kinder-Uni Mannheim!

„Was ist überhaupt das Gleichgewicht? – Und warum wird mir eigentlich bei längeren Autofahrten oft so übel, aber den Astronauten, die wesentlich schneller fliegen nicht? – Oder was passiert mit mir, wenn ich mich minutenlang drehe? – Prof. Dr. med. Roland Hülse, der Facharzt für Phoniatrie und Pädaudiologie, stellte den Kinder gleich zu Beginn seines Vortrages über die Balance ein paar ganz wichtige Fragen zu den Gefühlszuständen, die ihnen durchaus bekannt und geläufig waren.

Was ist eigentlich das Gleichgewicht, und wann befinden wir uns im Gleichgewicht, bzw., wie wird es überhaupt gesteuert? – Hier trugen die Kinder zunächst einmal sehr viele gute Ideen und Gedanken zusammen. Das Gleichgewicht regelt zum Beispiel, dass wir im Stehen oder beim Laufen nicht umfallen, oder dass wir sicher die Treppen rauf- und runterlaufen können. Das Gleichgewicht regelt aber auch, dass wir nicht, wie im Bildbeispiel gezeigt, von einer Slackline herunterfallen, wobei für diese Übung nicht nur das Gleichgewicht, sondern auch sehr viel Übung und Training notwendig ist.

Was allerdings nur sehr wenige Menschen wissen. Das Gleichgewichtsorgan befindet sich im Innenohr und besteht aus Sensoren, die über Fühler dem Gehirn die Bewegungen unserer Augen und unseres Körpers übermittelt. Der Mensch hat zwei Gleichgewichtsorgane. In jedem Ohr eines. Diese melden nicht nur jegliche Bewegungen der Augen, sondern auch des Körpers. Deshalb gehört auch eine Gleichgewichtsstörung in den zuständigen Fachbereich der HNO-Ärzte, oder wie heute bei Dr. Roland Hülse in die Hände der Fachärzte für Phoniatrie und Pädaudiologie.   

Jeder von uns kennt das Gefühl, wenn sich mal alles dreht, oder die Augen so stark flimmern, dass man nicht mehr klar sehen kann, bzw., dass man alles nur noch verschwommen wahrnimmt. „Doch wie nennt man dieses Gefühl?“ – Drehwurm?

Wieder wurde ein wenig gerätselt, doch die Kinder fanden schon bald die richtige Bezeichnung, nämlich „Schwindel“. Ja, wenn einem schwindelig vor Augen wird, dann fühlt man sich nicht gut, dann fühlt man sich benommen. Dann ist einem vielleicht auch übel, oder man empfindet sogar einen Brechreiz, je nachdem wie stark der Schwindel gerade ist.

Wieso wird so vielen Menschen vor allem Kindern beim Autofahren eigentlich übel?

Hier wollte Dr. Hülse zunächst einmal von den Kindern wissen, wie schnell man denn auf der Autobahn fahren darf, bzw., wie schnell sich die Welt dreht, oder wie schnell die Raumstation ISS um die Erde fliegt. Während die Kinder problemlos die Richtgeschwindigkeit auf der Autobahn von 120 km/h herausfanden, kamen bei der Welt und der Raumstation schon sehr interessante Schätzgeschwindigkeiten zustande. Die genialste Antwort hinsichtlich wie schnell sich die Welt dreht, war sicherlich: „Einmal am Tag um sich selbst!“. Die Welt muss sich dazu allerdings mit einer Geschwindigkeit von sage und schreibe 1.670 km/h drehen.

Jetzt wird es interessant. Die Welt dreht sich also mit einer Geschwindigkeit von 1.670 km/h und uns wird nicht schwindelig? – Und Alexander Gerst fliegt auf der Raumstation ISS sogar mit einer Geschwindigkeit von 28.400 km/h durchs All, und ihm wird ebenfalls nicht schwindelig? – Wieso wird mir dann schwindelig, wenn mein Papa mit 120 km/h über die Autobahn fährt? – Das ist eine gute Frage, und die Lösung ist eigentlich ganz einfach.

Das hängt alles mit dem sogenannten Gleichgewichtssinn zusammen. Der Gleichgewichtssinn ist übrigens einer der älteste Sinne den es gibt. Er existierte sogar schon vor den Dinosauriern, und entwickelt sich seit 300 Millionen Jahren. Ohne Gleichgewichtssinn wäre es nicht möglich beim Fahren Verkehrsschilder zu lesen, oder ein Ziel zu erreichen, bzw. genau zu treffen. Das Gleichgewicht besteht aus vielen einzelnen Bausteinen. Erst wenn alle Bausteine vorhanden sind, fühlen wir uns wohl, und wir befinden uns in der Balance. Die wichtigsten Bausteine hierfür sind das Sehen, das Herz-Kreislauf-System, die bereits erwähnten Gleichgewichtsorgane, das Gehirn und die Gelenkrezeptoren.

Das Gleichgewichtsorgan kann allerdings nur Beschleunigungen und Bremsen erfassen. Bewegt sich allerdings etwas, so wie unsere Erde oder die ISS-Raumstation immer in der gleichen Geschwindigkeit, dann werden die Fühler des Organs nicht aktiv. Deshalb können wir auch die Geschwindigkeit der Erde nicht wahrnehmen und Alexander Gerst hat überhaupt keine Probleme mit 28.400 km/h auf der ISS um die Welt zu rauschen.

Um zu verdeutlichen, was passiert, wenn sich etwas längere Zeit, in gleichförmiger Bewegung befindet, aber dann plötzlich abrupt anhält, führte Dr. Roland Hülse einen Versuch mit einem Schreibtischsessel durch. Ein mutiger Junge wurde nun eine gewisse Zeit lang in der gleichen Geschwindigkeit gedreht, und sollte nach dem Anhalten versuchen zu dem Skelett zu laufen und ihm die Hand zu schütteln. Um die Bewegung der Augen genau festzuhalten, bekam der Junge eine spezielle Brille aufgesetzt, die in der Lage, war sämtliche Veränderungen der Augen sofort an die Leinwand zu projektieren. Ihr ahnt sicherlich schon, was passieren wird. Genau, nach dem Anhalten war dem Jungen nicht nur schwindelig vor Augen, sondern er torkelte ziemlich orientierungslos, ähnlich wie ein Betrunkener, durch die Gegend, und konnte sein Ziel nur mit der Hilfe von Dr. Hülse erreichen. „Noch Fragen?“

Wir bedanken uns ganz besonders bei Herrn Dr. Sven Schneider, Herrn Dr. Roland Hülse und Herrn Dr. Rüdiger Adam für diesen tollen Vormittag, sowie dem Koordinator Herrn Dirk Schuhmann, der uns zusätzliches Bildmaterial für unsere beiden Berichte zur Verfügung stellte. Anbei noch der Link zu dem Interview, das unsere Daniella dem Mannheimer Morgen gegeben hat. Mannheimer-Morgen Kinder-Uni.

Ihr wollt auch einmal etwas ganz Besonderes erleben, tolle Sachen erlernen und erforschen, oder bei uns mitmachen, dann meldet euch doch einfach bei Alexander Höfer, Telefon: 06224-12399, oder unter: hallo@animus-klub.de.

Bilder: Alexander Höfer

 

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