(405) Zusammen klappt’s (6)


Die Scharfe Härte von Kandinsky! – Oder wie bringt man Farben zum Leuchten? – ANIMUS KLUB zwischen Russischer Avantgarde und Japanischer HANAMI!

      

„Heiliger Bimbam, was ist das denn?“, so die überraschende Bemerkung unseres Vorsitzenden Alexander Höfer, als er sah, dass wandelnde Bäume mit Flügeln und buntgefärbte, total abgefahrene Anime-Stars das komplette Parkdeck des Pfalzbaus vereinnahmt hatten. Das alljährliche HANAMI-Treffen, bei dem Tausende Fans im Originaloutfit ihrer „Comic-Helden“ nach Ludwigshafen pilgern, um hier das Japanische Frühlingsfest zu feiern, blockierten am heutigen Tage so ziemlich alle Parkplätze, Parkhäuser und größeren Flächen der Innenstadt.

      

„Das sind alles total verrückte Leute. Die kommen schon seit 13 Jahren am ersten Maiwochenende hier zu uns und feiern ihr Frühlingsfest!“, so Angelo Montana von der Cafédrale Turm 33, der heute aufgrund des riesigen Andrangs alle Hände voll zu tun hatte. „Total verrückte Leute (!?!)“, eine passendere Bezeichnung hätte der Patrone der Kirchenpizzeria überhaupt nicht machen können, denn man muss in der Tat schon ein bisschen verrückt sein, um als ANIME-STAR herumzulaufen, und dabei auch noch deren Requisiten durch die Gegend zu tragen.

      

Nichtdestotrotz steckte in sehr vielen Kostümen und Maskeraden unglaublich viel Arbeit, Zeit und Liebe zum Detail. Ein blauer Drache, der von einer Begleiterin gefüttert wurde, verriet uns, dass es gut zwei Monate gedauert hat, bis das Kostüm und die Maske fertig waren. Im Hintergrund trug derweil eine Art Herkules ein großes Guillotinen-Schwert über der Schulter und ein Star Wars konkurrierender Zombie eine schwere Power-Laser-Gun. 

Ein Kriegsengel posierte zusammen mit einer BEN-HUR-verwandten Gestalt in der Mitte der Cafédrale, und am Rande des Lutherbrunnens, indem sich Badenixen tummelten, um Fotografen Modell zu stehen, saß eine zitronenähnliche Banane und unterhielt sich mit anderen progressiv-gekleideten Zeichentrickfiguren.

      

Jetzt wird es aber langsam wirklich Zeit, dass wir auf unseren eigentlichen Programmpunkt zu sprechen kommen, nämlich den „Kandinsky-Malworkshop“, des Hackmuseums, der heute wieder unter dem traditionellen Motto: „Zusammen klappt’s“ stattfand.

Dazu führte uns die Museumspädagogin Anja Guntram in die Dauerausstellung zu Kandinskys Bildern. Mit dem Gemälde „Starke Härte“ haben wir uns ja in der Vergangenheit schon einmal auseinandergesetzt, und dabei Kandinskys Malkunst näher verstehen gelernt. Heute ging es neben der Kunst dieses Werk zu verstehen und genauer zu betrachten, auch noch um die beiden Fragen, wie man Farben zum Leuchten bringen kann, bzw., wie man sie durch die Kombination mit anderen Farben dunkler macht.

Hier durften die Kinder erst einmal anhand der drei Grundfarben „Blau, Gelb und Rot“ erlernen, wie die Farben „Grün, Lila und Orange“ entstehen. Dazu teilte Anja den Kindern Papierbögen und jeweils die drei Grundfarben in Form von Wachsmalstiften aus. Nun begann das Mischen, bzw. das Erlernen, wie die Farben sich durch das Mischen verändern.

Das Besondere bei Kandinskys Werk „Scharfe Härte“ hinsichtlich der Farben ist, dass es kein leuchtendes Rot, Blau, Gelb oder Grün gibt, sondern dass die Farben alle mit einer Nuance Weiß gemischt sind. Daher wirken sie etwas heller und matter. Nun erlernten die Kinder anhand eigenem Tun, wie man Farben so nebeneinander stellen kann, dass sie später auf einem Bild entweder heller oder dunkler wirken.

Das ist eigentlich gar nicht so schwer. Um diese Effekte zu erzielen muss man nur die richtigen Farben zusammenstellen. „Blau und Rot“ nebeneinander wirken nicht wirklich heller, sondern dunkler, doch wenn man „Rot mit Grün“ und „Blau mit Orange“ kombiniert, dann entsteht automatisch eine farbliche Erhellung. Genauso wie bei der Kombination von „Lila und Gelb“.

Nun zeigte Anja den Kindern, wie einfach Kandinsky ein Pferd malt, und auf welche einfache Art und Weise er Menschen und Gegenstände auf seinem Bild „Starke Härte“ transportiert. Ein Pferd sieht zum Beispiel so aus wie der griechische Buchstabe Lambda „Λ“. Eine Stadt oder die Menschen, die in ihr leben, so wie ihr es auf dem rechten Bild sehen können.

Mit diesem neuen erworbenen Wissen, also wie man auf ganz einfache Art und Weise komplexe Sachen malen kann, ging es dann wieder ins Atelier. Hier hatte Anja wie immer einige Anregungen für die Kinder vorbereitet. Ein Universum mit Planeten, oder auch ein Kandinsky-Gesicht, sowie auch die Kandinsky-Maus, standen als Anreiz zur Option.

Wie immer stellte es die Museumspädagogin den Kindern frei, ob sie ihre Bilder lieber malen, kleben, oder vielleicht auch eine Kombination aus Beidem erstellen wollten. So entstanden auch dieses Mal völlig unterschiedliche Kunstwerke. Ideen und gerade in der Ausstellung Gesehenes, verwuchsen zu vielfältigen und farbenfrohen Bildern. Bei unserer Gruppe setzte sich trotz des Frühjahrs irgendwie auch durch das Spritzen des weißen Sternenstaubes für unser Planetenbild, das Motiv des Schneemanns durch, bei denen auch schon leichte Pastos-Anzeichen zu erkennen waren.

      

Wir bedanken uns noch einmal sehr bei Anja Guntram für diese neue malerische Erfahrung, deren Fähigkeit man allerdings nur durch Tun und nicht durch Anschauen erwerben kann. Wir freuen uns schon sehr auf das nächste Mal.

 

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ANIMUS KLUB

Jedes Kunstwerk ist Kind seiner Zeit, oft ist es Mutter unserer Gefühle! – (Wassily Kandinsky)

         

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