(440) Abenteuer Klärwerk Sandhofen


Wie funktioniert eigentlich ein Klärwerk? – Und wie wird aus der braunen Brühe wieder „sauberes“ Wasser? – ANIMUS-KLUB-KIDS erlebten ein hochinteressantes Agenda-Diplom mit besonderer Duftnote!

      

Die lehrreichen Veranstaltungen des Agenda-Diploms gehören schon seit zwei Jahren zum festen Bestandteil unseres Programms. Auch wenn Ferien sind, oder gerade, weil Ferien sind, steht das Lernen immer wieder im Mittelpunkt unserer Aktionen, denn lernen muss man sein ganzes Leben lang und nicht nur in der Schulschulzeit. Deshalb hören wir erst gar nicht auf damit.

Das Abenteuer Klärwerk Sandhofen ist mit ganz großem Abstand auch eine der anspruchsvollsten Agenda-Diplom-Veranstaltungen der Stadt Mannheim, denn es besteht aus einer Führung durch das komplette Werk, sowie den detailgenauen Erläuterungen der kompletten Technik und des komplizierten Reinigungsprozesses.

    

Das Klärwerk selbst ist auf dem neusten Stand der Technik, und die Renovierung im letzten Jahrzehnt machte aus dem einst ziemlich düsteren Ort ein sehr freundliches und teilweise auch rekultiviertes Gelände.

Zwei Führungen boten die Verantwortlichen des Klärwerks im Rahmen des diesjährigen Agenda-Diploms an, die sich beide sehr großer Beliebtheit erfreuten. So konnten sich Susanne Jager von der Stadt Mannheim, sowie der ehemalige Klärwerkmitarbeiter und Leiter der Führung Wolfgang Obenauer zunächst mal darüber freuen, dass weit über 20 Kinder und Interessierte heute ins Klärwerk gekommen waren, um sich hinsichtlich des Abwassers aufklären zu lassen.

Nach einer kurzen Begrüßung und der Anweisung aus Hygienegründen besonders in den Räumlichkeiten außer dem Geländer nichts anzufassen, begann die für uns wohl bisher geruchsreichste Expedition durch das Klärwerk Sandhofen. Vorbei an einem wunderschön angelegten biotopähnlichen Teich war unser erster Halt das Zulaufpumpwerk.

      

In diesem Bereich kommt das komplette Abwasser der Stadt Mannheim in einem Hauptsammler an. Dass es hier natürlich auch total stinkt – mal mehr und mal weniger – ist die einzige unangenehme Begleiterscheinung dieser hochinteressanten Führung.

Das Abwasser wird nun über fünf Schneckenpumpen sechs Meter angehoben. Bis zu 2.000 Liter Wasser pro Sekunde können maximal durch das Zulaufpumpwerk fließen. In Badewannen ausgedrückt, werden hier bei Trockenwetter vier Wannen voll Wasser, und bei Regen doppelt so viele Wannen pro Sekunde durchgepumpt.

      

Danach ging es zum Douglas. So bezeichnete Herr Obenauer das Rechenhaus wegen seiner ganz besonderen Duftnote. „Eau de Shit“, so der erheiternde Kommentar unseres ersten Vorsitzenden Alexander Höfer. Und in der Tat, war der beißend-stechende Gestank, der uns im Innern dieses Gebäudes erwartete derart extrem, dass sich einige Kinder unweigerlich die Nase zuhalten mussten.

Hier im Rechenhaus wird das Abwasser von festen Stoffen und Gegenständen befreit. Zwei Rechen, ein Grobrechen und ein Feinrechen greifen zwischen die Gitter und führen diesen Abfall nach oben. Danach wird das sogenannte Rechengut entwässert und fällt in einen Container zum Abtransport in die Müllverbrennungsanlage.

Weiter ging es zum Sandfang. Hier wird der im Abwasser befindliche Sand in einem Absatzbecken aufgefangen und danach in eine Waschanlage befördert. Die Waschanlage oder auch Sandwaschanlage genannt, wäscht den abgesetzten Sand des Abwassers gründlich durch und stellt ihn danach zum Abtransport bereit.

      

Um die im Abwasser enthaltenen Fettteilchen zu entsorgen, wird in einem Fettfang Luft eigeblasen, sodass das Fett an die Oberfläche treiben, und dort mittels Räumer über Rinnen abgeschieden werden kann.

Im anschließenden Vorklärbecken, welches das Abwasser nur ganz langsam passiert, fährt nun ein Räumer ständig hin und her und schiebt dabei den Schlamm mit seinen Bodenschildern in einen Trichter. Anschließend wird dieser Schlamm einem Pufferbehälter zugeführt. 

Das Wasser fließt jetzt weiter in ein Belebungsbecken. In diesem werden die gelösten, organischen Schmutzstoffe von Kleinstlebewesen, wie zum Beispiel Bakterien entfernt. Durch diese Schmutzstoffe, die dadurch entstehen, dass die kleinen Tierchen die Inhaltsstoffe des Abwassers verdauen, entsteht Belebtschlamm.

Dieser Belebtschlamm wird nun in einem Nachklärbecken vom bereits gereinigten Wasser getrennt, und das Wasser wird in eine Pulveraktivkohle-Anlage weitergeleitet. Dieser Prozess ist notwendig, weil sich trotz der bakteriellen Reinigung immer noch Schadstoffe – sogenannte Spurenstoffe – im Wasser befinden. Das sind meist Rückstände von Medikamenten, Putz- oder Waschmittel.

       

Durch die Zuführung von Pulveraktivkohle werden diese Stoffe an der Oberfläche festgesetzt und können so entfernt werden.

Nach der Entfernung des Belebtschlamms fließt das Wasser in eine Filteranlage. Diese besteht aus mehreren Filterbecken. In den Filtern selbst sind verschiedene Schichten von Filtermaterialien enthalten, wie zum Beispiel Kies und Sand. So können auch die letzten Bakterien und Schmutzstoffe entfernt werden, bevor das geklärte Wasser dem Rhein zugeführt wird.

      

Bleibt zum Schluss noch zu erwähnen, dass uns die Verantwortlichen auch darauf aufmerksam gemacht haben, dass wir nicht alles einfach die Toilette runterspülen sollen, und dass es Dinge, wie zum Beispiel Feuchttücher gibt, die nur sehr schwer zu klären sind. Deshalb gilt: „In die Toilette gehört nur Pipi und Kacka, sowie Toilettenpapier. Alles andere gehört im Zweifelsfall in die Mülltonne oder auf den Kompost!“

    

Wir bedanken uns sehr bei Frau Susanne Jager und Herrn Wolfgang Obenauer für diese eindrucksvolle und wissenswerte Führung, und freuen uns schon auf die nächsten spannenden Agenda-Diplom-Veranstaltungen.

Bilder: Daniella Kostina

Bildbearbeitung: Slawa Kostin

 

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ANIMUS KLUB

Wir klären unsere Kinder und Jugendlichen auf!

      

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