(466) Märchen schreibt die Zeit


„Wenn du etwas siehst, dann sage etwas!“ ANIMUS-KLUB-KIDS weiter auf den Spuren griechischer Mythologie und der Fantasie, Bilder entweder weiter zu malen oder räumliche Gedanken zu verwirklichen!

      

Erstmals platzte der Malworkshop des Wilhelm-Hack-Museums aus allen Nähten. Gut 50 Kinder waren großteils, ähnlich wie wir, entweder mit ihren Eltern oder ihren Betreuern anwesend, um sich von dem neuen Workshop „Märchen schreibt die Zeit“ inspirieren zu lassen. So war bereits bei der Führung klar, dass es später im Atelier ziemlich eng werden würde.

Vielleicht war es die Warnung vor dem Sturme, vielleicht auch die Koinzidenz, dass heute mehrere Eltern gleichzeitig auf den Veranstaltungskalender der Region geschaut hatten, und sich dann auch noch unisono für den Besuch des Workshops im Wilhelm Hackmuseum entschieden haben. „Wer weiß?“ – Egal, wir freuen uns sehr mit den Verantwortlichen des Hackmuseums, dass dieser tolle Malkurs das erste Mal, seit dem wir ihn besuchen – entweder im Rahmen der Serie „Zusammen klappt’s“, oder so wie heute, als themenzentrierter Familientag – eine Aufmerksamkeit erhielt, die ihm wirklich gebührt. Dieser Workshop bedeutet nämlich im Vorfeld auch unheimlich viel Arbeit, denn unabhängig davon, ob nun, so wie heute 50, oder auch nur 5 Kinder daran teilnehmen, muss sich die Museumspädagogin Anja Guntram richtig gut vorbereiten, um den Kindern die Kunst der jeweiligen Ausstellung, sowie den anschließenden Workshop zu vermitteln.

Das ist gerade bei der aktuellen Vernissage nicht einfach, denn diese berührt ja gleichzeitig noch die griechische Mythologie, sowie die abstrakte Kunst, Objekte nicht authentisch darzustellen.

Den Anfang der Führung machte wie beim letzten Mal das Bild von Georgio de Chirico. Dieses zeigt die beiden Söhne des Zeus Castor und Pollux mit zwei Pferden. Bei unserem letzten Besuch schon die Sage vermittelt bekommen, dass es sich bei den beiden Brüdern um Zwillinge handeln würde, wobei Castor sterblich und Pollux ein unsterblicher Halbgott wäre, erfuhren wir heute, dass in der griechischen Mythologie die Götter stets nackt dargestellt wurden, während sterbliche Personen immer Kleidungsstücke trugen. So lassen sich auf dem Bild Castor und Pollux auch genau zuordnen, denn Castor trägt einen grünen Umhang, während sich uns Pollux im Adamskostüm von Hinten präsentiert.

Pegasos hieß das fliegende Pferd der Mythologie, das ausschließlich von den Göttern Zeus, Poseidon oder Odysseus geritten werden durfte. Auf dem Gemälde sind ebenfalls zwei Pferde zu sehen, die offensichtlich sehr wild agieren.

Als nächstes brachte Anja den Kindern die Hintergründe des Bildes näher, und wie sie auf diesem Gemälde Himmel und Erde voneinander unterschieden konnten, denn diese waren ja fast einheitlich, in einem hellen, goldenen braun gefärbt. Das Szenario der beiden Brüder fand also in der freien Natur statt, oder genauer gesagt auf einem Felde am Fuße eines Flusses. Erde und Himmel verschmolzen im Hintergrund fast nahtlos ineinander. Eine Stallung, die auf Marmorsäulen stand, sowie leichte Weißschattierungen deuteten an, dass hier der Himmel begann. Dieser beschwor allerdings ein wenig Unheil, bzw. Unwetter hervor, denn die Wolken waren alles andere als klar.

Als zweite rückte das wunderschöne und sehr farbenfrohe Palau-Triptychon von Max Pechstein in den Mittelpunkt der Führung. Pechstein wählte als Gemäldeart bewusst das Triptychon als Leinwand. Dieses stand mit seiner Spiritualität zur damaligen Zeit hoch im Kurs. Das Triptychon vereint allerdings keine drei unterschiedlichen Bilder, wie oft bei Kirchentriptycha der Fall, sondern es zeigt ein einziges Gemälde. Nun durften die Kinder erzählen, was darauf zu sehen ist. Und da kamen sehr viele Gedanken zum Vorschein. Deutlich erkennbar war, dass es sich hier offensichtlich um Fischer handelte. Ebenfalls erkennbar, die Situation, dass das Essen gerade von den Frauen vorbreitet wurde. Den Kindern viel aber auch eine Szene auf, die sich hinten in einer Hütte abspielte. Was da vor sich ging wollen wir aber jetzt nicht weiter vertiefen. Das können sich alle Interessierten selbst im Museum anschauen.

Beim dritten Bild Paysage suisse“ von Georges Valmier, das uns Anja auch schon bei unserem letzten Besuch vor Augen führte, durften wir wieder rätseln, wie viele Pferde wir auf diesem Gemälde sehen konnten, und was die einzelnen Farbschattierungen andeuten sollten. Besonders die Erwachsenen hatten nun Schwierigkeiten sich in dieses Bild hineinzuversetzen. Während die Kleinen sich ganz unbefangen und mutig an dieses Gemälde herantrauten, und ihren Gedanken freien Lauf ließen, benötigten die Erwachsenen wesentlich mehr Zeit, sich auf dieses Bild einzulassen. Hier erklärte uns Anja unter Anderem, wie wir mit ganz wenigen Strichen Landschaften, Personen und Gegenstände deutlich machen können.

Spannend ging es auch bei dem vierten und letzten Bild zu, das uns Anja näher präsentierte. Dieses Werk von Emil Nolde zeigt eine Landschaft mit zwei Ziegen, unter einem düsteren schwarzen Himmel. Viele Gedanken kreisten auf einmal im Ausstellungsraum herum, und inspirierten die Kinder wenig später natürlich ebenfalls im Museumsatelier, das wie schon erwähnt heute an seine Kapazitätsgrenze stieß. Damit auch jedes Kind einen Platz fand, um seine Ideen und Gedanken zum Besten zu geben, mussten erstmals zusätzliche Tische und Stühle aufgestellt werden.

Angeregt von den vielen Eindrücken der Führung erstellten die Kinder  gleich darauf wieder ganz unterschiedliche Malereien und Zeichnungen. Auch unsere AMIMUS-KLUB-Kids gingen ganz unterschiedlich vor. So entstanden dieses Mal sowohl zweidimensionale als auch dreidimensionale Werke. Ein Obstbaum, unter einem Regenbogen und in Mitten einer Pferdekoppel, versehen mit Helloween-Kürbissen, sowie ein türkisfarbener Würfel mit Augen, spiegelten heute die Fantasien unserer Kinder wieder.

      

Aber auch die anderen Werke konnten sich sehen lassen, angefangen von abstrakter Kunst, bis hin zu wunderschönen Bildern und Profilbildern entstanden in der Kunstschmiede des Museums. So waren gegen Ende des Workshops Clownesque und farbenfrohe Avantgarde, genauso zu bewundern, wie ein Bild, das, wenn auch sicherlich unbewusst, aber in der Grundidee das berühmte Gemälede „Yves-Klein-Blue“ wiederspiegelte.

        

Wir bedanken uns wie immer sehr bei Anja Guntram für die tolle Führung und die vielen kreativen Reichtümer, die wir wieder mit nach Hause nehmen durften, und freuen uns schon riesig auf „Cola, Knäckebrot und Lippenstift“, den nächsten Workshop. 

 

 

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ANIMUS KLUB

Das Beste im Leben ist, Verständnis für alles Schöne zu haben! (Menandros)

      

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