(484) Gerhard Höfer (R.I.P.)


In Erinnerung an Gerhard Höfer

Nach langer und sehr schwerer Krankheit ist der Vater unseres 1. Vorsitzenden am frühen Morgen des 5. Januar 2018 friedlich zu Hause im Kreis der Familie eingeschlafen. Mit Gerhard Höfer verlieren wir einen großen Unterstützer unserer Arbeit. Deshalb möchten wir diesen Abschied nutzen, um die letzten vier Monate seines Lebens noch einmal Revuepassieren zu lassen, und dabei auch darauf aufmerksam zu machen, was wir, der Animus Klub, seine Mitglieder und sehr gute Freunde unseres Vorsitzenden, alles für ihn ermöglicht haben, dass er nach seiner Genesung in den Krankenhäusern überhaupt wieder nach Hause zurückkehren konnte.

Die letzten Jahre seines Lebens waren für Gerhard nicht einfach. Seit 2012 musste er sich bei achtzehn, teils mehrwöchigen, teils merhmonatelangen Krankenhausaufenthalten 15 sehr schweren Operationen unterziehen. Zählt man die Tage zusammen, dann verbrachte der Vater unseres Vorsitzenden insgesamt ein Jahr und zwei Monate in den letzten fünf Jahren in Krankenhäusern. Über das größte Schicksal, nämlich, dass ihn in dieser Zeit kein einziger ehemaliger Freund besuchte, haben wir ja bereits ausführlich über die Jahreswende in unserem Artikel „Vergessen, und im Stich gelassen!“ berichtet. Dass er bereits fünf Tage nach seiner Heimkehr aus dem Pflegeheim verstarb, kam auch für uns sehr überraschend.

Nach seinem letzten und sehr schweren körperlichen Zusammenbruch Ende August 2017, und der damit verbundenen Bestellung zum Betreuer seines Vaters, kamen fortan sehr viele Aufgaben auf unseren Vorsitzenden zu. Neben der umfangreichen Betreuung, die täglich enorm viel Zeit in Anspruch nahm, weil der gesundheitliche Zustand von Gerhard regelmäßig zwischen einer Unterbringung in einem vollstationären Pflegeheim und der Option, doch wieder auf die Beine und nach Hause zu kommen, hin- und herschwankte, benötigte unser Vorsitzender auch sehr viel Kraft und Unterstützung, um die zwingend notwendige Erneuerung der Wohnung seines Vaters durchzuführen.

Von Anfang September bis Ende Dezember halfen die Animus-Klub-Mitglieder nahezu jeden Tag die Wohnung und insbesondere das Wohnzimmer von Gerhard wunderschön zu renovieren und neu einzurichten. Parallel dazu machte Gerhard, wie bereits in den Jahren zuvor, in den Krankenhäusern wieder die Hölle durch. Vom Heidelberger Nierenzentrum, das ihn notdürftig dialysieren mussten, wurde er ein paar Tage später aufgrund eines vollständigen Bewusstseinsverlustes direkt weiter ins PZN nach Wiesloch überwiesen.

Gerade dabei die Küche zu renovieren, bei dem unser erster Vorsitzender die tatkräftige Unterstützung seiner Freunde Bernd Hochmuth und Stefan Müller bekam, um die Elektrik wieder sicher zu machen und eine Schrankwand zu montieren, erfuhr Alexander, dass das Fachpersonal des PZN aufgrund der Schwere der Erkrankung von Gerhard, langfristig sogar eine Unterbringung in einem geschlossenen Heim in Betracht zöge. 

Ungeachtet davon gingen die Renovierungsarbeiten zu Hause unaufhalsam weiter, und die Animus-Klub-Mitglieder Rainer Bender, Ferenc Bortágyi, Igor Gerdt, András Pallagi und Zoltán Varga halfen zusammen mit unserem Jugendlichen Slawa Kostin das Wohnzimmer auszuräumen, und damit den Grundstein für eine ebenfalls vollständige Rundumerneuerung zu legen. In dem Chaos, das mein Vater aufgrund seiner Krankheit hinterließ, spiegelte sich zudem das Verlassensein unmittelbar wieder. „Wie konnten die Freunde deines Vaters ihn nur so jämmerlich zugrunde gehen lassen?“, fragte András Pallagi unseren ersten Vorsitzenden und drückte damit sein tiefstes Bedauern aus.

      

Ein Lungenentzündungsinfekt führte dazu, dass Gerhard nur eine Woche später auf die Gastro-Intensiv-Station der Heidelberger Universitätsklinik verlegt werden musste. In dieser Zeit befand sich der Vater unseres Vorsitzenden in einer lebensbedrohlichen Situation. Obwohl er teils die Orientierung verloren hatte, fragte er bei den Besuchen trotzdem immer wieder nach seinen Freunden und warum diese ihn nicht besuchten.

Mittlerweile war die Erneuerung des Wohnzimmers in vollem Gange. Zoltán Varga legte das Laminat, Gábor Gubi setzte neue Steckdosen und Schalter, während András Pallagi und Ferenc Botrágyi einen neuen und wunderschön warmen Rauputz auftrugen.

Zwischenzeitlich verbesserte sich Gerhards gesundheitlicher Zustand, sodass er auf die Station Naunyn der Ludolf-Krehl-Klinik verlegt werden konnte. Hier lag er nun gut sechs Wochen lang, wobei sein Zustand immer noch stark zwischen orientiert und völlig abwesend hin- und herpendelte. Kurzzeitig gab es seitens der Ärzte sogar die Meldung, dass sie ihn in den nächsten Tagen wieder nach Hause entlassen könnten, weil Gerhard  – zumindest an drei Tagen – vollständig orientiert war. Auch hier fragte er ständig nach seinen Fußballkameraden und Parteifreunden. 

Während dessen stellten József und Sándor Kovács die Eisenbahnvitrinen fertig und montierten diese. Ferenc Botrágyi und Norbert Víg verklinkerten derweil die Fensterfront. Und Gábor Gubi beendete die letzten Elektroarbeiten.

Anfang Oktober, warf ein grippaler Infekt Gerhard jedoch gesundheitlich wieder vollständig aus der Bahn, und brachte ihn wieder in einen sehr kritischen Zustand. Herzstillstand war plötzlich nicht ausgeschlossen. Das Wasser im Körper stieg dramatisch, sodass Gerhard in dieser Zeit täglich dialysiert werden musste. Mit der Häufigkeit der Dialyse, veränderte sich auch wieder sein Bewusstsein. Gerhard fantasierte in dieser Zeit wieder stärker, oder sah Dinge und Situationen, die nicht wirklich vorhanden waren.

Während unser Vorsitzender zu Hause auf die Möbel wartete, verbesserte sich der gesundheitliche Zustand seines Vaters erneut. Ihm ging es spürbar besser, und er fragte bei jedem Besuch immer wieder nach seinen Freunden – seinen Fußballkameraden, seinen Parteigenossen – und warum diese ihn nicht besuchen würden; eine Frage, deren Antwort ihm unser Vorsitzender leider bis zu seinem Tode schuldig bleiben musste.

Der Weg der Genesung hatte gerade angefangen, und die Chance nach einer anschließenden Rehamaßnahme wieder nach Hause zu kommen, standen eigentlich ganz gut, da erhielt unser Vorsitzender die Nachricht, dass Gerhards Dialyse-Shunt nicht mehr funktionstüchtig wäre und unbedingt ausgetauscht werden müsste. Das erforderte aber auch gleichzeitig der Zustimmung eines chirurgischen Eingriffes unter Vollnarkose.

Zwar war der körperliche Zustand Gerhards in dieser Zeit stabil und kräftig genug eine solche Operation zu überleben, aber die psychische Kondition nach gut fünfzehn OPs der letzten Jahre extrem schwach und angeschlagen. Dennoch führte an dieser lebenswichtigen Operation kein Weg vorbei, die der Vater unseres Vorsitzenden zumindest körperlich erstaunlich gut überstand.

Die Wohnung und insbesondere das Wohnzimmern waren aufgrund der Tatkräftigen Unterstüzung von Igor Gerdt zu dieser Zeit so gut wie fertig renoviert, sodass eine Rückkehr Gerhards nach einer geplanten Reha-Maßnahme nichts mehr im Wege stand.

Die Bartels-Werte – also die Werte, die das Können und das Vermögen eines Patienten bestimmen, waren allerdings nach Beendigung des Aufenthaltes in der Ludolf-Krehl-Klinik zu gering, um gleich im Anschluss daran, an einer Reha-Maßnahme erfolgreich teilnehmen zu können, sodass für Gerhard am Ende nur noch die Unterbringung in einem Pflegeheim – dem Anna-Scherer-Haus in Bammental – möglich war.

Da die Wahrscheinlichkeit, dass Gerhard in naher Zukunft wieder das Laufen erlernen könnte, äußerst gering war, und die verlängerte Kurzzeitpflege am 01. Januar 2018 endete, halfen die Animus-Klub-Mitglieder tatkräftig dabei mit, das Wohnzimmer erneut umzubauen und dieses auf die neue Situation vorzubereiten.

Vier Tage nach seiner Rückkehr schlief Gerhard dann ruhig und friedlich zu Hause ein. Die Trauerfeier findet am Mittwoch, den 17. Januar 2018 um 13.30 Uhr auf dem Nußlocher Friedhof statt. 

 

Persönliche Danksagung:

Ich bedanke mich ganz besonders bei dem Pflegeteam der Sanitas, sowie den Hausärzten und den Teams von Herrn Dr. Jörg Bergmann und Herrn Dr. Werner Neuweiler, den Dialyseärzten der Praxis Zero Herrn Dr. Alexander Mandelbaum und Frau Dr. Elke Christine Stier, dem Facharzt für Orthopädie Herrn Dr. Stefan Schneider, dem Radiologen Herrn Dr. Erwin Brandelik, dem Chirurgischen Zentrum Wiesloch Herrn Dr. Bernhard Nimis, dem Kardiologen der Atos-Klinik Herrn Dr. Mohammed Natour, dem Augenarzt Herrn Dr. Rudolf Baier, der Zahnarztpraxis Frau Dr. Helga-Hanna Horak-Straka, den Teams der Stationen Naunyn und Gastro Intensiv der Ludolf-Krehl-Klinik, dem Team des Nierenzentrums sowie der Chirurgischen Abteilung und der Kopfklinik der Universitätsklinik Heidelberg, dem Bethanien-Krankenhaus, dem Josephs-Krankenhaus, dem Haus Salem und dem GRN Gesundheitszentrum Schwetzingen, sowie dem Team der Station 37a des PZN, dem Pflegeteam des Bammentaler Anna-Scherer-Hauses, der Physiotherapeutin Margot Herling und last but not least den Mitarbeitern des Krankentrasports Fellhauer, die meinen Vater in den letzten 15 Jahren bei seinen unzähligen Aufenthalten unheimlich würdevoll und mit sehr großem Engagement betreuten.

Ein weiterer ganz großer Dank gilt der Schwester meines Vaters Frau Hildegard Hirn, die mir in der Zeit seiner Pflegebedürftigkeit sehr geholfen hat, sowie meiner Großmutter Frau Else Schumacher, der Schulkameradin Sonja Wehrle und dem einzigen ehemaligen Sportkameraden Ernst Gamberling, des Victoria Bammental, die meinen Vater in der Zeit seiner langen Aufenthalte in den Krankenhäusern und im Pflegeheim besucht haben. 

Von ganzem Herzen bedanke ich mich jedoch bei allen Animus-Klub-Mitgliedern und meinen ungarischen Freunden, auf die ich in meiner bisher schwersten Not meines Lebens jederzeit zählen konnte, und die mir tatkräftig dabei geholfen haben die Wohnung meines Vaters wunderschön zu renovieren. Mit großer Selbstverständlichkeit seid ihr regelmäßig aus Bruchsal, Speyer, Mannheim, Ludwigshafen oder Gauangelloch zu mir nach Nußloch gekommen, um einfach zu helfen, während die sehr guten und alten Nußlocher Freunde meines Vaters still – ungesehen und ungehört – in der Unsichtbarkeit verweilten, und meinen Vater – ihren Freund – in seiner größten Not alleine seinem Schicksal überließen, und ihm damit ein unermessliches, noch viel größeres Leid zufügten, weil sie ihn dadurch mit den Gefühlen Einsam, Verlassen und Vergessen, aus dem Leben scheiden ließen.

Niemals werde ich das vergessen, dass ihr mich in dieser schweren Zeit nicht alleine gelassen habt. Euch allen, sowie den Ärzten, Therapeuten, Krankenschwestern und Pflegern gebühren meine ganze Anerkennung, Hochachtung und mein größter Respekt.

Aus diesem Grund bin ich auch zu tiefst traurig, dass die Gemeinde Nußloch eure wertvolle, beispielhafte und solidarische Arbeit für meinen Vater – einem schwerkranken Menschen eine neue Wohnung zu gestalten und ihm damit noch einen schönen, wenn auch kurzen Lebensabend zu bescheren – aberkannte.

Mit dieser schmerzhaften Aberkennung, fällt aber gleichzeitig auch unsere Animus-Klub-Jugendarbeit, bei denen die Kinder und Jugendlichen in den letzten vier Monaten nicht nur sehr viel soziales Verständnis, Verantwortungsbewusstsein und Empathie für ihre Mitmenschen erlernen konnten, sondern auch noch neue handwerkliche Fähigkeiten, in die tiefe Dunkelheit der Bedeutungslosigkeit.

      

Mit Verlaub, ein noch schändlicheres Armutszeugnis, wenn auch augenscheinlich, hinsichtlich Gerhard, authentisches Spiegelbild, für die Zwischenmenschlichkeit und das Zusammenleben, kann sich eine Gemeinde eigentlich überhaupt nicht ausstellen. Ich werde das niemals vergessen. Alexander Höfer

Wir bedanken uns von ganzem Herzen bei Gerhard dafür, dass er uns und unsere Arbeit bis zum Schluss finanziell immer unterstützte, und dass er uns in der Vergangenheit stets ein sehr guter Gastgeber war. Last but not least bedanken wir uns bei Herrn Christian Fick von der Universitätsklinik Heidelberg für das zusätzlich Bildmaterial.

 

 

Weitere Berichte unseres traurigen Zusammenlebens:

Vergessen Sprachlos Das falsche Leben Kulturelles Problem (7)

 

Nußlocher Spielplätze Digitale Demenz Jugendliche und Alkohol Danke, Herr Rühl

 

 

ANIMUS KLUB

„Was ihr Vater jetzt bräuchte, wäre ein sehr guter Freund!“ – (Zitat: Prof. Dr. Franz Knapp, bei einem persönlichen Gespräch mit unserem Vorsitzenden 1996)

      

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