(499) Staat ohne Gott


Rechtsphilosoph Professor Horst Dreier sprach im DAI über den säkularen Staat in der Moderne, sowie die Entwicklung der Religionsfreiheit über die einzelnen Epochen er letzten 500 Jahre!

„Staat ohne Gott“, heißt das neue Buch von Prof. Horst Dreier. „Staat ohne Gott“ bedeutet aber nicht „Welt ohne Gott, auch nicht Gesellschaft ohne Gott, und schon gar nicht Menschen ohne Gott!“ – (Zitat aus dem Prolog des Buches) – Was aber bedeutet es dann? – Das und noch viel mehr Antworten auf intelligente Fragen lieferte der Rechtsphilosoph Horst Dreier den interessierten Besuchern in der letzten Woche im Deutsch-Amerikanischen Institut.

„Der Islam gehört nicht zu Deutschland!“ – Dieser markante und provokative Spruch von Horst Seehofer klingt auch heute – Wochen später – immer noch ganz heftig in unseren Ohren. Aber macht diese Aussage in Anbetracht der Tatsache, dass jeder Mensch in Deutschland – manifestiert durch das Grundgesetz – Religionsfreiheit besitzt, überhaupt einen Sinn? – „Kann ein Staat oder ein Bürger aufgrund der Religionsfreiheit eigentlich rechtlicher Eigentümer oder Besitzer einer Religion seine, und diese dann, entweder für sich beanspruchen oder ablehnen?“ – Diese interessante Frage stellte unser Vorsitzender Alexander Höfer Herrn Prof. Horst Dreier im Anschluss an seine hervorragende Herleitung dieses freiheitlichen Rechtes innerhalb der Diskussionsrunde.

„Politik, ist niemals logisch!“, so der Professor. Herr Seehofer müsste zunächst einmal definieren, was er mit der Bezeichnung „gehört“ eigentlich meint. Ähnlich wie unser 1. Vorsitzender sieht auch der Rechtsphilosoph Horst Dreier, dass derartige polemische Aussprüche nicht nur unmittelbar vom aktuellen politischen Geschehen, sondern auch von der eigentlichen Problematik ablenken.

Das mit der heutigen Religions- und Gewissensfreiheit war aber kein einfacher, um nicht zu sagen ein sehr langwieriger Prozess, denn noch im 15. Jahrhundert gab es keine Religionsfreiheit, und man konnte sogar wegen Ungläubigkeit hingerichtet werden. Religionsfreiheit genossen nur die Adligen, die dann ihren Gefolgsleuten auferlegten und vorschrieben, welche Religion – katholisch oder lutherisch – sie auszuüben hätten.

Erst der Augsburger Religionsfrieden von 1555 brachte hier eine Wende und ermöglichte fortan den Menschen selbst zu bestimmen, ob sie nun katholisch oder evangelisch sein wollten.

So langsam löste sich also die Religion vom Staat ab. Dennoch kam es immer wieder zu sehr vielen Unruhen und kriegerischen Auseinandersetzung unter den verschiedenen Glaubensrichtungen des Christentums. Anders als der Islam – der auch heute noch Staat und Kirche miteinander vereint, und in vereinzelten Glaubensrichtungen auch eine Ablehnung unter Todesstrafe steht – machte das Christentum in den letzten 500 Jahren eine ständige Entwicklung durch. Im Islam hingegen, der oft auch als Ideologie, denn als Religion gesehen wird, wurde ehr die die Theokratie gestärkt, was nach heute zu enormen Konflikten zwischen den unterschiedlichen Glaubensrichtungen führte.

Auch die Diskussion über das Thema, ob „Scientology“ nun eine Religion sei oder nicht, sei in Anbetracht der Tatsache, dass es hierzulande auch eine Gewissensfreiheit gäbe, mehr als überflüssig, denn niemand würde abstreiten, dass es sich bei der „Scientology“, um eine Weltanschauung handelt, so der Professor weiter in seinem Vortrag.

Mit seinem Buch „Staat ohne Gott“, polarisiert Dreier relativ stark und auf einem sehr hohen intellektuellen Level, macht aber dabei unmissverständlich deutlich, wie wichtig es ist, Staat und Kirche zu trennen, um so in einem demokratischen Rechtsstaat allen Menschen die Möglichkeit zu bieten, frei und ungezwungen ihren Glauben zu leben – zu glauben, oder nicht zu glauben.

Viele hochphilosophische Fragen wurden auch seitens des Publikums gestellt, auf die der Professor allesamt einging, und auf den Grundlagen des Rechtes, des Grundgesetzes aber auch der menschlichen Moral beantwortete.

Auch auf die widersprüchlichen Grundgesetzartikel, einerseits Religionsfreiheit aufzuführen, und andererseits die christlichen Feiertag zu schützen, ging der renommierte Rechtsphilosoph ein, und bezeichnete diese Widersprüchlichkeiten als Ausnahmeregelungen oder Einschränkungen, die wir ja auch im Bürgerlichen Gesetzbuch in vielen Paragrafen häufig vorfinden.

So war es wieder ein sehr lehrreicher und spannender Abend im DAI, und wir freuen uns bereits jetzt schon auf den nächsten großen Redner und Psychiater Alan Frances und das hochbrisante Thema „Amerika auf der Couch“!

 

 

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