(501) Abenteuer in Györgytarló (2)


Die Schlamm-Catcher von Vencselő! – Die tapferen Krieger von Kenézlő! – 500.000 Schlaglöcher, viele Küsschen und ein nächtliches Riesenschlachtfest! – Der 2. Teil!

      

Der 4. Tag führte uns erstmals aus Györgytarló hinaus und gleichzeitig hinein in die reiche Natur der Umgebung, denn unser Mitglied András Pallagi organisierte für uns ein richtig tolles Programm bei sich zu Hause im Nachbardorf Kenézlő. Hier durften wir zunächst einmal Hunde streicheln und Gänse durch den Hof jagen, bevor wir uns gestärkt mit einem richtig guten Mittagessen in unser nächstes ganz großes Abenteuer stürzen konnten.

Da wir noch genügend Zeit hatten, bevor wir die Hauptattraktion des Tages – das dortige Kriegsmuseum – besuchen konnten, fuhr András mit uns zusammen an den Fuße der Theiß nach Venczelő. Umhüllt von riesigen Bäumen und Sträuchern stehen hier noch die Überreste einer zerstörten Brücke aus dem Zeiten Weltkrieg. Diese wurde einst von den Deutschen gesprengt, um die Rumänen und die Russen fernzuhalten. Die Grundmauern eines Brückenpfeilers sind aber noch über einen ziemlich verwucherten Weg zugänglich. Also hinein in das spannende Unterfangen und hinauf auf die gut sechs Meter hohe Spitze der einstigen Brücke.

Die Häuser von Vencselő stehen in diesem Teil des Dorfes allesamt auf Stelzen, weil die Theiß hier sehr häufig monatelang über die Ufer schlägt. Da das erste große Hochwasser des Jahres gerade zurückgegangen war, bestand das Ufer ausschließlich aus Schlamm und Matsch, und ehe sich unsere Kids versahen, standen sie bereits knöcheltief in diesem weichen Brei. Klar, dass die beiden hier einen riesigen Spaß dabei hatten, sich als Schlamm-Catcher zu betätigen und aus dem Schlamm Kugeln zu formen und diese dann vom Ufer aus ins Wasser zu werfen. Das ausgiebige Gematsche hatte aber auch ein paar lustige Folgen, denn nach kurzer Zeit schon steckte unser Marlon leider so tief mit seinen Füßen im Morast fest, dass seine Schuhe beim Herausziehen im Boden festkleben blieben. Spätestens jetzt war die Frage geklärt: „Was mach‘ ich bloß ohne Handy, Playstation oder X-Box? – … Einfach mal wieder Kind sein!“

      

Fortan begann für ihn eine riesige Rutschpartie auf Socken. Da er in diesem Zustand unmöglich ins Auto einsteigen oder ins Museum gehen konnte, durfte er sich zunächst einmal am hauseigenen Brunnen unseres Bekannten Gyula Berei seine Füße und Hände ganz gründlich waschen, und wenig später bei András noch heiß duschen gehen und seine Kleidung wechseln.

Erst danach ging es zum hiesigen Militärmuseum. In Kenézlő haben András und seine Freunde einst sehr viele Überbleibsel des zweiten Weltkrieges gefunden und mühevoll gesammelt. Zusammengekommen ist eine kleine, aber durchaus sehr beeindruckende Ausstellung von Waffen und Kriegsgeräten aus beiden Weltkriegen. Betreut wird das Museum von Zsuzsa und József Pásztor, die uns auch durch die Ausstellung führten, und uns die einzelnen Fundstücke näher erklärten. Neben den bereits schon erwähnten Waffen, sind in den Räumlichkeiten sehr viele Überreste oder ganze Hüllen von Granaten und Munitionshülsen, aber auch jede Menge Helme ausgestellt.

Ähnlich wie das Mannheimer Technoseum ist das Militärmuseum von Kenézlő ein Ort zum Anfassen und Ausprobieren, und so durften wir nicht nur die Helme aufsetzten, sondern auch Gewehre, Säbel und Messer in die Hand nehmen und damit lustige Posen darstellen.

      

Einer der Höhepunkte unseres Besuches war ein Maschinengewehr aus dem zweiten Weltkrieg. Dieses stellte József Pásztor im Hof auf, und wir durften gleich darauf dieses Teil einmal testen, allerdings ohne Munition.

Der 5. Tag begann dann etwas ruhiger als die Tage zuvor, dafür aber auch wesentlich rührender. Heute, am letzten Schultag vor den Osterferien, spielten wir in den Morgenstunden erst einmal den Osterhasen. Viele Spielsachen und Plüschtiere haben wir in den letzten vier Jahren für die Kinder gesammelt, und diese wollten wir heute zusammen mit ein paar leckeren Gummibärchen, sowohl in der Schule als auch im Kindergarten verteilen. Zwei große Säcke mit Plüschtieren für die Kindergartenkinder, sowie eine große Kiste mit schönen Kleinigkeiten für die Schulkinder konnten wir dieses Mal mitbringen.    

Der Kindergarten ist leider zahlenmäßig ebenfalls zusammengeschrumpft. Seit letztem Jahr gibt es in Györgytarló nur noch eine Gruppe, was unmittelbar zur Folge hat, dass die Schülerzahl bereits im nächsten Jahr weiter sinken wird. Da wir mit wesentlich mehr Kindern gerechnet hatten, konnten wir nun jedem Kind gleich drei Plüschtiere schenken.

      

Das Verteilen der Geschenke im Kindergarten ist immer ein sehr schöner und unheimlich emotionaler Moment, denn die Kinder bedanken sich nicht nur mit Worten, sondern viele auch noch mit einem kleinen und süßen Küsschen. Und ein schönes Lied und ein paar nette kleine Gedichtverse gab es obendrein.

Nach so viel Ruhe und Entspannung, ging am Nachmittag wieder, im wahrsten Sinne des Wortes, die Post ab, und zwar richtig, denn unsere Kiddies kamen in den Genuss der mit Abstand schlechtesten Straße Ungarns zwischen Györgytarló und Sárospatak über Dorkó. Früher sind wir diese Straße, die heute auch sehr gerne als „Highway To Hell“ bezeichnet wird, sehr oft gefahren, um die Kinder von Dorkó zu besuchen, oder Kühe melken zu gehen. Bereits damals war die Straße schon in einem sehr schlechten Zustand. Doch heute, ist diese Straße für einen PKW nahezu unpassierbar, übersähen doch über eine Stecke von knapp 20 Kilometern gut 500.000 10-20-zentimetertiefe Schlaglöcher den Asphalt. Die Gefahr sich dabei sowohl den Unterboden, als auch die Achsen des Autos zu zerstören, ist unheimlich groß, sodass wir es vorzogen lieber mit dem Bus diese Straße zu passieren. Das Fahrgefühl, das wir dabei geboten bekamen, war einmalig und unvergesslich. Es schaukelte, rummste und polterte am laufenden Band, und nahezu über die komplette Wegstrecke hinweg. Mittlerweile ist die Straße so schlecht, dass sie an einigen Stellen bereits seitlich zerbarst, und ganze Steckenteile sogar in die nebenliegenden Gräben abrutschen.

Ganz witzige Menschen haben an einer Stelle, wie ihr auch sehr gut in der Vergrößerung des rechten Bildes erkennen könnt, das eigentliche 30-Stundenkilometerschild in ein 130-Stundenkilometerschild verwandelt. Nicht auszudenken, was mit einem Auto bei einer derartigen Geschwindigkeit passieren würde. Besonders abends, aber vor allem nachts und bei Regenwetter ist hier allergrößte Vorsicht geboten. Das wurde uns spätestens dann bewusst, als wir am Abend von Sárospatak wieder noch Györgytarló zurückfuhren.

Am 6. Tag liefen dann die Vorbereitungen für das große Schlachtfest bei Bürgermeister Oláh auf Hochtouren. Vier Schweine sollten heute geschlachtet werden. Jede Menge Arbeit wartete also auf die Menschen. Eine Hausschlachtung ist nicht wirklich jedermanns Sache, so stellen wir es den Kindern jedes Mal frei, ob sie live dabei sein und helfen möchten, oder lieber nicht. Da heute gleich vier Schweine geschlachtet wurden, begann das Fest bereits schon um 22.00 Uhr, anstatt wie geplant tags darauf morgens um 5.00 Uhr, und zog sich auch über die komplette Nacht hinweg. Über den Ablauf einer Hausschlachtung haben wir ja bereits vor der Zeit des Animus Klubs ausführlich in Artikeln und Filmen berichtet, so dass wir unseren zweiten Bericht damit beenden wollen, dass unsere Kiddies um Mitternacht so müde waren, dass sie ganz schnell eingeschlafen sind. – Fortsetzung folgt!



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