(549) Die Singenden Balkone 2018


Zehn verschiedene Musikrichtungen erfüllten den Himmel über Ludwigshafen und bildeten das Finale durch das Experimentierfeld Kunst der Ausstellung DELTABEBEN!

      

Auch wenn wir in diesem Jahr weniger Einrichtungen besucht haben, als in den Jahren zuvor – zu sehr waren unsere Kiddies damit beschäftigt ihre kreativen Ideen zu verwirklichen – können wir erstmals in zwei Artikeln über diese tolle Tour durch Ludwigshafen berichten, und damit gleichzeitig Appetit anregen für nächstes Jahr.

Nach unserem intensiven Kreativbad im Hackmuseum stand als nächstes das Experimentierfeld Kunst, also die aktuelle Ausstellung DELTABEBEN, des Ludwigshafener Kunstvereins auf unserem Programmplan. Auch der Kunstverein bietet mit seinem tollen Kinder-, Jugend- und Familienangebot „unartig“ regelmäßig Kurse und Veranstaltungen im künstlerischen und musischen Bereich.

Heute war die Künstlerin Marikarmen Kober zu Gast, die mit den Kindern nicht nur die Ausstellung DELTABEBEN verinnerlichte, sondern im Anschluss daran mit den daraus gewonnen Eindrücken experimentierte. DELTABEBEN ist eine unheimlich vielseitige und umfangreiche Ausstellung. Aus diesem Grund ist sie zweigeteilt. Den ersten Teil, der sich im Wilhelm-Hack-Museum befindet, haben wir bereits in unserem Bericht „Wie viele Beine hat ein Regenwurm“ vorgestellt. Nun folgt hier der zweite Teil des Kunstvereins.

Atemberaubende Fotos von Rainer Zerback zeigen Menschen die jeweils stolz posierend, ja fast schon majestätisch einen Raubvogel in der Hand halten. Wer selbst fotografiert, der weiß, wie schwer es ist, den Blick eines Tieres im richtigen Moment einzufangen, also dann wenn es entweder direkt in die Kamera schaut, oder eben andächtig. In DELTABEBEN zieren gleich sechs mächtige Greifer die Wände des Kunstvereins.

Eine ganz besondere Form der Kunst erwartet uns mit den Werken von Frederike Stang. Auch hier mussten wir uns bewegen, um die Bilder verinnerlichen zu können, denn sie waren wie eine Litfaßsäule gestaltet. Und je nachdem wie wir um sie herumliefen, erschlossen sich die gemalten Botschaften völlig anders. Daneben gab es weitere Eyecatcher in Großbildformat. Bilder oder Szenen durch den Schwimmring eingefangen, oder Menschen, die auf Werkzeugen saßen, stellten unsere Fantasie vor sehr viele Fragen, und lieferten in der Tat die passenden Ideen für unsere Kunstwerke, die wir im Anschluss daran im Atelier anfertigten.

Die Lutherkirche läutete bereits 17.00 Uhr, als wir „unartig“ verließen und der Start der Singenden Balkone stand unmittelbar bevor. Auch dieses Event ist seit Jahren ein absolutes Highlight der Stadt, denn die Zuschauer haben die große Ehre in den nächsten zwei Stunden von den Balkonen oder aus den Fenstern interessante Ständchen aus aller Welt gesungen zu bekommen. Die Tour begann traditionell auf dem Balkon des Ordnungsamtes über dem Café ALEX, und einer instrumentalen Präsentation von den Blechbläsern der Musikhochschule. Das ganze Spektakel hat wie immer ein bisschen nostalgischen Charakter, denn früher wurden ja die Feierlichkeiten oder Ankündigungen hoher Persönlichkeiten immer mit einer hymnischen Laudatio und einem Riesentamtam eröffnet.

Nach der Ouvertüre ging es auf der Hauptbühne mit den Sahnehäubchen weiter. Die Bühne spiegelt zwar nur gering das Flair eines Balkons oder eines Fensters wieder, aber das, was uns die als Kuchenstückchen verkleideten Damen zusammen mit ihren beiden treuen Herren hier zelebrierten, war ganz große Unterhaltungskunst. Hier ein bisschen Cabaret, da ein bisschen Chanson und sehr viel Sprachwitz. Mit dieser gesunden Mischung präsentierten sie uns die Häubchen in der Tat den „Schnattertanten-Blues“ der besten Freundin auf höchstem Niveau.

Herzhafte Trommelrhythmen der Formation SAMBA LUNDI begleiteten uns fortan auf unserer musikalischen Tour durch die Stadt, und zum nächsten Balkon. Über der Döner-Bude erwarteten uns bereits Andymics & Hoax. So war klar, was nun kommen würde. Nach Blechbläser und Chanson gab es musikalisch einen unheimlich großen Genresprung, nämlich richtig coolen RAP, versehen mit unheimlich lustigen Texten. Auch wenn die Anlage etwas leise vom Balkon herunterschallte, so erreichte uns doch die Botschaft des Refrains „Arm und glücklich“, der lautstark von Hunderten Zuschauern mitgesungen wurde.

Vor dem Kunstverein unartig ging es mit indisch-afghanischen Klängen weiter. Sängerin Pranita und Sänger Sheraf, die wir beide von zurückliegenden Veranstaltungen bereits kannten, standen schon in Position, und boten uns teils sehr ruhige und meditative, teils folkloreangehauchte und rhythmische Klänge, die ihre beiden Heimatländer miteinander vereinten. Mal auf Indisch von Pranita gesungen, und mal auf Farsi von Sheraf, aber auch gemischt, als beide Sprachen im Wechsel, bot uns das Trio einen Hauch Orient, dessen Melodien noch mäandernd in unseren Ohren nachwirkten, als wir zum nächsten Balkon aufbrachen.

Hier an dem geöffneten Fenster der Berufsbildenden Schule für Wirtschaft erwarte uns der Internationale Verein CIAO. Mit italienischen Fahnen geschmückt, war eine gewisse Vorfreude auf Sonne, Strand und Meer bereits gegeben. Dementsprechend folgten gleich darauf die drei weltbekannten Italienischen Hits, Bella Ciao, Marina und natürlich Volare. Das Singende Amt gab diese Songs mehrstimmig zum Besten, und die Botschaft, dass man ihnen leider den Balkon geklaut hätte, und sie deshalb am Fenster singen müssten, ließ uns gut gelaunt zum nächsten Balkon weiterziehen.

Wieder ertönten die kräftigen Sambarhythmen und begleiteten uns auf dem Weg zum Pfalzbau. Hier auf dem riesigen Balkon des Ludwigshafener Schauspielhauses hatte sich der Beethovenchor der Stadt positioniert. Die Frauen links, die Männer rechts. Begleitet von einer unsichtbaren Pianistin, sowie einer Cellospielerin gab es nun deutsches Liedgut vom Feinsten. Abwechselnd mal Solo, mal gemeinsam, mal im Kanon gesungen, erklangen Werke von Brahms, dessen schöne Worte allerdings aufgrund der fehlenden Akustik nicht wirklich in ihrer kompletten Schönheit und Gänze zur Geltung kamen.

Besser zu verstehen waren da schon die drei Albhornbläser, die sich hoch oben auf der Treppe an der Rückseite des Pfalzbaus positioniert hatten. Hier machte vor allem unser Dominik, der erst seit einigen Wochen hier in Deutschland wohnt, ganz große Augen, denn so ein langes Instrument, hatte er bisher noch niemals gesehen, geschweige denn dessen Klang gehört. Wunderschön und in völliger Einheit entlockte das Trio ihren Instrumenten den typischen Sound der Berge, die zwar hier in Ludwigshafen nicht vorhanden sind; aber das Träumen dorthin, ließ uns kurzfristig die grauen Wolken vergessen, die bedrohlich über Ludwigshafen standen und Regen anmeldeten.

Dass es wie immer nicht regnen würde, dafür sorgte wie immer unser Animus-Klub-Wettergott, der uns ab sofort ganz tapfer zur Seite stand. So auch beim nächsten und absolut krassen Beitrag von der jungen Band Gentlemetal an der Cafédrale Turm33. Entgegen ihres Namens, gab es allerdings kein Heavy Metal in Reinkultur, sondern total abgefahren und lauten PUNK. Inbrünstig kreischte sich der Sänger durch die kurzen Songs hindurch, und gab zum Finale auch das bereits schon in einer normalen Version gehörte „Bella Ciao“ in einer Trash-Version zum Besten, während unsere Kiddies freudig um den Lutherbrunnen herumtobten und majestätisch posierten. Für gute Laune war also bestens gesorgt, als wir zum neunten Balkon aufbrachen.

Erstmals bei Kostas Karagiozidis zu Hause am Balkon, erlebten wir zunächst die Ludwigshafener Szenengröße den Apachen mit einem eigenen auf Deutsch gesungenen R&B-Song, der ganz im Zeichen der jungen Generation stand, bevor Kostas und seine beiden Begleitmusiker uns griechische Folklore zu der immer melancholischeren Abenddämmerung servierten. Nach so viel Abwechslung fehlte jetzt nur noch etwas U-Musik, und diese sollten wir zum Finale erhalten.

Die Ludwigshafener Allstars hatten sich auf einem Bierwagen vor der Philharmonie positioniert, und legten gleich mal los mit dem Song „You can’t always get what you want“, von den Rolling Stones. Mittlerweile fielen bereits die ersten stärkeren Regentropfen vom Himmel. Aber wir hatten, wie bereits erwähnt, wie immer Glück, denn der große Regen blieb auch bei den Songs „Brown Sugar“ und „Paint it Black“ aus, sodass wir im Anschluss daran relativ trocken die Parkgarage am Pfalzbau erreichten, und mit unseren wunderschönen Kunstwerken nach Hause fahren konnten. Wir sagen allen Verantwortlichen wie immer Danke für diesen tollen Tag.

 

 

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ANIMUS KLUB

Der Blick auf ein schönes und lehrreiches Programm!

      

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