(610) Wurzeln der Mathematik


Das Babylonische Zahlensystem! – Die Quipus der Inka! – und rechnen wie die Mayas! – ANIMUS-KLUB-KIDS auf genialer mathematischer Entdeckungsreise im MAINS!

      

Quadratwurzeln, Kubikwurzeln, oder die n-ten-Wurzeln aus der höheren Mathematik sind Rechenoptionen, die uns im Laufe unserer Schulzeit über den Weg laufen. Es gibt aber auch andere Wurzeln, wie zum Beispiel die Baumwurzeln, die Zahnwurzeln oder auch die Problemwurzeln. Die Wurzel selbst ist also immer der Ursprung einer Sache. So führte uns die aktuelle Ausstellung „Wurzeln der Mathematik“ in der Heidelberger Mathematik-Informations-Station MAINS zu den verschiedenen Ursprüngen der Mathematik. Die Ausstellung hatte also weniger etwas mit den Wurzeln zu tun, mit denen wir in der Schule konfrontiert werden, sondern viel mehr mit der historischen Entstehung – also den eigentlichen Wurzeln der Mathematik – sowie den verschiedenen Ansätzen und Rechensystemen aus aller Welt.

Und da gab es allerlei Unbekanntes zu entdecken, Ansätze, Denkweisen und Rechenschemen, von denen wir noch niemals etwas gehört haben. So wurde die große Unbekannte „X“, der Mathematik auf einmal noch viel größer, genauso wie der Input des neuen Wissens.

Völlig anders eingerichtet als das letzte Mal, nämlich urig, bodenständig, mit viel Holz, sprich wurzlig, präsentierten sich uns gut 20 unterschiedliche Stationen, die die vier wichtigsten Bereiche der Geschichte der Mathematik abdeckten. Einige der Stationen luden sofort zum Spielen eine, andere zum Rechnen und wieder andere zum Entdecken und Ausprobieren. Klar, dass unsere Kiddies zunächst einmal die Spielstationen in Beschlag nahmen und alle Spiele ausprobierten, die es gab.

Neben der Römischen Mühle zog unsere Mädchen vor allem das Spiel ALQUERQUE in ihren Bann. Das in vielen Ländern des Mittelmeers bekannte Spiel, ist ein Vorgänger des Damenspiels bzw. des Fanoronas, und stammt aus dem 10. Jahrhundert. Ebenfalls lange beschäftigten sich unsere Kids mit SENET, ein Spiel aus einer Mischung zwischen Mensch-ärgere-dich-nicht und Backgammon. Das Wort „Senet“ stammt übrigens aus dem ägyptischen, und bedeutet so viel wie „passieren“, im Sinne von vorbeigehen. Gewürfelt wird mit vier schwarzen, kinderschokoladenförmigen, „Würfel“, die je nachdem wie sie aufkommen die Zahlenwerte von Eins bis Fünf darstellen. Danach werden die Spielsteine dann gesetzt.

      

Nach so vielen neuen Spielerfahrungen war es nun an der Zeit für eine intensive Führung durch die Ausstellung. Normalerweise finden diese immer nur donnerstags und sonntags Mittags statt, aber da uns Herr Weinhold noch bestens vom letzten Mal kannte, und wir am Faschingssamstag anfangs die einzige Gruppe waren, erklärten sich die drei Verantwortlichen spontan bereit, uns und unseren Kindern einen tieferen Einblick in die einzelnen Stationen zu gewähren.

Den Anfang machte Herr Weinhold mit den Themen wie wichtig für uns Menschen Muster sind, und wie wichtig sie für die Entstehung der Mathematik waren. Ohne Muster hätten wir übrigens keine Überlebenschance. Sowohl der Mensch als auch die Tiere orientieren sich an Mustern, die wir überall vorfinden. In Indien finden wir zum Beispiel, wie hier auf dem Boden des MAINS, die sogenannten Kolam, und die Chokwe erstellten die ersten Sona. Die Chokwe sind ein Volksstamm aus Zentralafrika, die erstmals Mathematik ohne Formeln mit Sandzeichnungen erstellten. Anhand von Beispielfotos und einem Präsentationsfilm, den wir in einer Tonne anschauen konnten, bekamen wir diese geniale Technik der Sona, diese Mischung aus vergänglicher Kunst und Mathematik vorgeführt.

      

In der Ausstellung selbst stehen mehrere Tische, an denen wir die Sona hautnah nachempfinden konnten, und Herr Weinhold erzählte uns an einem Tisch das Märchen, wieso die Sonne und der Mond aus Sicht der Chokwe das ewige Leben erhielten, aber der Mensch nur ein vergängliches.

Danach übernahm Albert Marciniak die Führung und erklärt uns unterschiedliche mathematische Systeme und Denkschemata. Das Zehnersystem mit dem wir rechnen brauchen wir hier nicht vorzustellen, weil wir davon ausgehen, dass unsere Leser das Einmaleins bestens beherrschen. Aus diesem Grund möchten wir unser Augenmerk viel lieber auf die Systeme richten, die wir noch nicht kannten. 

Die Körperzahlen waren zum Beispiel so ein System. Zwar können wir alle mit den Fingern zählen, aber als es noch keine Zahlen gab, wurden diese mit nicht nur mit Fingern, sondern auch mit Zehen und anderen Körperteilen dargestellt. Auf diese Weise wurde sogar addiert und subtrahiert. Der rechte Daumen war die Fünf und der Zeigefinger die Vier. Addierte man diese beiden Zahlen, und wollte die „Neun“ anzeigen, dann richtete man seinen Finger auf den Solar-Plexus, der in diesem System die „Neun“ darstellte. Wollte man die beiden zahlen subtrahieren, dann hob man einfach den rechten kleinen Finger in die Höhe. Er ist in diesem System stellvertretend für die „Eins“. Der Zahlenraum dieses Systems war allerdings sehr begrenzt. Er reichte nur bis zur 33. Eine 34 darzustellen, war schon nicht mehr möglich.

Als nächstes stellte uns Alfred vor eine ganz große Herausforderung, denn wir durften nun Hieroglyphen in Maya-Zahlen umwandeln. Während die Hieroglyphen bereits über ein Dezimalsystem verfügten, rechneten die Maya-Indianer in einem Zwanzigersystem. Wir mussten also zunächst einmal die Hieroglyphen in eine Dezimalzahl verwandeln, und diese dann wieder in eine Maya-Zahl kodieren, was schon ein bisschen Grips benötigte. Mit dieser hochinteressanten Station beschäftigten wir uns vor allem nach der Führung noch einmal ganz intensiv.

Weiter ging es mit dem Babylonischen Zahlensystem. Die Babylonier rechneten mit einem 60-er-System. Das war gar nicht so verkehrt, denn die Zahl 60 ist eine Zahl, die fast durch alle Zahlen teilbar ist. Sie lässt sich problemlos halbieren, dritteln, vierteln, und auch durch Fünf und Sechs teilen, durch Zehn sowieso, und auch durch Zwölf und Fünfzehn ist möglich. An dem Tisch, der wie eine Uhr erstellt war, konnten wir mit Hilfe eines Fadens jeweils gleiche Teile erstellen.    

      

Nachdem uns Alfred auch noch den Maya- und den Ramadan-Kalender erklärt hatte, durften wir mit Quipus unsere Geburtstage als Armbändchen knüpfen. „Quipus? – Was um alles in der Welt ist denn bitteschön Quipus?“ – Quipu sind die Zahlen der Inkas. Die Inkas erstellten ihre Zahlen mit speziellen Knoten. Und wie das genau funktionierte, das bekamen wir nun von der Studentin Jeanette Deck in einem Workshop ganz genau gezeigt. Das war gar nicht so einfach, und wir mussten schon ein bisschen herumknuddeln, um die Knoten genau zu erstellen, bzw. die Zwischenräume für die Zehner und die Einer genau einzuhalten. Aber wir hatten ja sehr viel Zeit mitgebracht, sodass unser Mädchen hier ganz stressfrei und in aller Seelenruhe ihre Bändchen knüpfen konnten.

        

Wir bedanken uns recht herzlich bei dem tollen Team vom MAINS, und freuen uns heute schon auf die nächste Ausstellung im Herbst.

Bilder: Alexander Höfer

 

 

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