(395) Angela Mohr


Eine Roadstory über die knisternde Wahrheit von Seifenblasen und eine düstere Geschichte über die Finsternis! – Die regionale Jugendbuchautorin Angela Mohr stellte ihre zwei neusten Bücher im DAI vor!

Es sind zwei Bücher, die eigentlich unterschiedlicher nicht wirklich sein könnten. Das eine, das aktuelle, eine zweitägige Roadstory über zwei Jugendliche durch die Metropolregion Rhein-Neckar, und das andere, der Vorgänger, eine düstere Geschichte über den Ausstieg aus einer christlichen Sekte und den damit verbundenen Verlust der kompletten bisherigen Ideologie. Dennoch haben die zwei Bücher ein paar verwandte Gemeinsamkeiten. In beiden verarbeitet die Autorin nämlich eigene Erlebnisse in einer fiktiven Geschichte. So steht in ihrem neuen Roman „Zwei Tage, zwei Nächte und die Wahrheit über Seifenblasen“ das Stottern der Hauptakteurin im Mittelpunkt, während in ihrem bisher persönlichsten Buch „ADA – Im Anfang war die Finsternis“ von 2015, das schreckliche Leben in einer christlichen Sekte erzählt wird. In beiden Büchern geht es auch um zwei ganz besondere Hauptdarsteller, die ebenfalls unterschiedlicher nicht sein könnten. Die in Zuzenhausen lebendende Autorin serviert also in erster Linie Abwechslung, und aufgrund ihrer Thematiken auch Anspruch. Dementsprechend erhält der Leser hier auch keine seichte Unterhaltungsliteratur, die man mal so kurz nebenbei am Strand liest, sondern zwei Lektüren, die seine komplette Aufmerksamkeit erfordern.

Ganz offen und ehrlich ging die Autorin innerhalb der Gesprächsrunde mit Jutta Wagner und Marcus Imbsweiler vom DAI mit ihren beiden Schicksalen um. Sowohl das Stottern als auch das Leben in der christlichen Sekte zeichnete und prägte nachhaltig das Leben der Schriftstellerin. So stellte die Autorin den Anwesenden zunächst ihr Buch ADA vor, und erzählte, dass ihr Ausstieg aus der Sekte, mehr oder weniger eine Verheißung war. Ausschlaggebend war das rituelle Bibelstechen. Um eine Antwort auf seine Frage zu erhalten, wurde die Bibel einfach auf einer X-beliebigen Seite aufgeschlagen und die dort befindliche Textstelle zitiert und als richtig und wahr befunden.   

In diesem Zusammenhang kam Angela Mohr dann der Gedanke die Bibel zu fragen, ob sie aus der Sekte aussteigen sollte. Die Antwort, die sie durch die Bibelstelle Hesekiel 6, 1-2 erhielt, war ausschlaggebend für ihre Entscheidung die Sekte zu verlassen. Was sich jetzt vielleicht für Nichtbetroffene sehr einfach anhört, ist für einen Menschen, der bisher sein ganzes Leben in einer Sekte gelebt und deren Normen und Werte, sowie den darin praktizierten Glauben, als einzig und wahr empfunden hat, ein sehr schwieriger Schritt, denn er verliert mit einem Schlag, wie bereits schon erwähnt, seine komplette Ideologie und teilweise auch seine Identität. Fortan ist er ein ganz anderer Mensch, der auch sehr viele Dinge des Alltagslebens neu erlernen muss, weil diese, mit Unter, in völligem Konträr zu seiner bisherigen Sektenwelt stehen.

Angela Mohr verarbeitet dieses spannende Thema sehr authentisch in ihrer fiktiven Geschichte. ADA lebt in einem kleinen und abgeschiedenen Dorf, fernab der Zivilisation, und fernab der modernen Welt. Es gibt keinen Strom, keine Heizung und auch keine Autos. Die Menschen der Sekte leben also mehr oder weniger weltfremd und praktizieren dabei ihre eigene Interpretation von Religion und Glauben. 

Erschütternd berichtete Angela Mohr auch über die raffinierten Methoden die die Sektenführer anwenden, um neue Mitglieder zu werben. Es werden zum Beispiel Notsituationen von Menschen schamlos ausgenutzt. Ein unscheinbarer Besuch im Krankenhaus, das unmittelbare Gespräch mit schwerkranken oder hilfesuchenden Patienten, sowie das Kontaktieren von Menschen, die akut von einem Trauerfall betroffen sind, rücken als ideale Opfer in den Fokus der Rädelsführer. ADA ist also aus präventiver Sicht ein absolut wichtiges und aufklärendes Buch, nicht nur für die Jugend.

In ihrem neusten Roman hingegen „Zwei Tage, zwei Nächte und die Wahrheit über Seifenblasen“ erleben zwei Jugendliche – ER, ein cooler, halbstarker Kleinkrimineller – SIE, aufgrund ihres Stotterns eher ein verschlossenes Mädchen – nicht nur eine gemeinsame Reise durch unser schönes Neckartal, sondern auch ein besonderes Liebesabenteuer.

Angela Mohr machte deutlich, dass die Erwähnung des Sexshops auf dem Klapptext für viele Eltern ein großes Problem darstellen würde, das Buch zu kaufen. Über diese Reaktion seitens der Eltern zeigte sich die Autorin sehr überrascht, allein schon deshalb, weil die Sexualität bei Heranwachsenden immer noch das Thema Nummer 1 ist, und Jugendliche heute über das Internet noch wesentlich andere Inhalte anschauen können, als nur das Innenleben eines Sexshops.

Einen Teil der Geschichte aus der Sicht eines Stotterers zu erzählen, war eine sehr große Herausforderung für die Autorin. Deshalb enthält das Buch zu Anfang auch sehr kurze und abgebrochene Sätze. Stottern in den Griff zu kriegen, ist sehr schwer, und es gibt immer noch keine Universaltherapie dafür. Angela Mohr selbst hat ihren Sprachfehler sehr gut in den Griff bekommen. Nur ganz selten stößt sie beim Vorlesen wirklich an, und präsentierte uns so einige markante Stellen dieser turbulenten Story, in der sich der chaotisch-sympathische Nik und die stotternde und verschlossene Aino von Seite auf Seite näherkommen. Die Geschichte selbst wird aus zwei Blickwinkeln erzählt, also sowohl aus der Sicht von Nik, als auch aus der Sicht von Aino, was den Leser vor eine kleine Herausforderung stellt. Wie man jemanden wirklich beweisen kann wie schön die Welt ist – mit einem Banküberfall, mit einem Besuch im Sexshop, oder vielleicht auch mit einer gemeinsamen Nacht im Wald – das möchten wir jetzt nicht verraten.  

In der anschließenden Diskussionsrunde machte unser Vorsitzender Alexander Höfer darauf aufmerksam, dass es für ihn als Sozialpädagoge überhaupt nicht überraschend wäre, dass die Eltern, wegen der Erwähnung des Sexshops das Buch nicht kaufen würden. „Immer wenn es um das Thema Sex geht, dann werden viele Eltern einfach „dabbisch!“, so unser Vorsitzender, weil sie ständig „Angst haben“ oder meinen, sie müssten, bzw., sie könnten, ihre Kinder vor der normalsten Sache der Welt schützen. „Gewalt ginge bei Eltern in jeder Form und Härte durch, aber wehe es geht um Sex, dann ist die Aufruhr von Eltern riesengroß!“, so Alexander Höfer weiter.

Angela Mohr hat zwei sehr anspruchsvolle und polarisierende Jugendbücher geschrieben, die nicht nur für jede Menge Gesprächsstoff sorgen, sondern auch für jede Menge Aufruhr und Wirbel in der Welt „verkappter“ Eltern.

 

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