(544) Ungeborenen Elefanten ins Maul schauen


PORT25 eröffnete mit Goethes berühmten Zitat eine der bisher vielseitigsten und fassettenreichsten schönen Ordnung der Dinge!

      

„Wow, was für ein fantastischer Anblick, die schöne neue Ordnung des großen Ausstellungsraumes der Gegenwartkunst!“, so unser erster Eindruck, als wir die komplett mit Malerfließ tapezierten Wände sahen, die uns gleich darauf unheimlich atemberaubende Werke von zwölf völlig unterschiedlichen Künstlern vor Augen führten. Das großartige Team von Kuratorin Stefanie Kleinsorge hat hier wieder einmal ganze Arbeit geleistet, diesen großen Raum mit sehr viel Liebe zum Detail, teils romantisch und teils auch absolut anders und völlig neu zu gestalten, als in einem herkömmlichen Museum. Keine weißen Wände, an denen die Kunstwerke hängen, sondern dunkelbunter Malerfließ, an dem die einzelnen Ausstellungsstücke in einem ganz anderen Teint zur Geltung kommen.

Geboten wird in dieser Ausstellung eigentlich alles, was im Bereich Bildende Kunst zu Hause ist, angefangen von Bildern, über Fotos, Keramiken, Porzellan, bis hin zu Schriftstücken, extravaganten Objekten und nicht zu Letzt auch medialer Untermalung. Man weiß eigentlich gar nicht, wo man überall hinschauen soll, so interessant ist der Raum gestaltet. So benötigt es dieses Mal mindestens drei Besuche, um alle Exponate inklusive des vierstündigen Filmes „fetish – collecting“ von H + T Stegmayer anzuschauen, in sich aufzunehmen und sich intensiver mit den einzelnen Künstlern zu beschäftigen.

Wie bereits erwähnt, geht die Ausstellung weg vom herkömmlichen Ausstellungsstil und öffnet so einen neuen Blick auf die Dinge, sowie die Möglichkeit Neugierde auf Sammlungen auf eine ebenfalls ganz neue Art zu entdecken. Digitale Kunst erhält immer mehr Aufmerksamkeit, während bei den Kunstliebhabern das analoge, also nichtdigitale, weiterhin sehr viel höher im Kurs steht. Malen, gestalten und formen, Kunstwerke, die mit sehr viel Liebe und Eigenarbeit erstellt wurden, oder das Unikat, haben auch für uns einen wesentlich höheren Wert, als eine digitale Kunst, die jeder per Mausklick kopieren oder zu Hause anschauen kann. Das Einzelstück, wie zum Beispiel die Werke von Nicolas Reinhart oder Ulrich Bechtold, oder eine Serie von Einzelstücken Bildender Kunst, sind eben nach wie vor noch das Besondere, an einem Museum. Und diese oftmals sehr kalte, wenn auch wundersam bunt leuchtende oder genial blitzende digitale Kunst; die begegnet uns ohnehin nahezu täglich an jeder Straßenecke, in jedem Schaufenster oder in den Geschäften selbst. Die brauchen wir nicht noch in einem Museum, in dem man Muße und Ruhe finden möchte, aber auch den Blick für das Schöne, Außergewöhnliche oder Besondere schärfen und verinnerlichen.

Die ersten ganz großen Eye-Catcher waren die bildschönen Keramiken und Porzellanarbeiten von Caro Suerkemper und Angelika Arendt. Bei den Werken von Angelika Arendt handelt es sich um Exponate, die mit Modelliermasse überzogen, danach mit leuchtenden Farben schlangenförmig oder bandähnlich überzogen, und abschließend geschnitten und appliziert wurden.   

Caro Suerkemper widmet sich expliziert der Porzellankunst des 17. und 18. Jahrhunderts, und erstellt daraus teilweise sehr erotisch anziehende Figuren, als auch unheimlich lustige – mutige wie geniale „Akt-Keramiken“, die auf zwei bildschönen Porzellankommoden, sowohl ihren Mann, als auch ihre Frau in einer ganz außergewöhnlichen Pose standen.

Ein bildschöner Porzellanofen (Kanonenofen) zierte eine Ecke des PORTS und eine ebenso kunstvoll gestaltete Keramiklampe beleuchtete andächtig die Vernissage, auf deren Künstler und Kunstwerke Stefanie Kleinsorge bei ihrer Rede so kurz wie möglich einging, aber die Besucher dennoch umfangreich informierte.

Zwei weitere Objektbereiche waren von den Künstlern Michael Bacht und Gisela Kleinlein mit einerseits satirischen Werken, andererseits Verbrechensgegenständen ausgestattet. Im Abschnitt des Künstlers Geradro Nolasco Magaña, der in einer Glasvitrine überwiegend mit handschriftlich gezeichneten Schriftstücken aus Papier zeigt, befindet sich auch der vermeintliche Knochen des ungeborenen Elefanten.

Um die Abwechslung der aktuellen Ausstellung perfekt zu machen, bietet der Bereich von Simone Demandt auch Pigmentdrucke auf Papier, die unterschiedliche Themengebiete wie zum Beispiel Mathematik, Zahnmedizin, Paläontologie oder Osteologie in den Mittelpunkt stellen. Auch ein interessantes Gemälde von Picasso ist hier in diesem Bereich zu finden.

„Der Rotlachs“, von Benjamin Ditzen, eine Zeichnung eines immer gleichen Fisches, der in unterschiedlichen Farben in seinem Bereich leuchtet, sowie fantastische Fotoprints von Laura Kuch über das Thema: „To new worlds 2009/2018“ und das fast einstündiges Video „The Flection“ von Daniel T Braun runden die Vernissage ab, und machen sie zu einem Leckerbissen für alle Kunstfreunde, die einerseits die Abwechslung und die Vielseitigkeit lieben, aber andererseits auch mal etwas Besonderes anschauen möchten.

 

 

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