(577) Autofiktionen


Bunter Sternenstaub! – Nachtbilder! – Onomatopoesie! – Und ein Magier mit pinkfarbenen Haaren! – Das Finale unseres diesjährigen Kunstprogramms im Wilhelm-Hack-Museum!

      

Unser letztes Kunstprogramm des Jahrs führte uns noch einmal in unser geliebtes Hackmuseum. Bei unserem Besuch im November bereits schon ein wenig in die neue Ausstellung „Autofiktionen – Zeichnung der Gegenwart“ hineinschnuppern dürfen, ging es heute beim Familientag ganz tief hinein in diese Welt aus Bleistiftzeichnung, Fotomontage und Onomatopoesie. Was Letzteres genau ist, dazu am Ende mehr.

Der Dezember ist aber auch immer ein Monat, bei dem wir unsere Programmaktivitäten ein wenig reduzieren, weil unseren Familien zu viele Advents- und Weihnachtsfeiern ins Haus stehen, die Backvorbereitungen für das Fest in vollem Gange sind und die Kinder in der Regel vor den Ferien noch jede Menge Arbeiten in der Schule schreiben müssen.

Dennoch schaffen wir es mittlerweile immer mit mindestens einem Kind anwesend zu sein, was vor zwei Jahren noch nicht selbstverständlich war. Und da wir derzeit einen regen Zulauf zu haben, können wir nach der immer noch sehr berauschenden Mitgliederversammlung erstmals unheimlich gestärkt in die Zukunft schauen. So sind wir guter Dinge, dass wir 2019, sowohl im Hackmuseum, als auch im Ludwigshafener Kunstverein, genauso wie im Oktober, regelmäßig mit einer Gruppe zwischen vier und sechs Kindern teilnehmen können.

Heute war jedoch nur unsere Victoria mit an Bord, und kam so alleine in den Genuss der bisher anspruchsvollsten Ausstellung des Jahres. Die Autofiktionen bieten nämlich mehr als 160 Werke, die unterschiedliche Genres bedienen, sich aber am Ende als Gesamtwerk zusammenfügen. In der Ausstellung selbst, sind sämtliche Künstler präsent, die für den „Prix de dessin de la Fondation d’art contemporain“ von Daniel und Florence Guerlain nominiert waren. Allein diese Chance ist schon einen Besuch wert, denn diese Zusammenstellung ist einmalig in Deutschland. Wie immer geht die Führung am Familientag länger als bei dem Workshop „Zusammen klappt’s“, und die Kinder dürfen bereits in der Ausstellung ihre gewonnen Eindrücke der Werke unter der Anleitung von Museumspädagogin Anja Guntram zu Papier bringen.

Schwarz-Weiß-Zeichnungen bilden einen Schwerpunkt, der sehr abwechslungsreichen Ausstellung. Die Zeichnung gewinnt Gott-sei-Dank wieder mehr Stellenwert in der doch sehr kalten, digitalen Welt, in der ein Bild einfach nur ein vergessliches Etwas geworden ist, das man vielleicht kurz mit dem „Gefällt-mir-Button“ versieht und bereits fünf Minuten später wieder vergessen hat. Vieles geht unter in der Sintflut des Internets. Auch der Blick für das Kunstwerk und die Botschaften, die es uns zeigen oder mitteilen möchte.

Als erstes präsentierte uns Anja die Künstlerin Jana Gunstheimer, die auf ihrem Werk verschiedene Bücher so genial hintereinander malte, dass sie am Ende wieder auf dem Papier lagen. Die Museumspädagogin erzählte uns von einer Künstlerin, die zu faul war, etwas zu malen, und stattdessen einfach herging, und aus vorhandenen Werken Teile herausschnitt, um etwas Neues hinein zu malen. „Methods of Destruction“ – Die Methode der Zerstörung, nennt sich diese Technik.

Nun ging es weiter mit der „Eloquenz der Linie“. Das eine Linie eine Eloquenz besitzt, ist im ersten Moment schwer vorstellbar, handelt es sich doch dabei eigentlich um einen Begriff aus der Sprachwissenschaft. Eine Sprache, oder mehrere Sprachen verstehen, und sich wortgewandt in ihnen hin- und herbewegen, bzw. ausdrücken können, das charakterisiert die Eloquenz. Aber auch in der Kunst wird sich ausgedrückt, und so durften sich die Kinder heute erst einmal damit beschäftigen, innerhalb von einer Minute einfach nur gerade Striche zu malen.

Inspiriert von dem interessanten Werk von Thomas Müller, der mit dem Lineal Kugelschreiberlinien, so genial nebeneinander zeichnete, dass der Betrachter das Gefühl hatte, dieses Bild sei mit Fäden erstellt worden, malten die Kinder einfach drauflos. Von Chaos bis zu einer richtigen Struktur und einem bereits eigenen Stil, kamen völlig unterschiedliche Bilder zu Stande. Nun wollte Anja, dass die Kinder ihre Linien unter dem Begriff „Freiheit“ malen. Auch bei diesem Experiment entstanden völlig verschiedene Werke, die wieder von Chaos, über Struktur (Kontur), bis hin zur der tatsächlichen künstlerischen Freiheit reichten, nur eine Linie zu zeichnen.

Im Anschluss daran wurde es düster. Nachtbilder waren angesagt, und Anja hatte hierfür schwarzes Papier und weiß Bleistifte mitgebracht. Die Kinder sollen damit ein nächtliches Erlebnis zeichnen. In den letzten Jahren schon sehr viele Nachtaktionen bei uns im Animus Klub miterlebt, zeichnete Victoria Tiere unter dem Sternenhimmel, als Hommage für ihrer Erinnerung an unseren nächtlichen Besuch im Wildpark Rheingönnheim im letzten Jahr.

Das Finale der Führung durch die Autofiktionen machten die Werke von Charles Avery, die sich in einer Mischung aus Onomatopoesie und Avataren präsentieren. Onomatopoesie ist die Kunst Gefühle und Emotionen wörtlich in Bildern auszudrücken. Also Krächzen, Schluchzen, Lachen, Singen, wird nicht gezeichnet, sondern als Wort dargestellt, und der jeweilige Künstler lässt es jeweils auf ganz besondere Art und Weise in das Bild einfließen. Averys Werke charakterisiert Menschen, die von einem Magier mit pinkfarbenen Haaren verzaubert wurden. Diese verzauberten Personen tragen dann gleichwohl pinkfarbene Haare oder Mützen (Turbane). In einem Getümmel vieler Hunde, finden wir auch die gerade erwähnten Avatare. Die Avatare, also die visuellen Kunstfiguren, die eigentlich nur im Internet auftauchen, stellen sowohl unfertige Tiere, als auch unfertige Menschen darstellen.

Mit diesen vielen Impressionen ging es wieder ins hauseigenen Atelier, wo fortan fleißig experimentiert und gewerkelt wurde. Total bunte Bilder, sowie unheimlich einfache und lustige Kohlezeichnungen, aber erstmals auch wieder Vexierbilder, also Bilder, die ein völlig anderes Gesicht erhalten, wenn man sie dreht, entstanden mehr oder weniger im Akkord, und auch der vorweihnachtliche Zauber verewigte sich mit buntem Sternenstaub auf den Kunstwerken. Nachdem die Kinder rund eine Stunde Experimente mit den Stilen durchgeführt hatten waren teils einfache aber unheimlich geniale Werke entstanden. 

      

Wir sagen Anja Guntram und allen Verantwortlichen des Hackmuseums vielen lieben Dank für diese vielen künstlerischen Eindrücke, die unsere Kinder im letzten Jahr mit nach Hause nehmen konnten, und freuen uns heute schon riesig auf 2019.

 

 

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