(557) Zusammen klappt’s (12)


Das Bild im Bild! – Der Blick im Blick! – Oder das Bild im Blick! – ANIMUS-KLUB-KIDS beschäftigten sich erneut mit der Betrachtungsweise von Werken und der Sichtweise ihrer Künstler!

      

Mit dem Thema „Bild und Blick“ haben sich unsere Kiddies ja schon bei der diesjährigen Tour der Kultur mit ganz großem Interesse beteiligt, und konnte damals auch sehr viele Anregungen und besonders schöne Werke mit nach Hause nehmen. So bot uns der neue Workshop der fantastischen Kunstreihe „Zusammen klappt’s“ des Wilhelm-Hack-Museums eine Intensivierung, bzw. Verschärfung des Blicks auf das Bild. „Was sehen wir im Bild?“ – „Was fühlen wir beim Anblick des Bildes?“ – oder, die interessanteste Frage: „Wie schaut uns das Bild eigentlich an?“

Das waren die zentralen Fragen, die Sabine Majer heute den Kindern stellte, und auf die unsere Kids jede Menge Antworten und Gedanken heraussprudelten. Im Mittelpunkt stand zu Beginn wieder „Die Fremde“, die Frau mit den vier Augen von Markus Vater. Hier wollte Sabine von den Kindern wissen, wie sie sich beim Anblick dieses Werkes fühlen. Der Anblick einer Frau mit vier Augen ist mehr als befremdlich. Der Blick verwischt sichtlich vor Augen, und die Welt vor ihr wirkt beim intensiven Anblick verstörend und es wird einem auch ein wenig schwummrig.

„Welches Gefühl strahlt die Frau aus und in welchem Gefühlszustand befindet sie sich?“ – „Ist sie glücklich oder traurig, wirkt sie voller Tatendrang und kraftvoll oder eher antriebslos und erschöpft?“ – Wie geht es uns dabei, wenn wir darüber nachdenken, oder was empfinden wir dabei. Fühlen wir alle gleich oder doch anders?“ – Genaue Anamnese eines Werkes, anstatt nur kurz daran vorbeizulaufen, und die Botschaft mit nach Hause zu nehmen, dass die Frau vier Augen hat.

Bildende Kunst ist nach wie vor noch die wichtigste Disziplin, wenn es um das Verinnerlichen des Lernens und des Wissens geht, und genau deshalb steht sie bei uns im Animus Klub auch ganz groß im Mittelpunkt unserer Programmaktivitäten. Muße und Ruhe, sich Zeit nehmen etwas genau zu betrachten, bzw. zu verinnerlichen, und nicht einfach nur kurz betrachten, oder anklicken, liken und weiterzappen. Raus aus diesem stressigen Alltagsdschungel, der durch die vielen Informationen und trivialen Posts insbesondere Kinder verrückt macht und hochdrehen lässt. Den Wert eines Kunstwerkes schätzen lernen, seine Botschaften verstehen, und die gewonnen Eindrücke dann in eigene Kreativität verwandeln, weiterdenken, weiterlernen, besser lernen. Das sind die reichen Geschenke, die uns die Kunst zu Füßen legt, und die es sich lohnt regelmäßig auszupacken.

So auch dieses Mal, denn die beiden über hundertjährigen Werke „Peri“ von Karl Hofer und „Interieur mit Blick auf den Starnberger See“ von Wilhelm Trübner, zeigten uns erstmals das Bild im Bild. „Ist das jetzt ein Fenster oder ist das in „Peri“ ein Bild? – Oder was fällt uns bei der geöffneten Balkontür des „Interieurs“ auf?“ – Der intensive Blick beim Betrachten der beiden Bilder führte dieses Mal sogar so weit, dass unsere Kids nicht nur in der Lage waren die Botschaft des Künstlers zu verstehen, sondern auch im Spiegel des Bildes, die Tür in der Tür zu erkennen. Respekt.

Kunst hat ja auch immer etwas mit Gefühlen und Stimmungen zu tun, und so wollte Sabine Majer dieses Mal die beiden Werke mit Geräuschen hinterlegen. Dafür brachte sie eine Reihe von kleinen Musikinstrumenten mit. Hier konnte sich nun jedes Kind ein Instrument heraussuchen, und damit ein Geräusch erstellen. Dieses wurde nun zusammen mit den Bildern kombiniert. „Was könnte das Klopfen, oder das Rascheln sein? – Und was könnten die kleinen Kieselsteine darstellen, die ganz langsam in der Flasche von rechts nach links rieselten?“ Ja, genau. Das könnte zum Beispiel das Rauschen der Wellen oder des Windes sein. Der Schlag auf den Suppentopf, das Läuten einer Uhr oder einer Türklingel, und der Pfiff aus der Panflöte ein Vogel, der gerade am offenen Fenster vorbeifliegt. Es war ein ganz neuer Blick, den unsere Kids heute auf die Werke erfuhren. Ein Blick der sich durch die Audiovisualisierung noch intensiver verfestigte, als ohnehin schon.

        

Nach einem erneuten Besuch im Weißen Raum und im Bereich der sich bewegenden Bilder, über die wir bereits ausführlich bei der Tour der Kultur und dem genialen Workshop „Wie viele Beine hat ein Regenwurm“ berichtet haben, ging es dann wieder ins Atelier, um selbst kreativ zu werden.

Hier konnten die Kinder wie immer, jedes für sich, jedes völlig ungezwungen, und jedes so wie es wollte, die gerade gewonnen Eindrücke in eigene Kunstwerke verwandeln.

So entstanden wie immer ganz unterschiedliche Werke. Einige unserer Kids waren noch ein wenig infiziert von der tollen Tour der Kultur, dem Bau des Makkaroni-Schlösschens, bzw. dem Arbeiten mit Pasta und Spraydose. Die anderen wollen lieber mit Spritztechniken arbeiten. Aufgrund des wunderschönen Wetters wurde diese Aktion nach draußen verlegt, wo sich die Kinder mit Zahnbürsten und Farben ein gemütliches Plätzchen suchten, um ihre Werke zu erstellen.

Drinnen wurde indes ganz kräftig gemalt und gebaut, oder die Nudeln mit Heißkleber verbunden. Unsere Kids sprudelten sich wieder in einen Kunstrausch hinein, der sie zwei Stunden später überhaupt nicht mehr aufhören lassen wollte. „Was so schnell sind zwei Stunden vorbei – und wann kommen wir wieder hierher?“, das waren die beiden Fragen, die uns dieses Mal begleiteten als wir das Atelier verließen.

          

Danach gab es dann für unsere Kids noch einmal einen abschließenden Blick auf die geniale DELTABEBEN-Ausstellung, die ja neben traditionellen Werken – wie zum Beispiel Mischtechniken von Alex Bär – auch mit medialer Kunst und Extravaganz ausgestattet ist. Besonders im Fokus unseres Besuches stand das vergängliche Werk „Erzählia“ von Benno Blome, das speziell nur für diese Ausstellung an die Wand des Museums gemalt wurde. Es handelt sich also um ein einmaliges Werk, das nach Beendigung der Ausstellung für immer verschwindet, und nur noch als Fotografie oder in der Erinnerung erhalten bleibt.

        

Ebenfalls hochinspirierend waren die Tauben von Ivana Matic. Im ersten Moment konnten wir hier überhaupt nichts erkennen, doch beim näheren Hinschauen, dem gerade erlernten richtigen Blick für das Bild, erkannten wir, dass es sich bei dem anfänglichen Tohuwabohu vor unseren Augen, um unzählige Tauben handelte, die die Künstlerin mit Kohle gezeichnet hatte.

Ebenfalls ein Hingucker waren die außergewöhnlich gestalteten Schultafeln von Paul M. Kästner, die in Fetzen und Bruchstücken geschichtliche Momente und sprachliche Besonderheiten präsentierten.

        

Ja, wir haben bei unserer Tour durch das Wilhelm-Hack-Museum wieder sehr viel Neues erfahren und gelernt, und sagen wie immer vielen lieben Dank dafür. Wir freuen uns schon auf den nächsten Teil „Zusammen klappt’s“.

 

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