Du willst auch mitmachen?

(720) Lichtmeile 2019

Wunderschöne Muße! – Leckere Kulinarik! – Und wohlfühlsame Ruhe! – Der Tag des Offenen Ateliers aktivierte bei der Lichtmeile wieder alle Sinne und verzauberte die Neckarstadt in ein farbenfrohes Leuchten!

Es ist kalt. Es ist dunkel. Bodennebel zieht über die Straßen und Felder hinweg, und verwandelt die Umgebung im Scheinwerferlicht in eine atemberaubende Herbststimmung. An solchen Tagen bleibt man eigentlich sehr gerne zu Hause, genießt ein gutes Essen, oder einen gemütlichen Abend vor dem knisternden Kamin. An solchen Tagen wirkt insbesondere Mannheims Neckarstadt grau, trist und düster. Vielleicht war das ja auch vor Jahren der Grund im November eine dreitägige Lichtmeile ins Leben zu rufen, um hier ein bisschen mehr Wärme und Farbe ins Spiel zu bringen.

Das Festival, das wir in den zurückliegenden Jahren schon des Öfteren besucht haben, hat neben beleuchteten Häuserfassaden noch weitere Reichtümer zu bieten. So beschert die Lichtmeile den Besuchern stets einen ruhigen und sehr wertvollen Abend. Und genau das ist etwas, was uns daran unheimlich gut gefällt, und was wir deshalb auch sehr gerne anbieten. Einen Abend rundum genießen, fernab von hektischem Trubel, weg von billigem Kommerz und Weg von dem ganzen Alltagsstress. Hin zur Ruhe. Hin zur Kunst. Hin zur Muße. Und hin zur wirklichen Lebensbereicherung und dem eigentlichen Zusammenleben.

Der zweite Tag der Lichtmeile schenkt der Bevölkerung die Möglichkeit die kleinen, aber sehr feinen Ateliers der Neckarstad näher kennenzulernen, und sich über deren Aktivitäten zu informieren, dabei ruhiger und teils virtuoser Akustik-Musik zu lauschen und hier und da auch selbst Kunst zu gestalten oder zu erstellen.

Klar, dass wir an diesem Abend bei unserer Lina in ihrem bildschönen Atelier Palitra vorbeischauten, um ihren Beitrag zur Lichtmeile zu dokumentieren. Im August eröffnete die bulgarische Künstlerin dieses kleine Schmuckkästchen unweit des CAPITOLS.

Ihr Markenzeichen ist unverkennbar die Ölmalerei. Kräftige und authentische Bilder zeichnen ihren Stil aus. So schmücken einerseits farbenfrohe Landschaften, andererseits auch wunderschönes Stillleben und Portraits sowie wertvolle Ikonen die Wände des Ateliers.

Für die Lichtmeile hat sich unsere Lina am heutigen Abend etwas ganz Besonderes ausgedacht, nämlich das Zeichnen der Lichtmeile. Auf ein gut dreimeterlanges und sechzigzentimetergroßes Banner sollten die Besucher ihre Ideen zur Lichtmeile verwirklichen und sie miteinander verknüpfen. Als Inspiration gab es zusätzlich ruhige New-Age-Musik und Softjazz im Hintergrund zu hören.

Langsam füllte sich das Atelier mit Interessierten, und einige von ihnen nahmen das Angebot sehr gerne an, sich hier auf dem Banner künstlerisch zu verewigen. Während Lina dabei neue Kontakte knüpfen konnte, zog es uns drei Häuser weiter zu Kenan Tüleks Bağlama-Atelier. Über den virtuosen Künstler haben wir bereits im Februar einen großen Artikel veröffentlicht. Damals bot er in der Mannheimer Stadtbibliothek eine Stunde lang sein außergewöhnliches Können. Heute präsentierte er sich in seinem Atelier sowohl als Solist, als auch mit einer kleinen Begleitband, die neben ihm, noch aus einem Percussionnisten sowie einem Gitarristen bestand.

Zusammen boten sie den Besuchern eine wunderschöne akustische Reise tief in den Orient hinein. Stets im Vordergrund – der unverkennbare, teils wehleidige Klang der Bağlama – auf der Kenan Tülek ebenfalls eine, teils virtuose, teils progressive Rockmusik-Reise seiner Finger durchlebte. Wer Musik von Steve Hackett oder Steve Howe sein Eigen nennt, der kam hier voll auf seine Kosten, denn die fantastischen Fingertappings, die Kenan an seinem Instrument vollführte, standen denen der große Idole in Nichts nach und versetzten uns ein ums andere Mal ins Staunen.

Als nächstes stand uns die gruselige Ausstellung in den Toiletten des Alten Volksbades bevor. Hier haben die Verantwortlichen wirklich alle Register der Genialität gezogen, um an diesem, ohnehin schon sehr schaurigen Ort eine wahrlich noch schaurigere Ausstellung zu präsentieren. Hier sollte Alice Cooper mal live auftreten. Das wäre der ideale Ort für seine horrorszenarische Live-Show. Songs wie „Feed my Frankenstein“ oder „Welcome To My Nightmare“ würden sich in dieser Kulisse regelrecht zu Hause fühlen.

Überdimensional große und teils abscheuliche Spinnen, Maden und Würmer kletterten aus Badewannen, oder räkelten sich in Duschkabinen herum. Einige von ihnen fraßen Menschen auf. Dreidimensional fliegende Haie umzingelten ihre Beute, einen schwarzen Mann.

 

Gehirne hingen an den Wänden. IRON MAIDENS „A Piece of Meat“ ließ also ebenfalls grüßen. Die Ausstellung zeigte uns in unglaublicher Authentizität die schaurige Seite des Lebens. Musikalisch gab es heute Abend allerdings keinen Horror-Rock, sondern eher Alternativer Trip-Hop von einem jungen Trio.

Wieder zurück von unserer Reise durch die Lichtmeile, durften wir bei Lina schon die ersten ganz großartigen künstlerischen Werke der Besucher bestaunen. Der Banner war schon ziemlich gefüllt mit passenden Szenen und Momenten der Lichtmeile. Noch ein wenig Orangensaft, anstatt Sekt zur Feier des Tages genießen sowie bei Kenan Tülek die unbekannte türkische Spezialität Mercimet köfte probieren, dann mussten wir uns auch schon wieder verabschieden und uns auf den Heimweg machen.

Wir bedanken uns ganz besonders bei Lina Hristova und Kenan Tülek für den wunderschönen und erholsamen Abend, und freuen uns schon auf die nächste Lichtmeile, die wieder ganz anders sein wird, wie die diesjährige Lichtmeile oder die aus den Jahren zuvor.

Bilder: Alexander Höfer

 

Diese Berichte könnten euch auch interessieren:

Lichtmeile 2018 Atelier Palitra Kenan Tülek Peña
IMG_9576

 

Lichtmeile 2017 Marokkanisches Fest Kultur für Kinder Lichtmeile 2014
Furioso 38

 

 

ANIMUS KLUB

Wer Veränderung will, muss auch Veränderung leben! – (Alexander Höfer)

„Hat euch unser Bericht gefallen?“ – Wenn ja, dann freuen wir uns sehr über jedes „Like“ und jede Teilung auf Facebook. Vielen lieben Dank.